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  • Regierungskommissariat: Kein Anschluss unter dieser Adresse.
    Beschwerden und Anfragen werden ignoriert

    Ende August 2024 hatte ich mich mit einer zertifizierten E-Mail (ZEP) an das Bozner Regierungskommissariat gewandt, um auf die häufig einnamig italienische Angabe von Wohnadressen (Straßenbezeichnungen) auf den Identitätskarten im Kreditkartenformat (EIK) hinzuweisen und mich danach zu erkundigen, ob das Problem bekannt ist und bald einer Lösung zugeführt wird. Außerdem habe ich gefragt, ob ich das Recht habe, einen Ausweis mit — illegal — einnamiger Angabe der Anschrift austauschen zu lassen und wie ich eine formale Beschwerde einreichen kann. Nicht zuletzt habe ich auch auf die Einsprachigkeit einiger Digitalfunktionen der EIK hingewiesen.

    Seitdem sind knapp fünf Monate vergangen, ohne dass ich eine wie auch immer geartete (meinetwegen auch abweisende, ablehnende, verzögernde) Antwort zu erhalten. Als hätte ich meine Anfrage gar nicht verschickt. Das beweist für mich, wie bürgerinnenfern und dysfunktional diese eigentlich überflüssige staatliche Institution ist — und wie wenig den italienischen Staat die verbrieften Rechte, aber auch die Sorgen und Bedenken der sprachlichen Minderheiten interessieren. Alles wird ausgesessen.

    Dabei ist das Regierungskommissariat bis heute das einzige für die Ahndung von Zwei- und Dreisprachigkeitsverstößen in Südtirol zuständige Amt. Im internationalen Vergleich (Québec, Cymru/Wales, Katalonien, Baskenland, Galicien) ist es hingegen üblich, dass diese Aufgabe den mehrsprachigen autonomen Gebieten selbst übertragen wird.

    Das Schweigen des römischen Wachhunds in Bozen ist kein Zufall und keine Ausnahme. Dies bezeugt die Tatsache, dass dem Amt für Landessprachen und Bürgerrechte (AfLB) — das selbst keine Verstöße ahnden kann — Dutzende Meldungen über Missstände vorliegen und auch Daten des Astat von einer systematischen Missachtung der einschlägigen Rechte zeugen (01 02), vom Regierungskommissariat jedoch so gut wie keine Strafen verhängt werden.

    Das Kommissariat als Vetretung des Zentralstaats in Südtirol sieht seine Aufgabe ganz offensichtlich nicht darin, die amtliche Mehrsprachigkeit und somit die Rechte der Bürgerinnen zu fördern, sondern versteht sich vielmehr als eine Art Gatekeeper, der die Verantwortlichen vor berechtigten Beschwerden und nötigen Strafen schützt.

    Damit wird der Minderheitenschutz, der unserer Autonomie zugrunde liegt, ad absurdum und die Bevölkerung an der Nase herum geführt.

    Ich meinerseits hatte mich in einer anderen Angelegenheit bereits im Februar 2020 — also vor bald fünf Jahren — ans Regierungskommissariat gewandt, und zwar ebenfalls mit einer zertifizierten E-Mail. Eine Antwort ist auch diesbezüglich bis heute nicht eingetroffen.

    Zum Glück ist der Versand eines solchen digitalen Einschreibens kostenlos, denn sonst wäre das rausgeschmissenes Geld. Vom Staat verarschen lassen kann man sich jetzt gratis.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Absurde Vorwürfe wegen Sanierung der Luegbrücke.

    Die Sanierung der Luegbrücke am Brenner vernebelt offenbar in Südtirol so manchen den Verstand. Kürzlich erhob ein Hotelier sogar den Vorwurf, Österreich wolle Touristinnen absichtlich von Südtirol fernhalten. Zudem nannte er ausgerechnet die Morandibrücke (heute: San-Giorgio-Brücke) in Genua als nachzuahmendes Beispiel, da deren Neubau nur ein Jahr gedauert habe, während die Arbeiten an der Luegbrücke zweieinhalb bis drei Jahre in Anspruch nehmen werden.1gemeint ist die Phase, in der der Verkehr zeitweise nur einspurig fließen wird

    Faktencheck: Zwischen Einsturz der alten und Eröffnung der neuen Brücke in Genua vergingen fast auf den Tag genau zwei Jahre. Die reine Bauzeit betrug rund anderthalb Jahre.

