Seltene Eintracht.

Ein gutes Zeichen vor Gründung der Demokratischen Partei war die jüngste Haushalts- und Kürzungsdebatte zwischen Zentral-Rom und unserem Land. Unisono wie kaum machten sich Volkspartei und Mittelinks (und da besonders die Linksdemokraten) für eine Ausweitung der autonomen Zuständigkeiten stark, um aus dem Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen eine Win-Win-Situation zu schmieden: Südtirol verzichtet nur indirekt auf Mehrzuweisungen, indem es für neue Zuständigkeiten keine finanziellen Mittel fordert, sondern diese aus dem bestehenden Haushalt finanziert. Nach der ärgerlichen Dachmarken-Angelegenheit endlich wieder eine gute Nachricht von den linken Regierungsparteien.

Abgeschieden.

Verkehrsprojekte

Vorausgeschickt: Ich bin tendenziell für den Ausbau des Bozner Flughafens und gegen den Bau des BBT. Eine gefestigte Meinung habe ich jedoch vor allem zu letzterem noch nicht, weil ich zugeben muss, dass ich mich bis dato zu wenig damit auseinandergesetzt habe. Mit Sicherheit stört mich die bürgerferne, arrogante Vorgangsweise der BBT-Bauer.

Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob diejenigen, die beide Projekte gleichermaßen bekämpfen, nicht viel zu leichtfertig unseren Anschluss an die Außenwelt für einen manchmal etwas populistischen Umweltschutz opfern. Wären funktionierende Flugverbindungen, außer für den Wirtschaftsstandort, nicht auch und vor allem für unseren kulturellen Fortschritt von großem Nutzen — wenn nicht gar überlebenswichtig? Sicher wäre es mit einem Airport einfacher, unsere Uni mit renommierten Dozenten und »Visiting Professors« zu bestücken. Kongresse und Messen von überregionaler Bedeutung abzuhalten. Institutionen und Veranstaltungen wie das Stadt- bzw. Landestheater, das neue Museion, die Transart oder den Tanzsommer für ein internationales Publikum attraktiv zu machen — und von einem größeren Austausch zu profitieren. Neue Veranstaltungen zu etablieren oder hierzulande anzusiedeln. Und nicht zuletzt einen aufgeklärten Kulturtourismus zu fördern, der keine weitere Naturzerstörung (für Skipisten, Bettenburgen…) benötigt, und unserem Land auch inhaltlich zu Wachstum verhülfe.

Die Argumente der Flugplatzgegner kann ich zum Teil nachvollziehen, auch wenn sie großteils nach Mission und weniger nach basisdemokratischem Kampf um die Wählergunst klingen. Aber da bin ich vielleicht durch Vorwissen (Stichwort: Nimby) belastet. So wir uns jedoch gegen den »Airport Bozen Dolomiten« aussprechen – können wir uns wirklich leisten, auch noch auf eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zu wichtigen Drehscheiben im Norden und im Süden zu verzichten? Wäre das nicht die endgültige Besiegelung unserer Zukunft als Provinzkaff, das seine besten Köpfe zur Flucht ins Ausland antreibt?

Vergleichbare Städte in der (gewiss nicht umweltfeindlich gesinnten) Schweiz haben sich für einen Flughafen und für die Anbindung an den schnellen Zugverkehr entschieden. Die Frage nach den Proportionen ist besonders im Fall des BBT mit Sicherheit erlaubt. Aber einen Rückschritt sollten wir uns nicht leisten.

Dreimalgut.

Drei.Ein Preis für 3. Das Unternehmen Hutchinson 3G mit Sitz in Hongkong verdient für seinen Auftritt als Telefongesellschaft (Drei) in unserem Lande besondere Anerkennung. Als einziger Mobilfunkbetreiber bietet es fast all seine Werbedrucksachen sowohl auf Italienisch als auch auf Deutsch an und zeigt somit, dass selbst große Konzerne den Verbraucher durchaus ernstnehmen können.

