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  • Frattini ist Staatsratsvorsitzender.

    Während sich die italienischen Rechtsparteien (Lega, FdI und FI) auf Silvio Berlusconi als ihren Kandidaten für den Posten des Staatspräsidenten einigten, wurde der ehemalige Minister und Vertrauensmann des Medientycoons, Franco Frattini, einstimmig zum Kanditaten als Staatsratsvorsitzender gewählt — und auf Mario Draghis Geheiß von Staatspräsident Sergio Mattarella ernannt.

    Frattini, Intimfreund von Michaela Biancofiore, war um nationalistische Einmischungen in Südtirol nie verlegen (01 02). Gemeinsam mit Enrico La Loggia und Gianfranco Fini hatte er sogar angekündigt, wesentliche Grundpfeiler der Südtirolautonomie abschaffen zu wollen. Nun also sitzt er dem rechtlichen Beratungsgremium der Regierung vor, das gleichzeitig die letzte Instanz der Verwaltungsgerichtbarkeit ist — auch für Verfahren aus Südtirol.

    Zudem gilt Frattini laut Zeit

    als Urheber des »Lex Berlusconi«, das den Premier von allen Interessenkonflikten freispricht, und der größten politischen Säuberungswelle unter der Beamtenschaft, die es seit dem Faschismus gegeben hat.

    Verlinkung von mir

    Solche Politiker sitzen nach wie vor an wichtigen Schalthebeln und beeinflussen das Land maßgeblich — sogar in Positionen, die Überparteilichkeit voraussetzen würden.

    Cëla enghe: 01 02 | 03 || 01



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  • Strom: Südtiroler Regulierungsbehörde?

    Der Generaldirektor des Südtiroler Energieverbands (SEV), Rudi Rienzner, plädiert für eine eigenständige Südtiroler Regulierungsbehörde im Stromsektor. Dies berichtete Rai Südtirol vor rund einer Woche.

    Südtirol produziere mehr als doppelt so viel klimafreundlichen Strom, wie es verbraucht. Der sei bislang aber an das staatsweite System gekoppelt. Es solle jedoch die Möglichkeit geschaffen werden, die Energie direkt vor Ort zu verkaufen.

    Die EU sehe zwar grundsätzlich vor, dass es in jedem Land nur eine Regulierungsbehörde gibt. Laut Rai Südtirol ruft Rienzner jedoch zu mehr Mut auf.

    Der Dachverband der kleinen und mittleren Energiebetriebe SEV ging 2012 aus dem Zusammenschluss von Raiffeisen-Energieverband und Südtiroler Biomasseverband hervor.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Was wurde aus Raffaele Fitto?

    Der ehemalige Präsident der Region Apulien und italienische Regionenminister, der früher in der DC (1988-94), im PPI (1994-95), der CDU (1995-98), CDL (1998-2001), FI (2013-15), CoR (2015-17) und DI (2017-19) war, ist 2019 in die neofaschistische FdI eingetreten. Für die Partei von Giorgia Meloni ist Raffaele Fitto Mitglied des EU-Parlaments und derzeit Co-Vorsitzender der Europäischen Konservativen und Reformer.

    Weniger als zehn Jahre vor dessen Eintritt in eine rechtsradikale bis extremistische Partei hatte Südtirol — konkret LH Luis Durnwalder (SVP) — mit Fitto über die Lösung der Ortsnamenfrage zu verhandeln. Unsere zentralstaatlichen Verhandlungspartner stehen regelmäßig dem heimischen Rechtsaußen Alessandro Urzì ideologisch näher als gemäßigten demokratischen Positionen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 || 01 02



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  • Vereinsregister wandert nach Rom.

    Schon wieder verliert die Südtirolautonomie eine Zuständigkeit, womit auch in einem weiteren Bereich die Mehrsprachigkeit flöten geht.

    Mit Dekret 117/2017 wurde in Rom eine umfassende Reform und Neuregelung der Vereinstätigkeit (sog. Dritter Sektor) beschlossen, die ein einheitliches, staatsweites Register (RUNTS für Registro Unico Nazionale del Terzo Settore) umfasst, das nun eingerichtet wurde. Somit werden Südtiroler Vereine fortan nicht mehr auf Landes-, sondern auf Staatsebene erfasst.

