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  • Kalaallit Nunaat oder Nunarput:
    Blaupause für Unabhängigkeit liegt vor.


    Seit vier Jahren liegt ein Verfassungsentwurf für die grönländische Eigenstaatlichkeit vor. Sieben Jahre lang arbeitete sich eine Sonderkommission an diesem Thema ab. Der Wunsch unter der grönländischen Bevölkerung ist groß, sich von der einstigen Kolonialmacht loszulösen.

    Juristische Hürde dafür gibt es keine. Das grönländische Autonomiestatut von 2009 sieht vor, dass Grönland (Kalaallit Nunaat) diesen Entscheid unilateral fällen darf. Also ohne Abstimmung mit der dänischen Regierung.

    Mit diesem Autonomiestatut tritt die dritte Stufe der Dekolonialisierung in Kraft, die ersten zwei bestanden in der Deklarierung Grönlands als eigenständigen Bestandteil des dänischen Königreichs (1953) und in der Einführung einer begrenzten Selbstverwaltung (1979).

    Schwieriger ist die Finanzierung der Unabhängigkeit. Bisher garantiert der dänische Staat über die »Blocksubvention« das Auskommen der autonomen Insel. Die Transferleistungen belaufen sich laut Neuer Zürcher Zeitung NZZ jährlich auf mehr als 500 Millionen Euro und entsprechen 20 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung. Damit kann die Regionalregierung die Hälfte der öffentlichen Ausgaben finanzieren.

    Für die NZZ sind die fehlenden Finanzen und eine eigene tragfähige Wirtschaft (trotz strategischer Rohstoffe wie seltene Erden) der größte Stolperstein auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Die Frage ist, ob sich Grönland — die Frage stellt die NZZ — die Unabhängigkeit überhaupt leisten kann.

    Trump befeuert Unabhängigkeit

    Der neue US-Präsident Donald Trump befeuerte mit seinen Aufkauf-Thesen die grönländische Unabhängigkeitsrhetorik.  Wie schon 2019 »signalisierte« Trump sein Interesse an »dem Besitz und der Kontrolle« Grönlands. Nicht durch eine militärische Eroberung, wie sie Trump-Freund Wladimir Putin in der östlichen Ukraine erfolgreich vorexerziert, sondern mit einer Art Immobiliendeal will der US-Präsident Grönland in den Status eines US-Bundesstaates »erheben«.

    »Es ist an der Zeit, dass wir selbst einen Schritt unternehmen und unsere Zukunft gestalten«, reagierte Mute Egede (Inuit Ataqatigiit) in seiner Neujahrsanspracheauf den Trump-Plan. Über die Zukunft ihrer Insel werden laut dem Ministerpräsidenten von der autonomistischen linken Koalitionsregierung (21 der 31 Sitze im Landtag) die Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden. Eine Mehrheit ist für die Unabhängigkeit.

    Offen ist der Zeitplan, wann das Referendum stattfinden soll und ungeklärt sind die zu erwartenden Auswirkungen der Unabhängigkeit auf den Lebensstandard.

    Während Grönland auf die Unabhängigkeit drängt, kündigte Dänemark dagegen vorbeugend Investitionen auf der Insel an. Besonders in seine militärische Präsenz. Die dänische Regierung will ihre Militärbasen aufrüsten und lehnt, wie die grönländische Regierung auch, Trumps Pläne ab.

    Auch für die USA ist Grönland von strategischer Bedeutung. Das US-Verteidigungsministerium unterhält einen Air-Force-Stützpunkt mit Frühwarnsystem für ballistische Raketen.

    Mit Russland und China in die Unabhängigkeit?

    Vor einigen Jahren noch signalisierten Russland und China ihre Unterstützung für die grönländische Unabhängigkeit. Die grönländischen Linksparteien suchten deshalb auch die Nähe zu den beiden angeblichen antikolonialistischen Mächten. Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist das Verhältnis zwischen der Insel und den beiden anti-westlichen Staaten deutlich abgekühlt.

    Russland und China interessieren sich besonders für die zu bergenden Bodenschätze, zugedeckt von einem Eispanzer. Noch. Auch andere asiatische Staaten sehen in Grönland eine gewaltige Rohstoffreserve. Plötzlich wird die »dänische Provinz« mit ihren knapp 60.000 Einwohner:innen im Eis weltpolitisch interessant. Grönland, eine globale Eisinsel.

    Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die ihr Augenmerk meist auf globale Themen richtet, schaute sich auch Grönlands Unabhängigkeitsbestreben an. Ein schwieriges Unterfangen, findet die SWP, sind doch Kalaallit Nunaat, Dänemark und die USA eng miteinander verstrickt.

    Kalaallit Nunaat, Dänemark, USA

    Die SWP-Thesen zusammengefasst: vom Status quo profitieren alle: »Dänemark ist durch die Insel als arktischer Küstenstaat international wichtig und Grönland erhält einen Großteil seiner Ausgaben finanziert. Zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit führen viele Wege, doch sie sind mühsam. Die geopolitische Signifikanz des Landes steht im Kontrast zur kleinen Bevölkerungszahl.«

    Die Regierung von Kalaallit Nunaat operiert inzwischen mit zwei grundlegenden Dokumenten, mit dem Verfassungsentwurf zur Eigenstaatlichkeit und mit einem Strategiepapier zur Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die linken Unabhängigkeitspolitiker beanspruchen eine inklusive Außenpolitik (»Nothing about us without us«).

    Es gilt der Anspruch auf Gleichbehandlung als außen- und sicherheitspolitischer Akteur im Verhältnis zu den USA und zur EU. Trotz der eigenstaatlichen Bestrebungen will laut SWP die linke Regierung das Dreiecksverhältnis nicht beschädigen. Grundlagen dieses Verhältnisses sind das trilaterale Abkommen zur US-Basis Pituffik und das arktische Fähigkeitspaket.

    Ungeklärt bleibt, ob eine stärkere US-Präsenz auf der Insel Dänemark als Schutzmacht verdrängen wird und wie die grönländischen Parteien darauf reagieren werden. Fakt ist, geografisch gehört die Insel zum amerikanischen Kontinent, bleibt damit nordamerikanisch verankert.

    Wie weiter? Freie Assoziation?

    Die autonome Inselregierung bestimmt zweifelsohne den Verlauf des Unabhängigkeitsprozesses. Dänemark soll dabei helfen, empfiehlt die SWP, die politischen und sozioökonomischen Grundlagen für eine erfolgreiche Unabhängigkeit in Zukunft zu schaffen.

    Als kluge dänische Politik bezeichnet die SWP die Abschwächung der Abhängigkeit von Kopenhagen, also einen größeren Radius der Selbstverwaltung. Damit könnte Kalaallit Nunaat weiterhin im dänischen Verbund verbleiben. Also eine »Unabhängigkeit« unter dänischem Dach.

    Eine ähnliche Entwicklung beschreibt auch der Politologe Rasmus Leander Nielsen, der davon ausgeht, dass es keinen klaren Schnitt zwischen Kalaallit Nunaat und Dänemark geben wird. Laut Nielsen von der Universität Ilisimatusarfik/Grönland wird es auf eine »freie Assoziation« hinauslaufen, in der sich zwei souveräne Staaten auf eine enge Zusammenarbeit in gewissen Bereichen einigen.

    Als Beispiel zitiert Nielsen das Verhältnis zwischen Marshall-Inseln und USA. Kalaallit Nunaat könnte die Verteidigungspolitik Dänemark übertragen und die übrigen bisherigen »zentralstaatlichen Befugnisse« — wie Verfassung, Staatsbürgerschaft, Außenpolitik sowie Währung und Finanzen — zurückholen. Nielsen wirft der grönländischen Politik vor, trotz ihres Unabhängigkeitstraums nie klar definiert zu haben, was die Selbständigkeit überhaupt bedeutet.

    Grönland war bis 1953 dänische Kolonie und ist seit 1979 ein autonomes Territorium des Königreichs. Zuletzt sorgten Enthüllungen über menschenrechtsverletzendes »Fehlverhalten« dänischer Behörden in Kalaallit Nunaat für Aufsehen, darunter eine »erzwungene Geburtenkontrolle« in den 1960er Jahren.

    Cëla enghe: IA, Siumut, Atassut, Inatsisartut


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  • Gegen Hartung, aber mit FdI.

    Schützen und Heimatbund haben zur letzten Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier am 8. Dezember den Rechtsextremisten Erhard Hartung als Redner eingeladen. Dazu zitiert die TAZ den Landeshauptmann mit folgenden Worten:

    Diese Einladung ist ein Zeichen dafür, dass es an der Spitze des Schützenbundes kein Gespür für die Geschichte und keine notwendige Differenzierung gibt. Hartung ist eindeutig deutschnationalen Kreisen zuzuordnen. Es ist nicht verständlich, dass eine solche Person als Redner eingeladen wird.

