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  • Andreas Unterkircher verlässt die SVP.

    Der langjährige Vorsitzende von Centaurus, LGBTQIA-Aktivist Andreas Unterkircher, war im Sommer 2022 von den Grünen aus- und in die SVP eingetreten. Sein begleitendes Statement hatte ich als positives Signal gewertet, dass unterschiedliche Minderheiten füreinander da sein können und wollen. Trotz ihrer damaligen Koalition mit der Lega hätte die Volkspartei in dieser Hinsicht eine Hoffnungsträgerin bleiben können.

    Fast ein Jahr nach seinem Eintritt richtete Unterkircher einen eindringlichen Appell an seine neue Partei, von einer Zusammenarbeit mit den Fratelli d’Italia und ihren »schwulenfeindlichen und transphoben Positionen« Abstand zu nehmen. Er wies dabei auf die zahlreichen homophoben Stellungnahmen und Aktivitäten von FdI-Mitgliedern auch in Südtirol (vgl. 01 02 03 04) hin.

    Wie wir nun wissen, ließ sich die SVP trotzdem nicht davon abbringen, konkrete Koalitionsverhandlungen mit den Rechtsextremen aufzunehmen. Dies stieß nicht nur auf die Kritik früherer Parteiobleute, sondern führte auch zum Parteiaustritt des ehemaligen Brixner Bürgermeisters Albert Pürgstaller.

    Andreas Unterkircher tat es ihm nun gleich. Nach bloß anderthalb Jahren verliert die SVP ein Stück interner Vielfalt, ohne Rücksicht auf Verluste auf dem Altar des chauvinistisch-opportunistischen Strebens nach Wiederherstellung der Autonomie geopfert. Die Austritte machen sichtbar, wie die Paktelei mit den Menschenfeinden nicht nur Einfluss auf die künftige Regierungsarbeit nimmt, sondern auch die Volkspartei selbst von innen verändert und in ihren Werten korrumpiert.

    Unterkircher hat wie Albert Pürgstaller und Hans Heiss (Grüne) angekündigt, an der morgigen Donnerstagskundgebung teilzunehmen. Wohl noch nie haben Koalitionsabsichten der Volkspartei ein derartiges politisches Erdbeben ausgelöst.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Die Warnungen der Ex-Obmänner.
    Quotation

    In der Tagesschau von Rai Südtirol wurden am 4. Dezember unter anderem Interviews mit den beiden früheren SVP-Obmännern Siegfried Brugger und Richard Theiner gezeigt, die sich kritisch zur geplanten Koalition ihrer Partei mit den Rechten geäußert haben:

    Ich bin sehr perplex — und auch deshalb perplex, weil ich denke, dass man zuerst alle anderen Möglichkeiten etwas vertiefter hätte durchstudieren und auch erklären müssen, der eigenen Parteibasis. […] Ich denke, dass man nicht nur nach Rom schauen darf, man kann in Rom auch durchaus eine schwierigere Zeit haben, wo man eben nicht bei der Mehrheit ist.

    – Siegfried Brugger (SVP-Obmann 1992-2004)

    Fratelli d’Italia und auch Lega sind nicht irgendwelche Parteien, sondern sie arbeiten auf europäischer Ebene gemeinsam mit Le Pen, mit Kickl, mit der AfD, mit Orbán und das gibt schon mehr als zu bedenken.

    – Richard Theiner (SVP-Obmann 2009-2014)

    Transkriptionen von mir

    Kurz zuvor hatte der ehemalige SVP-Bürgermeister von Brixen, Albert Pürgstaller, aufgrund der Koalitionsaussage seinen Austritt aus der Partei bekanntgegeben.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02



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  • Der Bruch.

    Autor:a

    ai

    |

    1 Comentâr → on Der Bruch.

    von Hans Heiss (Historiker, ehem. LAbg.)