    Nun, es ist nicht zu hoffen, dass mit dem ziemlich missglückten Vergleich der Wunsch verbunden war, man möge doch einfach abwarten, bis die Luegbrücke einstürzt. Um die Arbeiten zu beschleunigen, wäre aber — wenn schon kein unkontrollierter wie in Genua — zumindest ein kontrollierter Einsturz nötig. Ein Totalabbruch mit anschließendem Neubau ist nämlich auch deshalb wesentlich schneller umsetzbar, weil während der Arbeiten kein Verkehr fließt, der schon an sich den Bau behindert, zudem aber auch noch die Logistik verkompliziert und viel stringentere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich macht. Eigentlich ein No-Brainer…

    Manchen Touristikerinnen — aber sicher nicht den Frächtern — wäre es ja vielleicht tatsächlich lieber, wenn der Verkehr über den Brenner vollständig zum Erliegen käme, dafür aber »nur« für ein Jahr (wobei es jedoch in Genua, wie gesagt, zwei Jahre waren). Die Zeit ließe sich dann ja für die eine oder andere qualitative Erweiterung nutzen.

    Die Luegbrücke, die übrigens als längste Brücke der A13 fast doppelt so lang wie die San-Giorgio-Brücke ist und auf besonders instabilem Gelände steht, soll zudem gar nicht während dem gesamten Zeitraum von voraussichtlich zweieinhalb bis drei Jahren einspurig2also eine Spur pro Fahrtrichtung befahrbar sein. Allein 2025 sind 180 Tage mit zweispuriger Verkehrsführung angekündigt — das ist im Durchschnitt fast jeder zweite Tag.

    Wenn die Strecke für die Hälfte der Zeit zwei- und für die andere Hälfte der Zeit einspurig befahrbar ist, kann sie insgesamt — wiewohl verlangsamt — rund 75 Prozent des Verkehrs führen. In Genua stand der Verkehr für knapp zwei Jahre still.

    Welches Interesse Österreich haben sollte, Südtirol vom Verkehr abzuschneiden, ist mir sowieso unverständlich. Zwar nicht in demselben Ausmaß wie Gäste aus dem Norden für Südtirol, aber trotzdem stellen auch die Italienerinnen eine wichtige Gästegruppe in Nordtirol dar — und die haben dann genau dieselben Zufahrtmöglichkeiten wie die Touristinnen, die nach Südtirol wollen. Mit einer unnötigen Verkehrsbehinderung würde man sich also auch ins eigene Fleisch schneiden.

    Anstatt immer nur zu pöbeln und sich dabei lächerlich zu machen, könnten sich Wirtschaftstreibende in Südtirol ja auch einmal Fragen, was sie selbst — und zwar konkret — zur Verkehrminderung und somit neben der Entlastung der Autobahn auch zum Klima- und Gesundheitsschutz beitragen können. Seit Jahrzehnten steigen sowohl die Gästezahlen als auch der Lkw-Transitverkehr. Die Folgen eines überhitzten Geschäftsmodells, das längst ein erträgliches Ausmaß überschritten hat, per Aufhebung der Transitbeschränkungen noch mehr als bisher auf die Allgemeinheit abzuwälzen, halte ich jedenfalls für keinen akzeptablen Vorschlag.

    Derzeit habe ich aber ohnehin den Eindruck, dass die Wehleidigkeit der Wirtschaftslobbys öfter zu Schlagzeilen geführt hat als Berichte über tatsächliches Verkehrschaos am Brenner.

