Quotation (162): Wahrsagerei.

In der Literatur Spaniens gibt es die Figur des Don Quixote, der gegen Windmühlen ankämpfen muss. So fühlen sich viele Katalanen mit etwas Sinn für Realität, während andere blauäugig immer noch von einem eigenen Staat träumen. Doch wenn der Zentralstaat selbst die Bestrebungen des so bevölkerungsreichen Landes nicht anerkennen will, dann wird es wohl eine Illusion bleiben.

Artikel von Luis Mahlknecht, Dolomiten, 03.09.2014, Auszug

Was ist das, wenn nicht Wahrsagerei? Wie kann man Menschen, die sich für ein politisch legitimes Ziel einsetzen, pauschal der Blauäugigkeit bezichtigen? Erst die Zukunft wird zeigen, was real sein wird und was nicht.

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BBD-Manifest neu.

Nach bald zehn Jahren seit Gründung von haben wir unser Manifest einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Die Neufassung berücksichtigt einerseits die inzwischen vollzogene inhaltliche Entwicklung und bringt andererseits ursprüngliche Ideen präziser auf den Punkt. Wie gewohnt ist das Manifest in der Menüleiste unter dem Blogtitel abrufbar. Zudem sind eine ladinische und eine englische Sprachversion in Vorbereitung.


Nuovo manifesto.

Dopo quasi dieci anni dalla nascita di abbiamo riscritto il nostro manifesto. La nuova versione tiene conto dell’evoluzione dei contenuti e al contempo ha permesso di riformulare in maniera più precisa anche le idee originarie. Anche in futuro il manifesto rimane accessibile dalla barra menù sotto al titolo del blog, inoltre sono in preparazione una versione in lingua ladina e una in inglese.

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Euregio-Züge.

Euregiozüge.

Die Südtiroler Landesregierung teilt mit, dass die landeseigenen Flirt-Züge, die Südtirol mit dem Trentino, Nord- und Osttirol verbinden, ab dem kommenden Fahrplanwechsel mit dem Logo der Euregio unterwegs sein werden. Das ist ein symbolischer Schritt, das Euregio-Projekt nach vielen Jahren endlich auch im Alltag sicht- und spürbarer zu machen. Schön (und notwendig) wäre es, wenn dies kein einseitiges Vorgehen bliebe, sondern auch von den benachbarten Euregio-Ländern mitgetragen und auf den eigenen Zügen übernommen würde.

Bild: Landespresseamt.

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Geburtshilfe in Südtirol und Graubünden.

Die Geburtsabteilungen der Krankenhäuser Sterzing, Schlanders und Innichen müssen demnächst wohl geschlossen werden, da sie neue staatliche Mindestanforderungen kaum erfüllen können und das »vorzeigeautonome« Land Südtirol offenbar nicht über die Zuständigkeiten verfügt, um sich über die römischen Kriterien hinwegzusetzen. Medienberichten zufolge sehen die Bedingungen folgendermaßen aus:

  • Geburtsabteilungen mit weniger als 500 Jahresgeburten müssen grundsätzlich geschlossen werden;
  • Geburtsabteilungen mit 500-1000 Jahresgeburten müssen rund um die Uhr die Anwesenheit von zwei Hebammen und die Öffnung des gynäkologischen Diensts sicherstellen;
  • Innerhalb des Krankenhauses muss 24h ein Anästhesiedienst verfügbar sein;
  • Für Notfälle muss rund um die Uhr ein Operationssaal bereitstehen;
  • Bildgebende Diagnostik und Bluttransfusionen müssen jederzeit durchgeführt werden können.

Diesen Kriterien zufolge hätten die Geburtsabteilungen der Südtiroler Kleinkrankenhäuser keine Chance. Mitunter heißt es, die Nichterfüllung der strengen Auflagen könnte die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden.

Da ich zwar von all diesen Dingen wenig Ahnung habe, aber an eine möglichst flächendeckend verfügbare Gesundheitsversorgung glaube und mich zudem nur ungern von Politikern und Medien auf den Arm nehmen lasse, habe ich mich in der näheren Umgebung nach der Existenz ähnlicher Vorgaben erkundigt, zum Beispiel im benachbarten Kanton Graubünden. Dabei wollte ich in Erfahrung bringen, welche Kriterien dort für Geburtsabteilungen gelten und wer für deren Festlegung zuständig ist — Bund oder Kanton. Die Antwort des zuständigen Amtsleiters im kantonalen Gesundheitsamt, Herrn Rudolf Leuthold, ließ nur wenige Stunden auf sich warten und fällt erstaunlich aus:

  • Anders als die angebliche Südtiroler Vorzeigeautonomie legt Graubünden die Anforderungen an Geburtshilfen selbst fest;
  • Mindestgeburtenanzahl gibt es gar keine (so wurden in der Geburtsabteilung in Scuol letztes Jahr weniger als 50 Geburten gezählt);
  • Ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe muss lediglich innerhalb 10 Minuten anwesend sein können;
  • Bei medizinischer Notwendigkeit muss auch die Anästhesie binnen 10 Minuten verfügbar sein;
  • Hebammendienst rund um die Uhr;
  • Ein Notkaiserschnitt muss in weniger als 15 Minuten ab Entscheid erfolgen können.
  • Der Kantonsarzt kann jedoch für Sondersituationen Abweichungen von den Vorgaben zulassen.