    – Arno Kompatscher

    Dem ist inhaltlich nicht viel hinzuzufügen. Gleichzeitig offenbart sich die Doppelmoral des Landeshauptmanns, der diese Aussagen tätigt, während er mit Rechtsextremen in der Landesregierung sitzt, wohin er sie sogar selbst berufen hat.

    Was schlimmer ist — eine Rede oder eine fünf Jahre währende Regierungsbeteiligung — beurteile jede selbst.

    Die TAZ schreibt weiter:

    Letztendlich habe sich der Schützenbund damit [laut Arno Kompatscher] keinen Gefallen getan, vor allem, weil aktuell im Innenministerium darüber nachgedacht wird, wie man mit der Einlieferung von historischen Waffen durch befreundete Schützendelegationen umgehen soll.

    – TAZ

    Dieser ständige Opportunismus ist unerträglich. Einen Nazi sollte man nicht einladen, weil er ein Nazi ist. Und eine redliche Persönlichkeit sollte man auch dann einladen dürfen, wenn man sich damit »keinen Gefallen« tut. Wenn der eigene Vorteil zur Diskriminante wird, kommt man sonst womöglich noch zum Schluss, dass man sogar Koalitionen mit faschistischen Kräften eingehen darf — wenn es was zu bringen verspricht.

    Aufgeworfen wurde die Diskussion übrigens ausgerechnet von den neofaschistischen Fratelli d’Italia, die sich aber wiederum nur am Freiheitskampf per se — und nicht an der rechtsextremistischen Gesinnung von Hartung — stören. Wäre ja auch etwas merkwürdig.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 || 01



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  • Autonomie mit Gehstock.
    Podcast Teil 2


    Der Landeshauptmann wird für seine Autonomiereform heftig geprügelt: Eine Reform — intransparent, abgehoben und lebensfern.

    Ex-Senator Oskar Peterlini (SVP) findet, die »Operation« zur Reform sei gefährlich, Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) findet sie zu dürftig, Unser Tirol 24 ortet die Autonomiereform in der Sackgasse. Auch Marco Manfrini warnte auf eindringlich vor der Reform. Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) informierte vor Weihnachten die Landtagsfraktionen über den Stand der Verhandlungen. Die Reform, betonte Kompatscher, sei eine Notwendigkeit.

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II


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  • LR Bianchi übergibt Bozner Verkehrsplanung an Salvini.

    Die SVP hat sich — und somit das ganze Land — bekanntlich rechtsextremistischen, zentralistischen und autonomiefeindlichen Kräften ausgeliefert, weil sie sich davon die Wiederherstellung der Autonomie verspricht. Was könnte da schon schief gehen?

    Wer hätte zum Beispiel erwarten können, dass einige dieser Kräfte nicht »nur« symbolisch nationalistische Politik machen, sondern auch so dreist sind, die angebliche Reparatur der Autonomie an einen Abbau des Minderheitenschutzes (01 02) zu koppeln?

    Und hätte man denn vorausahnen können, dass nationalistische Landesräte autonome Zuständigkeiten eigenmächtig der Zentralregierung übergeben? Christian Bianchi (Uniti/Lega) gab jetzt etwa bekannt, einen außerordentlichen Verhandlungstisch im römischen Verkehrsministerium »erreicht« zu haben, bei dem es um die Verkehrsplanung in der Südtiroler Landeshauptstadt gehen soll. Dass dies in die Zuständigkeit des Landes und der Stadt fällt, ist dem Landesrat offenbar wurscht: Warum sollte er auch nicht die Autonomie von innen aushöhlen, wenn man ihn lässt?

    Geht es nach dem Landesrat für Hochbau, soll jetzt also sein Parteichef Matteo Salvini — in dessen Rolle als Verkehrsminister — die Bozner Mobilität in die Hand nehmen.

