Ambiente? Non competenti.

I nostri politici amano raccontarci che al Sudtirolo mancano pochissime competenze per giungere a un’autonomia totale. Qualche mese fa fu il parlamentare Karl Zeller ad affermare che le prerogative dello stato erano ormai pochissime, tra cui la previdenza sociale e la polizia. Ora però la corte costituzionale ha scardinato una legge provinciale sulla protezione ambientale, e nel farlo ha affermato chiaro e tondo che il Sudtirolo non ha nessuna competenza in materia. Cito dalla sentenza (151/2011):

In definitiva, l’art. 4 della legge prov. Bolzano n. 6 del 2010, nel disciplinare in generale la tutela di specie animali […] invade la sfera di competenza legislativa esclusiva dello Stato in materia di tutela dell’ambiente e dell’ecosistema, di cui all’art. 117, secondo comma, lettera s), Cost., che trova applicazione anche nei confronti delle Regioni a statuto speciale e delle Province autonome, in quanto tale materia non è compresa tra le previsioni statuarie riguardanti le competenze legislative, primarie o concorrenti, regionali o provinciali.

Sottolineato da me.

Le uniche materie in qualche modo «ambientali» nelle quali il Sudtirolo può legiferare, sono i parchi naturali provinciali, la caccia e la pesca, ma anche in questi casi la competenza rimane subordinata al rispetto dei principi generali dell’ordinamento e le norme fondamentali di riforma economica e sociale.

Per queste e altre ragioni con la sentenza in merito vengono censurate quelle parti della legge provinciale nelle quali si designano le specie protette, si definiscono limiti di raccolta dei funghi divergenti dalla legislazione nazionale, si attribuiscono all’amministrazione provinciale la potestà  decisionale sulle deroghe o i rapporti con la Commissione europea.

Insomma, possiamo tranquillamente affermare che l’autonomia non ci consente nemmeno di regolamentare indipendentemente la raccolta dei funghi.

Ecologia Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Zentralismus Zuständigkeiten | | Karl Zeller | | | | Italiano

CAI und Adesc Alt.

Der CAI Südtirol, insbesondere sein Bergrettungsdienst CNSAS, benützt im Ladinischen konsequent die Landesbezeichnung Adesc Alt (s. Bild). Nachdem ich festgestellt hatte, dass dieser Name in keinem Ladinischwörterbuch aufscheint (weder SPELL/Ladin Dolomitan, noch im Grödner oder Gadertaler Wörterbuch) habe ich beim dafür zuständigen Istitut Ladin Micurà  de Rü nachgefragt.

Von dort hat mir Herr Leander Moroder, seit 1993 Leiter des Instituts, höchstselbst bestätigt, dass Adesc Alt keine allgemein gebräuchliche Bezeichnung, sondern eine sprachwissenschaftlich nicht akzeptable wörtliche Übersetzung des Italienischen Alto Adige sei. Eine sprachlich mögliche, aber nicht verwendete Variante zu Südtirol/Sudtirol sei Tirol dl Sud.

Der CAI macht also einen politisch-ideologischen Gebrauch der Landesbezeichnung und erweitert damit das Werk von Tolomei. Seinen Willen, den Namen Tirol aus dem öffentlichen Bewusstsein zu tilgen, führt der Alpenclub zumindest im Ladinischen (und im Italienischen) konsequent zu Ende. Die Bezeichnung ist übrigens auch auf dem Webauftritt des CNSAS stets präsent.

In den ladinischen Tälern beschildert der CAI auch zu einem erheblichen Teil die Wanderwege ausschließlich Italienisch oder Italienisch/Deutsch, und lässt somit das Ladinische sehr häufig unter den Tisch fallen. Schenkt man der von der Tageszeitung Alto Adige gestern veröffentlichten Liste [hier herunterladen] Glauben, haben die staatlichen Polizeikräfte neben einnamig deutschen auch einnamig ladinische Wegweiser beanstandet (!!). Einnamig italienische Schilder scheinen darin jedoch keine auf — obwohl sie nachweislich existieren. Das wäre einmal mehr Beweis dafür, dass (angebliches oder reales) Unrecht nur geahndet wird, wenn es zu Lasten der Staatssprache geht: Keine gute Voraussetzung für ein entspanntes Miteinander und für die Glaubwürdigkeit der Institutionen.

Ortsnamen Recherche | | | | Ladinia | |

SEL: Staatsrat gibt ‘Grünen’ Recht.

