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  • Die Pharisäer des IOC.


    Die Politspiele der Herren des olympischen Feuers

    Als beim olympischen Eishockeyspiel Dänemark-USA eine grönländische Fahne geschwenkt wurde, schritten Sicherheitsbeamte ein. Aus Sicherheitsgründen, so die Begründfung. Die Fahne wurde eingerollt. Politische Bekundungen bei Olympischen Spielen, ein No-Go.

    Die politischen Saubermänner des IOC mussten schon vor der Grönland-Aktion einschreiten. So wurde der ukrainische Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewytsch disqualifiziert. Der Ukrainer wollte mit einem Helm starten, auf dem im Krieg Russlands gegen die Ukraine getötete Sportler abgebildet sind. Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt.

    Das IOC erlaubte aber bei diesen Spielen die Teilnahme von 13 russischen Athleten. Die Tageszeitung Die Welt nennt sie »ein paar angeblich streng überprüfte Sportler«, die als »neutrale Athleten« mit dabei sind. Die Welt weiter:

    Wobei sich in manchem Einzelfall schon gezeigt hat, dass die Prüfer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht so genau hingeschaut haben.

    – Die Welt

    Eine ungewöhnlich kleine Schar, aber ein Probelauf wohl für mehr.

    Politische Botschaften sind strikt verboten, offensichtlich nicht aber die Rückkehr von Sportler:innen aus dem kriegsführenden Russland, das seit mehr als vier Jahren die Ukraine zusammenbombt. »Denn nach Lage der Dinge steht ihre baldige Rückkehr bevor«, weiß Die Welt zu berichten.

    Derzeit ist Russlands Olympiakomitee (ROK) suspendiert. Aber nicht wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine. Es geht um eine »Formalie«, die dann doch wieder mit dem Krieg zu tun hat. In seinem großrussischen Wahn nahm das ROK die annektierten ukrainischen Regionen Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischja auf. Ein glatter Verstoß gegen die Olympische Charta, weil mit der Annexion die territoriale Integrität des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine verletzt wird.

    Was taten die olympischen Strategien des russischen OK? Sie säuberten ihre Statuten, es scheinen keine regionalen Vereinigungen mehr auf, auch nicht Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischja. Formalrechtlich besteht also gar kein Grund mehr, die Suspendierung aufrecht zu erhalten.

    Fakt ist, dass in manche Fachsportverbände russische Sportler samt Flagge zurückgekehrt sind. Bei den Paralympics nimmt das russische Team vollwertig teil. Das IOC wird sich auch mit der Rückkehr russischer Jugendmannschaften beschäftigen. Denn es geht um Sport und der ist politisch neutral, ließ IOC-Chefin Kirsty Coventry — laut Bild ein »falscher Fuffziger« — die Sportwelt wissen. Keine grönländische Fahne, keinen Helm mit Fotos von Kriegstoten, weil der Sport angeblich neutral ist. Deshalb wohl auch die russische Rückkehr in den Weltsport.

    Und der Freund der Totalitären, FIFA-Präsident Gianni Infantino wirbt auch für eine »Normalisierung«. Das Teilnahmeverbot brachte nichts, urteilt Infantino, es führte nur zu Frustration und Hass. Das sollte Infantino den ukrainischen Bürgerinnen und Bürgern erzählen, die täglich von Russland angegriffen werden.

    Aber ja, Sport ist unpolitisch, Sport ist neutral, aber ziemlich nahe dran an den besonders Mächtigen der Welt.


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  • L’Italia chiamò! Sì!


    Bild: Frei nach Emil Rau (KI-generiert)

    von Werner Pramstrahler

    Es ist vollbracht. Mittlerweile »emotionslos« stelle ich fest, dass die emotionale Zugehörigkeit des überwiegenden Teils der »Südtiroler:innen« zum italienischen Staat erfolgreich vollzogen ist.

    Ganz selbstverständlich und bewegt wird von rodelnden Olympiamedaillengewinner:innen die antiösterreichische Hymne mitgesungen, der Sieg der Nation gewidmet und dem neuen italienischen — bezeichnenderweise nicht ladinischen — Eiskanal gedankt. Begleitet wird dies von der offiziellen Anerkennung durch »Südtiroler« politische Entscheidungsträger:innen sowie von einer vor nationaler Symbolik triefenden Medienberichterstattung — dies entspricht ganz offensichtlich der Erwartung des überwiegenden Teils der Landsleute.