Sprachschutz ist Konsumentenschutz. Der Kunde wird nicht nur als Goldesel betrachtet, sondern auch als mündiger Bürger, dem man Informationen in seiner eigenen Sprache anbietet. Damit wird gleichzeitig der speziellen Situation unseres Landes Rechnung getragen und bewiesen: Respekt ist keine Frage des Geldes und schon gar keine Frage von Bevölkerungsanteilen — denn wir Südtiroler machen lediglich 1% der Einwohner dieses Staates aus. Zur Nachahmung dringend empfohlen.

Hier einige Beispiele aus dem üppigen Angebot an Informations- und Werbematerial von Drei:

Tarifoptionen.
Alle Tarifoptionen in einer übersichtlichen Broschüre.
Angebot.
Werbeprospekt »Die Liebe zu 3 geht weiter…«
Telefon.
Für jedes Mobiltelefon eine spezielle Infokarte.

Über manchmal recht holprige Formulierungen kann man dabei geflissentlich hinwegsehen: Was noch nicht ist, kann ja noch werden. Die katalanische Regierung bietet übrigens Betrieben, die auf die Landessprache umsteigen möchten, unentgeltliche Hilfe bei der Umsetzung. Auf ähnliche Unterstützung können Unternehmen wie Drei in Südtirol nicht zurückgreifen.

Siehe auch: [Eine Anfrage. Und ihre Antwort?]

Viersprachige Webseiten der Mobilfunkanbieter in der Schweiz: [1] [2] [3] [4]

Heeresmuseum: Wozu?

Mit großem Befremden entnehme ich der Tagespresse, dass das Heer in Brixen mit tatkräftiger Unterstützung der Gemeinde — und angeblich fast aller Ratsfraktionen — ein eigenes Museum einrichten will. Dabei haben Kriege immer wieder großes Leid über unsere Grenzregion gebracht; Menschen aller Sprachgruppen wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Und nicht zuletzt hat man für den Kasernenbau zahlreiche Grundbesitzer schamlos enteignet und in den Ruin getrieben.

Ist dieses Vorhaben tatsächlich im Interesse der Bevölkerung? Südtirol braucht, jetzt wo ein Teil der Streitkräfte endlich abgezogen wurde, wohl gewiss kein Militärmuseum! Und Brixen darf nicht ein Image als Militärstadt erhalten. Was wir brauchen ist die Fortsetzung der Entmilitarisierung sowie Frieden und Zusammenleben. Aus diesem Grund wäre es angebracht, das Engagement und eventuelle finanzielle Mittel der Gemeinde zivilen Zwecken zukommen zu lassen, die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Und wenn es unbedingt ein Museum sein muss, dann sollte man damit das Ehrenamt — nicht die militärische Gewalt — würdigen.

Südtirol entmilitarisieren!

Mobilmachung.

Verkehrsverbund.

Im Rahmen der Verbraucherzentrale Südtirol wurde »Promobil« gegründet, eine Einrichtung, die den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) stärken, dessen Qualität verbessern sowie die Rechte der Fahrgäste schützen soll.

Die derzeit laufende Online-Unterschriftensammlung hat die Verlegung des Bozner Hauptbahnhofs zum Gegenstand. Außerdem werden laufend Beschwerden und Verbesserungsvorschläge entgegengenommen, die in Folge den zuständigen Stellen übermittelt werden.

Wer solche Freunde hat…

Immer öfter machen die Südtiroler Linksdemokraten in jüngster Zeit das Spiel der Rechten und Rechtsrechten. Letzter Streich: Landeshauptmann-Stv. Luisa Gnecchi hat in der Tourismuswerbung einen zweifelhaften Erfolg verzeichnet, indem sie die Bezeichnung »A. Adige« übers Hintertürchen wieder hereingeholt hat. Die absurde, trennende italienische Bezeichnung für unser Land, die gerade im linken und alternativen Milieu ein Auslaufmodell ist, bekommt so unverdienterweise wieder einen amtlichen Frischestempel aufgedrückt — wie kürzlich von Michaela Biancofiore (FI) lautstark gefordert. Dabei wären die Energien der Genossen im Engagement, der Bezeichnung »Sudtirolo« im Sinne des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Kohäsion endlich die offizielle Anerkennung zukommen zu lassen, wesentlich besser investiert.

Sudtirolo.

Siehe auch: [1] [2]