    So sieht die angeblich deutschsprachige Version des Webregisters aus:

    Bildschirmausschnitt von RUNTS

    Banal-nationalistisch grünweißrot — ferner Kopf, Titel und Cookieinfo einsprachig Italienisch. Deutschsprachige Inhalte sind, wie in solchen Fällen üblich, fehlerhaft oder ganz abwesend.

    Bildschirmausschnitt von RUNTS

    Gut zu wissen jedenfalls, dass »veröffentlicht auf der Gazzettino Ufficiale das Kommunikat mit dem Abgangsdatum des RUNTS«. Daran werde ich »gedenken«.

    Dass die Zweisprachigkeit in Südtirol sprichwörtlich keine Sau mehr interessiert, wissen wir, seit unsere jüngste Pressemitteilung zum Thema weitgehend ignoriert wurde. Doch mit der Reform kommt auf die Vereine auch eine zusätzliche Bürokratisierung zu, bestehende Steuererleichterungen werden eingeschränkt oder ganz abgeschafft, sodass im Land die Befürchtung besteht, dass viele Vereine ihre Tätigkeit aufgeben könnten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07 08 || 01 02 03



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  • Unionistischer Jihadismus?
    Anschläge in Barcelona und Cambrils

    Der unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagte ehemalige spanische Polizeikommissar und Detektiv José Manuel Villarejo hat gestern vor Gericht beunruhigende Äußerungen zu den Attentaten von Barcelona und Cambrils vom August 2017 getätigt. Demnach soll ein Zusammenhang mit dem katalanischen Unabhängigkeitsreferendum vom darauffolgenden 1. Oktober bestehen.

    Der früher auch im Kampf gegen die baskische Untergrundorganisation ETA tätige Beamte ließ dabei durchblicken, dass der Terroranschlag, dem 16 Menschen zum Opfer gefallen waren, nicht nur einen jihadistischen, sondern auch einen antiseparatistischen Hintergrund gehabt haben könnte. Die Absicht, im Vorfeld des geplanten Selbstbestimmungsreferendums in Katalonien »für Unruhe zu sorgen«, sei den Geheimdiensten entglitten, so Villarejo. Konkrete Beweise für seine kühne Behauptung legte er zwar nicht vor, wies jedoch darauf hin, dass diese in den bei ihm beschlagnahmten Unterlagen zu finden wären, die derzeit allerdings als Staatsgeheimnis eingestuft sind.

    Dass der Imam von Ripoll — der als Kopf der Anschläge gilt und am Tag ihrer Umsetzung bei einer Explosion ums Leben kam — zuvor ein Informant der spanischen Geheimdienste gewesen war, hatten Medien schon 2017 geschrieben. Auch dass Villarejo in geheime staatliche Aktivitäten zur Bekämpfung der separatistischen Bewegung in Katalonien (Operación Cataluña) involviert war, scheint gesichert.

    Ob die extrem schwerwiegenden Anschuldigungen, die der Angeklagte vorgebracht hat, zutreffen, wird zu ermitteln sein. Erwähnenswert scheint jedenfalls, dass die Schilderung Villarejo im laufenden Verfahren übereinstimmenden Berichten zufolge nichts bringen, also nicht etwa zur eigenen Entlastung getätigt worden sein dürfte.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Toponimi scimmieschi.
    Quotation

    Per molti anni il nuovo Tolomeo aveva elaborato la tesi che la maggior parte della popolazione del Tirolo meridionale era costituita da latini, i quali avevano dimenticato la loro origine ed erano diventati tedeschi. Bisognava, dunque, recuperarli. Per sostenere il suo punto, inventò un “sostrato” latino “più antico” o “più genuino” per ogni nome locale tedesco. Queste fantasie erano state sempre considerate dalle persone di buon senso quali innocue debolezze di un fanatico provinciale. Dopo la Marcia su Roma, il nuovo Tolomeo diventò uno dei più influenti consiglieri del Governo. Scoprì che di 16.800 nomi locali da lui raccolti, i più non erano altro che nomi latini degenerati, e smaniosi di ritornare alle origini. È probabile che sotto i sostrati latini, un glottologo scimmia avrebbe trovato sostrati scimmieschi.

    – Gaetano Salvemini

    Una grottesca inondazione di falsificazioni escogitate al lume della lucerna da uno sciagurato nel cui spirito dormivano non uno ma mille milioni di sostrati hitleriani, sommerse le spontanee creazioni mediante cui la immaginazione popolare aveva collegiato bisogni, memorie, fantasie, a fiumi, torrenti, boschi e valli.