    Cëla enghe: 01 02 03

    • 1
      gemeint ist die Phase, in der der Verkehr zeitweise nur einspurig fließen wird ↩︎
    • 2
      also eine Spur pro Fahrtrichtung ↩︎


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  • Bald auch kein Rechnungshof mehr?
    Ausgezuzelte Autonomie

    Während die Wiederherstellung der beschnittenen Zuständigkeiten kaum vom Fleck kommt und die italienischen Rechtsparteien im Gegenzug eine Schwächung des Minderheitenschutzes fordern, steht die Autonomie schon wieder unter Beschuss. So schwebt der italienischen Regierung von Giorgia Meloni (FdI) offenbar eine Zentralisierung der Rechnungshöfe vor, der unter anderem auch die Sitze von Bozen und Trient zum Opfer fallen würden. Der für Südtirol zuständige Rechnungshof wäre dann jener in Venedig. Dieses Ansinnen widerspricht einer 1988 erlassenen Durchführungsbestimmung (DFB) zum Autonomiestatut und würde den Rechnungshof sowohl der Zweisprachigkeitspflicht als auch dem Proporz entziehen. Darüber hinaus müssten sich Südtirolerinnen, die sich vor dem Rechnungshof zu verantworten haben, jedes Mal nach Venedig begeben.

    Je mehr Infrastruktur abgezogen wird, desto mehr verkommt Südtirol zur Peripherie. Nicht zuletzt gehen qualifizierte Arbeitsplätze verloren.

    Wie hierzulande zudem die Kontrolltätigkeit aussehen soll, wenn keinerlei deutsche Sprachkompetenzen mehr vorhanden sind, erscheint zudem fraglich.

    SVP-Senator Meinhard Durnwalder sagt laut Rai Südtirol, dass eine Verfassungsbeschwerde gegen die Missachtung einer DFB voraussichtlich erfolgreich wäre. Doch erstens kann man sich bei der zentralistischen Rechtssprechung des italienischen Verfassungsgerichts nie sicher sein und zweitens muss sich Südtirol dann wieder einmal Monate oder gar Jahre lang mit der (auch nicht kostenlosen) Abwehr eines Rückschritts befassen, anstatt endlich an Fortschritten in Richtung mehr Eigenregierung zu arbeiten.

    Bestenfalls ist das also ein stillstandsfördernder Zeit- und Energieverlust.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • In Canada ora guardano anche quanti francofoni emigrano.

    Per stabilizzare e far crescere le comunità di lingua francese fuori dal Québec, il Canada da tempo ha definito soglie minime d’immigrazione francofona — una sorta di proporzionale linguistica —, che recentemente sono anche state sensibilmente elevate. Fondamentalmente, la percentuale di persone di lingua francese nella popolazione immigrante ora dev’essere maggiore che nella popolazione residente.

    Ma ciò non basta: grazie a un’analisi commissionata dall’Istituto per la cittadinanza canadese si è ora scoperto che gli immigrati francofoni tendono a lasciare il paese in misura nettamente maggiore rispetto a quelli anglofoni e agli alloglotti, il che contribuisce al declino delle comunità di lingua francese. A lungo termine, ben il 35% dei francofoni immigrati lasciano il Canada, anche se, indipendentemente dalla lingua, il maggior numero di quelli che tornano all’estero lo fanno nei primi 2-5 anni.

    Gli autori del rapporto giungono alla conclusione che oltre ad attrarre immigrazione francofona, bisognerà lavorare per migliorare la «capacità di ritenzione», onde fermare l’esodo di queste risorse così importanti per le comunità minoritarie. E l’Istituto per la cittadinanza canadese chiede che in futuro, oltre al numero di coloro che arrivano, si guardi anche al numero di quelli che rimangono.

    Dal Ministero federale dell’immigrazione hanno già fatto sapere che studieranno con attenzione i risultati della ricerca e sono pronti a discutere di eventuali contromisure. Saranno analizzate anche le differenze tra le varie province, per capire perché in alcune di loro gli immigrati di lingua francese sono più propensi a rimanere che in altre, in modo da capire se esistano delle buone pratiche replicabili anche altrove.

    C’è già comunque chi propone che le quote di ritenzione dell’immigrazione francofona vengano rilevate annualmente e che se ne tenga conto, automaticamente, nella definizione delle soglie minime di immigrati che parlano il francese: più francofoni lasciano il paese, più elevato dovrà essere il numero di nuovi immigrati che parlano la lingua di Molière.

    Tutto questo mentre in Sudtirolo la contrazione dei gruppi linguistici tedesco e ladino non sembra interessare nessuno.

    Cëla enghe: 01 02



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  • Lungodegenti, fondamentale la concordanza linguistica.

    A metà novembre, l’università di Ottawa, in Canada, ha pubblicato i risultati di una ricerca sulla «concordanza linguistica e culturale» in ambito sanitario, effettuata retrospettivamente su un vasto campione di pazienti su un periodo di quasi 10 anni. Analizzando la situazione di 198.729 residenti in strutture per lungodegenti nella provincia — a maggioranza anglofona — dell’Ontario, i pazienti di madrelingua francese dimostrano una probabilità più elevata del 15% di vedersi somministrare inappropriatamente degli antipsicotici, rispetto a chi è di madrelingua inglese. Tale valore supera perfino quello dei pazienti alloglotti, la cui probabilità è «solo» dell’11% superiore a quella degli anglofoni. Gli antipsicotici si caratterizzano per degli effetti collaterali significativi (perdita di equilibrio con rischio di cadute, diabete, malattie cardiovascolari ecc.), per cui non vengono solitamente prescritti con leggerezza.

    Pur trovandosi in una provincia in cui i francofoni non arrivano al 5% della popolazione totale, secondo la ricerca il 58,7% dei pazienti di lingua francese riceveva i servizi medici nella propria lingua. Altrimenti con ogni probabilità le somministrazioni inappropriate sarebbero state molte di più.

    La concordanza linguistica tra pazienti e chi li cura è ormai riconosciuta come un fattore sociale essenziale per la salute e la buona riuscita delle terapie. Le barriere linguistiche invece rappresentano un vero e proprio pericolo di vita.

    In Sudtirolo i dati disponibili confermano che i pazienti di madrelingua tedesca — e, verosimilmente, ancor più quelli di lingua ladina — incontrano difficoltà crescenti a farsi curare nella propria lingua, il che può avere conseguenze fatali.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 || 01 02 03



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  • Statuto, scambio a danno delle minoranze.
    Quotation

    Il negoziato in corso sulla revisione dello Statuto è impostato in modo da acquisire alcuni obiettivi determinati: il ripristino delle competenze erose dalla giurisprudenza centralista della Corte costituzionale, l’attribuzione di nuove competenze, l’introduzione del requisito della previa intesa delle autonomie per evitare che future revisioni possano essere adottate unilateralmente e imposte dal Parlamento.
    Dei tre obiettivi, quest’ultimo è il più difficile da conseguire. Le nuove competenze a vantaggio dell’autonomia territoriale (quindi di tutti) sembrano essere entrate in una logica di scambio a vantaggio formale del gruppo linguistico italiano, la cui rappresentanza politica conferma tutta la miopia istituzionale della destra e la difficoltà di un autentico riscatto dalle proprie tristi origini.

    da La chimera del terzo statuto, contributo apparso oggi sull’edizione sudtirolese del Corriere a firma di Roberto Toniatti, emerito di Diritto costituzionale all’Università di Trento

    Proprio così. L’estrema destra italiana chiede vantaggi unilateralmente a favore del gruppo linguistico italiano (maggioranza nazionale, peraltro in crescita), a svantaggio delle minoranze linguistiche — in cambio di competenze che vanno a vantaggio di tutti.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01 02 03 04 05 06 07 08 09



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  • Felix Neureuther und Olympia.
    BR-Doku über die Olympischen Spiele 2026

    Der ehemalige Weltklasse-Skirennläufer Felix Neureuther geht in einer Dokumentation dem Nachhaltigkeitsversprechen der Verantwortlichen der Olympischen Spiele 2026 auf den Grund – unter anderem auch in Südtirol.

    Angesichts der allgegenwärtigen “Kathedralen in der Wüste” nach den Spielen vor nicht einmal 20 Jahren in Turin, fürchtet er, dass sich die Geschichte wiederholt und neuerlich Millionen in den Wind geschossen werden und Natur- und Kulturraum unwiederbringlich zerstört wird.

    Die Spiele 2006 waren für mich die Erfüllung eines Lebenstraums. Doch wenn ich das heute hier sehe, dann tut es einfach nur weh.

    – Felix Neureuther



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  • Kalaallit Nunaat oder Nunarput:
    Blaupause für Unabhängigkeit liegt vor.