Der Staatsrat hat heute das Urteil des Bozner Verwaltungsgerichts bestätigt, wonach die Landtagsabgeordneten Einsicht in die Verträge zwischen der Landesenergiegesellschaft (SEL) und den Energieriesen ENEL und Edison bekommen. Nachdem ihnen dieses Recht sowohl von der SEL, als auch von der Landesregierung verwehrt worden war, zogen die Grünen — mit Unterstützung der Vinschger SVP-Abgeordneten Schuler und Noggler — vor Gericht. Sowohl das Verwaltungsgericht, als auch der Staatsrat argumentierten, eine Gesellschaft, die zu über 93% dem Land gehöre, sei auch dann öffentlich, wenn sie formal privatrechtlich aufgebaut ist. Das Urteil ist jetzt rechtskräftig.

Hans Heiss und Riccardo Dello Sbarba (Grüne) haben angekündigt, sofort von ihrem Recht Gebrauch machen und bereits morgen bei der SEL vorstellig werden zu wollen, um sich beglaubigte Kopien der Verträge zu besorgen. Man darf gespannt sein, welche geheimen Abmachungen der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollten.

Die Entscheidung des Staatsrats bedeutet eine deutliche Aufwertung der Kontrollfunktion des Landtags und ist ein erster Sieg gegen die immer mehr Überhand nehmende Geheimniskrämerei der Landesregierung in zahllosen Angelegenheiten — nicht zuletzt über Verhandlungen mit der Zentralregierung.

Ecologia Politik Recht Verbraucherinnen | | | | | SVP Vërc |

Die Kulturhauptstadt-Lüge.

Um zu widerlegen, dass die Europaregion eine grenzüberschreitende Kulturhauptstadtregion hätte werden können, hat Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter-Mur bei Pro und Contra vom 11. April folgendes gesagt:

Ich muss eines richtigstellen: Es stimmt nicht, dass sich zwei Staaten bewerben können. Für 2019 — ist von Brüssel aus definitiv entschieden — bekommt eine Region, eine Stadt in Italien den Zuschlag und eine in Bulgarien.

Dem offiziellen Bericht der Bewerbung Nordostitaliens zur Kulturhauptstadtregion 2019 — deren Teil Südtirol ist — entnimmt man eine gegenteilige Information:

Alcuni suggerimenti delle Linee Guida della Commissione Europea

• Il titolo viene assegnato ad una città  per un determinato anno. Le città candidate al titolo hanno la possibilità di associare al loro programma un territorio regionale (anche euroregionale per le città frontaliere). Ad esempio, Lussemburgo 2007 ha associato la «Grande Regione» al proprio programma, mentre Essen 2010 ha associato la regione della Ruhr.

[…]

Unterstreichung von mir.

Hätte sich Südtirol eigenständig beworben, wäre also sehr wohl die Einbeziehung von Nord-/Osttirol und Trentino möglich gewesen.

Außendarstellung Faktencheck Kunst+Cultura Politik | Zitać | | Rai | Euregio Lëtzebuerg Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino | | Deutsch

Südtiroler Sprachlandschaft.

Als ich vor einigen Jahren das Sprachbarometer des Landesinstituts für Statistik in meinen Händen hielt, fiel mir sofort auf, dass die meisten Daten nach Sprachgruppen getrennt angegeben waren — wodurch es schwierig ist, ein gesellschaftliches Gesamtbild zu erlangen. Das ist vermutlich Konsequenz des Südtiroler Autonomiemodells, in dem gewöhnlich alles gesondert nach Sprachgemeinschaften betrachtet wird.

Die meisten mir bekannten mehrsprachigen Länder — von Katalonien über die Schweiz bis Wales — kennen einen sehr wichtigen Indikator, der als Grundlage für die jeweilige Sprachpolitik dient, doch genau der fehlt in der Astat-Studie: Es handelt sich um die Hör-, Sprech-, Lese- und Schreibfähigkeiten aller Bürger in den unterschiedlichen Sprachen.
Im Sprachbarometer scheint zwar auf, wie gut die Südtiroler deutscher Muttersprache Italienisch und wie gut die Südtiroler italienischer Muttersprache Deutsch beherrschen, alles andere — einschließlich der Kompetenzen in der eigenen Sprache — wird jedoch ohne ganz Angabe von Zahlenwerten und ebenfalls nach Sprachgruppen getrennt (ausschließlich graphisch) zusammengefasst.

Eine tabellarische oder grafische Darstellung der Sprachfähigkeiten aller Südtiroler (also ungeachtet ihrer Muttersprache) fehlt ganz.