    – Gaetano Salvemini

    Gaetano Salvemini, in Preludio alla seconda guerra mondiale (1967)

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02



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  • Kolonialistische Toponomastik.
    Quotation

    Ich zitiere hier die Aussagen von Dr. Peter Glatthard, Professor an der Universität Bern, aus dem Film Streiflichter der Zeitgeschichte – Ettore Tolomei und der italienische Nationalismus in Südtirol von Ludwig W. Regele und Franz J. Haller (Rai 2005) zum Thema Toponomastik:

    [Die Umbenennung] ist eine Inbesitznahme des Gebiets, geistig-sprachlich, denn nur mit den Namen können wir ja eine Landschaft beherrschen. Also es geht hier um Macht, es ist kolonialistisch, es ist imperialistisch. Namen muss man überhaupt nicht verstehen; das ist ein bisschen provokativ, aber es ist so. Namen sind im Grunde Marken, es sind Bezeichnungen, die nicht bedeuten. Wenn Sie nach Bern fahren, müssen Sie nicht wissen, was Bern bedeutet. Es genügt der Klang »Bern«, ein Name bedeutet nichts, darum kann man ihn auch nicht übersetzen. Bei Personennamen ist das deutlich: Ein Johann Sebastian Bach ist immer Bach und es fällt niemandem ein, ihn Jean Sébastien Ruisseau zu nennen. Das genau gleiche Prinzip gilt auch für die Ortsnamen.

    Also diese flächendeckende Italianisierung zielte nicht nur auf die Städte, die ja zum Teil vorher schon italienische Namen getragen haben, sondern viel wichtiger war die Einverleibung — sprachlich — des Landes, also der kleinen Orte, die sogenannten Flurnamen, in Österreich sagt man die Riednamen, vielleicht in Südtirol auch, das weiß ich nicht mehr genau. Und es sollte nun eben gezeigt werden: Das ganze Land, bis in die kleinsten Weiler, Häuser hinaus, quasi wie kapillar… das alles ist schon immer italienisch gewesen — und das stimmt einfach nicht, denn noch heute sind dort zum großen Teil, zum allergrößten Teil nur Deutsch sprechende Menschen. Also es geht immer um einen aggressiven kolonisatorischen Akt der Einverleibung eines Gebiets.

    Also die Idee hinter einer solchen Italianisierung ist selbstverständlich der übersteigerte Nationalismus des 19. Jahrhunderts, und Tolomei beginnt selbstverständlich nicht erst 1919, sondern schon vor 1900 ist er ein glühender Nationalist, der schon damals die Grenze von Italien an den schützenden Alpenkamm hinaufverlegen möchte. Und dieser Nationalismus führt im Grunde in die Irre. Man kann nicht ein Gebiet, das Jahrhunderte lang eine andere Kultur hervorgebracht hat — gewachsen, historisch — einfach mit einem Federstrich von 8.300 Namen italianisieren, das ist eine aufgesetzte Italianità, eine falsche.

    Im Südtirol haben wir eigentlich drei Schichten, sprachlich, also auch drei große Volksbewegungen. Einmal das Keltische, dann 15 v. Chr. kommen die Römer, bringen das Alpenromanische, das Ladinische und ab 700 die Baiern das Bairisch-Deutsche. Und so bleibt es bis 1919. Jetzt kommt das Südtirol zu Italien und erst jetzt — und das kann nicht genug betont werden — erst jetzt kommt das Italienische offiziell in diesen Raum. Und jetzt beginnt diese zwangshafte Italianisierung von der ich vorhin schon gesprochen habe; indem man die Namen italianisiert, auch Vor- und Geschlechtsnamen, sämtliche Orts- und Flurnamen, Tolomei übersetzt ja 8.300 Namen. Und flächendeckend wird nun das Südtirol sprachlich als eine italienische Provinz seit alters ausgegeben, und das ist die Geschichtsklitterung, die Geschichtsfälschung: Das Südtirol war nie italienisch, sondern es wurde jetzt zwangshaft italianisiert, um den Anschein einer alten, ja uralten Italianità zu erwecken.

    Mir scheint, das Südtirol mit den Tolomeinamen seit 1923 und dann offiziell durch den Ministererlass von Mussolini 1940… ist das absolut einmalig, dass man quasi eine ethnische Säuberung durchführt, die gewachsenen Namen während Jahrhunderten auslöscht und eine konstruierte Namengebung dem Land auferlegt. Das ist doch außerordentlich singulär, vor allem singulär, dass sie im Jahr 2003 weiter besteht.

