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  • Covid-Deutsch: Widmann kontert mit Parodie.

    Zum Brief der Covid-Überwachungseinheit in unfassbar fehlerhaftem Deutsch hat sich die STF mit Anfrage 1314/20 beim zuständigen Landesrat erkundigt. Der redet sich mal wieder auf Fachkräftemangel und Dringlichkeiten der Pandemie heraus, als ob für einen Rundbrief nicht eine einzige Person gereicht hätte, die der deutschen Sprache mächtig ist.

    Auf Frage Nr. 5

    Wird die Landesregierung den Südtiroler Sanitätsbetrieb darauf hinweisen, dass das Recht auf die deutsche Muttersprache ernst zu nehmen ist?

    antwortet Landesrat Thomas Widmann (SVP) in perfektem Sabes-Deutsch:

    Das geschieht immer wieder und der Sanitätsbetrieb nimmt diese Aufforderung auch ernst, leider steht auf Grund des Fachpersonalmangels nicht immer zweisprachiges Personal verfügbar [sic].

    Bei Frage Nr. 6, die im Original

    Wie bewertet die Landesregierung die Tatsache, dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb bis heute nicht imstande ist, das uneingeschränkte Recht auf Gebrauch der deutschen Muttersprache zu garantieren?

    lautet und bei der Beantwortung in

    Wie bewertet die Landesregierung die Tatsache, dass der Südtiroler Sanitätsbetrieb bis heute imstande [sic] ist, das ein [sic] uneingeschränkte Recht auf Gebrauch der deutschen Muttersprache zu garantieren?

    umformuliert wurde, beweist der Landesrat, dass ihm wohl nicht nur das Personal ausgegangen ist. Außerdem sind Kopieren und Einfügen mit den Dringlichkeiten der Pandemie ohnehin nicht vereinbar.

    Die Antwort auf Frage Nr. 7 (wie die Landesregierung dies ändern will) lautet denn auch:

    Die Landesregierung hat den Sanitätsbetrieb beauftragt[,] alles Mögliche zu unternehmen, damit nicht zweisprachigen [sic] Personal die zweite Sprache erlernt. Leider wurde dieses Unterfangen durch Covid 19 eingebremst.

    Wenn das Satire ist, ist sie mehr als gelungen. Aber wenn das wirklich unsere Landesregierung sein sollte, mache ich mir ernsthaft Sorgen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01



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  • NASA unterstützt Navajo-Sprache.
    Perseverance

    Im Rahmen der gegenwärtigen Marsmission mit dem Rover Perseverance arbeiten die us-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA und die Navajo-Nation zusammen, um wissenschaftlich relevanten Elementen des Planeten Begriffe aus der Navajo–Sprache zuzuordnen. Die Bezeichnungen werden von der NASA benutzt, um sich auf dem Mars besser orientieren zu können.

    Für den Anfang steht dem Rover-Team eine Liste von 50 Begriffen zur Verfügung, die vom Präsidenten der Navajo-Nation, Jonathan Nez, Vizepräsident Myron Lizer und deren Beraterinnen ausgearbeitet wurde. Sie umfasst zum Beispiel bidziil (Stärke) oder hoł nilį́ (Respekt). Perseverance wurde als Ha’ahóni übersetzt. Weitere Vorschläge sollen folgen.

    Koordiniert wird das Projekt von Aaron Yazzie, einem Ingenieur des Rover-Teams, der selbst der Navajo-Nation angehört.

    Die Vertreterinnen der Navajos erhoffen sich von der Partnerschaft jenseits der Symbolik eine Steigerung der Attraktivität ihrer Sprache. Es sollen mehr junge Menschen dazu zu animiert werden, sie zu erlernen.

    Wie die NASA bekanntgab, hätten auch mehrere Mitglieder des Rover-Teams bereits die Gelegenheit ergriffen, Begriffe der Navajo-Sprache zu lernen. Die Partnerschaft habe die Wissenschafterinnen ermutigt, über die Benennungen und ihre Bedeutung für die Menschen auf der Erde zu reflektieren.