    Marginalisiert sind die rechten wie die linken Widerständler:innen gegen den banalen Nationalismus: die rechten »Gegenbanalnationalist:innen« mit Abgrenzungsschwierigkeiten zu identitärem und ausländerfeindlichem Gedankengut, im besten Fall kaisertreu und gottesfürchtig; die linken — mich inklusive — ohne Organisationsmacht und wohl zu abstrakt.

    Niemanden überrascht oder stört es, wenn österreichische und deutsche Medien von Italiener:innen sprechen und schreiben — Italiener:innen nach innen wie nach außen. Setzt sich diese Entwicklung fort — und warum sollte sie das nicht? —, wird »Südtirol« zu jenem Land, das offenbar gewünscht wird: nostalgisch anmutende, an den ehemals tirolerischen Kern erinnernde Architektur und Bräuche sowie italienisches Flair, Lebensart und Küche — bei gleichzeitig angenehmerweise noch vorhandenen Deutschkenntnissen eines Teils der Bevölkerung; des ohnehin polyglotten, hochmobilen Bildungsbürgertums und einiger weniger resilienter Sturköpfe in einigen Tälern.

    Bitter.


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  • Kärntner Ordnungsruf.
    Minorisierung

    Am 5. Februar ist es im Landtag von Koroška/Kärnten zu einem bestürzenden Vorfall gekommen: Wenige Worte in slowenischer Sprache, die der Abgeordnete Franz-Josef Smrtnik vom Team Kärnten (ehemals Team Stronach) symbolisch im Rahmen einer Sitzung ausgesprochen hatte, führten zu einer völlig überzogenen Reaktion des Zweiten Landtagspräsidenten. Christoph Staudacher von der rechtsextremen FPÖ unterbrach Smrtnik zuerst und erteilte ihm anschließend einen Ordnungsruf, weil Deutsch die Amtssprache des Kärntner Landtags sei und alle Abgeordnete den Reden folgen können müssten.

    Das ist allein schon deshalb absurd, weil Smrtnik die wenigen Worte, die er auf Slowenisch aussprach, jeweils zuvor bereits auf Deutsch gesagt hatte.

    Wenn aber im Kärntner Landtag tatsächlich ausschließlich die deutsche Sprache zugelassen ist, ist dies auch ein Armutszeugnis für den Minderheitenschutz in dem lange von der FPÖ dominierten Bundesland.

    Ein offizieller Kommentar der Geschäftsordnung hält immerhin fest, dass es »nicht ausgeschlossen« sei, »etwa Begrüßungsworte auch in slowenischer Sprache zu formulieren, um die Repräsentanz der Volksgruppe im Landtag symbolisch zu verdeutlichen«.

    Neben dem Team Kärnten protestierten vor allem die Grünen gegen die diskriminierende Vorgehensweise von Staudacher:

    Olga Voglauer, Nationalratsabgeordnete und Landessprecherin der Grünen Kärnten, sagte in einer Reaktion, dass die slowenische Sprache im Kärntner Landtag zum Problem gemacht werde, sei ein politischer Offenbarungseid. „Hier geht es nicht um die Geschäftsordnung, sondern um Gesinnung.“ Kärnten sei zweisprachig – historisch, rechtlich und gesellschaftlich. Das Land Kärnten bekenne sich auch in seiner neuen Kulturstrategie ausdrücklich zu Slowenisch als Mehrwert einer zweiten Landessprache, so Voglauer, die selbst Kärntner Slowenin ist.

    – ORF Kärnten

    Im Umgang mit den Kärntner Sloweninnen unterscheidet sich Österreich, das selbst keiner ist, nicht von klassischen Nationalstaaten, da es seinem Selbstverständnis nach einsprachig deutsch ist.

