→→ Archif di cuntribuć esterns →→

  • La minoranza sudtirolese dà fastidio, il razzismo no.

    Silvia M.C. Senette recentemente ha intervistato il conduttore radiofonico Giuseppe Cruciani per il Corriere della Sera e, tra le altre cose, gli ha chiesto che cosa pensa delle due autonomie speciali del Sudtirolo e del Trentino.

    Siamo in Italia

    La sua risposta è un perfetto esempio di razzismo nei confronti di una minoranza linguistica:

    Non me ne frega nulla, ma il tedesco parlato in Alto Adige mi dà fastidio. Quella è Italia e qualsiasi discriminazione nei confronti della lingua italiana mi fa inc…are. È un posto che gode di autonomia e agevolazioni, quindi tutto dovrebbe funzionare alla perfezione perché ci sono un sacco di soldi: è chiaro che è un posto che ha dei privilegi rispetto alle altre parti d’Italia, questo deriva dalla storia, da alcuni accordi che sono stati presi e nessuno ha il coraggio di modificarli. Intanto, però, le persone di lingua italiana sono considerate di rango inferiore rispetto a quelle di lingua tedesca.

    – Giuseppe Cruciani

    Lo stesso conduttore, nel 2016, aveva attaccato aspramente e pesantemente offeso il senatore Hans Berger (SVP), perché questi si era permesso di rivolgere qualche parola in tedesco ai media dopo le consultazioni con il presidente della repubblica. Cruciani, allora, aveva detto che il tedesco — anzi: «quella minchia di tedesco di merda» – Berger poteva parlarlo a Bolzano, ma non a Roma. Ora evidentemente ha cambiato idea e il tedesco gli dà fastidio anche in Sudtirolo. Intolleranza e odio si fanno strada.

    L’intervistatrice del Corriere, ritenuto un quotidiano serio, non si è fatta irritare dal razzismo di Cruciani ed è tranquillamente passata alla domanda successiva, come se nulla fosse. L’odio nei confronti del diverso in questo Stato ormai è perfettamente normalizzato e viene accettato come un’opinione qualsiasi. E chiaramente non ci sono da aspettarsi prese di distanza o critiche.

    Tra l’altro, pochi giorni dopo l’intervista, Cruciani è stato uno dei tanti ospiti — di ogni colore politico — che hanno partecipato ad Atreju.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 | 10 || 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Ladinia: Minderheit seit 1981 überall zurückgegangen.
    Sprachgruppenzählung

    Dass die ladinische Sprachgruppe zwischen 2011 und 2024 ausgerechnet in ihrem eigenen Siedlungsgebiet (Gherdëina, Val Badia) fast überall geschrumpft ist, hatte ich neulich bereits thematisiert, weil sich der Landesrat für ladinische Schule und Kultur, Daniel Alfreider (SVP), über das Ergebnis der letzten Sprachgruppenzählung »erfreut« gezeigt hatte.

    Wenn man sich jedoch die Daten seit 1981 ansieht, wie ich es bereits für Südtirols Städte gemacht habe, wird klar, dass es sich dabei auch im Fall der ladinischen Minderheit in Südtirol keineswegs um einen Ausreißer handelt, sondern um einen bereits konsolidierten Trend:

    In jeder einzelnen der acht mehrheitlich ladinischen Gemeinden, die zu Südtirol gehören, ist der Anteil der ladinischen Sprachgruppe seit 1981 geschrumpft. Anfang der 1980er Jahre war die erste Zählung nach Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts durchgeführt worden, mit dem die Verheißung verbunden war, dass sich die Minderheiten von der vorangegangenen Assimilierungspolitik erholen könnten.

