Schlagbaum zu.

So schnell sind die Grenzen in Europa wieder da: Die dänische Minderheitsregierung hat auf Druck der rechtsextremistischen Dänischen Volkspartei beschlossen, binnen rekordverdächtiger zwei Wochen wieder Grenzkontrollen an den Übergängen zu Deutschland und Schweden einzuführen — trotz Schengen. Die Entfernung der Schlagbäume an den europäischen Binnengrenzen ist das Symbol für den Einigungsprozess.

Schon in Kürze soll der nächte Schritt folgen: Die Union wird auf Vorschlag von Frankreich und Italien über Maßnahmen beraten, welche die Aussetzung des Schengener Abkommens erleichtern sollen.

Das sind besorgniserregende Zeichen, die von der Wiedererstarkung der Nationalstaaten zeugen.

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That’s democracy (darling)!

Ich nehme an, wir könnten die verfassungsrechtliche Frage aufwerfen, wer die Zuständigkeit hat [eine Volksabstimmung einzuberufen] und wer nicht, doch ich glaube, das wäre kein sinnvoller Zeitvertreib. Wenn das aktuelle Thema die Zukunft Schottlands innerhalb des Vereinigten Königsreichs ist, dann ist es wichtiger, diese Debatte zu führen, als darüber zu diskutieren, ob wir die Debatte führen dürfen.

Michael Moore
Staatssekretär für Schottland der britischen Regierung.

Wie berichtet konnte die separatistische, sozialdemokratische SNP bei den jüngsten schottischen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit der Sitze erringen. Damit ist das schottische Unabhängigkeitsreferendum, eines der zentralen Wahlversprechen der Partei, aktueller denn je: Bereits im Laufe der kommenden Legislaturperiode soll die Volksabstimmung gemeinsam mit den Grünen auf den Weg gebracht und durchgeführt werden. Während der soeben abgelaufenen ersten Amtszeit des alten und neuen schottischen Premierministers Alex Salmond konnte die SNP im Parlament von Holyrood nicht die nötige Mehrheit für eine Befragung gewinnen. Allerdings sprachen sich die Unabhängigkeitsgegner von Labour, Konservativen und Liberaldemokraten schon damals dafür aus, das Referendum abzuhalten und auch zu respektieren, falls SNP und Grüne den entsprechenden Wählerauftrag erhielten — was jetzt eingetreten ist.

Dass das nicht nur leere Worte waren, beweist sich nach geschlagener Wahl: Nicht nur die schottischen Parteien werden das Unabhängigkeitsreferendum akzeptieren, auch die Londoner Regierung ließ bereits wissen, sie werde die Abstimmung nicht behindern. Schottland soll in dieser Angelegenheit die volle Handlungsfreiheit gewährt werden — wenngleich der konservative Regierungschef Cameron auch ankündigte, sich für den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königsreich einsetzen zu wollen. Das ist absolutes demokratisches Fairplay.

Die Volksabstimmung stellt unabhängig ihres Ausgangs das krasse Demokratiedefizit jener Länder bloß, welche den Bürgern eine Abstimmung über ihre Zukunft mit absurden Argumenten und aufgrund starrer Prinzipien verwehren.

Das wird ein spannender, für so manchen europäischen Staat unangenehmer Präzedenzfall werden.

Siehe auch:

Comparatio Democrazia Grundrechte Mitbestimmung Politik Selbstbestimmung | Zitać | | | Scotland-Alba | SNP Vërc |

Water makes money.
Wie aus Wasser Geld gemacht wird

In Zusammenhang mit dem Video über Public Private Partnerships (PPP) hat mich succus auf diesen exzellenten Film hingewiesen:

Am 12. und 13. Juni finden in Italien vier Referenda statt, wovon zwei das wichtige Thema der Wasserprivatisierung betreffen.

Ecologia Mitbestimmung Politik Service Public Termin Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | | | | | |

So fängt es an…

Nicht ohne Erschütterung habe ich erfahren, dass die Krawattenfaschisten — diese Wölfe im Schafspelz — begonnen haben, unter dem Deckmantel demokratischer Institutionen ungeniert abweichende Meinungen zu verfolgen:

Atto Camera

Interrogazione a risposta scritta 4-11725
presentata da
GIORGIO HOLZMANN
mercoledì 27 aprile 2011, seduta n.468

