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  • Bozen: Mittelinks verbietet Schlafen auf Bänken.
    Repression

    In der Landeshauptstadt wird es bald verboten sein, auf einer Sitzbank einzuschlafen. Das sieht die neue Stadtpolizeiordnung vor, die von der (angeblich) mittelinken Mehrheit um Bürgermeister Renzo Caramaschi vorgelegt wurde. Zusammen mit der Ausweitung der Bereiche, in denen Platzverweise ausgesprochen werden können, ist das ein weiterer Schritt zur Einschränkung elementarer Rechte. Es braucht längst keine Lega, Fratelli d’Italia oder CasaPound mehr, damit Maßnahmen erlassen werden, die in vielen italienischen Städten ursprünglich von den Rechten eingeführt wurden und oft Sitzen, Essen, Schlafen im öffentlichen Raum verbieten, spießige Kleidungsvorschriften machen oder eine engmaschige Kameraüberwachung vorsehen.

    Auch diesbezüglich hat sich längst ein kultureller Wandel vollzogen, bei dem sich die reaktionären Kräfte durchgesetzt haben. Kein Wunder, dass sich ein Sheriff wie Paolo Sartori so großer Beliebtheit erfreut.

    Nur das Team K hat im Bozner Gemeinderat einen Antrag eingebracht, das Verbot, auf Bänken zu schlafen, das vor allem gegen Obdachlose gerichtet ist, aus der Vorlage zu streichen. Doch außer jenen der zwei Einbringer gab es dafür nur die Zustimmung von Tobe Planer von den Grünen. Seine Parteikolleginnen stimmten laut heutigem Corriere entweder gegen die Streichung (zwei), enthielten sich (einer) oder nahmen nicht an der Abstimmung Teil (einer).

    Insgesamt waren 32 Gemeinderätinnen dafür, das Verbot beizubehalten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01



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  • Sergio Ramelli in Bozen.

    Die neofaschistische Bewegung CasaPound verdichtet in Bozen wieder ihre Tätigkeit: Auf die Teilnahme von LH-Stellvertreter Marco Galateo (FdI) an einer verkappten Veranstaltung der Bewegung folgten zwei Aktionen des Blocco Studentesco, mit denen der Antifaschismus als »Mafia« verunglimpft werden sollte (01 02).

    In Erinnerung an die Ermordung des Neofaschisten Sergio Ramelli († 1975) — einen Anlass, den alljährlich Hunderte missbrauchen, um in Mailand ungestraft einen abscheulichen Ritus abzuhalten — brachten jetzt CPI-Mitglieder in Bozen eine »subversive« Gedenktafel an. Demnach sei Ramelli ein »Opfer des antifaschistischen Hasses« gewesen.

    Revisionismus

    Der gemeinsame Nenner all dieser Aktionen sowie der Erinnerung an die Karsthöhlenopfer ist es, den programmatisch und ideologisch auf Vernichtung ausgerichteten Faschismus als »gut« (zumindest aber als neutral) und den Antifaschismus als etwas Gefährliches darzustellen. Damit soll die öffentliche Wahrnehmung immer weiter verschoben werden, bis Faschismus und Antifaschismus moralisch nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

    Dieses Anliegen teilt CPI mit der Regierungspartei FdI und mit der Lega.

    Auch deshalb ist es zwar aufsehenerregend, aber keineswegs überraschend, dass ein führender CasaPound-Mann wie Maurizio Puglisi Ghizzi zur anstehenden Gemeinderatswahl für die Lega antritt. Dass sich bei den mehr und weniger extremen Rechten alles vermischt und dann, zumindest vordergründig, wieder trennt, trägt zu einer Unübersichtlichkeit bei, in deren Nebel sich der für die Faschistinnen so vorteilhafte Relativismus perfekt ausbreiten kann. Wenn alle mit allen anbandeln, sind irgendwann alle anrüchig. Oder eben nicht.