    Derzeit würden die zugewiesenen Bezeichnungen nur NASA-intern benutzt, da eine allfällige offizielle Benennung der Internationalen Astronomischen Union obliege.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01



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  • Deutsche Schule: Ein Aderlass.
    1995-2019

    Wir könnten behaupten, dass die deutsche Sprache in Südtirol eine dominante Rolle einnimmt und einer goldenen Zukunft entgegensieht. Dass sie eine Killersprache ist, vor deren unaufhaltsamer Expansion die anderen Sprachen im Land geschützt werden müssen. Dass es hier bald kein Italienisch mehr geben wird, schon gar nicht auf dem Lande. Und dass wir — auch deshalb — ganz dringend die Immersion in der Staatssprache Italienisch gewährleisten müssen.

    Oder wir schauen die realen Zahlen an und erkennen, dass auch die deutschsprachigen Südtirolerinnen gegen die Entwicklungen, die die Zugehörigkeit einer Minderheit zu einem monolingualen Nationalstaat für gewöhnlich mit sich bringt, keineswegs immun sind. Dass also der Trend in die genau entgegengesetzte Richtung läuft.

    Das zeigen einerseits die Erhebungen zur Missachtung der Zweisprachigkeitspflicht und zu Status und Bedeutung der Sprachen — andererseits aber auch die für Minderheiten extrem wichtigen Zahlen über den Schulbesuch, die in Südtirol zu den wenigen für längere Zeiträume verfügbaren, offiziellen Daten zur Sprachentwicklung gehören.

    Viele Erhebungen zum tatsächlichen Sprachgebrauch, wie sie in anderen multilingualen Gebieten üblich sind, werden hierzulande nämlich gar nicht oder erst seit wenigen Jahren durchgeführt. Die Datenlage ist dünn und die häufig zitierten Sprachgruppenzugehörigkeitszahlen sagen über die wirkliche Situation kaum etwas aus.

    Ich habe mir also angeschaut, wie sich die Schülerzahlen in den letzten 24 Jahren (1995-2019) entwickelt haben. Das ist der Zeitraum, für den ich beim Astat umfangreiche Daten gefunden habe.

    Grundschule

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    Die absolute Zahl der Kinder, die eine deutsche Grundschule besuchen, stagniert seit 24 Jahren (+1,6 Prozent), obschon heute rund 80.000 Menschen mehr in Südtirol leben als 1995. Gleichzeitig boomt die italienische Schule: sie hat heute fast 50 Prozent Schülerinnen mehr als zu Beginn des Zeitraums.

    Der Anteil an Schülerinnen, die eine Grundschule mit deutscher Unterrichtssprache besuchen, ist zwischen 1995 und 2019 von 78,9 Prozent um fast 6 Punkte (bzw. um 7,4 Prozent) auf 73,0 Prozent gefallen. Währenddessen ist der Schülerinnenanteil, die eine italienische Schule besuchen, von 16,9 Prozent um 6 Punkte (bzw. um 35,4 Prozent) auf 22,9 Prozent gestiegen.

    Dass eine derartige Entwicklung für eine Minderheit höchst verhängnisvoll ist, braucht hier wohl nicht gesondert ausgeführt werden.

    Mittelschule

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    In der Mittelschule ist die Entwicklung sogar noch akzentuierter: Die Schülerzahl in den Einrichtungen mit deutscher Unterrichtssprache ist seit 1995 bei steigender Bevölkerungszahl sogar um 3,8 Prozent gefallen. Die italienische Mittelschule ist hingegen nocht stärker gewachsen (+55,8 Prozent) als die italienische Grundschule.