Ich habe nun beim Astat die entsprechenden Daten angefordert, erhalten und auf die Gesamtbevölkerung umgelegt. Daraus ergibt sich ein viel differenzierteres Bild der Südtiroler Sprachlandschaft, als die wie üblich nach Sprachgruppen getrennte Betrachtung erahnen lässt. Daten über das Leseverständnis liegen mir leider nicht vor, genausowenig wie über die Beherrschung der ladinischen Sprache. Das hier in Folge präsentierte Ergebnis müsste normalerweise einschlagen wie eine Bombe:

Rund 68% der Südtiroler haben keine Schwierigkeiten, gesprochenes Deutsch zu verstehen. Das ist rund 1 Prozentpunkt weniger, als es — laut Volkszählung — Südtiroler deutscher Muttersprache gibt. Darüberhinaus können weitere 16% der Südtiroler Zusammenhänge eines längeren Gesprächs auf Deutsch verstehen. Insgesamt befinden sich 84% der Südtiroler Gesamtbevölkerung in diesem »grünen Bereich«.

Obwohl sich bei der Volkszählung nur 26,5% der Südtiroler der italienischen Sprachgruppe zugehörig erklärt haben, geben 59% (also mehr als doppelt so viele!) an, ohne Schwierigkeiten einem Gespräch auf Italienisch folgen zu können. Betrachtet man den gesamten »grünen Bereich«, schneiden die deutsche und die italienische Sprache sogar gleich gut ab: Bei beiden Sprachen fallen 84% der Bevölkerung in die zwei höheren Kategorien.

Fast doppelt soviele Südtiroler verstehen kaum oder gar kein gesprochenes deutsches Wort (7%), wie solche, die angeben, (fast) kein Italienisch zu verstehen (4%).

Interessant ist nicht zuletzt der Vergleich mit dem deutschen Dialekt (nicht grafisch dargestellt): 13% der Südtiroler können (fast) gar nichts verstehen, wenn sie jemanden auf »Südtiroler Deutsch« sprechen hören. Das sind fast doppelt soviele, wie beim Hochdeutschen (7%). Allerdings geben im Gegenzug nur 7% an, einfache Sätze verstehen zu können, weshalb der sogenannte »grüne Bereich« beim Dialekt mit 80% nur unwesentlich kleiner ist, als im Falle des Hochdeutschen (84%). Die Einwohner Südtirols haben also insgesamt nur unwesentlich größere Schwierigkeiten, den Dialekt zu verstehen, als die Hochsprache.

Nur wenig mehr als die Hälfte der Südtiroler (55%) geben an, sich spontan und flüssig auf Deutsch ausdrücken zu können. Das sind deutlich weniger, als sich 2001 der deutschen Sprachgruppe zugehörig erklärt hatten (über 69%). Umgekehrt sprechen mit 43% der Gesamtbevölkerung wesentlich mehr Südtiroler »perfekt« Italienisch, als die Sprachgruppenzugehörigkeit vermuten ließe.

Alarmierend ist, dass in einem Land mit deutscher Bevölkerungsmehrheit über ein Zehntel der Menschen (fast) gar nicht Deutsch sprechen kann. Das sind fast dreimal soviele, wie jene, die kein Italienisch sprechen.

Was den gesamten »grünen Bereich« betrifft, so ist er bezüglich der Sprechfähigkeit im Deutschen (74%) nur unwesentlich größer als im Italienischen (71%). Anders gesagt: Fast gleich viele Einwohnerinnen Südtirols sprechen gut Italienisch, wie jene, die gut Deutsch sprechen.

Nur knapp die Hälfte der Südtiroler traut sich zu, Texte zu komplexen Sachverhalten auf Deutsch zu schreiben. Das sind rund 20 Prozentpunkte weniger, als die, die Deutsch als ihre Muttersprache bezeichnen. Fast ein Drittel (und somit ca. 6 Prozentpunkte mehr [!], als sich »italienischer Muttersprache« erklärt haben), trauen sich dieselbe Fähigkeit im Italienischen zu. Im »grünen Bereich« der deutschen Sprache befinden sich 77% der Südtirolerinnen, in jenem der italienischen Sprache 71%: Wiederum gibt es in dieser Hinsicht keinen allzu großen Unterschied zwischen den Sprachen. Die Anzahl jener Südtiroler, die kein Deutsch schreiben können, ist um 50% höher, als jene, die kein Italienisch schreiben können.