    Was die Gemeinden von Gherdëina und Val Badia betrifft, wurde diese Hoffnung aber von Anfang an enttäuscht: lediglich in S. Cristina und Sëlva konnte die Minderheit anteilsmäßig bis 1991 leicht zulegen, dann ging es überall bergab. In 2011 gab es zwar in mehreren Gemeinden eine leichte Verbesserung, doch nur in Sëlva wurde damit kurzzeitig der Wert von 1981 überschritten. Mit der letzten Sprachgruppenzählung liegt der Anteil der ladinischen Sprachgruppe in allen mehrheitlich ladinischen Gemeinden der beiden Talschaften unter dem Bezugswert von 1981: Mit einem Absturz um 6,89 Prozentpunkte gab es dabei in Corvara die deutlichste Veränderung im Vergleich zum Bezugswert, während Sëlva (-0,76) den geringsten Rückgang verzeichnen ließ. Dazwischen liegen alle anderen Gemeinden.

    • Die Gemeinde mit dem höchsten Ladinerinnenanteil ist wie schon 1981 La Val (mit heute 96,45 Prozent).
    • Den geringsten Anteil stellt die ladinische Sprachgruppe — auf die mehrheitlich ladinischen Gemeinden bezogen — wie schon 1981 in Urtijëi (mit heute 79,75 Prozent).
    • Nicht zu den mehrheitlich ladinischen Gemeinden gehört Kastelruth/Ciastel, wo es aber mehrheitlich ladinische Fraktionen gibt. Hier ist die Situation in der gesamten Ladinia am stabilsten geblieben (1981: 15,53% → 2024: 15,81%), wobei aber die Verteilung der ladinischen Sprachgruppe auf die Ortschaften unklar ist. So lässt sich die Entwicklung in den ladinischen Fraktionen nicht gesondert beurteilen.

    Mit der ladinischen Minderheit verfügt Südtirol über einen einmaligen — wiewohl dreigeteilten — sprachlich-kulturellen Schatz, den es nicht nur zu bewahren, sondern zu stärken gilt. Was die amtlichen Daten hier zeigen, ist jedoch höchst besorgniserregend, wobei auch in diesem Fall gilt, was ich bereits in vorangegangenen Beiträgen geschrieben hatte: Die Sprachgruppenzählung betrifft nur italienische Staatsbürgerinnen, weshalb die Realität unter Berücksichtigung der Gesamtbevölkerung noch negativer sein dürfte.

    Dass in Südtirol kein gezielter Minderheitenschutz möglich ist, sondern Regelungen grundsätzlich allen Sprachgruppen gleichermaßen zugute kommen müssen — als wäre die Titularnation nicht ohnehin privilegiert —, hinterlässt seine Spuren. Und es würde nun auch das Ergreifen von Gegenmaßnahmen erschweren, um die negative Entwicklung zu stoppen.

    Davon sind wir aber ohnehin weit entfernt, wenn der zuständige Landesrat nicht nur den Ernst der Lage nicht erkannt hat, sondern über die Ergebnisse sogar »erfreut« ist.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01 02 03 04



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Städte: Deutsche Minderheit unter den Wert von 1981 gefallen.
    Sprachgruppenzählung

    Nachdem ich gestern die Entwicklung der deutschen Sprachgruppe in Bozen thematisiert hatte, habe ich mir nun auch die Situation in den anderen Städten des Landes angesehen.

    Dabei musste ich erstaunt feststellen, dass der entsprechende Anteil inzwischen in sechs von sieben Städten unter dem Niveau von 1981 — der ersten Zählung nach Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts — liegt. Es ist also keineswegs so, dass (wie ich ehrlich gesagt erwartet hatte) die deutsche Sprachgruppe in den Städten seit Jahrzehnten gewachsen wäre und es 2024 nur einen leichten Rückgang, quasi eine Art Anpassung, gegeben hätte.

    Wiewohl nach 1981 in den meisten Städten des Landes tatsächlich eine anteilsmäßige Erholung der deutschen Sprachgruppe zu verzeichnen war, ist dieses »Kapital« inzwischen in fast allen Zentren wieder vollständig verspielt. In Leifers ging die Entwicklung seit 1981 immer nur bergab — und auch in Klausen konnte der Wert von damals nie wieder erreicht werden. Doch zeigte die Kurve zunächst immerhin in Bozen, Meran, Brixen und Sterzing, etwas später auch in Bruneck (teils deutlich) nach oben.