    Vor wenigen Jahren war es im Regionalrat von Venetien zum Eklat gekommen, weil ein Abgeordneter eine Rede in zimbrischer Sprache begonnen hatte. Die heftigste Kritik kam dabei vom PD. Selbst in dem im Umgang mit Vielfalt eigentlich geübten EU-Parlament sind Minderheitensprachen, wenn sie nicht gleichzeitig woanders Staatssprache sind, nicht erlaubt.

    Und nicht zuletzt ist auch gemäß Geschäftsordnung des Südtiroler Landtages (S. 117) nur der Gebrauch der deutschen und der italienischen Sprache erlaubt, während die ladinische Sprache keine Rolle spielt. Hier wäre es höchst an der Zeit, nachzubessern.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • RFI: Deutsche Durchsagen mit Tolomeis Ortsnamen.
    Pustertal

    Der italienische Schienennetzbetreiber RFI, dem auch die meisten Bahnhöfe in Südtirol unterstellt sind, führt seine systematische Diskriminierung der deutschen Sprache und der historisch gewachsenen Ortsnamen fort.

    Nachdem ein gesetzwidriges Leitsystem am Bahnhof Franzensfeste — wie möglicherweise auch an anderen Bahnhöfen — trotz Versprechungen an die Landesregierung seit bald sieben Jahren nicht richtiggestellt wurde, fehlen jetzt bei automatisierten Durchsagen auf der Pustertaler Bahnstrecke wieder deutsche Ortsnamen.

    Ein -Leser hat mir folgende Ankündigung eines Zuges in Richtung Franzensfeste geschickt, die er am Bahnhof Toblach aufgenommen hat:

    Statt »Franzensfeste« wird auch in der deutschen Ansage ausschließlich der im Faschismus eingeführte italienische Ortsname verwendet. Dass dies auch noch im Kontext von Olympia geschieht, stellt gleich mehrfach einen erschwerenden Umstand dar: Zum einen wird so die Außendarstellung unseres Landes verzerrt, zum anderen werden ausländische Gäste, die sich — wie jene aus dem deutschen Sprachraum — an den deutschen Ortsbezeichnungen orientieren, verwirrt und in die Irre geführt.

    Die Landesregierung scheint nicht gewillt oder in der Lage zu sein, den Jahrzehnte währenden illegalen Übergriffen dieses staatlichen Unternehmens endlich ein Ende zu bereiten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • Schule in Urtijëi trennt Schülerinnen nach Sprachkenntnissen.

    Am Institut Tecnich Economich »Raetia« (ITE) in Urtijëi werden die Schülerinnen während des Ladinischunterrichts nach Sprachkenntnissen getrennt und in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Für Jugendliche aus dem Tal werde dann Erstsprachunterricht, für jene ohne ausreichende Vorkenntnisse Zweitsprachunterricht angeboten. Dies berichtet die Rai Ladinia in einem aktuellen Beitrag.

    An der Scola d’Ert »Cademia«, ebenfalls in Urtijëi, sei dieses Modell demnach schon seit längerer Zeit etabliert, an der Raetia werde es hingegen erst seit zwei Jahren angewandt.

    Laut David Lardschneider, der an der Oberschule Ladinisch unterrichtet, sei auf die Notwendigkeit einer solchen Trennung schon seit zwanzig Jahren hingewiesen worden.

    Dem Bericht zufolge ist der getrennte Ladinischunterricht auf die ersten und zweiten Klassen beschränkt, während die Gruppen ab der dritten Klasse wieder vollständig zusammengelegt werden. Ob und wie stark sich die unterschiedlichen Kompetenzniveaus bis dahin angeglichen haben, wird nicht thematisiert.

    Ein weiterer Ladinischlehrer, Marc Senoner, betont im Interview, dass das Interesse an der ladinischen Sprache unter Schülerinnen von außerhalb durchaus groß sei. Auch außerhalb des Unterrichts würden sie versuchen, einige Wörter und Sätze auf Ladinisch zu sprechen. Eher seien es die Schülerinnen aus Gherdëina selbst, die wenig Ladinisch sprechen.

    Insgesamt stehen auch am ITE Raetia nur zwei Wochenstunden Ladinisch auf dem Stundenplan. Das ist Expertinnen zufolge nicht genug, um den Fortbestand der gefährdeten Minderheitensprache zu garantieren.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05



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