    Selbstverständlich gab es schon vor 1919 große Ortschaften mit legitimen, gewachsenen italienischen Namen, die auf den Handelsbeziehungen bestehen. Also Bozen-Bolzano, Brixen-Bressanone, Ora-Auer usw., aber der offizielle Name, das war immer nur einer, nämlich der historisch gewachsene. Und das andere, das war das Exonym wie wir sagen, jener Name, den eine andere Sprachgemeinschaft legitim braucht. So wie ich als Berner nach »Genf« fahre, obwohl die Stadt offiziell, weil im französischen Sprachgebiet der Schweiz gelegen, nur »Genève« heißen kann. Aber genauso fährt der Tessiner nach »Ginevra«, das ist legitim, aber das sind nicht die offiziellen Namen. Und man muss jetzt bedenken, die einzig offiziellen, geltenden Namen im Südtirol sind ab 1923 eben die italienischen Namen. Noch einmal: Das ist eine Geschichtsfälschung, die nicht mit der gewachsenen Kultur und Geschichte übereinstimmt.

    Also, in Katalonien, das war der krasseste Fall, ist heute alles nur katalonisch, in Galicien nur galicisch, im Baskenland nur baskische Namen, in Andalusien haben wir den Ortsdialekten angepasste Namen — das ist die Folge [der] Entschließungen der Vereinten Nationen. Leider müssen wir feststellen, dass Italien in Südtirol das nicht gemacht hat. Nur an einem Ort hat Italien nach diesen Prinzipien gelebt, und zwar schon vorher, nämlich im Aostatal. Das Aostatal war genau gleich wie das Südtirol 1919 [?] italianisiert worden, die Sprache im Aostatal ist Frankoprovenzalisch, die Namen waren frankoprovenzalisch. Sie wurden alle eliminiert, aber — im Gegensatz zum Südtirol — im Aostatal nach (19)45, nach dem Krieg, restituiert. Dieser Prozess dauerte allerdings bis (19)85, aber heute gibt es nur noch frankoprovenzalische Namen; der einzige doppelsprachige Name ist Aoste-Aosta, aber sonst ist alles nur frankoprovenzalisch.

    Durch diesen Italianisierungsakt gegenüber der deutschen, einheimischen, autochthonen Bevölkerung zeigt sich noch etwas Weiteres: Man hat von außen her den Eindruck, dass die italienische Bevölkerung sich eigentlich nicht im Innersten bemüht, den deutschsprachigen Einheimischen verstehen zu wollen. So glaubt man auch, dass man nicht deutsche Namen aussprechen könnte, denn es muss ja vertraut im italienischen Klangreservoir sein, damit man sich zuhause fühlt und nicht als Italiener in der Fremde. Aber dabei vergisst man, dass man eben ein ursprünglich deutschsprachiges Gebiet nicht mehr als deutschsprachiges Gebiet wahrnimmt.

    Und man müsste sich jetzt fragen, warum ist im selben italienischen Staat eine Restitution im Aostatal im Einklang der internationalen Verpflichtungen, die Italien eingegangen ist, möglich und im benachbarten Südtirol nicht? Auf diese Frage hat bisher noch niemand eine Antwort gegeben. Es ist eine Frage, die offenbar nicht beantwortet werden will. Aber ich meine, man müsste dort den Hebel ansetzen, in Italien selber müsste man eigentlich den Staat verklagen… Warum ist eine Entfernung der faschistischen Ortsnamengebung im Aostatal — auch autonome Provinz — möglich und warum im selben Land in der anderen autonomen Provinz nicht. Also diese Rechtsungleichheit stört nicht nur mich, sondern jeden gerecht denkenden Menschen. Und der Staat müsste ja nach Gerechtigkeit für alle seine Bürger streben, und die Bürger des Südtirols in einem demokratischen Staat auch ihre sprachlichen — hier, jetzt: ihre toponomastischen — Rechte wahrnehmen zu dürfen.

    Transkription, Hervorhebungen und Linksetzungen von mir. Die Zitate wurden hier in derselben Reihenfolge wie im Film wiedergegeben, die nicht notwendigerweise der Reihenfolge entspricht, in der die Aussagen getätigt wurden.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08 09 | 10 11 | 12 13 || 01 02 03 ||



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