    Das bedeutet für die deutschen Mittelschulen, dass ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft in 24 Jahren von 79,3 Prozent um 7,9 Punkte (oder um 10 Prozent) auf heute nur noch 71,4 Prozent gesunken ist. Dagegen konnte die italienische Schule ihren Anteil von 16,7 Prozent um 7,6 Punkte (bzw. um 45,7 Prozent) auf nunmehr 24,3 Prozent steigern.

    Oberschule

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    Weniger aussagekräftig sind die Zahlen der Oberschulen, da der Besuch einer Oberschule freiwillig ist. Die Anzahl der Schülerinnen ist von 1995 bis 2019 sprachgruppenübergreifend gestiegen, was wohl mit der Verlängerung der Schulpflicht zusammenhängt. Die Zunahme war aber bei den italienischen Schulen (+47,5 Prozent) deutlich ausgeprägter als bei den deutschen Schulen (+11,4 Prozent).

    Der Anteil der deutschen Schulen an den Oberschülerinnen ist von 71,1 Prozent um 5,7 Punkte (oder um 8,1 Prozent) auf 65,4 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil der italienischen Schulen von 26,4 Prozent um 5,8 Punkte (bzw. um 21,7 Prozent) gestiegen. Auch die Oberschulen fügen sich also ins Gesamtbild.

    All dies geschieht, obwohl es ja heißt, dass angeblich so viele Italienerinnen wie nie zuvor ihre Kinder in eine deutschsprachige Schule schicken.

    Das einzige »Glück«, das wir in Südtirol haben (bzw. hatten), ist, dass wir von einem aus Sicht des Minderheitenschutzes vergleichsweise günstigen Verhältnis zwischen den Sprachen gestartet sind, die Fallhöhe dementsprechend groß war und diese verhängnisvolle Entwicklung folglich länger dauert.

    Umso weniger ernst wird sie allerdings genommen. Im Gegenteil, übermütig scheinen viele zu denken, Minderheitenschutz sei Luxus, uns sei nichts anzuhaben.

    Wichtige Hinweise:

    Einige Zahlen sind Rundungen, deshalb ergeben etwa die Summen aller Anteile nicht notwendigerweise genau 100%.

    Die ladinischen Schulen wurden in diesen Betrachtungen nicht etwa aus mangelndem Interesse vernachlässigt, sondern weil es so etwas wie eine ladinische Schule streng genommen gar nicht gibt. In den ladinischen Ortschaften besuchen alle Schülerinnen dieselben, paritätischen Schulen (mit hauptsächlich deutscher und italienischer Unterrichtssprache), in denen Ladinisch eine eher geringe Rolle spielt. Aussagen über die Minderheit lassen sich daraus m. M. n. kaum extrapolieren.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03



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  • Der gescheiterte Südtiroler Weg?
    Halb Italien ist rote Zone

    Groß war die Häme vor rund einem Monat inner- und außerhalb unserer “Speck-und-Knedl-Republik”, nachdem sich die Südtiroler Landesregierung erdreistet hatte, Verantwortung zu übernehmen, indem sie ihre autonomen Spielräume ausreizte und nach einer Phase weitgehender Öffnung sich wiederum gezwungen sah, einen sanften Lockdown auszurufen, während andernorts Lockerungen angekündigt wurden. Arrogant sei es gewesen, zu glauben, man wisse alles besser. In einer Pandemie wären auf regionale Bedürfnisse abgestimmte Alleingänge der falsche Weg, tönte es von überall her. Ach hätten wir uns doch nur an die zentralen römischen Vorgaben gehalten, dann wär jetzt alles super, wie ein Blick auf die aktuelle Corona-Landkarte zeigt.

    Quelle: Il Sole 24 Ore

    Es gibt freilich vieles, was man an den Entscheidungen und Handlungen der Südtiroler Landesregierung und des Santitätsbetriebes kritisieren kann und muss. Bezüglich des so genannten “Südtiroler Weges” konzentrierte sich die Kritik aber meist allein auf das Faktum, dass Südtirol autonome Möglichkeiten genutzt hat und nicht auf die inhaltlichen Aspekte dieser Entscheidungen. Dass ein bedingungsloses Folgen des “römischen Weges” nicht notwendigerweise zu einem besseren Ergebnis geführt hätte, ist aber evident.