    Seit vier Jahren liegt ein Verfassungsentwurf für die grönländische Eigenstaatlichkeit vor. Sieben Jahre lang arbeitete sich eine Sonderkommission an diesem Thema ab. Der Wunsch unter der grönländischen Bevölkerung ist groß, sich von der einstigen Kolonialmacht loszulösen.

    Juristische Hürde dafür gibt es keine. Das grönländische Autonomiestatut von 2009 sieht vor, dass Grönland (Kalaallit Nunaat) diesen Entscheid unilateral fällen darf. Also ohne Abstimmung mit der dänischen Regierung.

    Mit diesem Autonomiestatut tritt die dritte Stufe der Dekolonialisierung in Kraft, die ersten zwei bestanden in der Deklarierung Grönlands als eigenständigen Bestandteil des dänischen Königreichs (1953) und in der Einführung einer begrenzten Selbstverwaltung (1979).

    Schwieriger ist die Finanzierung der Unabhängigkeit. Bisher garantiert der dänische Staat über die »Blocksubvention« das Auskommen der autonomen Insel. Die Transferleistungen belaufen sich laut Neuer Zürcher Zeitung NZZ jährlich auf mehr als 500 Millionen Euro und entsprechen 20 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung. Damit kann die Regionalregierung die Hälfte der öffentlichen Ausgaben finanzieren.

    Für die NZZ sind die fehlenden Finanzen und eine eigene tragfähige Wirtschaft (trotz strategischer Rohstoffe wie seltene Erden) der größte Stolperstein auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Die Frage ist, ob sich Grönland — die Frage stellt die NZZ — die Unabhängigkeit überhaupt leisten kann.

    Trump befeuert Unabhängigkeit

    Der neue US-Präsident Donald Trump befeuerte mit seinen Aufkauf-Thesen die grönländische Unabhängigkeitsrhetorik.  Wie schon 2019 »signalisierte« Trump sein Interesse an »dem Besitz und der Kontrolle« Grönlands. Nicht durch eine militärische Eroberung, wie sie Trump-Freund Wladimir Putin in der östlichen Ukraine erfolgreich vorexerziert, sondern mit einer Art Immobiliendeal will der US-Präsident Grönland in den Status eines US-Bundesstaates »erheben«.

    »Es ist an der Zeit, dass wir selbst einen Schritt unternehmen und unsere Zukunft gestalten«, reagierte Mute Egede (Inuit Ataqatigiit) in seiner Neujahrsanspracheauf den Trump-Plan. Über die Zukunft ihrer Insel werden laut dem Ministerpräsidenten von der autonomistischen linken Koalitionsregierung (21 der 31 Sitze im Landtag) die Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden. Eine Mehrheit ist für die Unabhängigkeit.

    Offen ist der Zeitplan, wann das Referendum stattfinden soll und ungeklärt sind die zu erwartenden Auswirkungen der Unabhängigkeit auf den Lebensstandard.

    Während Grönland auf die Unabhängigkeit drängt, kündigte Dänemark dagegen vorbeugend Investitionen auf der Insel an. Besonders in seine militärische Präsenz. Die dänische Regierung will ihre Militärbasen aufrüsten und lehnt, wie die grönländische Regierung auch, Trumps Pläne ab.

    Auch für die USA ist Grönland von strategischer Bedeutung. Das US-Verteidigungsministerium unterhält einen Air-Force-Stützpunkt mit Frühwarnsystem für ballistische Raketen.

    Mit Russland und China in die Unabhängigkeit?

    Vor einigen Jahren noch signalisierten Russland und China ihre Unterstützung für die grönländische Unabhängigkeit. Die grönländischen Linksparteien suchten deshalb auch die Nähe zu den beiden angeblichen antikolonialistischen Mächten. Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist das Verhältnis zwischen der Insel und den beiden anti-westlichen Staaten deutlich abgekühlt.

    Russland und China interessieren sich besonders für die zu bergenden Bodenschätze, zugedeckt von einem Eispanzer. Noch. Auch andere asiatische Staaten sehen in Grönland eine gewaltige Rohstoffreserve. Plötzlich wird die »dänische Provinz« mit ihren knapp 60.000 Einwohner:innen im Eis weltpolitisch interessant. Grönland, eine globale Eisinsel.

    Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die ihr Augenmerk meist auf globale Themen richtet, schaute sich auch Grönlands Unabhängigkeitsbestreben an. Ein schwieriges Unterfangen, findet die SWP, sind doch Kalaallit Nunaat, Dänemark und die USA eng miteinander verstrickt.

    Kalaallit Nunaat, Dänemark, USA

    Die SWP-Thesen zusammengefasst: vom Status quo profitieren alle: »Dänemark ist durch die Insel als arktischer Küstenstaat international wichtig und Grönland erhält einen Großteil seiner Ausgaben finanziert. Zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit führen viele Wege, doch sie sind mühsam. Die geopolitische Signifikanz des Landes steht im Kontrast zur kleinen Bevölkerungszahl.«

    Die Regierung von Kalaallit Nunaat operiert inzwischen mit zwei grundlegenden Dokumenten, mit dem Verfassungsentwurf zur Eigenstaatlichkeit und mit einem Strategiepapier zur Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die linken Unabhängigkeitspolitiker beanspruchen eine inklusive Außenpolitik (»Nothing about us without us«).

    Es gilt der Anspruch auf Gleichbehandlung als außen- und sicherheitspolitischer Akteur im Verhältnis zu den USA und zur EU. Trotz der eigenstaatlichen Bestrebungen will laut SWP die linke Regierung das Dreiecksverhältnis nicht beschädigen. Grundlagen dieses Verhältnisses sind das trilaterale Abkommen zur US-Basis Pituffik und das arktische Fähigkeitspaket.

    Ungeklärt bleibt, ob eine stärkere US-Präsenz auf der Insel Dänemark als Schutzmacht verdrängen wird und wie die grönländischen Parteien darauf reagieren werden. Fakt ist, geografisch gehört die Insel zum amerikanischen Kontinent, bleibt damit nordamerikanisch verankert.

    Wie weiter? Freie Assoziation?

    Die autonome Inselregierung bestimmt zweifelsohne den Verlauf des Unabhängigkeitsprozesses. Dänemark soll dabei helfen, empfiehlt die SWP, die politischen und sozioökonomischen Grundlagen für eine erfolgreiche Unabhängigkeit in Zukunft zu schaffen.

    Als kluge dänische Politik bezeichnet die SWP die Abschwächung der Abhängigkeit von Kopenhagen, also einen größeren Radius der Selbstverwaltung. Damit könnte Kalaallit Nunaat weiterhin im dänischen Verbund verbleiben. Also eine »Unabhängigkeit« unter dänischem Dach.

    Eine ähnliche Entwicklung beschreibt auch der Politologe Rasmus Leander Nielsen, der davon ausgeht, dass es keinen klaren Schnitt zwischen Kalaallit Nunaat und Dänemark geben wird. Laut Nielsen von der Universität Ilisimatusarfik/Grönland wird es auf eine »freie Assoziation« hinauslaufen, in der sich zwei souveräne Staaten auf eine enge Zusammenarbeit in gewissen Bereichen einigen.

    Als Beispiel zitiert Nielsen das Verhältnis zwischen Marshall-Inseln und USA. Kalaallit Nunaat könnte die Verteidigungspolitik Dänemark übertragen und die übrigen bisherigen »zentralstaatlichen Befugnisse« — wie Verfassung, Staatsbürgerschaft, Außenpolitik sowie Währung und Finanzen — zurückholen. Nielsen wirft der grönländischen Politik vor, trotz ihres Unabhängigkeitstraums nie klar definiert zu haben, was die Selbständigkeit überhaupt bedeutet.

    Grönland war bis 1953 dänische Kolonie und ist seit 1979 ein autonomes Territorium des Königreichs. Zuletzt sorgten Enthüllungen über menschenrechtsverletzendes »Fehlverhalten« dänischer Behörden in Kalaallit Nunaat für Aufsehen, darunter eine »erzwungene Geburtenkontrolle« in den 1960er Jahren.

    Cëla enghe: IA, Siumut, Atassut, Inatsisartut


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