Wie man/frau auch immer zu einer Show stehen mag, sie war professionell und künstlerisch gelungen. Olympia on fire (Stichwort Mediathek) auf Rai Südtirol/Rai Play war eine vorgezogene Eröffnung der Olympischen Winterspiele im TV mit viel Spektakel, eine Show eben mit vielen Künstlerinnen, eine hommage an die Athlet:innen, verpackt in eine zweisprachige Moderation.
Zweisprachig ja, aber mit einem Schönheitsfehler. Ladinisch war in der Show, auf der Bühne, nicht zu hören. Sarah Frenner durfte zum Einstieg, also vor dem Bühnen- und TV-Ereignis, auf Ladinisch erzählen, was so ansteht, zu erwarten ist. Und danach gab es nochmal ein ladinisches Gespräch mit der ladinischen Journalistin Martina Rier über die geplante Berichterstattung von Rai Ladina. Das war es dann.
Die Ausnahme auf der Bühne, Maria De Val, Künstlername von Maria Moling. Sie sang einst mit den Schuen-Schwestern bei den Alpinkatzen von Hubert von Goisern mit und legte mit den Ganes eine beeindruckende künstlerische Karriere hin. Auf der TV-Bühne sang sie aber nicht, sie jodelte, den Juchitzer. Ladinisches Jodeln von den bleichen Bergen. Ein Höhepunkt der Show.
Das Konzept von Olympia on fire lehnte sich – zweifelsohne legitim – an italienische Show-Vorgaben an, suchte die Nähe zum spettacolo. Darüber vergaß man das ladinische Südtirol. Ausgerechnet eine Südtiroler Produktionsfirma nimmt das Ladinische nicht wahr.
Nein, das ist keine Erbsenzählerei, sondern deutsch-italienischer Mainstream. Immerhin finden auch in Cortina, in Anpezo, im östlichen Ladinien die Olympischen Winterspiele statt. Aber ja, die Winterspiele von 1956 in Cortina gingen auf Kosten der ladinischen Sprachinsel. Gut Betuchte aus Venedig, Verona oder Mailand kauften sich in Cortina ein, die ladinische Bevölkerungsgruppe schrumpfte zur Minderheit.
Hatto Schmidt stellte auf dem Midas-Blog fest, dass der abermals angeheizte olympische Boom in Cortina die ladinische Kultur bedroht. Nur mehr ein Viertel der Einwohner von Cortina/Anpezo sind Ladiner, Tendenz fallend. Treffend analysiert Sofia Stuflesser von der Union Generela die Lage:
Unsere Sichtbarkeit ist kein Luxus, sondern Ausdruck eines Respekts …. Wir fordern nachhaltige Lösungen, die sich positiv auf die lokale Bevölkerung niederschlagen und auf Sprache und Kultur weiterwirken. Dazu braucht es die Einbeziehung und Mitwirkung der einheimischen Bevölkerung schon beginnend bei der Kandidatur für Großveranstaltungen.
Ähnliches spielte sich doch auch in Antholz ab. Schon frühzeitig wies Werner Pramstahler
darauf hin, dass amtlich-olympisch nur »Anterselva« aufscheint. Zweisprachig? Fehlanzeige. Es gibt den »Anterselva Lake«, nicht aber den Antholzer See. Simon nennt das »Marginalisierung«.
Noch tragerischer ist es, wenn die Programm-Macher des Bühnen und TV-Events, der Brixner Kulturverein arton, das ladinische Element in seiner Showplanung glatt vergisst (dabei ist die homepage des Vereins dreisprachig gehalten). Die Nachbarn nehmen ihre Nachbarn nicht wahr. Der Hetzer und Hasser aber schon, die dafür sorgen, dass in den »sozialen Medien« Angehörige von Minderheiten in einen nationalistischen Shitstorm geraten. Wie jüngst die Skifahrerin Nicol Delago aus Gherdëina.
Sie wurde nach einem Sieg von der Rai Ladina interviewt, auf Ladinisch, ist die Rai Ladina doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk des dreigeteilten Ladiniens. Ein übler Shitstorm war die Folge. Simon fasste die Ethno-Wut über Delago so zusammen:
Wenn sie für Italien an den Start gehe, solle sie gefälligst Italienisch sprechen, so der Tenor zahlreicher Kommentare im Netz.
Auch im eigenen Rundfunk.
Es war deshalb eine verpasste Chance, eine fahrlässige Planung, auf der TV-Bühne von Olympia on fire zu verzichten. Ja, es ist einfach auf jene zu verzichten, die sich nicht zu Wort melden, die sich nicht zu wehren wissen.
Gut, dass die organisierten Ladiner in Anpezo ihr Dorf mit ladinischen Fahnen beflaggen. Damit wird das Ladinische sichtbar, während der Olympischen Winterspiele.


Eine verpasste Chance