    Die Entscheidung des Parteiausschusses der Südtiroler Volkspartei für ein Rechts-Rechts-Rechts-Bündnis von FdI, Lega und F war absehbar. Sie schockiert aber dennoch, da sie den Blick auf zwei Richtungen öffnet: Zum einen auf das Wertesystem und das Innenleben der Partei, zum anderen auf die künftige Allianz und ihre Folgen. Hinzu kommt eine dritte Konsequenz, vielleicht die schwerwiegendste. Hierzu halten wir zehn Punkte fest:

    1. Die Hauptwerte der SVP sind heute Machterhalt, Pragmatismus und Zielorientierung, mit einem Wort: Opportunismus. Prinzipien und Grundsätze gelten wenig, umso mehr das Erreichen der Sektorenziele.
    2. Die hauptsächlichen SVP-Sektorenziele lauten: Rückgewinnung von Kompetenzen und Bestimmungen der Autonomie, fortgesetzte Finanzhoheit auf hohem Niveau, Wohlstandssicherung, Herrschaft im ländlichen Raum, Sicherheit und Kontrolle, vor allem der Migration.
    3. Drängende Ziele der Landesentwicklung sind für die SVP dagegen sekundär: Abbau sozialer Schieflagen, Schutz der Schwächeren, wirkungsvolle Klimapolitik, Gleichstellung der Geschlechter, Stopp des Brain-Drain, Gestaltung statt Duldung von Migration, Neuausrichtung wirtschaftlicher Sektoren gehören aus SVP-Sicht in den politischen Second-Hand-Shop.
    4. Landeshauptmann Kompatscher denkt in wesentlichen Stücken anders, ist aber die willige Geisel seiner Partei. Die SVP hat mit seiner Schützenhilfe bei den Wahlen eine Totalniederlage abgewehrt, ihn nun aber wieder domestiziert. Während der LH bei der Koalitionsbildung eine Niederlage erlitten hat, erleben wir zugleich die Wiederauferstehung des Parteiobmanns. Beide Herren sind Teil des innerparteilichen Stockholm-Syndroms: In der Parteilogik gefangen, identifizieren sie sich mit ihr.
    5. Die SVP-Allianz mit den drei Koalitions-Musketieren FdI, Lega, F (und der Civica als Bonus) wird Erfolge in Sachen Autonomie bringen, aber langfristig den Gencode der SVP weiter im Pragmatismus verknöchern lassen, ohne Scheu vor Opportunismus. Statt »In Vielfalt geeint« wird die Devise künftig lauten: »Im Machterhalt versteinert«.
    6. Die SVP wurde 1945 nicht gegründet, um den Pragmatismus hoch leben zu lassen. Ihr Ziel war das Gegenteil: In einem Zentralstaat Minderheitenschutz und Autonomie zu ihrem Recht zu verhelfen, also das Unmögliche möglich zu machen. Die aktuelle Beschränkung auf das Machbare, auf den Minimalismus der Autonomie-Wiederherstellung, ohne jedes weitreichende Ziel, lässt die Partei verdorren.
    7. Die Fratelli d’Italia haben sich — wie PO Achammer einmal festgestellt hat —, um 360 Grad gedreht. Damit sind sie aber wieder an der Ausgangsposition angelangt. FdI sind in wesentlichen Stücken rechtsextrem. Sie werden niemals eingestehen, was der Faschismus für Südtirol bedeutet hat, dass er der Minderheit den Garaus machen wollte. Dass er in Europa der Türöffner des Nationalsozialismus war und in seiner neuen Fratelli-Variante der befrackte Oberkellner des europäischen Populismus.
    8. Die neue Allianz wird es gut hinkriegen, das gesellschaftliche Klima in Südtirol noch weiter nach rechts zu drehen: »Rechts« bedeutet, soziale Ungleichheit als natur- und schicksalshaft anzuerkennen, Bürger*innenrechte zu schwächen, die Nation über alles zu stellen, kurzum — nur das persönliche Interesse, die eigene Gruppe im Auge zu haben. Der Rechtstrend bedeutet Härte und Ausgrenzung, im Extremfall sogar Gewalt.
    9. Die neue Allianz wird einen Südtiroler Grundtrend weiter verstärken: Die Tendenz, den Schlauen zu spielen, den eigenen Vorteil zu sehen, sich um die Rechte anderer wenig zu kümmern. Dieser Grundtrend wird andere Südtiroler Tugenden überschatten: Leistungsbereitschaft, Einsatz, Solidarität werden das Nachsehen haben.
    10. Die SVP gibt mit dieser Koalition nicht nur einen Gutteil der eigenen Wertmaßstäbe preis. Sie öffnet innergesellschaftlich Tür und Tor zu einer neuen Beliebigkeit. Sie signalisiert: Es ist weitgehend egal, mit wem man sich abgibt. Hauptsache, das selbstgesteckte Ziel wird erreicht. Mit diese Haltung beschädigt die Partei nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit, sie beschädigt auch Südtirol.