Das sind die Daten, die man meines Erachtens — anstatt der Sprachgruppen-Zugehörigkeitserklärung — für eine seriöse Sprach- und Kulturpolitik benützen sollte, weil sie ein realeres Bild der Südtiroler Gesellschaft zeichnen. Sie könnten in zahlreichen Bereichen Anlass für eine drastische Kursänderung sein. Dabei gilt zu beachten, dass die neuen Südtiroler (Zuwanderer) in diesen Erhebungen — meines Wissens — gar nicht berücksichtigt wurden.

Die Daten beziehen sich auf das Astat-Sprachbarometer 2004 (Abschnitt 4 – Sprachidentität) und auf die Sprachgruppenerhebung von 2001. Die genauen Fragestellungen und methodologischen Hinweise sind dem Sprachbarometer zu entnehmen; ihre Ausführung würde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen.

Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Politik Recherche Umfrage+Statistik | Sprachbarometer | | | Südtirol/o | Astat | Deutsch

»Kulturhauptstadt« 2019 — eine Kritik.

von Thomas Benedikter*

Wie von ihren Präsidenten am 1.10.2010 beschlossen, bewerben sich die Regionen Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Provinzen Südtirol, Trentino und Venedig und die Stadt Venedig gemeinsam um den Titel “Europäische Kulturhauptstadt 2019”. Offiziell heißt dieses jährlich seit 1985 von der EU verliehene Siegel noch so, weil es tatsächlich in der Regel an Städte verliehen wird — auch bis 2015 sind wieder Städte dran —  während die Kulturregion Ruhrgebiet 2010 bisher eine Ausnahme war. Nun stimmen unsere Kulturpolitiker die Öffentlichkeit auf dieses sonderbare Projekt ein und Kulturprofis machen sich munter ans Werk, die Bewerbung mit Inhalt zu füllen. Wenn es dazu kommt, wäre nicht nur das Konzept der Kulturstadt gesprengt, sondern auch jenes einer “europäischen Kulturregion” überdehnt, denn diese drei Regionen sind allesamt schon für sich Regionen mit ausgeprägter kultureller Identität. Nichts spricht dagegen, europäische Kulturregionen ins Licht zu rücken, und man hätte 2-3 Jahrhunderte zu tun, um alle vorzustellen.

Was macht aber eigentlich den geografischen Raum Nordostitalien zu einer “Kulturregion”? Es wird kaum reichen, dass dieses Gebiet von 1815 (erstmals von Österreich 1797 annektiert) bis 1866 gemeinsam Teil des k.u.k-Reichs war. Es wird nicht reichen, dass es unter dem Faschismus zum “Triveneto” erklärt worden ist, ein Begriff, der in der italienischen Publizistik immer noch herumgeistert. Auch das verschwommene Konzept von Mitteleuropa gibt zu wenig an Gemeinsamkeit her. Dass es in allen Regionen Sprachminderheiten gibt, ist auch nicht das Verbindende, denn sie spielen zumindest in Venetien fast keine Rolle. Fantasievolle Redner werden gefragt sein, um für die entsprechende Aufladung mit Gemeinsamkeiten zu sorgen.

Also riecht das Ganze doch wieder nach geschickt angelegter Strategie zur touristischen Vermarktung, nach Mitnaschen am Förderungskuchen der EU, nach künstlichen Dachmarken und Plattformen für internationale Bewerbung jenseits jedes klaren Profils. Was wirklich Appetit macht ist die Tatsache, dass laut Statistik europäische Kulturhauptstädte im Schnitt ein Plus von 12% an Touristenzustrom verzeichnen konnten. Hunderte von Veranstaltungen, die ohnehin angesetzt und gut besucht würden, liefen dann eben unter dieser artifiziellen Klammer. Hat Venedig oder Verona das nötig? Braucht Südtirol mit seinen bald 28 Millionen Gästenächtigungen das überhaupt?  In der Internetwerbung der Venezianer für die Kulturhauptstadt (www.nordest2019.eu) wird Südtirol kurzerhand in die “area metropolitana del Nordest” einverleibt, eine Art Hinterland Venedigs, dem die Gäste der Lagunenstadt mal eine Stippvisite abstatten können.