    Am Ende geht es in dieser Krisenreaktion darum, die Todeszahlen so gering wie möglich zu halten, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sodass es zu keinen Triage-Situationen kommt und gleichzeitig das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben so gut es geht am Laufen zu halten, da dieses die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem und vieles andere mehr ist. In der Zusammenschau dieser drei Parameter stehen unzweifelhaft viele andere Regionen Europas – und vor allem auch in anderen Teilen der Welt – um Welten besser da als Südtirol. An diesen Best-Practice-Beispielen hätte sich der “Südtiroler Weg” orientieren sollen, aber nicht am zentralstaatlichen Vorbild. Die Tatsache, dass große Teile Italiens eine noch schlechtere Performance als Südtirol aufweisen, belegt, dass das Problem eben nicht die von der römischen Regierung abweichenden Regeln waren.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Catalogna, «cordone sanitario» contro Vox.

    Nelle ultime elezioni catalane, poco meno di un mese fa, la destra radicale di Vox ha ottenuto 11 seggi su 135. Ora, superando i confini tra separatismo e unionismo, ERC, JxC, CUP, En Comú Podem e PSC hanno concordato un decalogo per difendere «la democrazia, i diritti e la diversità» nel Parlamento, contenente i seguenti punti:

    1. Spazi d’intervento
      Usare gli spazi d’intervento del Parlamento per combattere il discorso dell’odio, difendendo i diritti umani e contrastando le false informazioni che possano indurre a discriminazioni e vulnerazione dei diritti umani.
    2. Presenza negli Organi di Governo del Parlamento
      Stabilire gli accordi necessari a impedire la presenza della destra radicale nella Presidenza del Parlamento, nelle presidenze delle commissioni, nel coordinamento degli intergruppi e nelle relazioni tra gruppi di lavoro. Inoltre, evitare che la presentazione di iniziative collegiali ricada su un qualsiasi diputato o diputata della destra radicale.
      Stabilire altresì gli accordi necessari per evitare, ove possibile, la presenza delle formazioni di destra radicale nelle nomine che il Parlamento della Catalogna, in ossequio al suo statuto o per legge, ha il diritto di fare. Ciò include la rappresentanza del Parlamento nelle rispettive sedi.
    3. Incontri con le entità
      Quando vengono organizzati incontri di lavoro tra i gruppi parlamentari ed entità [esterne] per affrontare tematiche concrete, i gruppi firmatari [del presente decalogo] informeranno le entità richiedenti che le formazioni di destra radicale non saranno convocate.
    4. Iniziative
      Non normalizzare né legittimare l’azione politica delle formazioni di destra radicale. A questo scopo, non sottoscrivere alcuna iniziativa parlamentare congiunta con tali formazioni ed evitare che le loro iniziative possano prosperare.
    5. Rafforzamento contro il discorso dell’odio
      Promuovere le modifiche legislative o altre azioni necessarie per: blindare il Parlamento nei confronti dei discorsi dell’odio e delle discriminazioni; rinforzare il Patto contro la discriminazione e le molestie con sanzioni in caso di mancata adesione; sostituire il requisito di unanimità per le Dichiarazioni Istituzionali con quello di una maggioranza qualificata.
    6. Calendario istituzionale
      Esortiamo la Presidenza del Parlamento a ratificare il calendario di commemorazioni istituzionali attuale che include, tra le altre, la commemorazione delle vittime dell’Olocausto, del genocidio del Popolo Gitano e del traffico transatlantico di persone africane schiavizzate.
    7. Manifestazioni di violenza nei confronti delle deputate
      Rigettare formalmente e unanimemente qualsiasi manifestazione di violenza verbale, fisica o psicologica verso le deputate in qualsiasi contesto dentro o fuori dal Parlamento della Catalogna per motivi di discriminazione di qualsiasi natura.
    8. Visibilizzazione dei femminicidi e del razzismo nel Parlamento
      Mantenere l’iniziativa di fare il conteggio delle morti nel Mediterraneo e dei femminicidi in occasione di ciascuna assemblea plenaria, come durante la XII legislatura. Promuovere la creazione di una Commissione di Studio sul Razzismo Istituzionale.
    9. Collaborazione tra Gruppi parlamentari
      Mantenere attivo uno spazio di lavoro congiunto tra i gruppi parlamentari firmatari [del presente decalogo] per la durata della legislatura per coordinare l’azione parlamentare e le risposte nei confronti di azioni concrete delle formazioni di destra radicale.
    10. Collaborazione con la società civile organizzata
      Formalizzare uno spazio di lavoro e coordinamento nei confronti della destra radicale che includa la società civile organizzata.

