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  • Galateo droht Kunstschaffenden mit der Justiz.
    SLAPP

    An der Macht sind sie noch nicht, doch das mit der Einschüchterung beherrschen sie selbstredend perfekt: Wie Christoph Franceschini auf Salto berichtet, droht Marco Galateo (FdI) den knapp 200 Südtiroler Kunst- und Kulturschaffenden, die einen offenen Brief an den Landeshauptmann gerichtet haben, um die Einstellung der Koalitionsgespräche mit den Recht(sextrem)en zu fordern, offen mit einer SLAPP-Klage. Man habe 90 Tage Zeit, eine Anzeige wegen Verleumdung einzureichen — und diese Möglichkeit wolle man prüfen. Als »Rassisten, Homophobe und Rechtsextreme« wolle man sich nämlich nicht bezeichnen lassen, das sei auch eine Beleidigung der Wählerinnen. Mit »Neofaschisten« hat der Vizelandeshauptmann in spe offenbar keine so großen Probleme. Schade, dass er den Unterzeichnerinnen kein Rizinusöl verabreichen kann.

    Franceschini gibt ferner bekannt, dass er vor knapp einem Jahr selbst vom Kammerabgeordneten Alessandro Urzì (FdI) mit einer Klage bedroht worden sei, weil er sich erdreistet hatte »post« bei »postfaschistisch« im Fall von FdI als überflüssig zu bezeichnen.

    Wenig überraschend hat also der Einsatz von Klagen und Klagedrohungen bei den Fratelli System, wenn es darum geht, kritische Stimmen mundtot zu machen. Umso klarer zeigt sich die Notwendigkeit, ihre Regierungsbeteiligung zu verhindern.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01 02 03



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  • Der Wählerwille, die Italienerinnen und der Rechtsruck.
    Eine Widerrede

    In den Kommentarspalten findet man seit den Wahlen vom 22. Oktober immer wieder zwei miteinander verwandte, aber nicht deckungsgleiche Argumente für die Zusammenarbeit der SVP mit FdI, Lega, F und La Civica:

    1. Eine Koalition der SVP mit den Recht(sextrem)en entspreche dem zum Ausdruck gebrachten Wählerwillen.
    2. Die italienischen Mitbürgerinnen hätten großmehrheitlich Rechtsparteien gewählt.

    Eine Widerrede:

    Zu Punkt 1

    Bei demokratischen Wahlen geben Wählerinnen einer Partei ihr Vertrauen. Sie sprechen sich grundsätzlich nicht über ihre präferierten Koalitionen aus, wenn diese erst nach der Wahl gebildet werden, weshalb jede Mehrheit gleichermaßen demokratisch legitimiert ist. Man kann höchstens sagen, dass beispielsweise eine Mehrheit aus 25 von 35 Abgeordneten mehr Bürgerinnen vertritt als eine Mehrheit aus 18 von 35 Abgeordneten. Wobei auch hier unklar bleibt, ob die Wählerinnen der koalierenden Parteien die Koalition und das Koalitionsprogramm goutieren oder nicht.

    Einen Sonderfall stellen Koalitionsaussagen dar, die vor der Wahl gemacht werden. Hier muss davon ausgegangen werden, dass zumindest ein Teil der Wählenden eine bestimmte Partei auch deshalb gewählt hat, weil sie eine bestimmte Koalition in Aussicht gestellt bzw. ausgeschlossen hat. Nachträglich von einer eindeutigen Koalitionsaussage abzurücken, ist zwar nicht strafbar, aber unseriös und wählerverachtend.

    Im konkreten Fall können wir festhalten, dass eine Regierungsmehrheit mit 19 Mitgliedern stets dieselbe demokratische Legitimation hat — egal ob sie aus SVP, FdI, Lega, F und La Civica oder aus SVP, Team K, PD und Südtirol mit Widmann besteht, um nur eines von zahlreichen möglichen Beispielen zu nennen. Ja, die Südtirolerinnen haben am 22. Oktober — wie hier bereits dargelegt — rechten Parteien anteilsmäßig mehr Stimmen gegeben als bei der Landtagswahl von 2018. Doch es waren wenigere als bei der Landtagswahl von 2013, in deren Folge eine demokratisch völlig legitime Koalition aus SVP und PD gebildet wurde.