    Spätestens nach der Erhebung von 2024 liegt aber die Minderheit fast überall wieder unter dem Anteil, der Anfang der 1980er Jahre erhoben worden war. Die Wirkung des Zweiten Autonomiestatuts war nicht von Dauer.

    Am negativsten war die Entwicklung zwischen 1981 und 2024 in Leifers (-7,43 Prozentpunkte), wo sich bei der letzten Erhebung nur noch 25,16 Prozent der teilnehmenden Bevölkerung zur deutschen Sprachgruppe bekannten. Der Reihe nach folgen Sterzing (-6,06), Bruneck (-2,90), Meran (-1,42), Klausen (-1,05) und Bozen (-1,03). Dabei ist der Anteil in der Landeshauptstadt heute (24,74 Prozent) am geringsten, weil schon der Bezugswert von 1981 niedrig war.

    Lediglich in Brixen (+2,28) ist der Anteil der deutschen Sprachgruppe an der Gesamtbevölkerung heute höher als 1981, doch auch hier befindet sich der Wert seit 2001 im Sinkflug. Womöglich ist die etwas positivere Entwicklung in der Bischofsstadt auch nur darauf zurückzuführen, dass hier die ländlichen Fraktionen einen relativ größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung haben.

    In all diesen Fällen gilt aber, worauf ich bereits im Fall von Bozen hingewiesen hatte: Die amtlichen Daten, um die es hier geht, berücksichtigen nur italienische Staatsbürgerinnen. Da alle Indikatoren darauf hindeuten, dass sich Zugewanderte überdurchschnittlich häufig in die italienische Sprachgruppe integrieren, dürfte die reale Situation wohl sogar noch besorgniserregender sein.

    Obschon Glurns offiziell eine Stadt ist, blieb diese Gemeinde in der vorliegenden Betrachtung aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen unberücksichtigt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07 08 || 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Deutsche Sprachgruppe in Bozen im Sinkflug.

    Ich möchte hier nochmal auf das Ergebnis der amtlichen Sprachgruppenzählung in der Landeshauptstadt zurückkommen, wo die deutsche Sprachgruppe, die bis zur Annexion und auch noch bis zum Faschismus eine große Mehrheit gestellt hatte, zum wiederholten Mal geschrumpft ist. Nicht einmal mehr ein Viertel der erklärenden Bevölkerung gehört laut jüngsten Daten — erstmals seit Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts 1972 — der deutschen Sprachgruppe an.

    Die Landesautonomie hat es also in der Hauptstadt nicht geschafft, den Assimilierungs- und Majorisierungseffekt, der vom faschistischen Regime mit großer Brutalität in Gang gesetzt und von der italienischen Republik in der Nachkriegszeit fortgeführt wurde, mittelfristig zu stoppen und umzukehren.

    Wie die Daten zeigen, hat es seit der ersten Erhebung, die nach Inkrafttreten der Landesautonomie von 1972 im Jahr 1981 durchgeführt worden war, nur eine kurzfristige Erholung der deutschen Sprachgruppe gegeben, die 1991 ihren Höhepunkt erreicht hat. Seitdem wurde bei jeder einzelnen Zählung ein Rückgang verzeichnet, der die Konsistenz der deutschen Sprachgruppe schon 2011 unter den Wert von 1981 zurück und — wie bereits gesagt — bei der letzten Erhebung sogar unter die Schwelle von einem Viertel der Gesamtbevölkerung geführt hat.

    Eine aktive Sprachpolitik, die diese Entwicklung stoppen könnte, gibt es in Südtirol — anders als in vergleichbaren Minderheitengebieten (01 02 03) — nicht. Bei der Regierungspartei SVP, die einst hauptsächlich für Minderheitenschutz stand, scheint sogar das Bewusstsein dafür zu fehlen, dass Maßnahmen nötig wären.