    Seit sie die Rechtsparteien als legitime Koalitionspartnerinnen betrachtet, hat sich auch die SVP in diesen Sumpf begeben und dient ihnen als Werkzeug.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Elsass: Immer mehr Kinder sprechen immer weniger Deutsch.
    Frankreich


    Die Deutschkenntnisse der alemannischen Elsässer verschlechtern sich jährlich. Die Schule soll helfen, fordern Eltern.

    Eltern im Elsass sind besorgt, weiß die Basler Zeitung (BAZ), sie fürchten um die Deutschkenntnisse ihrer Kinder. Auch deshalb, beklagt die Vereinigung Eltern Alsace, weil es zu wenig zweisprachige Schulen gibt.

    Laut BAZ werden in Basel und Umgebung schwer zu findende Französischlehrer gesucht, im Elsass ist das Gegenteil der Fall. Es fehlen Deutschlehrer. Die BAZ zitiert Claude Froehlicher von der Vereinigung Eltern Alsace mit folgender Aussage: »Die Schweiz und Deutschland sind dem Elsass so nah. In diesem wirtschaftlichen Umfeld macht es einfach Sinn, wenn mein Kind Deutsch spricht.«

    Das kann Patrick Bossard bestätigen, er leitet die Berufsausbildung des Elektrounternehmens Etavis. Sein Eindruck: Jugendliche aus dem Elsass sprechen schlechter Deutsch als noch vor einigen Jahren. Etavis bildet 120 Lernende aus, darunter auch Jugendliche aus dem deutschen und elsässischen Raum. Aus dem Elsass kommen immer weniger Auszubildende. Der Grund: »Sie können kein Deutsch mehr. Das ist ein Problem.«

    Mit der Französischen Revolution und der darauffolgenden Zentralisierung des Staates beginnt das Schrumpfen der vielen nicht-französischen Sprachen von der Bretagne über das Elsass nach Okzitanien, rüber nach Korsika sowie in die katalanischen und baskischen Exklaven in den französischen Pyrenäen. 

    Erst spät anerkannte der französische Nationalstaat die sogenannten Regionalsprachen, die Sprachen der erwähnten Minderheiten. In den 1990er Jahren initiierte das Bildungsministerium eine Deutsch-Offensive, um das völlige Verschwinden des Elsässischen zu stoppen. 

    Der Verband zweisprachiges Elsass versucht dieses Schrumpfen zu dokumentieren. Vom Verband recherchierte Daten belegen, dass zwischen 2004 und 2019 eine immer größer werdende Zahl von Gymnasiasten das deutsch-französische Abitur absolvierte. Von 528 Schülerinnen und Schülern stieg sie auf 1.570. Danach stagnierte die Zahl und sinkt nun leicht.

    Im Jahr 2023 sind laut dem Verband zweisprachiges Elsass neun bilinguale Klassen im Département Haut-Rhin eröffnet, aber 19 geschlossen worden. Eltern Alsace drängt deshalb auf einen flächendeckenden Deutschunterricht. Aber »jeder neue zweisprachige Standort ist ein Kampf«, kritisiert Froehlicher.

    Hohe Nachfrage nach Deutschunterricht in Saint-Louis

    Die Gründe für diese Entwicklung sind divers. Es fehlen Lehrer:innen und das große Interesse am Englischen führt zu einer Reduzierung des Deutschunterrichts. Und: Der Anteil bilingualer Schüler in der Grundschule ist zwar noch relativ hoch, nimmt aber dann in den höheren Schulstufen deutlich ab.

    Eltern müssen frühzeitig, nämlich bereits im Kindergartenalter, entscheiden, ob ihr Kind zweisprachig beschult wird. »Später erlauben die Lehrer das kaum noch«, weiß Claude Froehlicher. »Außerdem verlieren wir zweisprachige Schüler, wenn die Eltern in ein Dorf ziehen, wo das nicht angeboten wird.«

    Laut Eltern Alsace besuchen im Schulbezirk Straßburg 18 Prozent der Schüler:innen den zweisprachigen Unterricht. Saint-Louis an der Grenze zu Basel zählt 19 zweisprachige Klassen von insgesamt 86 Vorschul- und Grundschulklassen. Thierry Decorde, Leiter der Bildungsabteilung im Rathaus von Saint-Louis, bestätigte die relativ hohe Nachfrage nach Deutschkursen, diese habe in den letzten Jahren zugenommen.