HOLZMANN. – Al Ministro dell’istruzione, dell’università  e della ricerca. – Per sapere – premesso che:

ciascun cittadino è libero di esprimere le proprie valutazioni ed opinioni politiche in ciascun ambito della propria vita di relazione;

per alcune categorie di dipendenti pubblici tale diritto dovrebbe contemperarsi con la delicatezza di particolari funzioni svolte, ad esempio magistrati e insegnanti;

l’interrogante ha preso visione del blog di un insegnante di Trento, Gianluca Trotta, in servizio presso il liceo Galilei di Trento che usa lo pseudonimo di Gattomur;

si ritiene che i contenuti siano altamente offensivi al punto da richiedere un approfondimento della questione, posto che gli studenti che certamente visioneranno il blog non avranno un’immagine positiva del Ministro, delle istituzioni, della politica, del linguaggio da tenere in un confronto d’idee -:

se e quali iniziative di competenza il Ministro intenda adottare nei confronti di questo insegnante per un comportamento ad avviso dell’interrogante così scorretto e diseducativo. (4-11725)

Quelle.

GattoMur spreche ich hiermit meine uneingeschränkte Solidarität gegen diesen widerlichen Einschüchterungsversuch aus. Wehret den Anfängen!

Faschismen Medien Politik | | | | | |

Scozia: Stravince l’indipendentismo.

Ieri si sono svolte le elezioni regionali nel Regno Unito, tra cui quelle per il parlamento scozzese di Holyrood. A scrutinio ultimato il partito indipendentista socialdemocratico SNP si conferma al primo posto, conquistando 69 seggi su 129, ben 23 in più rispetto all’ultima tornata. Per la prima volta l’SNP ha sfondato anche nei centri maggiori e nella Scozia Centrale, tradizionali roccaforti laburiste, mentre tutti i partiti unionisti hanno subà­to perdite anche significative, un po’ ovunque.

L’eccezionale risultato, che va ben oltre le più rosee previsioni della vigilia, permetterà  all’attuale primo ministro Alex Salmond di governare senza sostegno esterno, grazie alla maggioranza assoluta dei seggi. Partito da una situazione di apparente crisi, l’SNP ha saputo rimontare rispetto alla concorrenza grazie a una campagna elettorale in positivo, non rivolta contro gli avversari. I sondaggi delle ultime settimane, di giorno in giorno fotografavano un SNP costantemente in crescita.

Grazie alla sua maggioranza, Salmond sarà  nelle condizioni di indire un referendum sull’autodeterminazione, tra i punti qualificanti del suo programma di governo. Durante la legislatura appena trascorsa, nonostante il sostegno dei Verdi, non era riuscito nel suo intento.

Per la prima volta dunque un partito indipendentista ha i numeri per lanciare una consultazione in uno stato membro dell’Unione Europea. Inoltre, lo stato centrale sembra disposto a non interferire, ma di far prevalere il principio democratico. Se non ci saranno intoppi si tratterà  di un interessantissimo terreno di prova, indipendentemente da quello che sarà  il responso delle urne.

Il referendum scozzese:

  • se, come si annuncia, sarà  rispettato da Londra, permetterà  una lettura diversa, in controluce, della situazione di altri territori europei, ai quali i rispettivi stati non consentono di esprimersi democraticamente;
  • dimostrerebbe che l’autodeterminazione è esercitabile anche al di fuori del diritto internazionale, che lo prevede solo in casi estremi (minoranze sottomesse, violenza ecc.);
  • evidenzierebbe che non è impossibile modificare i confini amministrativi interni dell’Unione Europea, come viene sovente affermato in Sudtirolo;
  • in caso di successo, costringerebbe l’Unione Europea a esprimersi per la prima volta sulla permanenza al suo interno di un paese emancipatosi da uno stato membro (ampliamento interno);
  • sconfesserebbe i catastrofisti che prevedono guerre civili come conseguenza di una votazione democratica;
  • sia in caso di successo che di insuccesso, permetterebbe di studiare l’evoluzione dei rapporti tra Londra e Edinburgh.
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Euregio — EVTZ.

Ob Südtirol grenzüberschreitende Kooperationen eingehen darf, wird in Rom entschieden. Nachdem das Vorhaben zunächst abgelehnt wurde, hat die Zentralregierung jetzt der Gründung eines Europäischen Verbunds Territorialer Zusammenarbeit (EVTZ) namens »Tirolo- Alto Adige – Trentino« (sic!) zugestimmt. Ob und gegebenenfalls inwiefern die Länder eingeknickt sind, um das »Njet« der römischen Bürokraten zu überwinden, ist unbekannt. Wien hatte der Beteiligung Nord-/Osttirols bereits vorher zugestimmt.