    Seit 1991 ist die deutsche Sprachgruppe nicht nur alle zehn Jahre geschrumpft. Vielmehr wurde sogar ein von Erhebung zu Erhebung wachsender Rückgang im Vergleich zur vorhergehenden Zählung verzeichnet (2001: -0,32 / 2011: -0,77 / 2024: -0,78 Prozentpunkte). Dies wird 2024 nur dadurch relativiert, dass sich der Zeitraum zur vorhergehenden Erhebung coronabedingt etwas verlängert hat.

    Wie schon mehrmals geschrieben, hat Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) die Ergebnisse der Sprachgruppenzählung sogar positiv bewertet, weil sie seiner Meinung nach zeigen, dass die Autonomie allen zugute kommt. Das ist eine mögliche, meiner Meinung nach jedoch naive Lesart. Wenn nämlich der Minderheitenschutz der Mehrheitsbevölkerung zugute kommt, heißt das im Umkehrschluss, dass er nicht — oder nicht ausreichend — funktioniert. In der Landeshauptstadt, die nicht irgendeine Gemeinde ist, sondern auch eine wichtige Mittelpunktfunktion wahrnimmt, ist dies noch sichtbarer und gleichzeitig noch besorgniserregender als anderswo.

    Man könnte also auch sagen, dass die koloniale Logik, die mit der Annexion durch Italien in Gang gesetzt wurde und im Faschismus eine drastische Beschleunigung erfuhr, durch die Autonomie nach einer ersten kurzen Trendumkehr nur verlangsamt, aber nicht gestoppt oder gar umgekehrt werden konnte. Gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst wirkt sie bis heute fort und nimmt sogar wieder schleichend an Fahrt auf.

    Dies gilt umso mehr, als die Daten einiges verschleiern, was die reale Situation noch besorgniserregender erscheinen lässt. Zum Beispiel, dass an der Sprachgruppenzählung nur italienische Staatsbürgerinnen teilnehmen dürfen und gerade Zugewanderte vom Staat aktiv in die italienische Sprachgruppe integriert werden. Dass unter denen, die sich der italienischen Sprachgruppe zugehörig erklären, die Kenntnis der deutschen Sprache deutlich weniger verbreitet ist als die Kenntnis der italienischen Sprache unter denen, die sich als deutsch erklären. Oder dass Deutsch als Verständigungssprache über die Grenzen der Sprachgemeinschaften hinweg schwindet.

    All das zeigt sich bereits auf Landesebene, ist aber in Bozen schon seit Jahrzehnten zu beobachten.

    Die von Alessandro Urzì (FdI) geforderte Abschaffung oder drastische Reduzierung der Ansässigkeitsklausel würde ihre Wirkung in der Landeshauptstadt wohl am schnellsten entfalten.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05 | 06 || 01 02 03 04 05 06



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Die Sprachdatensuchmaschine.

    Das kürzlich vom neuen katalanischen Präsidenten Salvador Illa (PSC) geschaffene Ministerium für Sprachpolitik hat sämtliche von oder in Zusammenarbeit mit der Generalitat seit 2001 durchgeführten Studien zur katalanischen oder zur aranesisch-okzitanischen Sprache zusammengeführt, systematisch geordnet und im Internet mit einer leistungsfähigen Suchfunktion versehen.

    Insgesamt sind so unter llengua.gencat.cat/estudis sage und schreibe 108 Erhebungen zusammengekommen, die aus der Zeit von 2001 bis 2023 stammen. Zu jeder Arbeit findet man in dem neuen Archiv Pressemitteilungen, wissenschaftliche Zitate, Dossiers, Informationsmaterial, Präsentationen und Videos, die dazu veröffentlicht wurden. In einer Datenbank sind viele Informationen auch unabhängig von den zugrundeliegenden Studien zum Beispiel als Diagramm verfügbar und können so mit anderen Daten verglichen werden. Ein »System der sprachlichen Indikatoren« gestattet es, die Ergebnisse nach Themen (Demographie, Sprachkenntnisse, Anfangs-/Identifikations-/Gewohnheitssprache, Verwaltung, Schule, Universität, Weiterbildung, Medien, Kulturbereich und digitale Welt) sortiert zu betrachten.