    Salvinis Gesinnung ist bekanntlich auch in Bezug auf die Mobilität irgendwo im letzten Jahrhundert stecken geblieben. So hetzt der Minister nicht nur gegen die transitmindernden Maßnahmen in Österreich, sondern auch gegen Tempo 30 innerorts und das geplante EU-weite Verbrenneraus. Geschwindigkeitskontrollen erschwert er, während er die Verkehrsordnung zur Kriminalisierung leichter Drogen missbraucht, auch wenn deren Konsum schon so weit zurückliegt, dass er keinen Einfluss auf die Verkehrssicherheit haben kann. Natürlich hat das ihm unterstehende Ministerium seit seiner Amtsübernahme so gut wie nichts in die Verkehrswende investiert, sondern pulvert Milliarden in »nachhaltige« Megaprojekte wie die Brücke über die Meerenge von Messina.

    Man kann sich da schon bildlich vorstellen, welch »innovative« Konzepte einer wie Salvini für unsere Landeshauptstadt vorschlagen könnte.

    Doch eigentlich ist das auch unerheblich, denn eine Bearbeitung des Themas steht ihm sowieso nicht zu. Diese faktische Aushöhlung der Autonomie in einem Bereich, in dem sie juristisch — jedenfalls bis heute — noch gehalten hatte, ist unerträglich, spricht aber Bände: Bevor irgendetwas wiederhergestellt wurde, lässt die Volkspartei offenbar zu, dass ein Mitglied der von ihr geführten Regierung Landeszuständigkeiten eigenmächtig an einem Tisch in Rom verhandeln lässt. Es bestätigt sich, dass jeder tut, was er will.

    Hat der Landeshauptmann eigentlich noch irgendwas zu sagen? Was ist mit Landesrat Daniel Alfreider (SVP), der für die einschlägigen Landeszuständigkeiten verantwortlich wäre? Denn der ehemalige Leiferer Bürgermeister übergibt hier Angelegenheiten an den Minister, die noch nicht einmal in seine Kompetenzen als Landesrat fallen.

    Wenn Bianchi nicht zurückgepfiffen wird, wenn ihn die SVP nicht vor den Koalitionsausschuss zitiert, nimmt sie billigend in Kauf, dass unser aller Autonomie — die nicht der Volkspartei gehört — sowohl symbolisch als auch faktisch geschadet, dass sie vorgeführt und entwürdigt wird. Wozu Zuständigkeiten wiederherstellen, wenn sogar die, die wir noch haben, in Rom ausgeübt werden?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07 || 01



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  • Mussolini ist Ehrenbürger der Kulturhauptstadt.
    Görz

    Die beiden aneinander grenzenden Städte Görz (Julien) und Neu-Görz bzw. Nova Gorica (Slowenien) sind — neben Chemnitz (Sachsen) — die europäischen Kulturhauptstädte 2025. Voneinander trennt sie eine Staatsgrenze, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu durch das historisch mehrsprachige Gebiet gezogen wurde und seit dem Beitritt von Slowenien zur EU wesentlich durchlässiger geworden ist. Slowenisch und Italienisch, Friaulisch und Deutsch gehören zu den autochthonen Sprachen, die hier gesprochen werden.

    Im Gemeinderat von Görz kam deshalb im November der Vorschlag auf, dem faschistischen Diktator Benito Mussolini — besser spät als nie — die 1924 erteilte Ehrenbürgerschaft der Stadt abzuerkennen. Spätestens im Faschismus wurde hier schließlich mit rassistischer Gewalt und ungebremster Brutalität versucht, die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Region zu unterdrücken, um Italien zu einem monolingualen und kulturell sowie politisch-ideologisch homogenen Nationalstaat zu machen.

    Außerdem fiel das faschistische Italien gemeinsam mit Nazi-Deutschland in Jugoslawien ein und beging grausame Kriegsverbrechen.

    Doch wer gedacht hätte, dass dem Ansinnen, die Ehrung für den Diktator zurückzunehmen, gerade im Vorfeld der verbindenden Kulturhauptstadtschaft nichts hätte im Wege stehen können, hat die Rechnung ohne die politischen Gegebenheiten im Italien des 21. Jahrhunderts gemacht. Bürgermeister Rodolfo Ziberna (FI), der seine ehemalige Mitgliedschaft bei den sozialistischen Demokraten (PSDI) hervorhob und sich als Antifaschist bezeichnete — jedoch gleichzeitig einer rechtsrechten Stadtmehrheit vorsteht, der auch die neofaschistische FdI angehört —, lehnte den Widerruf ab. Dafür führte er die in Italien sehr beliebte, höchst fadenscheinige Begründung an, man dürfe »die Geschichte nicht auslöschen«, sondern müsse sie bekannt machen, damit sie sich nicht wiederhole. Als hätte die Rücknahme einer Ehrung irgendetwas mit der Auslöschung von Geschichte zu tun.