    Nur 2.000 Euro Lehrer:innen-Lohn

    Decorde bestätigt, dass es Schwierigkeiten gibt, Deutschlehrer:innenzu finden. Einer der Gründe, die Nähe zur Schweiz und zu Deutschland, wo Lehrer »wahrscheinlich bessere Gehälter beziehen.«

    Gemäß der Job-Börse Connexion Emploi verdienen Universitätsabgänger als Lehrer in Deutschland zwischen 3.500 und 4.000 Euro, während sie in Frankreich mit 1.800 bis 2.000 Euro starten.

    Eltern Alsace kritisiert die verantwortlichen Behörden, zu wenig zu unternehmen, um Deutschlehrer zu rekrutieren. Froehlicher vermutet, die Behörden hoffen darauf, dass bilinguale Schüler wegen der vielen Schwierigkeiten abspringen. Außerdem gilt die Zweisprachigkeit in Paris als ein »Klotz am Bein«. Die Bildungspolitiker stufen die Regionalsprachen als eine Art Folklore ein, »mit der man doch bitte nicht die Éducation nationale nerven solle«, ärgert sich Froehlicher.

    Elsässerditsch – einst verbannt

    Der französische Staat misstraute dem Elsässerdeutsch lange, ein historisch belastetes Verhältnis. Nach dem Ersten Weltkrieg, das Elsass wurde wieder »französisch« und dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg — nach der NS-Annexion kehrte das Elsass wieder zurück in den französischen Zentralstaat — setzte die Bildungspolitik auf die französische Einsprachigkeit und verbannte den alemannischen Dialekt aus den Schulen. Immer mehr elsässische Familien verzichteten auf die eigene Muttersprache. Erfolgreiche Assimilation.

    »Als ich 1950 in Huttenheim zur Schule ging, sprachen alle Kinder im Dorf Elsässerditsch«, erzählte Pierre Klein vom Verband zweisprachiges Elsass der BAZ. Heute, weiß Klein, spricht kein Kind mehr in der Schule in Huttenheim Elsässerditsch.

    Der elsässische Sprachwissenschaftler und Dichter Edgar Zeidler sowie sein Internationales Dialektinstitut wollen das Elsässerditsch wieder stärken. Sie sehen darin den Weg, die Deutschkenntnisse der Elsässer Jugendlichen aufzubessern. »Absolute Priorität hat das Elsässische. Es ist in Gefahr, nicht die deutsche Sprache«, ist Zeidler überzeugt. Zeidler meint, dass der Staat Kindergärtner und Lehrerinnen ausbildet, die auf Elsässisch unterrichten, und auch Lehrmittel in der Regionalsprache entwickeln.

    Ein elsässerditsches Wörterbuch

    Sprachwissenschaftler Zeidler wirbt für »immersive Klassen«, in denen Elsässerditsch nicht wie eine Fremdsprache gelehrt wird, sondern als zweite Muttersprache. Zeidler ist von diesem Ansatz überzeugt, um die Deutschkenntnisse der Jugendlichen zu verbessern. »Der Humusboden für das Deutsche ist ausgetrocknet, weil der elsässische Dialekt in einem sehr schlechten Zustand ist«, beschreibt der Wissenschaftler den Zustand des Elsässerditschen.

    Im Mai nimmt ein neues Sprachamt seinen Dienst auf. Für Zeidler ein »Funken Hoffnung« für das Erstarken der »Regionalsprache«. Er veröffentlichte mit Kolleg:innen ein Grammatik-Nachschlagwerk für den elsässischen Dialekt. Damit »man sich nicht mehr damit herausreden kann, die Sprache habe keine Regeln.«

    Weitere Infos: Dreylanddichterweg, Grenzgedichte aus dem Elsass, Sprochlosi Elsässer, Abgesang oder Hoffnung, René-Schickele-Gesellschaft, Schick Süd-Elsass, Schick Lothringen, Elsässisches Kulturzentrum, Unser Land, Regions et Peuples Solidaires


    Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Hat Südtirol sich ›autonom verfahren‹?

