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  • Relationen: Keine Panik!

    Relationen Staat-Land.

    Drei Milliarden Euro schuldet der italienische Staat dem Land Südtirol. Es handelt sich dabei um vertragswidrig zurückbehaltene und/oder gestrichene Gelder über den Beitrag (500 Millionen jährlich) hinaus, den Staat und Land im Mailänder Abkommen einvernehmlich festgelegt hatten. Die römische Regierung hat nun von Südtirol und dem ebenfalls betroffenen Trentino gefordert, endgültig auf dieses Geld zu verzichten und entsprechende Verfassungsklagen zurückzuziehen.

    Vergleichswerte in violetter Farbe.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • POLITiS Autonomieumfrage.

    Die Sozialgenossenschaft POLITiS und das Südtiroler Bildungszentrum haben während der letzten Monate ein Bildungsprojekt unter dem Titel »Die Reform der Südtirol-Autonomie — Bürgerinnen und Bürger reden mit« umgesetzt, in dessen Rahmen das Anliegen untersucht wurde, »mit mehr Beteiligung und ethnischer Konkordanz zu einer vollständigen Autonomie mit mehr demokratischen Rechten« zu gelangen. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut Apollis über die Plattform Salto.bz zwischen Dezember 2013 und Februar 2014 eine Online-Umfrage zu den Präferenzen in der Autonomiereform durchgeführt. Obschon die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, ist es interessant, die Positionen von immerhin 356 Teilnehmern näher unter die Lupe zu nehmen, gestatten sie doch recht erstaunliche Erkenntnisse. Vorauszuschicken ist, dass sich 86% der Teilnehmerinnen als deutschsprachig, 10% als italienischer Muttersprache und 2% als Ladinerinnen bezeichneten. 81% sind Männer und 19% Frauen, der Bildungsgrad der Teilnehmerinnen ist im Durchschnitt hoch — 51% haben einen Hochschulabschluss, 28% die Matura und 18% ein Fachdiplom.

    Schon die erste Frage (Nr. 1.1) ist sehr aufschlussreich: Zum Ausbau der Südtirol-Autonomie gibt es verschiedene Einstellungen. Welche der folgenden Aussagen entspricht am ehesten Ihrer Meinung?

    1. Ich wünsche mir einen möglichst weitgehenden Ausbau der Autonomie.
    2. Ein Ausbau ist sinnvoll, aber es braucht nur partielle Verbesserungen.
    3. Ein Ausbau ist nicht nötig, es reicht der heutige Stand.
    4. Eigentlich hat das Land Südtirol schon zu viel Autonomie.
    5. Ein Ausbau ist sinnlos, weil nur Selbstbestimmung die Lösung bringen kann.

    Die relative Mehrheit (46%) sprach sich für die Selbstbestimmung (die hier nicht ganz korrekt synonym zur Unabhängigkeit gesetzt wurde) aus, 41% für einen möglichst weitgehenden Ausbau der Autonomie, womit fast 90% der Teilnehmerinnen de facto die Unabhängigkeit vom Staat wünschen. Die starke — wenngleich, man muss es wiederholen, nicht repräsentativ erhobene — Unterstützung für die »Selbstbestimmung« (Antwortmöglichkeit Nr. 5) ist aus mehreren Gründen erstaunlich:

    • Zielgruppe der Umfrage waren schon aufgrund des Titels eher die Verfechterinnen der Autonomie, denn genuine Selbstbestimmungsbefürworterinnen.
    • Die Plattform Salto.bz, die als wichtigster Ausgangspunkt für die Umfrage diente, ist nicht als Hort von Selbstbestimmungsbefürworterinnen bekannt.
    • Die Reihung kann als suggestiv betrachtet werden, da die Antwortmöglichkeiten zunächst von der weitestmöglichen zur geringsten Form des Autonomieausbaus gereiht wurden und erst an letzter Stelle (wider die Logik der restlichen Reihung) die Selbstbestimmung »angeboten« wurde.
    • Durch die Formulierung bestand nicht die (legitime) Möglichkeit, die Selbstbestimmung und den Autonomieausbau zu befürworten. Wer sich für die Selbstbestimmung aussprechen wollte, musste gleichzeitig die Sinnlosigkeit des Autonomieausbaus bestätigen.