    Vielmehr ist die aktive Entscheidung, die Ehrenbürgerschaft beizubehalten, Ausdruck und Bestätigung von ideologischer Nähe.

    Der Beschluss löste sowohl in der Partnerstadt Neu-Görz und in der slowenischen Hauptstadt Laibach als auch bei der slowenischen Minderheit in Görz und Julien Entsetzen und Empörung aus. In Italien ist Mussolini jedoch bis heute wichtiger als Versöhnung, Aufarbeitung und Wiedergutmachung.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06 07 08 09 10 || 01 02



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  • Amputierte Autonomie.
    Podcast Teil 1


    Marco Manfrini kanzelte auf diesen Seiten Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) und seine Autonomiereform als gefährlich ab. Die Wochenzeitung ff warf dem Landeshauptmann vor, hinter einer Reform der Autonomie herzujagen, die lebensfern ist.

    Laut Manfrini könnte die angestrengte Reform die Autonomie weiter schwächen. Die ff befindet, bei der Reform handle es sich um ein Ego-Projekt, dem es an Transparenz fehlt. Ex-Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) kritisierte die Reform als zu dürftig. Ex-Parlamentarier Karl Zeller (SVP) verteidigt das Kompatscher-Projekt, auch die ehemaligen Senatoren Francesco Palermo (PD/SVP) und mit Einschränkungen Oskar Peterlini (SVP) würdigten auf Salto die Autonomiereform als großen Wurf. Wie reagiert der Landeshauptmann auf die heftige Kritik?

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II


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  • Willkür: Jetzt kommen die roten Zonen.

    Anlässlich der Silvesterfeiern hat der Präfekt von Mailand, Claudio Sgaraglia, in der lombardischen Metropole fünf sogenannte »rote Zonen« eingerichtet, die sage und schreibe bis Ende März (ein Vierteljahr!) Bestand haben und die Ergreifung von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen durch die Polizei noch weiter erleichtern sollen. Personen, die aggressive, bedrohliche oder lästige Verhaltensweisen an den Tag legen — was alles und nichts bedeuten kann — dürfen sich in den betreffenden Stadtgebieten genausowenig aufhalten wie Menschen mit gewissen Vorstrafen.

    Unter anderem die Vereinigung der Strafrechtsanwältinnen hat diese Maßnahmen scharf kritisiert, weil per Verwaltungsentscheid massiv in Grundrechte eingegriffen werde und Personen betroffen seien, für die die Unschuldsvermutung zu gelten hat.

    Innenminister Matteo Piantedosi von der rechtsrechten Regierung um Giorgia Meloni (FdI) ist von der Idee des Mailänder Präfekten hingegen derart angetan, dass er sie ausdrücklich auch anderen Städten landesweit empfiehlt. Wen kann es denn schon stören, wenn die persönliche Freiheit eingeschränkt wird, um — zumindest vorgeblich — das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen zu steigern?

    Die Strafrechtsanwältinnen sprechen von einer illiberalen Entwicklung, die zur zunehmenden Militarisierung des Stadtgefüges führt. Betroffen sind in Mailand schließlich so zentrale und schwer meidbare Bereiche wie drei Fernbahnhöfe (einschließlich des Hauptbahnhofs), ein weit gefasstes Gebiet um den Dom in der Stadtmitte und mehrere Ausgehmeilen.

    Der Präfekt von Neapel, Michele Di Bari, ist dem Vorbild aus Mailand bereits gefolgt und hat seinerseits vier »rote Zonen« eingerichtet. Ob die illiberale Maßnahme auch in Südtirol nachgeahmt wird, ist bislang unklar. Sie liegt jedenfalls nicht in der Zuständigkeit des Landes, sondern in jener des Regierungskommissariats.

    So werden in Italien Schritt für Schritt Grundfreiheiten abgebaut, die einen demokratischen Rechtsstaat ausmachen. Manche Bürgerinnen denken womöglich sogar, das geschehe zu ihrem Vorteil.

    Dabei sind die nächsten massiven Einschnitte bereits in Vorbereitung.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Der Absolutismus bei den Autonomieverhandlungen.