    Dieser Beitrag ist auch bei Salto erschienen. Wiedergabe mit Genehmigung des Autors.


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  • SVP als Türöffnerin für Rechtsextreme.
    Quotation

    Die Volkspartei geht um mit rechtsextremen, nationalistisch-antieuropäischen Parteien. Fratelli d’Italia hat einige Teilelemente des Nationalismus, des Antisemitismus, des Rechtsextremismus und des Antieuropäismus. Sie hat keine definierte Identität, aber viele Teilidentitäten.

    Die christdemokratischen Parteien sind die Türöffner für rechtsextremistische Parteien, das sehen wir in Schweden, das sehen wir in Dänemark, das sehen wir in Finnland, das sehen wir in Österreich — nicht nur auf gesamtstaatlicher Ebene, sondern auch auf regionaler Ebene.

    Politologe Günther Pallaver im Interview mit Rai Südtirol (Auszüge) – Transkription von mir

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01 02 03 04



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  • Hans Heiss: Notwendig, gerade jetzt.
    Kann Südtirol Staat?

    Der Historiker und ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, Hans Heiss, hat das Buch Kann Südtirol Staat? gelesen. Gerade in der jetzigen Situation, wo sich die SVP anschickt, mit FdI eine Koalition zu bilden, hält er es für notwendig, auch solche Alternativen sorgsam zu erwägen.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Fascho wird Chef der italienischen Landstreitkräfte.
    General Roberto Vannacci

    Nachdem er sein äußerst erfolgreiches Buch veröffentlicht hatte, in dem er unter anderem gegen Frauen, Zugewanderte, Homosexuelle, Kinder- und Arbeitslose hetzt und eine angebliche Diktatur der Minderheiten anprangert, wurde General Roberto Vannacci von der Führung des Militärgeographischen Instituts abgezogen, die er inne hatte, und ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Gleichzeitig solidarisierte sich aber unter anderem Minister Matteo Salvini (Lega) mit ihm, während Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (FdI) beharrlich schwieg.

    Noch bevor jedoch das Disziplinarverfahren beendet ist, wurde der Fascho-General nun zum Chef der operativen Landstreitkräfte des italienischen Heeres ernannt — in der offiziellen Diktion keine Beförderung, doch vor allem auch keine Ausgrenzung, im Gegenteil. Rechtsradikale wie Matteo Salvini und Gianni Alemanno (der gerade mit dem Ex-CasaPound-Chef Simone Di Stefano di Partei Indipendenza! gegründet hat) ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihrem Gesinnungsgenossen zum neuen Auftrag zu gratulieren, während die Opposition bislang vergeblich protestierte. Auch Verteidigungsminister Guido Crosetto, der den geistigen Dünnpfiff von Vannacci vor wenigen Monaten als »wirres Gefasel« eingeordnet hatte, stellt sich nun hinter ihn und die Ernennung.

    Das sind also — nach dem Motto »doch sprich nur ein Wort… Autonomie« — die neuen Freunde der einst würdevollen und wertegeleiteten SVP, die sich jetzt hinter nichtssagenden und wirkungslosen Präambeln und Wertekatalogen versteckt, um mit den Feinden der Demokratie, der Menschenrechte und der Minderheiten zu koalieren.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02 03



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