    Die zweite Frage (Nr. 1.2) lautet: Wie kann eine umfassende Autonomiereform (3. Autonomiestatut) Ihrer Meinung nach am besten erreicht werden?

    1. Mit der bisherigen Strategie der kleinen Schritte mit Vereinbarungen zwischen den Regierungsparteien in Rom und Bozen.
    2. Durch ein breites Parteienbündnis aller wichtigen politischen Kräfte in Südtirol.
    3. Durch verstärkten internationalen Druck (Österreich).
    4. Durch verstärkten Druck von unten (Öffentlichkeit, Bevölkerung, selbstverwaltete Aktionen).
    5. Anderes …

    Auch hier sind die Antworten erstaunlich eindeutig ausgefallen: Fast die Hälfte (48%) der Befragten glaubt, dass der Ausbau der Autonomie (und in Anlehnung an Frage 1 auch die Selbstbestimmung?) durch Druck von unten erreicht werden muss. An zweiter Stelle steht das breite Parteienbündnis (27%), während die »bisherige Strategie« der SVP (10%) nur knapp mehr Zustimmung erntete, als der internationale Druck (9%).

    Ganz klar bringen also die Befragten zum Ausdruck, dass eine Stärkung der Eigenregierung von Südtirol selbst und hier wiederum von der Bevölkerung ausgehen muss — und nicht sosehr von den Parteien. Deshalb ist es wohl auch unzulässig, den Wunsch nach mehr Autonomie (oder nach Unabhängigkeit) unmittelbar von den Wahlergebnissen ablesen zu wollen. Falls jedoch die etablierte Politik an der Ausarbeitung der neuen Landesverfassung beteiligt werden soll, so ist klar, dass dies überparteilich geschehen muss und nicht den Regierungsparteien in Rom und Bozen vorbehalten sein darf.

    Die dritte Frage (Nr. 1.3) ist inhaltlicher Natur: Wo sehen Sie die Schwerpunkte, bei denen die heutige Autonomie Südtirols am stärksten zu verbessern ist? (Mehrfachnennungen waren erlaubt)

    1. Bei der möglichst eigenständigen Gestaltung möglichst vieler Kompetenzen.
    2. Beim möglichst konfliktfreien, harmonischen Zusammenwirken der Sprachgruppen.
    3. Bei den demokratischen Mitbestimmungsrechten der Bürger und der Autonomie der Gemeinden.
    4. Bei der Position Südtirols gegenüber der Region und gegenüber dem Zentralstaat.
    5. Bei den Steuern und Finanzen.
    6. Anderes.

    Die höchste Zustimmung (von 58% der Teilnehmerinnen) erhielt Antwortmöglichkeit Nr. 1, wodurch ein weiteres Mal ein sehr hoher Selbstregierungsanspruch unterstrichen wird. Gleich dahinter (55%) rangiert Antwortmöglichkeit Nr. 3; das heißt, dass die möglichst vielen Zuständigkeiten auch möglichst bürgernahe bzw. durch die Bürgerinnen selbst ausgeübt werden sollen. An dritter Stelle (48%) wurden die »Steuern und Finanzen« genannt. Das Verhältnis zwischen Land und Region/Staat (40%) sowie die Harmonie zwischen den Sprachgruppen (37%) wurden etwas seltener genannt. Ersteres kann darauf zurückzuführen sein, dass Antwortmöglichkeit Nr. 1 bereits eine weitgehende (wenn nicht vollständige) Entflechtung der problematischen Beziehungen zur Folge hätte.

    Die vierte Frage (2.1) geht auf das Autonomiekonzept der SVP ein: Die SVP verlangt [die] Vollautonomie und versteht darunter den Übergang aller Kompetenzen, außer den wesentlichen staatlichen Funktionen wie Verteidigung, Außenpolitik, Geldpolitik, Straf- und Zivilrecht. Stimmen Sie dieser Zielsetzung zu?

    1. ja
    2. nein, das geht zu weit
    3. nein, das reicht nicht

    Erneut bekräftigten die Teilnehmerinnen ihre großen Erwartungen an ein drittes Autonomiestatut (bzw. an die Unabhängigkeit): An erster Stelle (48%) wurde Antwortmöglichkeit Nr. 3 genannt, nämlich, dass die hier beschriebene, doch sehr weitgehende »Vollautonomie« nicht ausreiche. Eine etwas geringere Zustimmung (44%) erhielt die von der SVP vorgeschlagene Vollautonomie mit Restkompetenzen für den Staat (44%). Nur 8% der Befragten glaubten hingegen, dass die Vollautonomie zu weit gehe. Man kann also behaupten, dass die Vollautonomie (nur) das »Minimum« darstellt, mit dem sich die Umfrageteilnehmerinnen begnügen würden.