    Ob es zwischen 2018 und 2023 nicht nur nach Parteien, sondern auch nach gewählten Abgeordneten überhaupt einen Rechtsruck gegeben hat, müsste man ohnehin näher untersuchen. Es herrscht ziemlich große Einigkeit darüber, dass sich in der SVP vor allem die dem Landeshauptmann nahestehenden, nach allgemeiner Lesart »progressiveren« Kandidatinnen durchsetzen konnten, während die Parteirechte abgestraft wurde. Wenn nun Wählerinnen, die 2018 rechte Kandidatinnen in der SVP gewählt hatten, einfach nicht mehr SVP und stattdessen rechte Kandidatinnen anderer Parteien gewählt haben, würde das den Rechtsruck zumindest relativieren. Die Volkspartei wäre demnach (obschon sie nun nach rechts schaut) eher nach »links« gerückt, im Gegenzug haben rechte Parteien Sitze dazugewonnen.

    Zu Punkt 2

    Eine gar nicht unähnliche Überlegung kann man bezüglich der italienischen Rechten anstellen: Viele italienische Mitbürgerinnen haben sich gar nicht zur Wahl begeben — doch die, die es gemacht haben, haben neben italienischen Rechtsparteien sowohl den PD als auch Grüne, Team K oder SVP gewählt. Wer nicht wählen geht, kann bei Koalitionsbildungen nicht berücksichtigt werden. Für alle anderen gilt: Es wäre unfair, ihr Wahlverhalten einfach zu ignorieren.

    Dass drei von fünf Landtagsabgeordneten, die der italienischen Sprachgruppe angehören, rechts sind — bzw. vier von fünf, wenn wir La Civica dazuzählen —, heißt keineswegs, dass die Bürgerinnen der italienischen Sprachgruppe, die nicht zuhause geblieben sind, mehrheitlich rechts gewählt haben.

    Wir können sogar mit einiger Gewissheit davon ausgehen, dass die italienischsprachigen Wählerinnen von »interethnischen« und »deutschen« Parteien eher nicht rechts gesinnt sind, während vor allem Rechtsgesinnte transethnischem Wahlverhalten abgeneigt sind. Das würde heißen, dass der SVP umso mehr nur rechtsgesinnte Abgeordnete italienischer Sprache übrigbleiben, je mehr sich linksgesinnte Italienerinnen politisch »integrieren« und von einer rein ethnischen Wahl abkommen. Anders ausgedrückt: Es ist eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, dass »die Italienerinnen« hauptsächlich rechts wählen, wenn wir zur Beurteilung ihres Wahlverhaltens nur die Abgeordneten heranziehen, die der italienischen Sprachgruppe angehören.

    Den angeblichen Wählerwillen (vgl. Punkt 1) der italienischen Mitbürgerinnen daran festmachen zu wollen, ob es mehr rechts- oder linksgerichtete Abgeordnete italienischer Sprache gibt und dies als Argument für eine Koalition mit der einen oder anderen politischen Seite zu verabsolutieren, könnte dann unter Umständen einer groben Missachtung dessen entsprechen, was die italienischen Mitbürgerinnen in ihrer Gesamtheit tatsächlich gewählt haben.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Ohne Bekenntnis zu Israel keine Einbürgerung.

    Wer in Sachsen-Anhalt einen Antrag auf Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft stellt, muss sich fortan schriftlich zum Existenzrecht des Staates Israel bekennen. Das hat die Innenministerin des ostdeutschen Landes, Tamara Zieschang von der CDU, jetzt in einem entsprechenden Erlass festgelegt. Bewerberinnen sollen zudem auf antisemitische Einstellungen überprüft werden. Wer den Fortbestand von Israel in Frage stellt, soll demnach in Sachsen-Anhalt nicht mehr eingebürgert werden können.

    Der Erlass ging an die Landkreise und an die kreisfreien Städte, die mit der materiellen Abwicklung der Einbürgerungsverfahren befasst sind. Zudem rief die Landesregierung in Magdeburg die Innenministerien der anderen Bundesländer dazu auf, die Maßnahme nachzuahmen oder eine Vereinheitlichung auf Bundesebene mitzutragen. Zieschang sagte, das Existenzrecht Israels sei Teil der deutschen Staatsräson.