    Allein schon die Gesamtzahl von über hundert Studien, die nur von der Generalitat in rund 22 Jahren (durchschnittlich knapp 5 Studien pro Jahr) durchgeführt wurden, ist höchst beeindruckend. Für eine Sprachpolitik, die diesen Namen auch verdient, sind gute Daten allerdings unerlässlich. In Südtirol haben wir davon leider zu wenige.

    Cëla enghe: 01 02 | 03 04 05 06 || 01



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Keine Heimat mehr.
    Heimat Fremde Heimat


    Im Jahr 2019 feierte die Redaktion 30 Jahre Heimat Fremde Heimat (HFH) — und zwar im Burgtheater mit viel Prominenz. Der Künstler André Heller meldete sich mit einer Videobotschaft und appellierte an den ORF, die Sendung »nicht anzurühren«. Als ob er es erahnt hätte.

    Zwei Jahre nach der Pensionierung der — mit Lorbeeren verabschiedeten —Redaktionsleiterin Silvana Meixner war am 22. Dezember Schluss, zum letzten Mal strahlte der ORF die Sendung Heimat Fremde Heimat aus. Eine Sendung, die seit 35 Jahren unterschiedliche Minoritäten verbindet, die nationalen Minderheiten, die migrantischen Communities und diverse andere.

    Ein reizvolles Labor über das bunte Österreich der ethnischen, kulturellen, religiösen und sexuellen Vielfalt. Die Republik, demokratische Enkelin der multinationalen Doppelmonarchie. Heimat Fremde Heimat war auch ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Minderheitenredaktionen in Kärnten und im Burgenland. Kein Zufall, kam die Sendung doch 1989 gleichzeitig mit den Schwesterredaktionen im Burgenland (Dober Dan Hrvati) und in Kärnten/Koroška (Dober Dan Koroška) auf den Schirm.

    Nicht der ORF hatte damals entdeckt, dass Österreich mehr ist als die Mehrheitsbevölkerung. Abseits im Land leben — eine überschaubare Zahl — Österreicherinnen und Österreicher, für die Slowenisch, Kroatisch, Ungarisch und Romanes die Muttersprachen sind. In den Metropolen stellen die Nachfahren von Arbeitsmigranten und Geflüchteten einen nicht unbeträchtlichen Teil der Wohnbevölkerung. Wie die nationalen Minderheiten wurden auch sie im ORF zuvor nicht gehört und nicht gesehen.

    Smolle, Kletzander, Meixner

    Es war der Grünen-Abgeordnete Karel Smolle, Kärntner Slowene, der die erwähnten ORF-Sendungen »erhandelte«. Erstmals waren die »anderen Österreicher:innen« zu hören und zu sehen. Gesicht und Stimme für dieses diverse Österreich im Fernsehen wurde die Journalistin Silvana Meixner. Für sie war der Begriff »Diversität« die Programmvorgabe. Sie und ihre Mitredakteur:innen zeigten auf, wie sich die Probleme marginalisierter Gruppen — autochthone, migrantische, sexuelle Minderheiten, Menschen mit Behinderungen — ähnelten, wie diskriminierend sich Mehrheitsstrukturen auf Marginalisierte auswirkten. Aber auch Alternativen wurden gesucht und aufgezeigt, wie die langsam entstandenen minoritären Allianzen. 

    Meixner und ihr Team brachen Nischen auf, Enklaven, vernetzten sie, wie die migrantischen Communities, Volksgruppen, Frauen, Menschen mit Behinderung und LGBTIQ+. Sie wurden zu Agierenden, die ihre Anliegen formulierten.

    Menschenrechtsjournalismus

    Fernsehjournalismus mit einem Hauch aktivistischer Menschenrechtsarbeit. Dafür war Silvana Meixner verantwortlich. Sie geriet deshalb auch ins Visier des bombenden Neonazis Franz Fuchs, der Meixner 1993 eine Briefbombe schickte. Sie kam mit den Worten zurück, sie sei wieder da und lasse sich von den Nazis nicht vom Schirm bomben. Ihre Reaktion darauf: noch mehr Diversität. 