    Im aktuellen ff-Leitartikel (Titel: Autonom verfahren) thematisiert Georg Mair, dass Gerichte die Ausschreibungen für die Brennerautobahn und für die Konzession der Bahndienste in Südtirol ganz oder teilweise abgesägt haben.

    Ein überzeugter Autonomist würde fragen, warum sowas passiert und was man in Zukunft besser machen muss. Vielleicht würde er auch fragen, ob das Problem sogar bei den zu knapp bemessenen Zuständigkeiten liegt.

    Ein Zentralist würde vielleicht sagen:

    Wenn es bei den Ausschreibungen für A22 und Zug hapert, ist es nicht das böse Rom gewesen.

    – Georg Mair

    und

    Da muss man schon skeptisch sein, wenn es um mehr Kompetenzen für Südtirol geht. Können wir damit auch umgehen?

    – Georg Mair

    Weil ja Rom mit seinen Zuständigkeiten so viel besser umgehen kann, wie fast jeder Bereich beweist, den es in die Hand nimmt. Und wie alle einschlägigen Umfragen über die Zufriedenheit mit den öffentlichen Diensten beweisen.

    Für die Ausschreibung der Brennerautobahn ist Südtirol jedenfalls nicht zuständig. Wenn nun also Gerichte Teile davon hinterfragen, kann man schwer behaupten, das hätte mit Rom — böse oder nicht — nichts zu tun. Zumindest in diesem Fall läuft Mairs Hinweis

    Juristen bemängeln schon lange, dass das Land Gesetze schlampig macht.

    – Georg Mair

    ins Leere. Sicher, der Staat hat die Ausschreibung auf Wunsch von Südtirol (und Trentino) so gestaltet, dass die derzeitige Betreibergesellschaft gute Chancen haben sollte, die Konzession zu behalten.

    Warum wollte das Südtirol? Nicht um private Investorinnen zu bevorzugen, sondern eine Gesellschaft mit maßgeblicher öffentlicher Beteiligung, über die die Länder einen Einfluss auf die wichtige Verkehrsachse behalten. Hätte man von vornherein darauf verzichtet, könnten Gerichte daran nichts aussetzen. Doch wäre das wirklich klüger gewesen? Ist es im Zweifelsfall nicht besser, wenigstens zu versuchen, das öffentliche Interesse in den Mittelpunkt zu stellen?

    Wären wir ein unabhängiger Staat — oder umfasste die sogenannte Vorzeigeautonomie auch die volle Zuständigkeit für die Brennerautobahn —, wäre ein Umweg über die Betreibergesellschaft gar nicht nötig. Dann könnte Südtirol die Bedingungen (Höhe der Maut, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Beruhigungsmaßnahmen, wirtschaftliche Bedingungen, Investitionen uvm.) gesetzlich festlegen und müsste nicht auf den deutlich geringeren Einfluss abstellen, den es als Konzessionär hat.

    Im Unterschied zur Ausschreibung der A22 wurde jene für die Bahndienste tatsächlich »in Südtirol« gemacht. Wenn Mair jedoch schreibt

    Oder vielleicht könnte man sich in manchen Dingen einfach auch mit ein paar fähigen Leuten im Landtag beraten.

    – Georg Mair

    klingt das ziemlich salopp. Denn laut dem Land wurde die Ausschreibung »mit Beratung durch Fachleute« sowie zusammen mit der (italienischen) Wettbewerbsbehörde AGCM, der (italienischen) »Behörde für Verkehrsregelung« ART und der (italienischen) Antikorruptionsbeörde ANAC ausgearbeitet. Ganz so »autonom« hat sich Südtirol auch hier also wohl nicht »verfahren«.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Die Anastacia der Meraner Kabaretttage.
    Harald Stauder

    Den Organisatorinnen der Meraner Kabaretttage 2025 (13. bis 30. März) ist heute ein Überraschungserfolg der Extraklasse gelungen, der weit über die Landesgrenzen hinaus große Beachtung fand.