    Unmittelbarer Anlass für die Neuerung mag zwar der aktuelle Krieg in Gaza sein. In Halle an der Saale, das in Sachsen-Anhalt liegt, war es aber im Oktober 2019 zu einem rechtsextremistischen Terroranschlag auf eine jüdische Synagoge gekommen. Nun wurde im Oktober dieses Jahres in Dessau eine neue Synagogen eröffnet, morgen folgt eine weitere in der Landeshauptstadt Magdeburg. Der Schutz jüdischen Lebens und der Sicherheit von Jüdinnen im Lande steht deshalb ganz besonders im Mittelpunkt.

    Der Erlass sieht vor, dass die Verweigerung der geforderten Erklärung in der Akte zu vermerken und der Einbürgerungsantrag abzulehnen sei. Doch eine arglistige Täuschung der Behörden kann auch später noch zur Rücknahme der Einbürgerung führen, so wie das schon heute für ein vorgetäuschtes Bekenntnis zum Grundgesetz und zur demokratischen Grundordnung gilt.


    In Deutschland ist es also eine Landesministerin, die Kriterien zur Erlangung der Staatsbürgerschaft festlegt. Zudem ergreift sie die politische Initiative für analoge Änderungen auf Bundesebene. Südtirol als »weltbeste Autonomie« hat diesbezüglich natürlich keinerlei Zuständigkeiten, noch nicht einmal im Rahmen jener sprachlich-kulturellen Besonderheiten, die unseren Sonderstatus begründen. Jedes gewöhnliche deutsche Bundesland ist autonomer.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • SVP: Sebastian Seehauser tritt aus.

    Weil die SVP Koalitionsverhandlungen mit Rechtsextremen aufgenommen hat, haben bereits Albert Pürgstaller und Andreas Unterkircher die Partei verlassen. Das Forum Heimat zeigt sich kritisch, ebenso zwei ehemalige Obmänner. Und nun hat die Partei noch ein weiteres Mitglied verloren: Wie Rai Südtirol mitteilt, hat Sebastian Seehauser mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Mitglied des SVP-Ortsausschusses Zwölfmalgreien sowie seinen Parteiaustritt bekanntgegeben. Koalitionsverhandlungen mit einer postfaschistischen, klimawandelleugnenden Kraft seien für ihn untragbar. Schon während seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender im Bozner Gemeinderat war Seehauser immer wieder durch seine antifaschistische Haltung aufgefallen, wozu er sich oft klarer als die restliche Partei und auch als »linke« Politikerinnen geäußert hat.

    Schon jetzt kann die Volkspartei nicht mehr die Fiktion aufrecht erhalten, dass sie sich durch die Koalition mit den Extremistinnen nicht verändern wird. Diejenigen, denen demokratische Grundwerte wichiger sind als kurzfristiger Opportunismus, werden nicht anders können, als der Partei den Rücken zu kehren und eine immer monotonere SVP zu hinterlassen.



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  • Koalition mit FdI: Plattform Heimat nicht erfreut.
    Quotation

    Der Brixner Ex-Bürgermeister Albert Pürgstaller und der LGBTQIA-Aktivist Andreas Unterkircher sind wegen der beabsichtigten Koalition mit den neofaschistischen Fratelli d’Italia aus der SVP ausgetreten. Die Ex-Obleute Siegfried Brugger und Richard Theiner zeigten sich in Interviews mit Rai Südtirol ausgesprochen kritisch. Und auch der Trudner Bürgermeister Michael Epp, seines Zeichens Sprecher der Plattform Heimat in der Volkspartei, klingt im TAZ–Gespräch nicht allzu überzeugt:

    Wir haben intern wirklich viel diskutiert und die Meinungen gehen auseinander – aber für uns als Plattform Heimat war immer klar: Nicht mit Fratelli d’Italia. Wir haben kein Problem mit Mitterechts, ich kenne auch Bianchi aus seiner Zeit als Bürgermeister, aber Rechtsaußen ist zu viel. Mit Menschen mit einer solchen Ideologie zusammenzuarbeiten bzw. ihnen vertrauen zu können, ist für mich kaum vorstellbar.

    – Michael Epp (SVP-Plattform Heimat)

    Im Parteiausschuss vertretene Mitglieder der Plattform, wie Robert Tschöll und Fabian Gufler, sollen denn auch gegen Koalitionsverhandlungen mit FdI gestimmt haben. Während angeblich ausgerechnet prominente Mitglieder der Arbeitnehmer dafür waren.

    Cëla enghe: 01



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