Eine Region der europäischen Öffentlichkeit als “Kulturregion” zu präsentieren und über die EU zu fördern, macht Sinn, wenn sich ihre Bevölkerung einer erkennbar gemeinsamen Identität verbunden weiß. Das Konzept an sich wird ad absurdum geführt, wenn es nur als Destinationsbewerbung dient. Kasslatter-Mur hat denn auch gleich klargestellt, dass es bei der Bewerbung darum geht, sich in diesem Rahmen als deutsche und ladinische Sprachminderheit zu präsentieren. In der Kulturregion, der sich die allermeisten Südtiroler zugehörig fühlen, sind sie aber keine “Sprachminderheit”, nicht umsonst strapazieren unsere Kulturpolitiker das mehrsprachige Südtirol als besondere Realität.

Eine gemeinsame regionale Identität des Nordostens Italiens lässt sich weder erkennen noch aus Marketinggründen herbeireden. Im Gegenteil, die Erfindung einer Kulturregion Nordost lässt eine gewachsene Region in den Schatten treten, die es grenzüberschreitend auch institutionell wieder gibt, die von der EU gefördert wird und darauf wartet, mit mehr Inhalten und Initiativen gefüllt zu werden: die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Warum schafft man in Europa Verwirrung, indem man Südtirol einmal zu diesem Raum schlägt, einmal zum anderen; einmal sich auch kulturell ganz Italien zurechnet, dann wieder in der 150-Jahre-Einheits-Diskussion ganz den eigenständigen Tiroler gibt? Gefragt, ob das zeitliche Zusammenfallen des angepeilten Kulturregion-Jahres 2019 mit dem 100-Jahren Zugehörigkeit zu Italien ein Problem sei, antwortete Durnwalder: “Im Gegenteil, wir wollen auch im Rahmen der Bewerbung zeigen, dass Südtirol ein ganz besonderes Land mit einer entsprechenden Geschichte und Kultur ist” (im Südtiroler Bürgernetz). Mit anderen Worten: man tut sich mit anderen zusammen, um zu zeigen, dass man selbst etwas Besonderes ist.

Siehe auch:

*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von »Autonomien der Welt« (Athesia, Bozen 2007) und »The World’s Working Regional Autonomies« (Anthem, London/Neu-Delhi 2007).

Außendarstellung Feuilleton Kunst+Cultura Politik | | Luis Durnwalder Thomas Benedikter | | Euregio Friaul-Friûl Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | | Deutsch

Ernüchternder Diskussionsabend.

Gestern Abend hat im Ahrntal eine höchstkarätig besetzte Diskussion zum Thema »Autonomie oder Selbstbestimmung« stattgefunden. Obwohl sie die selbstverwaltete Volksbefragung der Süd-Tiroler Freiheit wörtlich (und wenig respektvoll) als »Sandkastenspiele« bezeichneten, sind sie alle angetreten: Landeshauptmann Durnwalder, Kammerabgeordneter Siegfried Brugger, Senatorin Helga Thaler Außerhofer, Parteiobmann Richard Theiner und Landesrat Hans Berger.

Im Grunde war es eine ernüchternde Werbeveranstaltung für die Autonomie, welche die unglaubliche Konzeptions- und Visionslosigkeit der Regierungspartei, aber auch der aus dem Publikum intervenierenden Oppositionspolitiker aufgezeigt hat. Die Unfähigkeit, auch nur ansatzweise über den Tellerrand des Nationalstaatsmodells hinauszudenken, die zentrale Wichtigkeit der Ethnie und deren Verteidigung, die Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker (und das erneut vom Landeshauptmann bemühte Schreckgespenst eines Kriegs) sind frappierende Zeichen für eine selbstgefällige Politikerklasse, die keines innovativen Gedankens fähig ist.

Dabei waren die wichtigsten Argumente für die Autonomie die wirtschaftlichen Verbesserungen seit den 50er Jahren (»fragt doch die Alten!« so die wiederholte Aufforderung) und die ethnischen Errungenschaften seit dem Faschismus — als ob wir aus Ehrfurcht nicht über die Lösung der aktuellen Probleme (z.B. die Zementierung der inneren Grenzen zwischen den Sprachgruppen) und über die zukünftige (regionale, kontinentale, planetare) Entwicklung nachdenken dürften.

Die Krönung des Abends war der Vortrag eines Lokalpolitikers (Ortsobmann? Bürgermeister?), der seine Unabhängigkeitsgegnerschaft vor allem damit begründete, dass wir uns mit den 10% mehr Steuereinnahmen, die wir dann hätten, wahrscheinlich kein Militär, keine Polizei und kein Verfassungsgericht leisten könnten. Und dann die Förderungen für die Trachten kürzen müssten. Einfach köstlich.

Politik Selbstbestimmung Vorzeigeautonomie | | | | | STF SVP |