    Im Jahr 2019 feierte die Redaktion mit viel Prominenz. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek würdigte Silvana Meixner und ihr Sendung, es sei » bewundernswert, dass Silvana Meixner diesen Anschlag auf ihr Leben überwinden und etwas Großartiges aus dieser Sendung machen konnte! Das ist aller Ehren und Ehrungen wert.«

    Als Meixner 2023 in den Ruhestand ging, wurde sie von der ORF-Generaldirektion gefeiert. Magazine-Hauptabteilungsleiterin Lisa Totzauer würdigte die Zielstrebigkeit Meixners und ihr Eintreten für Werte, die in der Hektik des Arbeitsalltages oft ins Hintertreffen geraten würden. Zwei Jahre nach ihrem Ausscheiden stellt der ORF Meixners Sendung, ihre Erbschaft, ein.

    Harmonisch war das Verhältnis zwischen ORF-Spitze und der Minderheitenredaktion selten. 2003 ersetzte der ORF die Moderatoren von Heimat Fremde Heimat, Silvana Meixner und Lakis Jordanopoulos, durch einen ehemaligen Zeit-im-Bild-Moderator. Dagegen hagelte es Proteste, der ORF windete sich mit fragwürdigen Argumenten aus dem selbst verursachten Schlamassel.

    Pionier Kletzander

    Vorarbeit für Meixner leistete Helmuth Kletzander, er schuf die Grundlagen für Heimat Fremde Heimat. Mit seinem Gespür für Geschichten holte Kletzander 1998 auch einen Preis für seine Redaktion. Schon Kletzander war »minoritärer« Netzwerker, organisierte 1998 mit der Österreichischen Liga für Menschenrechte, mit der Initiative Minderheiten und dem Boltzmann-Institut im ORF-Zentrum in Wien die Internationale Tagung Minderheiten und Menschenrechte.

    Kletzander sorgte dafür, dass mit Meixner und Meryem Citak Nichtdeutschsprachige in ihren Muttersprachen moderierten, »Gastarbeiter« in ihren Sprachen (mit Untertiteln) interviewt wurden. Eine innovative Leistung von Kletzander, der sich Angehörige der verschiedenen Communities in »seine« Redaktion holte.

    Kletzander stieß die ORF-Tür weit auf, wegen seines minimalen Budgets installierte er die Videojournalist:innen, die große BBC als Vorbild, die überall hin ausschwärmten, vor Ort waren.

    Kletzander entwickelte mit einer Mitarbeiterin eine eigene homepage für die Sendung, Volksgruppen/Diversität, HeimatFremdeHeimat. Die Diversität ging also frühzeitig online, sie spiegelte neben der 30-minütigen Sendung (um 13.30 auf ORF 2) Veranstaltungen, Initiativen, Kuriositäten, Projekte, nationale und internationale Neuigkeiten aus interkultureller Sicht.

    Meixner-Stempel

    Silvana Meixner drückte dem Kletzander-Piloprojekt einige Jahr später ihren Stempel auf. Sie und ihr Team entwickelten interkulturelle Projekte, sprachen damit Junge und interkulturell Bewegte an. Das HFH-Teleobjektiv ging an Schulen, ORF goes to school und präsentierte die divers gewordene Schüler:innenschaft. 

    In Projekten wie Schule fürs Leben – das Projekt wurden mit hunderten Schüler:innen Methoden des Widerstandes gegen rassistische Praxis aufgegriffen. Immer öfter rückten weibliche Vorbilder in den Vordergrund. Aus diesen Projekten entwickelte sich eine Art Kaderschmiede für ethnische Jouranlist:innen. 

    Die HFH-Redakteure Meryem Citak und Mehmed Akbal besuchten Moscheen, kritisierten deren Abschottung von der Mehrheitsgesellschaft und wurden dafür von türkischen Medien übel attackiert. Citak besuchte die »neuen Österreicher:innen«, die Nachfahren der Arbeitsmigranten, für ihren Film Kolarić’ Erben erhielt sie den Journalistenpreis Prälat Ungar.