Der EVTZ verschafft der Europaregion mehr Handlungsspielraum. Da die Ausgestaltung eines solchen Verbundes jedoch stark variieren kann, bleibt abzuwarten, welche Funktionen die Euregio jetzt tatsächlich übernimmt und ob sie im Alltag »spürbarer« wird.

Die Gründung des EVTZ kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Italien noch immer nicht das Zusatzprotokoll zum »Europäischen Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit« des Europarates von 1995 (!) ratifiziert hat, welches der Euregio einen deutlichen Qualitätssprung ermöglichen würde. Österreich hat das Zusatzprotokoll bereits 2004 ratifiziert.

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»Pina« abgesagt.

Am 6. Mai hätte im Rahmen des Festivals Tanz Bozen Wim Wenders’ 3D-Film über die 2009 verstorbene Choreografin Pina Bausch italienweit zum ersten Mal gezeigt werden sollen. Dies wurde — wie die Veranstalter der Presse mitteilen — verhindert, weshalb die Vorführung kurzfristig abgesagt werden musste: Trotz gültiger Verträge hat der italienische Filmverleiher BIM erreicht, dass die deutsche Fassung des Films nicht vor der italienischen gezeigt werden darf. Das ist kein Einzelfall, sondern entspricht einem bekannten Muster.

Obwohl immer wieder beteuert wird, dass die Grenze nicht mehr existiert, zeigt sich hiermit erneut, wie konkret sich ihre Existenz nach wie vor auf unseren Alltag auswirkt. In Deutschland, Österreich oder Frankreich wird der Film bereits vorgeführt.

Auch die Kulturtreibenden werden einmal mehr von der Realität eingeholt: In Italien sind im Zweifelsfall die Vorherrschaft der italienischen Sprache und der Zentralismus wichtiger, als Gesetz und Minderheitenrechte. Und das wird selbstverständlich auch gegenüber dem Ausland durchgesetzt. Für Südtirol gelten — eigentlich — spezielle Ausnahmeregelungen auf diesem Gebiet.
Über den Vorfall zeigten sich die Verantwortlichen des Cineplexx und Manfred Schweigkofler, Direktor des Stadttheaters, »schockiert«.

Zum Vergleich: Andernorts werden Kinofilme in Minderheitensprachen entschieden gefördert statt behindert.

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Interpretieren verboten.

Heute wurden in der Nähe des Beinhauses in Gossensaß Tafeln aufgestellt, mittels derer die historischen Hintergründe des Bauwerks erklärt werden sollen. Der von Fachleuten ausgearbeitete Text ist langatmig und beinhaltet nicht einmal eine ausdrückliche Verurteilung der Geschichtsverdrehung, mit der die Faschisten die Zugehörigkeit Südtirols zu Italien rechtfertigen wollten. Er ist deshalb als unzulänglich zu beurteilen.

Die Tafeln wurden in unmittelbarer Nähe des Beinhauses auf Landesgrund montiert, da der Zentralstaat, in dessen Bestitz sich die Ossarien befinden, seit dem Weltkrieg kein Interesse gezeigt hat, eine Lösung zu finden — obschon diese »monumentalen« Fälschungen von vielen Südtirolern als Beleidigung empfunden werden. Allein diese Tatsache ist ein Armutszeugnis für einen demokratischen Rechtsstaat.

Im Jänner hatte der damalige Kulturminister, Sandro Bondi, unserem Landeshauptmann umfassende Zusicherungen gemacht, was die Zukunft der sogenannten faschistischen Relikte betrifft. Es reichte jedoch, dass die Anbringung der Tafeln konkret wurde, damit in Rom die Alarmglocken schrillten. Zuerst versuchte man aus dem Verteidigungsministerium telefonisch auf das Land Einfluss zu nehmen, dann — als dies nichts half — kam in letzter Sekunde sogar noch das schriftliche Verbot, die Tafeln anzubringen: Es sei »untersagt, Monumente zu interpretieren«. Selten sind staatliche Stellen so pünktlich und aufmerksam, wie bei der Verteidigung faschistischen Unguts.

Damit hat Rom einmal mehr seine wahre Fratze gezeigt: Den schönen Worten über das friedliche Zusammenleben und die beste Autonomie folgen keine Taten — auch nach 90 Jahren führt sich Italien in Südtirol noch auf wie eine Kolonialmacht. Ich frage mich, wozu wir eigentlich seit Jahren über die »Historisierung« von Denkmälern diskutieren, wenn der Staat ohnehin jede sinnvolle Entwicklung abblockt.

Foto: LPA.

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