    Neben bereits länger angekündigten Größen wie Dominic Deville, Sonja Pikart oder Andreas Vitasek erschien heute nämlich unangekündigt der große Harald Stauder im Kursaal und stellte — man kann es nicht anders sagen — mit seinem trockenen Humor, mit seinem einzigartigen Gefühl für die Ambivalenz und Widersprüchlichkeit unserer Zeit, alle anderen völlig in den Schatten.

    Er ging gekonnt auf die politischen Verhältnisse in Südtirol ein, spannte aber zuerst den Bogen von der AfD zur FPÖ und gelangte dann über den Front National punktgenau zur Süd-Tiroler Freiheit, um mit seinem unverwechselbar bissigen Sarkasmus die regierende SVP der Lächerlichkeit preiszugeben. Die mache — so Stauder — im Gegensatz zu den vielen Rechtspopulistinnen »realistische Politik«, sei gar eine Partei der »Bessermacher« anstatt der Besserwisser.

    Womit er dem gesamten Publikum — ohne es auch nur einmal aussprechen zu müssen — die Heuchelei vor Augen führte, dass die ehedem so glaubhaft demokratische und autonomistische Sammelpartei eines Silvius Magnago inzwischen mit den Neofaschisten und dem hiesigen Ableger der FPÖ im Boot sitzt und sich von ihnen quasi am Nasenring durch die Manege führen lässt. Einen weißen Elefanten im Raum so plastisch darzustellen, dass dem gesamten Publikum bereits sein lautes Tröten in den Ohren sitzt, schafft nur ein diplomatisch versierter Profi dieses Kalibers.

    Wenn man daran unbedingt etwas kritisieren wollte, dann, dass solch ein Weltstar das übrige Programm der Kabaretttage zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen lässt, so wie Anastacia demnächst wohl die Kalterer Seespiele sprengen wird.

    Den Veranstaltern ist aber zugute zu halten, dass sie den Auftritt — wohl auch aus Respekt für Vitasek & Co. — bis zuletzt geheim gehalten haben.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01



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  • Bildungsziel Nationalismus.

    Die Südtiroler Grünen haben eine Landtagsanfrage (Nr. 614/25) eingereicht, mit der sie unter anderem in Erfahrung bringen wollen, wie die Landesregierung die neuen italienischen Bildungsrichtlinien für Kindergärten, Grund- und Mittelschulen bewertet, ob unser Land von den darin enthaltenen Vorgaben ausgenommen ist und ob es dazu schon einen Austausch zwischen Bozen und Rom gab.

    Anstatt Kinder zum kritischen Denken zu bilden, soll ihnen ein einseitiges, nationalistisch gefärbtes Geschichtsbild vermittelt werden. Die Vergangenheit wird nicht als komplexes Geflecht von Ereignissen dargestellt, sondern auf eine Erzählung reduziert, die Helden und nationale Symbole in den Vordergrund rückt – und das bereits in der frühen Kindheit, laut den neuen Richtlinien.

    – Landtagsanfrage Nr. 614/25

    Demzufolge stünden bereits in der Grundschule die Nationalhymne sowie das Risorgimento auf dem Programm.

    Geschichten von Märtyrern, Gefangenen und heroischen Schlachten, um die »nationale Identität« zu formen.

    – Landtagsanfrage Nr. 614/25

    Wie schon im Faschismus, so die Grünen weiter, werde zudem die Antike zur »Grundlage für das Wesen der Nation« gemacht.

    In der zweiten Klasse der Mittelschule solle zudem am Beispiel Italiens gelernt werden, wie man eine Nation gründet.

    Dazu kommt ein pädagogischer Rückschritt: Statt moderner, interaktiver Lernmethoden setzt man wieder auf reines Auswendiglernen von Jahreszahlen und Heldengeschichten.