    Die Kritik an den Autonomieverhandlungen von Landeshauptmann Kompatscher wurde zuletzt noch lauter und sie kommt von allen Seiten (01 02). Auch der Landtag fühlt sich übergangen und das zu Recht. Stein des Anstoßes ist vor allem der Umstand, dass großteils geheim verhandelt wird und außer LH Arno Kompatscher (SVP) und seinem innersten Kreis kaum jemandem Mitsprache zugestanden wird.

    Auch die bisher gewählte Vorgangsweise gibt keinen Grund zum Optimismus: Der Kampf um das Autonomiestatut und das Paket hat Jahrzehnte gedauert und wurde von großen Teilen der Südtiroler Bevölkerung getragen. Kompatscher will die verlorengegangene Autonomie alleine und in wenigen Monaten wiederherstellen. Das war von Anfang an unrealistisch, ja beinahe anmaßend und vermessen. Am Ende könnte Kompatschers Wiederherstellung der Autonomie darin münden, dass Südtirol den Kürzungen der letzten Jahre teilweise sogar zustimmt und insbesondere die restriktive Auslegung durch den Verfassungsgerichtshof absegnet.

    Kompatschers Verhandlungen scheinen zudem überhastet und oberflächlich. Offiziell wird verlautbart, man wolle den Stand der Autonomie bei der Streitbeilegung im Jahr 1992 wiederherstellen, aber es weiß wohl niemand so wirklich, wie der Umfang und das Ausmaß der damaligen Autonomie definiert, erhoben und bemessen werden kann. So wird nicht überprüfbar sein, ob Kompatschers plötzliche autonomiepolitischen Bemühungen auch tatsächlich das vorgegebene Ziel erreicht haben, oder ob man in Rom billig abgespeist wurde.

    Seriöse Verhandlungen setzen aber voraus, dass klar feststeht und daher auch unstrittig ist, was der Stand der Autonomie von 1992 genau umfasst und was in den letzten Jahren beschnitten und gekürzt wurde. Allein dies ist ein gewaltiges Unterfangen, das öffentlich und auf breitestmöglicher Basis zu erörtern wäre und bei dem die klügsten Köpfe des Landes miteinzubeziehen sind. Eine entsprechende politische und gesamtgesellschaftliche Debatte ist unabdingbar, geht es doch um die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens, denn das Autonomiestatut wird nicht umsonst als Südtiroler Landesverfassung bezeichnet. Es regelt nämlich, welche politischen Entscheidungen, die der Südtiroler Bevölkerung zustehen, an Rom abgegeben werden müssen und welche hingegen tatsächlich in Südtirol selbst getroffen werden dürfen.

    Kompatschers Verhandlungen werden aber nicht als Gesamtanstrengung der Südtiroler Bevölkerung geführt, so wie in den 1960er und 1970er Jahren, sondern wurden zur Chefsache erklärt, die somit allein und direkt dem Landeshauptmann vorbehalten ist. Verhandelt wird mehr verdeckt als transparent. Ein kleiner Kreis von Leuten hält Südtirols Schicksal in der Hand und entzieht sich dabei jeglicher Kontrolle und Debatte. Es wird nicht Bericht erstattet und auch nicht Rechenschaft abgelegt. Irgendwann wird uns ein Ergebnis vorgelegt werden, von dem niemand wirklich weiß, was es genau beinhaltet, wie es zustande kam und worauf Rom gegenüber verzichtet wurde. Der Unterscheid zum Paketabschluss und den bisherigen Autonomieverhandlungen könnte nicht größer sein.

    Der Kampf um das Zweite Autonomiestatut war die Mammutaufgabe von Jahrzehnten und forderte die Anstrengung einer ganzen Generation. Kompatscher glaubt, es in wenigen Monaten schaffen zu können. Überschätzt er sich?

    Vielleicht ist sich Kompatscher der Aufgabe nicht bewusst, oder es geht ihm weniger um eine inhaltliche Stärkung und tatsächliche Wiederherstellung der Autonomie, sondern vielmehr darum, schnellstmöglich ein Ergebnis präsentieren zu können, das dann als Erfolg verkauft werden kann.

    In Südtirol werden sich wohl trotzdem genügend Leute finden, die dann Lobeshymnen anstimmen und Kompatscher einen Platz unter den vermeintlich Großen der Südtiroler Geschichte zuweisen werden.


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