Die Provokation des »Umweltinstituts«.
Tief durchatmen

Gibt es vor der eigenen Tür nicht genug zu kehren?
Wir legen uns durchaus mit der deutschen Bundesregierung an, auch mit der bayerischen Staatsregierung oder – in selteneren Fällen – der Stadt München. Aber wir haben auch schon Flyer auf Polnisch herausgegeben. Oder im Falle eines geplanten Atomkraftwerks einen Server der ungarischen Regierung zum Einsturz gebracht, mit einer Mail-Flut aus Deutschland. Damals ist ein Gesandter der ungarischen Regierung und der Universität Budapest extra nach München gefahren, um sich mit uns zu streiten. Aber: Wir haben geringen Respekt vor nationalen Grenzen.

Karl Bär vom Umweltinstitut München im Salto-Interview über die Aktion »Pestizidtirol«

Was auch immer man von den Methoden der Umweltbewegten halten mag

  • ist eine Diskussion über den massiven Einsatz von Pestiziden in der Südtiroler Landwirtschaft sowie dessen Kompatibilität mit Tourismus und Lebensqualität der einheimischen Wohnbevölkerung wohl längst überfällig;
  • sollten wir imstande sein, zwischen der Provokation und deren Substanz zu unterscheiden;
  • ist es ein Armutszeugnis, dass in diesem Kontext viele nur noch pauschalisierend zwischen Südtirolerinnen und Nichtsüdtirolerinnen unterscheiden können, wobei letztere angeblich nicht mitspracheberechtigt sein sollen — denn somit wird ausgeblendet, dass es in München bzw. in Deutschland nicht nur eine unförmige Masse an Piefkes gibt, sondern zum Beispiel Umweltschützerinnen, die selbst nicht am Dieselskandal schuld sind, den man ihnen nun unter die Nase reibt;
  • sollten wir bedenken, dass Menschen aus anderen Ländern nach Südtirol reisen und wir sie dann auch nicht mit dem Hinweis dorthin zurückschicken, sie sollen doch lieber vor ihrer eigenen Haustür urlauben.

Ich selbst habe mich an einer Sammelklage gegen VW beteiligt, ohne vorher nachweisen müssen, dass Fiat die Abgaswerte seiner Fahrzeuge nicht ebenfalls manipuliert hat.

Siehe auch:

Ecologia Gesundheit Medien Nationalismus | Zitać | | Salto | Bayern Südtirol/o | | Deutsch

Belprahon e Sorvilier decidono.
Seguiranno Moutier verso il Canton Giura?

Il 18 giugno, in una votazione ufficiale, le cittadine del comune giurassiano di Moutier si erano dichiarate maggioritariamente favorevoli alla secessione dal loro cantone di appartenenza (Berna), per aderire al Canton Giura.

Ora sarà la volta dei comuni di Belprahon e Sorvilier, le cui aventi diritto a fine settembre (domenica 24) saranno chiamate a decidere se seguire le orme di Moutier oppure rimanere ancorate a Berna. In occasione della votazione del 24 novembre 2013, che avrebbe portato, in prospettiva, alla creazione di un nuovo cantone (fusione dell’odierno Canton Giura con l’intero Giura bernese), le cittadine di Belprahon si erano espresse favorevoli e contrarie in parti eguali — con 110 voti favorevoli e altrettanti contrari. A Sorvilier invece aveva prevalso il no (al 54%); ma ora, con Moutier avviata verso il Canton Giura, sono cambiate le premesse, per cui si è deciso di dare l’opportunità alla cittadinanza di esprimersi ancora una volta.

Se, contro ogni previsione, Sorvilier decidesse di lasciare il Canton Berna, si trasformerebbe in un’enclave, non confinando né con l’attuale Canton Giura, né (come invece Belprahon) con il territorio di Moutier. D’altronde le enclavi e le esclavi sia cantonali che comunali in Svizzera non sono rare.