    Bei den Fragen zum Fortbestand der Region Südtirol-Trentino sprachen sich 61% für eine vollständige Abschaffung der Institution und ihre Ersetzung durch zwei autonome Regionen aus. Immerhin 20% befürworteten eine Aufwertung der heutigen Region, während 17% glauben, sie sollte durch eine »weniger aufwändige gemeinsame Institution« ersetzt werden.

    Falls die Region abgeschafft würde, glauben 50%, dass die Zusammenarbeit zwischen Trient und Bozen unter dem Dach der Euregio fortgeführt werden sollte. Nur rund ein Fünftel (21%) war dafür, dass sich Südtirol und das Trentino dann »nur fallweise und bezogen auf einzelne Aufgaben oder Politikfelder« koordinieren sollten, während sich 30% institutionalisierte Koordinierungsorgane mit regelmäßigen Sitzungen vorstellen könnten.

    Mit 90% sprachen sich fast alle Teilnehmer dafür aus, dass den Bürgerinnen mehr direkte Mitsprache bei Statutsänderungen eingeräumt werden sollte. In diese Richtung äußerten sie sich auch bezüglich des geplanten Autonomiekonvents, indem sie großmehrheitlich (79%) angaben, dass die Mitglieder des Konvents direkt gewählt werden sollten. Nur 16% befürworteten eine Nominierung durch den Landtag, wie sie derzeit von der SVP bevorzugt wird.

    Eine sehr deutliche Mehrheit (76%) der Umfrageteilnehmerinnen war außerdem der Auffassung, dass ein neues Autonomiestatut auch »die Möglichkeit einer Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit Südtirols« enthalten sollte.

    Betrachtet man die Ergebnisse der Erhebung zusammenfassend, muss man zum Schluss gelangen, dass die TeilnehmerInnen einen sehr hohen Anspruch auf Selbstverwaltung erheben und diese Selbstverwaltung so nahe wie möglich bei den Bürgerinnen selbst angesiedelt wissen möchten. Außerdem sprechen sie sich für eine deutliche Stärkung der Mitbestimmungsmöglichkeiten aus, von denen sie ganz ausdrücklich auch die Bestimmung des institutionellen Rahmens bis hin zur Staatsbildung nicht ausnehmen.


    Die Publikation »Mit mehr Demokratie zu mehr Autonomie« mit sämtlichen Ergebnissen der Umfrage — aus denen hier vor allem die Aspekte über die Fortentwicklung des institutionellen Rahmens herausgegriffen wurden — ist direkt über die Sozialgenossenschaft POLITiS erhältlich.



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  • Voraussetzungen.
    Quotation

    Und was viel zu selten gesagt wird: Die Voraussetzungen für eine Abtrennung Südtirols, nämlich eine kulturelle Unterdrückung sowie Verletzungen der Menschenrechte, sind trotz Unzufriedenheit mit dem italienischen Staat, die auch ich teile, einfach nicht gegeben.

    Brigitte Foppa (Grüne), TAZ, 31. Juli 2014.

    Wäre interessant, wenn uns Frau Foppa über die Menschenrechtsverletzungen in Schottland (aber gerne auch in Montenegro, Tschechien, Slowakei…) berichten könnte.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Wo sind die Hinterwäldlerinnen?

    Intolerant, bäuerlich (sic), bigott, konservativ, rückständig — kurzum: hinterwäldlerisch — seien die (Süd-)Tirolerinnen, ist eine immer wieder implizit oder explizit zu vernehmende Auffassung sich für besonders aufgeklärt haltender Südtirolerinnen über ihre Landsleute. Im heutigen A. Adige stellt Daniele Marini, wissenschaftlicher Leiter des Community Media Research an der Uni Padua eine Studie seines Departements vor, die mit diesem Mythos aufräumt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Erhebung wurden in den Regionen Venetien, Friaul-Julien (FJ) und Südtirol-Trentino insgesamt 3.888 Interviews geführt, um die Akzeptanz gesellschaftlicher Verhaltensweisen zu analysieren.