    Neu war auch, dass in Sendereihen das Verhältnis zwischen Österreich und den Nachbarländern über die Volksgruppen erklärt wurde. In einer Großstadtserie stellte HFH die europäischen Hauptstädte aus der Sicht von Communities und Volksgruppen vor. 

    Eine nicht unbedeutende Rolle spielte auch Südtirol im Format Heimat Fremde Heimat. Es ergab sich eine Zusammenschau zwischen jungen Südtiroler:innen und Angehörigen der österreichischen Minderheiten. Was verbindet, was trennt, was kann voneinander gelernt werden? Daraus entstanden — den Südtiroler ORF-Journalisten Claus Gatterer als Vorbild — die interkulturellen Claus-Tandems, die junge Journalismusaspirant:innen aus Südtirol und den österreichischen Communities und Volksgruppen zusammenführten.

    HFH – nicht nur eine Sendung

    Und immer wieder ging es auch um den österreichischen Nationalsozialismus, um die Opfer der Nazis. Sie wurden gemeinsam gesehen, das Leid jüdischer Menschen, von Roma, Kärntner Sloweninnen, Zeugen Jehovas und LGBTIQ+. Das transgenerationale Trauma fand Platz in der Berichterstattung. 

    HFH praktizierte die Gegenrede, in der Reihe Weitblicke. Prominente saßen an einem virtuellen Stammtisch und redeten und argumentierten gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass, Neid und Angst an. Mehr als 200 Prominente aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft beteiligten sich.

    Neu war, dass der Frauenanteil bei den Interviewpartnerinnen so hoch war, dass die Redakteurinnen scherzhaft angehalten wurden, auch Männer zu interviewen. 

    HFH stand tatsächlich für einen diversen Journalismus, der vieles einschloss. Auch Musik. Im Projekt Hausgemacht war die Musik der österreichischen Volksgruppen zu hören und zu sehen. 

    Und, nicht weniger wichtig und bedeutsam, seit April 2015 stand die Sendung, die abwechselnd von Ajda Sticker und Marin Berlakovich moderiert wurde, auch im Teletext-Gehörlosenservice mit Untertiteln zur Verfügung. Eine Sendung, gestaltet von einer Redaktion, die sich zu einem Kompetenzzentrum in Sachen Diversität entwickelt hatte.

    Hausgemachte Konkurrenz

    All das gibt der ORF jetzt auf. Laut Teletest schauten sich letzthin 50.000 Personen die Sendung an, davor und danach sollen es deutlich mehr gewesen sein. Seitenblicke, Weekend, Rosamunde Pilcher. No na.

    Aber nicht nur: Der ORF platzierte auch die anderen Minderheitensendungen in Burgenland, Kärnten und der Steiermark (also Dobar dan, Hrvati, Dober dan, Koroška beziehungsweise Dober dan, Štajerska) um 13.00 Uhr als Konkurrenz zu Heimat Fremde Heimat. Unbewusst oder gewollt? Und überhaupt: Minderheitensendungen am Sonntag, zur Mittagszeit? Da kann man kaum von Primetime reden. Das sagt viel aus.

    Dieses Format wird im neuen Jahr ersetzt, »durch ein neues, zeitgemäßeres Volksgruppenmagazin wie auch ein Reportageformat«, berichtet Die Presse, die darauf hinweist, dass der ORF der APA einen entsprechenden Standard–Bericht-Bericht bestätigt habe.

    War Heimat Fremde Heimat nicht zeitgemäß? Meinen die ORF-Gewaltigen damit vielleicht »unbequem«?

    Alexander Pollak von SOS-Mitmensch nennt die Absetzung der Sendung einen großen Schaden, weil damit Themen wie Minderheiten und Vielfalt aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. »Das aufzugeben ist nicht ohne Risiko«, bedauert er. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Cëla enghe: Zwischen Schwund und Digitalisierung, Vom Versuch, »normal« zu sein, Diversität, volksgruppen.orf,


    I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i/la autëures ne sustën nia for i fins de BBD. · Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL