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  • Faschismus und Privileg.
    Quotation

    Nur aus einer privilegierten Position heraus kann man den Faschismus, der [Giorgia] Meloni und ihre Partei [FdI] umgibt, verharmlosen, kleinreden und als unbedeutend ansehen. Nur wer die Gefahr noch nie aus der Nähe gespürt hat, die von der Normalisierung dieser kriminellen Ideologie ausgeht, kann sie unterschätzen.

    Auszug aus Meloni y la normalización del fascismo von Alba Sidera, ctxt (30. September 2022). Sidera, Journalistin und Expertin für Rechtsextremismus, lebt seit 2007 in Rom, wo sie unter anderem als Korrespondentin der katalanischen Tageszeitung El Punt Avui arbeitet. Übersetzung von mir.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Tanken im Dialekt.

    Seit Juli bieten die Live Station genannten neuen Tankautomaten des italienischen Energiekonzerns Eni neben mehreren europäischen Sprachen auch die Möglichkeit, die jeweilige »Ortssprache« zu wählen:

    Den Angaben des Konzerns zufolge ist die Funktion an über 1.700 Standorten für Sprachen und Dialekte von über 100 Provinzen verfügbar.

    Die Option betrifft aber lediglich die Sprachausgabe des Geräts, während die Bildschirmanweisungen — anders als bei Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch — weiterhin auf Italienisch angezeigt werden. Auch in Südtirol, wo zum Tiroler Dialekt zweifellos besser die Bildschirmsprache Deutsch gepasst hätte.

    Selbst die im Dialekt aufgenommenen Sprachmitteilungen werden aber immer wieder durch Anweisungen in italienischer Sprache unterbrochen, da man sich den Aufwand nicht angetan hat, sorgfältig alles zu übersetzen.

    Somit ist das Ganze nicht mehr als ein netter (Marketing-)Gag.

    In Italien, einschließlich Südtirol, gibt es im Unterschied zu Minderheitenregionen in anderen Ländern keinerlei gesetzliche Vorgaben, die vorschreiben würden, die jeweiligen Sprachen im Konsumentenschutz (und insbesondere an Tankstellen) vollwertig zu berücksichtigen.

    Die von Eni eingeführte Funktion ist einerseits ein kleiner Beitrag zur Vergegenwärtigung der sprachlichen Vielfalt, andererseits werden so Minderheitensprachen und Dialekte aber auch weiter folklorisiert. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Aufnahmen — wie in einigen Provinzen — bewusst lustig (um nicht zu sagen: veräppelnd) gestaltet wurden. Bei »etablierten« Sprachen würde man sich das wohl kaum erlauben.

    Cëla enghe: 01 02 || 01



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  • Ebners Loblied auf Meloni.

    Autor:a

    ai

    |

    3 Comentârs → on Ebners Loblied auf Meloni.

    von Felix von Wohlgemuth (Grüne)

    Ich habe gerade das Loblied, Verzeihung, den »Leitartikel« von Chefredakteur Toni Ebner über Giorgia Meloni (FdI) in den heutigen Dolomiten gelesen. Sie habe

    glaubhaft kommunizieren können, dass sie mit dem Faschismus gebrochen hat und dass es ihr nur um das Wohl der Bürger geht. Diese Glaubwürdigkeit hat sich Meloni erarbeitet.

    – Toni Ebner

    Weiter geht der Lobgesang mit Hinweisen auf die Abstammung aus einem Arbeiterviertel in Rom und ihrer Eigenschaft als alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter (dass Meloni schlicht nicht verheiratet ist, aber mit dem Vater ihrer Tochter zusammenlebt, gilt bei Athesia wohl schon also als »alleinerziehend«).

    Erstaunlich ist schließlich die Feststellung, dass »die smarte und redegewandte 45-jährige Römerin« sich nun um die Probleme des Landes zu kümmern habe, woraus Herr Ebner ableitet:

    Meloni dürfte folglich anderes auf der Agenda haben, als die Südtirol-Autonomie zu beschneiden.

    – Toni Ebner

    Herr Ebner scheint leider vollkommen auszublenden, dass es eigentlich gängige Praxis von Nationalist:innen ist, auf Minderheiten einzuprügeln, um von eigenen Fehlern und Problemen abzulenken.

    Das lehrt jedenfalls die Geschichte und das sollten wir Südtiroler:innen — und mit uns auch das größte Medienhaus im Lande — nicht leichtfertig vergessen.

    Cëla enghe: 01 02 03


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  • Hundert Jahre danach.

    Italien hat gestern eine breite Parlamentsmehrheit gewählt, die ideologisch und kulturell so nah am Faschismus gebaut ist, wie keine andere seit dem Zweiten Weltkrieg.

    Die hohe Enthaltung ist kein mildernder, sondern ein erschwerender Umstand. Extrem viele Menschen in Italien ließen sich nicht einmal durch die von sämtlichen Umfragen prognostizierte Gefahr einer Regierung unter rechtsradikaler Führung aus ihrer Lethargie holen. Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte, das Schicksal von Minderheiten jeder Art waren und sind ihnen bestenfalls egal.

    Eine kleine Erleichterung ist lediglich, dass die rechtsrechte Koalition nicht zwei Drittel der Sitze errungen hat, womit sie im Alleingang noch weiterreichende Änderungen am Rechtsgefüge hätte umsetzen können als ohnehin.

    Wenigstens konnten sich FdI & Co. in Südtirol nicht durchsetzen. Selbst im Senatswahlkreis Süd, wo einige wegen der eigenständigen Kandidatur der SVP einen Sieg des rechten Kandidaten befürchtet hatten, kam Bosatra (Lega) nur auf Platz drei.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02 03



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  • Was Putin hätte tun sollen.
    Berlusconi

    Die russischen Truppen hätten in einer Woche Kyjiw erreichen, die von Wolodymyr Selenskyj mit einer aus »anständigen Personen« bestehenden Regierung austauschen und in einer weiteren Woche nach Russland zurückkehren sollen. Er verstehe nicht, warum sich die russischen Truppen jetzt in der Ukraine ausgebreitet haben, denn seiner Meinung nach hätten sie rund um Kyjiw (und nicht etwa schon vor der ukrainischen Grenze) stehen bleiben sollen.

    Das hat der ehemalige Regierungschef und diesjährige Kandidat zum Amt des Staatspräsidenten Silvio Berlusconi (FI) — persönlicher Freund von Wladimir Putin — gestern Abend im ersten Programm der Rai im Rahmen der Sendung Porta a Porta gesagt.

    Wenn ich so unfassbare Aussagen höre, frage ich mich noch mehr als sonst, warum sich so viele Südtirolerinnen eine Loslösung von diesem Staat nicht vorstellen können. Berlusconi beeinflusst das politische und gesellschaftliche Geschehen in Italien seit Jahrzehnten massiv, brüstet sich offen damit, die Faschistinnen legitimiert und an die Regierung geführt zu haben und hat den kulturellen Nährboden für eine hoffentlich noch abzuwendende Regierung Meloni geschaffen — in deren Koalition er sogar noch gemäßigt aussieht. Und trotzdem gibt es in Südtirol keine breite Debatte darüber, wie wir unsere Zukunft eigenständig gestalten könnten — unabhängig von Regierungen, die wir nicht gewählt haben.

    Cëla enghe: 01



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