    Traduzione mia

    Le forze che hanno aderito al patto (tutte tranne Cs, PP e ovviamente Vox) sono rappresentative di 115 deputate su un totale di 135.

    In Sudtirolo, purtroppo, non è stato attivato alcun «cordone sanitario» nei confronti della destra radicale nel Landtag. Al contrario, una parte di essa è stata chiamata a far parte del Governo.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01 02



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  • EU-Parlament hebt Immunität von Puigdemont, Ponsatí und Comín auf.

    Sie werden von der spanischen Justiz verfolgt, weil sie für das katalanische Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 (mit-)verantwortlich sind: der ehemalige katalanische Präsident Carles Puigdemont und seine damaligen Ministerinnen Clara Ponsatí und Toni Comín (alle JxC). Alle drei sind inzwischen Mitglieder des EU-Parlaments und genießen deshalb parlamentarische Immunität. Jedenfalls war das bis gestern so, als das Plenum mehrheitlich für die Aufhebung dieses Schutzes stimmte.

    Linke und Grüne sprachen sich dagegen aus — EVP, Sozialistinnen und Liberale befürworteten die Aufhebung der Immunität. Die Abstimmung selbst war aber geheim.

    Vorangegangen war ein Verfahren, das das EU-Parlament noch einiges an Glaubwürdigkeit kosten könnte, da sich der zuständige Rechtsausschuss — in dem spanische Abgeordnete überrepräsentiert sind — mehrere grobe Unregelmäßigkeiten leistete: Unter anderem sickerten »geheime« Unterlagen des Berichterstatters und bulgarischen Rechtspopulisten Angel Dzhambazki vorzeitig an die Öffentlichkeit. Im Fall von Clara Ponsatí stimmte der Ausschuss sogar über falsche Tatbestände ab, die Unterlagen wurden nachträglich korrigiert. Und die Auffassung, wonach die Immunität nur für während der Amtszeit begangene Vergehen gelte, steht auch noch in klarem Widerspruch zu offiziellen Parlamentsgutachten (01 S. 19f. und 02).

    Puigdemont, Ponsatí und Comín könnten nun eine Überprüfung des Verfahrens durch den EuGH beantragen.

    Ohnehin ist eine Auslieferung der drei an Spanien alles andere als ausgemacht: darüber wird nun die Justiz in Belgien und Schottland zu befinden haben. Erstere hat bereits die Auslieferung von Lluís Puig abgelehnt und sich dabei unter anderem auf die UNO sowie auf die Verletzung der Unschuldsvermutung berufen. Die für Clara Ponsatí zuständige schottische Justiz ist seit dem Brexit erst gar nicht mehr an Europäische Haftbefehle gebunden. Dadurch wird die Prozedur erschwert.

    Es ist und bleibt also spannend. Für die EU ist die Aufhebung der Immunität und die Art, wie sie erfolgt ist, aber ein abermaliges Armutszeugnis.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01 02 03 04 05 06



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  • Frankreich und Neuseeland bekämpfen Periodenarmut.