Vedi anche:

Democrazia Grenze Politik Selbstbestimmung | Good News | | | Jura Svizra | | Italiano

Unity through institutions.
Quotation 382 // "Willensgemeinschaft"

So how has the Swiss nation-state, once Utopian idea, become a reality? How was Switzerland able to keep its independence as a political nation and deal with its economic, social and cultural conflicts? And, finally, how was Switzerland able to turn itself into a modern, industrialised nation, and develop a form of democracy that in the nineteenth century went further than in all other European countries?
In saying that Switzerland represents a ‘paradigmatic case of political integration’, I echo the view of Karl Deutsch, a scholar looking at Switzerland from the outside. Indeed Switzerland has become a society with its own identity only through and because of its political institutions. The role of the political institutions was fundamental in uniting a people with four languages, two religions and different regional cultures and in turning these disadvantages into advantages.

Prof. Wolf Linder in his “Swiss Democracy – Possible Solutions to Conflict in Multicultural Societies”, p. 5 (Palgrave Macmillan 2010).

That’s exactly why BBD always stresses the importance of a new, appropriate political and institutional framework (i.e., statehood) to increase cohesion and deal with South Tyrol’s social and cultural conflicts.

Kohäsion+Inklusion Politik Publikationen | Zitać | | | Svizra | | English

Jährlich grüßt das Murmeltier.
Großer Moment für die Autonomie

Im Februar letzten Jahres hatte Autonomiebaumeister Zeller (SVP) — wie auch von uns mit der nötigen Emphase wiedergegeben — Wesentliches für Südtirol erreicht: Dank einer neuen Durchführungsbestimmung (DFB) wurde unser Land, das primäre Zuständigkeit im Jagdwesen hat, in die beneidenswerte Lage versetzt, die jagdbaren Arten selbst festzulegen. Lediglich die Zustimmung von Ispra, Landwirtschafts- und Umweltministerium sollte fortan noch nötig sein.

Nur anderthalb Jahre später werden jetzt auch die letzten Zweifler und Kritiker eines besseren belehrt: Wie die Dolomiten in ihrer heutigen Ausgabe berichten, hat Rom (also Ispra, Landwirtschafts- und Umweltministerium) einem völlig autonomen Bejagungskonzept fürs Murmeltier zugestimmt! Landesrat Arnold Schuler (SVP) spricht nicht ohne Grund von einem »großen Moment für unsere Autonomie«. In zahlreichen autonomen Regionen weltweit, aber auch in souveränen Staaten wie Island oder Luxemburg reibt man sich bereits die Augen: Wie war es schon wieder möglich, dass das kleine Südtirol so viel erreicht und (fast ohne fremdes Zutun) Jagdgeschichte schreibt?

Ein ganzes Jahr lang und für bis zu 1.400 Murmeltiere gilt das Bejagungskonzept nun, erst dann will Rom verständlicherweise wieder ein kleines Wörtchen mitreden. In einem Anflug von Größenwahn hatte das Land gar versucht, das Konzept auf fünf Jahre auszulegen — so viel Autonomie wäre dann aber selbst für uns ein paar Nummern zu groß gewesen.

Die neidischen Katalaninnen, Schottinnen und Färingerinnen können wir mit Stolz und einem berechtigten Überlegenheitsgefühl auf Zeller und Co. verweisen. Während man sich andernorts auf völlig unrealistische Unabhängigkeitsreferenda konzentriert, werden hier nämlich schon Murmeltiere gejagt.

Comparatio Ecologia Recht Satire Vorzeigeautonomie Zentralismus Zuständigkeiten | | Karl Zeller | Dolo | | SVP |

Südtiroler Vergraulungskultur.

Leserinnenbeitrag

Mein Name ist Maria*, ich stamme aus Polen und lebe seit über 15 Jahren in einer deutschen Großstadt, wo ich ein Doppelstudium absolviert und anschließend in größeren Unternehmen der IT-Branche gearbeitet habe. Mein Mann ist Südtiroler und ich habe inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Nun haben wir aus privaten Gründen beschlossen, künftig unseren Lebensmittelpunkt nach Südtirol zu verlegen, weshalb ich begonnen habe, mich vor Ort nach einer Arbeitsstelle umzusehen. Neben Polnisch spreche ich Deutsch, Englisch und Russisch auf nahezu muttersprachlichem Niveau; meine Italienischkenntnisse sind sehr bescheiden, doch ich habe mich in Deutschland und in Südtirol bereits nach Intensivkursen umgesehen.