    – Landtagsanfrage Nr. 614/25

    Südtirol hat leider noch immer keine primäre Zuständigkeit für die Schule und kann — zumindest was die italienischsprachige Schule betrifft — wahrscheinlich kaum eigenständig entscheiden. Zudem hat sich die SVP genau jene in die Landesregierung geholt, die die nationalistische Gesinnung der römischen Regierung uneingeschränkt teilen. Wie der für italienische Schule und Kultur zuständige LH-Stellvertreter Marco Galateo (FdI).

    Großer Widerstand ist da wohl auch aus politischer Sicht eher nicht zu erwarten. Schließlich sind auch hierzulande Schülerinnen längst »zum Tode bereit«.

    Schon seit vielen Jahren geht die Ausrichtung der Schulprogramme in Italien immer mehr in Richtung Nationalismus. Eine Entwicklung, die mit Silvio Berlusconi (FI) ihren Anfang genommen hat, von allen politischen Seiten mitgetragen wurde und auf die die neofaschistischen Kräfte heute aufbauen können.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01 02



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  • Cymru: Sprachgebrauch im öffentlichen Raum erhoben.

    Die hauptsächlich auf der Insel Ynys Môn und in Gwynedd aktive walisische NRO Menter Môn hat — mit Unterstützung der baskischen Organisation Soziolinguistika Klusterra für die Revitalisierung der baskischen Sprache — in zwei Ortschaften auf Ynys Môn den Menschen »aufs Maul geschaut«.

    Dabei wurde in Llangefni und Porthaethwy — wie ich es schon einmal am Beispiel von Tolosa in Euskadi beschrieben hatte — die Kommunikationssprache auf den Straßen erhoben. Die Daten wurden von Forscherinnen aufgezeichnet und in eine App eingetragen, die für das Projekt in Cymru eigens vom Baskischen ins Walisische übersetzt worden war.

    Eines der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung war, dass der tatsächliche Gebrauch der walisischen Sprache deutlich niedriger war, als es die offiziellen Daten über die Muttersprachen der Bewohnerinnen hätten vermuten lassen: Der Anteil der Walisischsprachigen beträgt laut Volkszählung 2021 in Llangefni 75 Prozent und in Porthaethwy 52 Prozent, doch der erhobene Gebrauch lag bei nur 54 bzw. 20 Prozent.

    Ob dies — wie ich erwarten würde — auf den für Minderheiten charakteristischen Sprachwechsel bei Outgroup-Kontakten zurückzuführen ist, erklärte Menter Môn zunächst nicht.

    Insgesamt bedienten sich im öffentlichen Raum etwas mehr Männer als Frauen der walisischen Sprache. Interessanterweise lag die Quote in beiden Ortschaften bei den Kindern am höchsten und in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen am niedrigsten.

    Die Dichte an Walisischsprechenden sei von entscheidender Bedeutung für den tatsächlichen Gebrauch der Sprache, so Menter Môn. Der hohe Anteil in Llangefni mache die Sprache für viele zu einer natürlichen ersten Wahl. Wo es, wie im nur wenige Kilometer entfernten Porthaethwy, weniger Sprecherinnen gebe, stärke dies die Tendenz, mit Englisch in eine Konversation zu starten. Es sei eine wichtige Herausforderung, den Sprachwechsel zu bremsen und die Tendenz wieder umzukehren.

    Menter Môn will ähnliche Messungen von nun an regelmäßig durchführen, um Entwicklungen und insbesondere die Auswirkungen sprachpolitischer Maßnahmen nachverfolgen zu können. Außerdem soll sofort mit der Einbeziehung weiterer Ortschaften auf Ynys Môn begonnen werden.

    Anders als zum Beispiel in Euskadi, Québec und nun Cymru sind mir für Südtirol keine derartigen Erhebungen bekannt, obwohl sie eine große Aussagekraft über den tatsächlichen Zustand und die Vitalität der Minderheitensprachen Deutsch und Ladinisch hätten. Vermutlich ließen sich auch hierzulande größere Abweichungen zwischen der Sprachgruppenstatistik und dem Sprachgebrauch im öffentlichen Raum feststellen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 🏴󠁧󠁢󠁷󠁬󠁳󠁿



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