    Die französische Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation, Frédérique Vidal, hat am 23. Februar angekündigt, dass Menstruationsprodukte für Studentinnen im Land schon bald kostenlos sein werden. Damit ist Frankreich das erste Land in Europa, das bei der Bekämpfung der sogenannten Periodenarmut dem schottischen Beispiel folgt.

    Dort jedoch wurde die Maßnahme bereits auf alle Frauen ausgeweitet, die sich entsprechende Hygieneprodukte nicht leisten können, und ist nicht auf Studentinnen begrenzt.

    Früher im Februar hatte bereits die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern verlautbart, ein millionenschweres Programm gegen Periodenarmut nach schottischem Vorbild auflegen zu wollen. Davon sollen ab Juni sämtliche Schulen des Inselstaates betroffen sein.

    Anlässlich der Ankündigung der Maßnahme in Frankreich teilte Madame Vidal mit, ein Drittel der Personen in der Hochschulbildung hätten einer Studie zufolge finanzielle Unterstützung nötig, um Tampons und Binden kaufen zu können. Es gehe jedoch nicht an, dass Menschen zwischen Ernährung und Hygiene wählen müssten, so die Ministerin.

    Die neuseeländische Regierung, die bereits ein vielversprechendes Pilotprojekt an 15 Schulen mit rund 3.200 Schülerinnen abgeschlossen hat, spricht von positiven Auswirkungen auf den Schulbesuch. Eine von zwölf Schülerinnen (über 8%) sei in Neuseeland bislang aufgrund von Periodenarmut dem Unterricht ferngeblieben.

    Cëla enghe: 01



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  • Facharztausbildung hält stand.
    Wann kommt das neue Berufsverzeichnis?

    Im Oktober 2019 war die Ärztegewerkschaft ANAAO mit ihrer Klage gegen die Ausbildung von Fachärztinnen nach österreichischem Modell in Südtirol schon einmal abgeblitzt. Das reichte dem nationalistischen Verein offenbar nicht, sodass der Weg vor das Oberlandesgericht eingeschlagen wurde.

    Auch dort war dem Vorhaben jedoch kein Glück beschieden, wie die TAZ nun berichtet. Geklagt hätten Claudio Volanti und vier weitere Ärzte als »Privatpersonen«, da Volanti angeblich von einem der in Ausbildung befindlichen Jungärzte behandelt worden sei. Damit sollte vermutlich das persönliche Interesse, also die Klageberechtigung gerechtfertigt werden.

    Das Oberlandesgericht hat nun jedoch »das erstinstanzliche Urteil […] umfassend bestätigt«, so die TAZ.

    Interessant ist, dass derselbe Herr Volanti im Jänner zum Nachfolger von Monica Oberrauch zum Präsidenten der Südtiroler Ärztekammer gewählt wurde. Leute, die unser Gesundheitssystem aus nationalistischen Gründen torpedieren, scheinen an der Spitze des Berufsverbands beliebt zu sein.

    Besonders folgenreich könnte die Wahl des ANAAO-Manns für die Gleichstellung der deutschen Sprache im Arztberuf sein: Mit einer Gesetzesänderung im Rahmen des Haushaltsgesetzes wurde nämlich nicht automatisch ein Berufsverzeichnis für Ärztinnen mit deutschem statt italienischem Sprachnachweis eingerichtet — vielmehr wurde die Schaffung einer solchen Sektion ausdrücklich dem Gutdünken des Kammerpräsidenten überlassen.

    Dass der neue Kammerpräsident für seine nationalistischen Aktionen bekannt ist, legt nahe, dass er sich mit der Einrichtung des neuen Berufsverzeichnisses — wenn überhaupt — sehr sehr lange Zeit lassen wird. Zum Nachteil der Bürgerinnen.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02



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