    Dabei erwiesen sich Südtiroler- und Trentinerinnen in (fast) allen relevanten Bereichen als die Tolerantesten im Vergleich mit den anderen untersuchten Regionen — und auch toleranter, als der staatliche Durchschnitt:

    • So halten in Südtirol-Trentino 95,2% der Befragten Lebenspartnerschaften ohne Heirat für »zulässig«, in Venetien nur 89,2% und in FJ 85,7%. (Italien gesamt: 90,2%)
    • Der Griff zur künstlichen Befruchtung wird (so gut wie) von allen hierzulande Befragten (100%) akzeptiert, in Venetien nur von 84,4% und in FJ von 83,1%. (Italien: 84,8%)
    • Auch die Sterbehilfe scheint in unserer Region kein Schreckgespenst zu sein, halten sie doch erstaunliche 90% für vertretbar, während sie in Venetien (77,6%) und in FJ (61,8%) deutlich weniger Zustimmung findet. (Italien: 75,9%)
    • Gegen gleichgeschlechtliche Sexualität haben in Südtirol-Trentino 90,5% der Befragten nichts einzuwenden; in FJ (81,6%) und Venetien (77,4%) ist die Akzeptanz wesentlich geringer. (Italien: 75,2%)
    • Schwangerschaftsabbrüche halten 76,2% der Südtiroler- und Trentinerinnen für vertretbar, in Venetien nur 67,6% und in Friaul-Julien gar nur 53,8%. (Italien: 61%)
    • Bei der Zustimmung zum Konsum leichter Drogen liegt Südtirol-Trentino (45%) knapp hinter Friaul-Julien (46,7%), aber deutlich vor Venetien (39,8%). (Italien: 44,1%)
    • Dass Südtirol und Trentino (23,8%) gerade bei der Akzeptanz von Prostitution hinter Venetien (25,9%) und FJ (26,9%) bleiben, halte ich persönlich für einen positiven Aspekt. (Italien: 27,4%)

    Auch was die Toleranzprofile anlangt, schneidet Südtirol-Trentino besser ab, als Venetien und Friaul-Julien (FJ):

    • In die Gruppe der Intoleranten, die alle abgefragten Verhaltensweisen für unzulässig hielten, fallen hierzulande keine der Befragten (0%), in Venetien 11,2% und in FJ 13,9%. (Italien: 9,6%)
    • Dem Profil der ‘Strengen’ entsprachen 4,8% der Befragten in Südtirol-Trentino, 5,9% in Venetien und 9,7% in FJ. (Italien: 12,4%)
    • Als tolerant stufte Community Media Research satte 57,1% der Südtiroler- und Trentinerinnen, 55,2% der Veneterinnen und 44,4% der Befragten in FJ ein. (Italien: 49,2%)
    • In die Gruppe der Liberalen, die jede der genannten Verhaltensformen akzeptieren, fallen in unserer Region 38,1%, in FJ 31,9% und in Venetien 27,6%. (Italien: 28,8%)

    Da werden sich einige wohl von liebgewonnenen Vorurteilen über die (Süd-)Tirolerinnen verabschieden müssen, jedenfalls was den Vergleich mit Italien betrifft. Interessant wäre es freilich, ein Gesamtbild der Euregio einschließlich Nord-/Osttirol — und ähnliche Daten auch über die Toleranz gegenüber Migrantinnen — zu erhalten.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02 03 04



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  • Ungesunde Relationen.

    Knapp 180.000 Euro kostete das Land im Jahr 2013 jene Ambulanz, die den sans papiers in Südtirol (offizielle Diktion: »Temporär Anwesende Ausländer«, TAA) eine medizinische Grundversorgung sichert, wie eine Anfrage der Freiheitlichen jüngst zutage förderte.

    g-relationenWer diese Ausgabe infrage stellt, setzt nicht nur die öffentliche Gesundheit aufs Spiel, sondern will diesen Entrechteten auch noch ein Menschenrecht — sowie, wenn man will, christliche Nächstenliebe – vorenthalten. Das ist gerade für eine Partei, die die Einhaltung des Menschenrechts auf Selbstbestimmung der Völker einfordert, ziemlich sonderbar, denn Menschenrechte gelten immer. Oder sie gelten nie.

    Wie sich nun zeigt, haben die Blauen aber mit ihrer Stimmungsmache gegen Ausländer das eigentliche Ziel deutlich verfehlt: Während nämlich die sans papiers mit nicht ganz 0,2 Millionen im Jahr ’zu Buche schlagen’, schuldet der Staat dem Land seit dem Jahr 2000 Geld aus der internationalen Patientenmobilität, das sich inzwischen auf 36,2 Millionen summierte. Seit 2010 hat Rom außerdem auch für die inneritalienische Patientenmobilität keinen Cent mehr an das Land überwiesen, womit uns noch einmal 29,3 Millionen fehlen, die uns vertraglich zustünden. Allein mit diesen fehlenden Mitteln könnten wir die äußerst sinnvolle Ambulanz für Papierlose über 360 Jahre lang finanzieren.



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  • Habermas.
    Quotation

    Sie haben, meine Frage zielt genauso auf den Ukraine-Komplex wie auf die schottischen und flämischen Abspaltungstendenzen, wiederholt Separatismus kritisiert. Warum eigentlich? Das Beispiel von Tschechien und der Slowakei zeigt doch, dass auf prozedural einwandfreier Grundlage eine solche Teilung relativ problemlos vonstatten gehen kann. Historisch gesehen repräsentiert die Sezession nicht mehr und nicht weniger als einen Typus der Nationalstaatsbildung. Muss man ihn unbedingt mit einem normativen Kainsmal versehen?

    Das sogenannte Nationalitätenprinzip ist nach dem Ersten Weltkrieg bei den Verträgen von Versailles zugrundelegt worden – und hat, statt Frieden zu stiften, nur neue Konflikte geschürt. Der Grund liegt auf der Hand: Es gibt keine ethnisch homogenen Völker. Jede neue Grenzziehung erzeugt bestenfalls die Umkehrung des bestehenden Verhältnisses zwischen Mehrheiten und Minderheiten. Genschers Vorpreschen bei der völkerrechtlichen Anerkennung Kroatiens als eines souveränen Staates und die darauf folgende Zerschlagung Jugoslawiens hat zu den blutigsten Schlächtereien auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geführt – ein Fehler, der mit der internationalen Anerkennung des Kosovo noch einmal wiederholt worden ist. Das war der einstweilen letzte Schatten, den das nationalistische 19. Jahrhundert über das 20. geworfen hat. Und nun rumoren diese nationalistischen Gespenster sogar im Herzen einer Europäischen Union, die nicht einmal den politischen Willen aufbringt, gegen den weichen Autoritarismus der Orban-Regierung einzuschreiten.

    Aus dem Interview der Frankfurter Rundschau mit dem Philosophen Jürgen Habermas anlässlich seines 85. Geburtstags, 13. Juni 2014.

    Es ist bedauerlich, dass auch dieser große linke Vordenker der europäischen Einigung offenbar nicht inhaltlich zwischen den unterschiedlichen Separationsbewegungen unterscheiden kann. Schottland und Flandern sind — um erst gar nicht von der Krim zu sprechen — zwei völlig unterschiedliche Realitäten. Was etwa hat der inklusivistische Prozess in Schottland mit der Schaffung ethnisch homogener Nationalstaaten zu tun? Wenn eine Staatsgründung nicht entlang national(istisch)er Definitionsmuster verläuft, ist auch keine Umkehrung des bestehenden Verhältnisses zwischen Mehrheiten und Minderheiten zu befürchten — einen Vorwurf den sich jedoch hierzulande etwa die Freiheitlichen mit ihrem Verfassungsentwurf gefallen lassen müssen.

    Schaut man etwas genauer hin, muss man Prozesse wie jenen in Schottland (oder den von vorgeschlagenen) als einen Beitrag zur Überwindung des nationalstaatlichen Prinzips verstehen. Andere Vordenker, wie Robert Menasse, tun dies. Eine Erklärung, warum denn das Festhalten an althergebrachten Nationalstaaten besser sein soll als deren »physische« Dekonstruktion, bleibt Habermas in seiner Antwort zudem schuldig.



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  • Diciotto studi e un libro bianco.

    Il Consell Assessor per a la Transició Nacional (CATN), organo di consulenza del governo catalano sulla via dell’autodeterminazione, ha recentemente ultimato il percorso di analisi e di studio previsto dal suo mandato. Lunedì di questa settimana infatti ha presentato, in una volta, ben otto informes, meticolose analisi tematiche in vista del referendum programmato per il 9 novembre — quasi due anni dopo le elezioni anticipate che avevano come scopo proprio di intraprendere questo percorso. I 15 membri — tutti di spicco — del Consell hanno soddisfatto pienamente le richieste di governo e parlamento, che gli avevano commissionato un numero complessivo di 18 analisi, e rimarranno ulteriormente in carica per sostenere le autorità catalane nello svolgimento del processo di autodeterminazione e di eventuale indipendenza.

    Ecco i titoli e quindi le aree tematiche delle analisi messe a punto dal Consell:

    1. La consultazione sul futuro politico della Catalogna.
    2. L’amministrazione tributaria della Catalogna.
    3. Le relazioni di cooperazione fra la Catalogna e lo stato spagnolo.
    4. Internazionalizzazione della consultazione e del processo di autodeterminazione.
    5. Le tecnologie di informazione e della comunicazione in Catalogna.
    6. Le vie per l’integrazione della Catalogna nell’Unione Europea.
    7. La distribuzione di attivi e passivi.
    8. Politica monetaria (Euro), banca centrale e supervisione del sistema finanziario.
    9. L’approvigionamento idrico ed energetico.
    10. Il processo costituente.
    11. Le relazioni commerciali fra la Catalogna e la Spagna.
    12. Le autorità di regolamentazione della concorrenza e strutture amministrative richieste dall’Unione Europea.
    13. L’integrazione nella comunità internazionale.
    14. Il potere giuridico e l’amministrazione della giustizia.
    15. La previdenza sociale catalana.
    16. La successione di ordinamenti e amministrazioni.
    17. La sicurezza interna e internazionale della Catalogna.
    18. La sostenibilità fiscale ed economica di una Catalogna indipendente.

    Tutti gli informes, accessibili dalla pagina della Generalitat, sono o saranno disponibili in catalano e in castigliano, mentre alcuni sono già stati tradotti anche in inglese, tedesco, francese. Ma il governo catalano, recentemente premiato da Transparency International con un punteggio di 100/100, ha ora annunciato anche la pubblicazione in forma cartacea di un libro bianco contenente tutti e 18 gli informes, sulla falsariga di quanto fatto dagli indipendentisti scozzesi.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Mehrsprachigkeit gestärkt.

    In ihrer gestrigen Sitzung hat die Landesregierung eine Stärkung der Zweisprachigkeit bei der Vergabe von Dienstleistungen durch Land und Gemeinden beschlossen: Überall dort wo bei der Ausübung der geforderten Leistungen (in Kranken- und Seniorenpflege, öffentlichen Mensen etc.) ein Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern zu erwarten ist, soll der Zweisprachigkeitsnachweis in der Ausschreibung mit einer höheren Punktezahl belohnt werden. Dies sei aber nur eine Übergangslösung, denn der Nachweis soll mittelfristig zum Ausschlusskriterium werden: Wer ihn nicht beibringen kann, wird erst gar nicht zum Wettbewerb zugelassen. Je mehr und öfter Dienstleistungen auf staatlicher oder internationaler Ebene ausgeschrieben werden müssen, desto wichtiger wird diese Maßnahme, um eine Aushöhlung der Zweisprachigkeitspflicht — wie sie zum Teil bereits im Gange ist — zu verhindern.

    Prompt weist Michele Buonerba von der Gewerkschaft Cisl laut heutigem A. Adige darauf hin, dass das Mehrsprachigkeitskriterium einem eventuellen Rekurs vor dem Verwaltungsgericht nicht standhalten werde, da das »nationale« Vergaberecht gelte und nicht derart eingeschränkt werden dürfe. Falls dies stimmt — und dies im übrigen auch die unkritische Position einer Gewerkschaft ist — wäre dies freilich eine weitere Bankrotterklärung der Autonomie, deren wichtigste Existenzgrundlage doch die Sicherstellung der Mehrsprachigkeit sein sollte.

    Der Landesregierung ist zu ihrem Vorstoß in jedem Fall zu gratulieren und gegebenenfalls das nötige Durchhaltevermögen zu wünschen.



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