Es gibt keine Experten…
Quotation 318

Die Kommission wird nichts verändern. Italienische Experten, die der Abschaffung italienischer Namen zustimmen, gibt es nicht.

Der Branzoller Bürgermeister Alessandro Bertinazzo (Uniti Nell’Ulivo – Einig im Ulivo), der sich von Alessandro Urzì (AAnC) ob seiner Zustimmung zur Einsetzung einer pritätischen Kommission als Verräter beschimpfen lassen musste, punktet am 21. Oktober gegenüber der Tageszeitung Dolomiten, die ihn nebenbei kurzerhand zum Pfattener Gemeindeoberhaupt erklärt, mit knallharter Ehrlichkeit. In der Frage der Ortsnamen geht es offenbar nicht um onomastische Expertise oder gar um internationale Gepflogenheiten. Es geht um die Verteidigung von Tolomeis Werk und die Italianità. Basta.

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Nonstaler Ladiner: Die Rekonstruktion einer Sprachgruppe.

von Thomas Benedikter

Waren es im Nonstal 2011 noch 18,8% offiziell erklärte Ladiner gewesen, so stieg deren Anteil 2012 auf 23%. Von einem Jahr aufs andere erlebte das Nonstal einen Zuwachs von 1.928 Ladinern. Bei der Volkszählung 2011 zählte man im Trentino insgesamt 18.550 Ladiner. Während sich im Fassatal 81,54% der Bevölkerung als Ladiner erklärten, sind es im Nonstal zwar erst 23%, doch leben jetzt zahlenmäßig schon mehr Ladiner im Nons- und Sole-Tal als im Fassatal. Einige Ortschaften wie Romallo im oberen Nonstal sind schon zur Hälfte “ladinisch” geworden, zahlreiche Gemeinden am Noce zu einem Drittel. Wie geht eine solche Metamorphose zum Rätoromanischen vor sich? Stehen die Nònesi eines Morgens auf und merken, dass sie Ladinisch sprechen? Bekanntlich wird ethnisch-kulturelle Identität sozial konstruiert: Ist sie in diesem Fall auch etwas politisch konstruiert worden?

Eigentlich sind die rätoromanischen Idiome im Nonstal (anaunico) und im Sole-Tal (solandro) schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts völlig trentinisiert worden. Wikipedia klassifiziert das Nones als romanischen Dialekt. Linguisten sind sich aber nicht einig, ob das Nonstalerische eine Variante des Ladinischen, ein italienischer Dialekt oder eine eigene Sprache ist. “Das ‘reine’ Nones weist lexikalische und grammatikalische Gemeinsamkeiten mit dem Rätoromanischen, dem Dolomiten-Ladinischen und dem Rumantsch als auch mit Trentiner Dialekten auf,” sagt der Ladinerexperte Erwin Valentini, “kaum zu bezweifeln, dass das moderne Nones inzwischen so stark mit Italianismen versetzt ist, dass es eher dem Italienischen zuzuordnen ist. Dies gilt mehr oder weniger für alle Mundarten der sog. ‘anfizona ladina’ wie das Fleimstal, Agordo und Cadore in der Provinz Belluno.” Sehr skeptisch zu dieser Sprach-Renaissance sind auch die Fassa-Ladiner. Das dortige Ladinische Kulturinstitut hat wissenschaftliche Untersuchungen zum Nonstaler Dialekt angemahnt und sich für nicht zuständig für die dortige Sprachentwicklung erklärt. Es mahnt außerdem zu größter Vorsicht bei Ausmaß und Motivation der Sprachgruppenerklärungen der Nonstaler und verweist darauf, dass sich die meisten Nonstaler bisher nie als Ladiner betrachtet hätten.

Darauf folgte schon vor Jahren ein erregter Disput zwischen den offiziellen Ladiner-Vertretern und den “Neo-Ladinern” des Nonstals mit ihrer Vorkämpferin Caterina Dominici, der Präsidentin des Kulturvereins Rezia, der die Rekonstruktion der rätoromanischen Sprachgruppe betreibt. Dominici erklärte dem “Trentino” am 8. Juli 2004:

Wir sind Ladiner mehr als alle anderen, unwiderlegbar, und zwar schon kraft einer Anerkennung vom Jahr 46 n.C. durch Kaiser Claudius, nämlich die Tavola Clesiana. Niemand vom Friaul bis zum Engadin kann das vorweisen.

Fabio Chiocchetti, Direktor des Kulturinstituts der Fassa-Ladiner entgegnete damals:

Welch eine Absurdität mit der Tavola Clesiana seine Ladinität beweisen zu wollen. Diese gewährte den Nonstalern die römische Staatsbürgerschaft, die ladinische Sprache entstand erst 1000 Jahre später.