Unter anderem habe ich mich an eine private Südtiroler Agentur gewandt, die sich auf die Vermittlung von hochqualifiziertem Personal spezialisiert hat. Obwohl ich klar gemacht habe, dass ich im Augenblick keinem Zeitdruck unterliege (ich kann eine neue Stelle sofort oder erst in einigen Monaten antreten) und dass ich bereit bin, während oder vor Antritt des neuen Jobs gut Italienisch zu lernen, hat man mir bereits beim zweiten Telefongespräch zu verstehen gegeben, dass meine derzeit mangelnden Italienischkenntnisse ein nicht zu überwindendes Hindernis sein könnten und dass es umgekehrt (wenn ich also muttersprachlich Italienisch, aber — noch? — kein Deutsch sprechen würde) zumindest in Bozen kein Problem wäre, eine Stelle zu finden. Das erstaunt mich nicht so sehr, weil Deutsch in Südtirol eine gleichberechtigte Sprache sein sollte, sondern hauptsächlich, weil in der IT-Branche primär gute Englischkenntnisse (und nicht die Beherrschung der jeweilgen Nationalsprachen) ausschlaggebend sind.

Noch bemerkenswerter als die angeblichen sprachlichen Barrieren, fand ich jedoch dass mir ebenfalls bereits beim zweiten Telefongespräch ausdrücklich empfohlen wurde, meinen Mann nach Deutschland zu holen, statt selbst nach Südtirol zu ziehen, da das vermutlich einfacher wäre. Ich halte eine solche Aussage, wie (wenig) ernsthaft sie gemeint sein mag, für eine Katastrophe für einen Wirtschaftsstandort. Dies hat mich (und meinen Mann) nun auch dazu bewogen, den Vorfall öffentlich zu machen, um im besten Fall eine Debatte anzuregen. Auch mein Mann ist übrigens Akademiker; wenn wir also beide nach Deutschland ziehen (bzw. dort bleiben) würden, kämen Südtirol zwei hoch qualifizierte, mehrsprachige Kräfte abhanden.

Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich betonen, dass:

  • ich auf meine Absicht, einen oder mehrere Intensivsprachkurse zu besuchen, aufmerksam gemacht habe;
  • ich hoch qualifiziert bin und mir in Deutschland regelmäßig von so genannten „Headhuntern“ neue Stellen angeboten werden (ich bin also alles andere als schwer vermittelbar);
  • ich darauf hingewiesen habe, dass ich bereit bin, in Südtirol auch weniger qualifizierte Stellen anzunehmen (und die Empfehlung, in Deutschland zu bleiben, sich nicht auf meine fachliche Qualifikation bezog);
  • meine Gehaltsvorstellungen noch kein Thema waren (dafür war es noch zu früh).

*) geändert, richtiger Name ist bekannt

Bildung Discriminaziun Kohäsion+Inklusion Nationalismus Plurilinguismo Wirtschaft+Finanzen | | | | | |

Neue DFB zur Auftragsvergabe.

In der Sitzung vom 28. Juli verabschiedete der römische Ministerrat eine neue Durchführungsbestimmung (DFB) zum Autonomiestatut der Region Südtirol-Trentino, mit der den beiden Ländern neue Zuständigkeiten im Bereich der Vergabe öffentlicher Aufträge übertragen werden. So sollen Südtirol und Trentino fortan eigenständig einschlägiges EU-Recht umsetzen dürfen — sind aber wie immer ausdrücklich an die grundlegenden Bestimmungen der wirtschaftlich-sozialen Reformen der Republik gebunden.

Während die Provinz Trient die Verabschiedung der neuen DFB entsprechend publik gemacht hat und die Meldung von den örtlichen Medien wiedergegeben wurde, sucht man das Thema auf den Seiten des Südtiroler Landespresseamts merkwürdigerweise vergeblich.

Medien Politik Recht Wirtschaft+Finanzen Zuständigkeiten | | | | | EU |

Right to privacy.
Quotation 381

Arguing that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say.

— Edward Snowden

See also:

Datenschutz Democrazia Grundrechte Recht Tech&Com Ungehorsam+Widerstand | Zitać | | | | | English