So betrachten die Fassa-Ladiner die auch politisch motivierte Rekonstruktion der Nonstaler “Ladiner” mit Argwohn. Die Anerkennung einer stark trentinisierten Variante des Ladinischen könnte leicht zur Verwässerung des gesamten Sprachminderheitenbegriffs führen. Eine ähnliche Auseinandersetzung spielt sich derzeit auch in der Provinz Belluno zwischen den historischen Ladinern im Fodom (Buchenstein) und den Neo-Ladinern im Agordo und Cadore-Gebiet ab. Einen sprachlichen Schulterschluss zwischen Dolomitenladinern und Nonstalern wird es also so schnell nicht geben.

Warum nehmen sich überhaupt so viele Nonstaler als eigene ladinische Sprachgruppe wahr, die seit 1945 60 Jahre lang nichts dergleichen vermeldet hatten? Werden sie künftig so eifrige Sprachpflege betreiben wie die Dolomitenladiner und Ladinisch als Schulfach einführen? Als Sprachminderheit anerkannt zu werden, wird jedenfalls sowohl für eine soziale Gruppe wie auch für ihre Provinz zunehmend politisch interessant. “Nach der rechtlichen Anerkennung der Ladiner in der Region Trentino-Südtirol”, schreibt der Sprachwissenschaftler Paul Videsott im Manuale di linguistica italiana, “hat sich die ‘neoladinische Frage’ in zahlreichen Gemeinden der Provinz Belluno aufgetan, die sich im Zug des Gesetzes Nr.482/1999 als ladinisch erklärt haben.”

Es wird anscheinend politisch und wirtschaftlich interessanter, eine Sprachminderheit zu sein, so sind auch im Trentino die Dinge in Fluss gekommen. Vielleicht verhilft diese Rekonstruktion einer Sprachgruppe dem Trentino zu besseren Argumenten, um seine Autonomie gegenüber Rom zu verteidigen. Das könnte wieder Südtirol recht sein. Andererseits könnten sich bald auch die Vinschger, Pustrer, Sarner und Pseirer melden, um zur “Sprachminderheit” zu avancieren.

Medien Minderheitenschutz Politik Wirtschaft+Finanzen | Zitać | Paul Videsott Thomas Benedikter | | Ladinia Trentino | Euregio | Deutsch

Deutsch als Service.
Quotation 317

Die Quelle müsste in der Regel – wie für den italienischen Text – ein Dekret des Staatspräsidenten sein. Die Übersetzung ist ja eigentlich nur ein zusätzlicher Dienst für einen Teil des Landes, wo Deutsch offiziellen Charakter hat.

Senator Francesco Palermo (PD/SVP) über die Tatsache, dass die Fragestellung des Verfassungsreferendums nicht korrekt ins Deutsche übersetzt wurde. (Salto-Interview).

Das für Zweisprachigkeit zuständige Regierungskommissariat hätte vermutlich gesagt, dass das Referendum von Rom aus verwaltet wird und die Fragestellung folglich gar nicht übersetzt werden muss.

Der Succus ist derselbe: Trotz angeblicher »Gleichstellung« ist Deutsch in Südtirol noch immer ein Zugeständnis, eine Draufgabe… ein Zuckerle. Das was wir eine »Fassadensprache« nennen.

Siehe auch:

Democrazia Discriminaziun Grundrechte Medien Minderheitenschutz Mitbestimmung Plurilinguismo Politik Recht Sprachpfusch Vorzeigeautonomie | Verfassungsreform 2016 | Francesco Palermo | Salto | | PD&Co. SVP |

Gemischtsprachige Haushalte sind am reichsten.
Quotation 315

Gemischtsprachige Familien, in denen ein Elternteil Deutsch und der zweite Italienisch spricht, haben das höchste Finanz- und Immobilienvermögen in Südtirol.

Doch auch andere Ergebnisse machen hellhörig: Die “gemischtsprachigen Haushalte”, haben nicht nur das größte finanzielle und Immobilien-Vermögen, sie sind auch am wenigsten armutsgefährdet. Armutsgefährdet sind hingegen 17 Prozent der “rein” deutschen Haushalte, 14 Prozent der italienischen und 13 Prozent der ladinischen Haushalte; bei den Einwanderern sind es 35 Prozent.

SüdtirolNews zur Tagung “Ethnische Differenzierung und soziale Schichtung in der Südtiroler Gesellschaft” am 20.10.2016 in Bozen.

Ich war gestern kurz bei der Tagung und konnte die Ausführungen genau zu dem Thema hören. Explizit wurde von den Referenten darauf hingewiesen, dass nicht das Gemischtsprachige den Ausschlag gibt, sondern die Tatsache, dass gebildete Bevölkerungsschichten in der Regel höhere Einkommen erzielen und sich auch häufiger “vermischen”.

Was dann ein Journalist daraus macht, kann nun jeder selbst beurteilen.

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Medienmonopol.
Quotation 314

Über alles gesehen dominiert Athesia zwar den Medienmarkt. Aber ein Medienmonopol ist das nicht, ein Meinungsmonopol schon gar nicht.

Der Einfluss der Athesia auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Südtirol war noch nie so gering wie heute.

Kurt W. Zimmermann, Leitartikel, ff 42 vom 20.10.2016

Siehe auch:

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