Ob all diese Vorgaben aus Graubünden von den Südtiroler Kleinkrankenhäusern bereits erfüllt würden, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch allein die Tatsache, dass der Kanton die Kriterien selbst festlegen kann, macht einen wesentlichen Unterschied aus. Dabei kann etwa die geographische und -morphologische Situation berücksichtigt werden; dichter besiedelte Kantone wie Bern sehen nämlich einer Internetrecherche zufolge (aus wirtschaftlichen Gründen!) sehr wohl Mindestgeburtenanzahlen vor. Insgesamt klingen die Anforderungen im benachbarten Kanton aber auch inhaltlich wesentlich pragmatischer und erfüllbarer, als die italienischen. Dabei kann man der Schweiz wohl kaum eine schlechte medizinische Qualität vorwerfen; mitunter muss man aber abwägen können, ob etwa unzumutbar lange Fahrtwege zum nächsten Krankenhaus wirklich geringere Gefahren bergen, als die Anwesenheit einer kleinen Einrichtung vor Ort. In einem zentralistisch ausgerichteten Land wie Italien werden jedoch — wie in diesem Fall — Großstädten wie Mailand und Rom, dem Flachland wie in der Poebene sowie dem Tiroler Gebirge mit seinen verästelten Tälern dieselben Maßstäbe angelegt. Nun fallen dieser Unlogik also nach den Bezirksgerichten möglicherweise auch die Geburtsabteilungen (wenn nicht die Kleinkrankenhäuser als solche) zum Opfer.

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Meran: Polizei schützt Faschisten.

Dass die Staatspolizei viel zu wenig unternimmt, um Umtriebe italienischer Neofaschisten in Südtirol im Zaum zu halten, ist offensichtlich. Immer wieder konnten und können die Rechtsextremisten hierzulande unbehelligt aktiv werden, Mitglieder anwerben und Konzerte organisieren. Doch nun meldet die Antifa Meran einen skandalösen Vorfall, bei dem die ’Ordnungshüter’ die Faschisten sogar aktiv geschützt und Gegendemonstranten eingeschüchtert haben sollen.

Mit einem Flashmob hatten AntifaschistInnen vor einigen Wochen mit friedlichen Mitteln dafür gesorgt, dass eine Unterschriftensammlung von Forza Nuova (FN) in Meran vorzeitig abgebrochen werden musste. Doch schon im Vorfeld eines weiteren Auftritts der Faschisten in der Passerstadt, so die Antifa, habe die Staatsmacht erneute Störaktionen mit zweifelhaften Methoden verhindern wollen: Den AntifaschistInnen sei offen mit Anzeigen gedroht worden, falls sie sich nur in die Nähe (!) des FN-Stands begeben hätten. Jeden einzelnen Gegendemonstranten würde man zudem ablichten und erfassen.

Doch nicht genug: Noch bevor es zu einer Missachtung der Auflagen hätte kommen können, hätten Digos-Beamte die AntifaschistInnen, die sich in einer Bar in der Altstadt getroffen hatten, um anschließend Flugblätter zu verteilen, einzuschüchtern verucht. Im Außenbereich der Bar habe ein Zivilbeamter versucht, die anwesenden Personen zu filmen und zu fotografieren. Zudem sei die Gruppe noch in der Bar dazu aufgefordert worden, sich aufzulösen — für die Flugblattaktion sollten jeweils nicht mehr als drei Personen zusammen auftreten.

Ein derartiges Vorgehen der Polizei, das den Faschisten Freiräume sichert und friedlichen Widerstand zu unterbinden versucht, ist völlig inakzeptabel. Der Landeshauptmann sollte seine Koordinierungsbefugnis im Bereich der öffentlichen Sicherheit ausreizen, um die Zuständigen zur Rede zu stellen und ein beherzteres Vorgehen gegen neofaschistische Umtriebe zu fordern.

spricht den AntifaschistInnen uneingeschränkte Solidarität aus. Für Südtirol ist es von kaum zu überschätzender Bedeutung, dass Menschen aktiv gegen Rechtsextremismus eintreten.

Faschismen Polizei | | | | | |

Migration ist kein Wasserhahn.

Angesichts der meist polemischen Diskussionen über Migration und Integration sei auf ein Projekt der Abteilung JUFF des Amtes der Tiroler Landesregierung aufmerksam gemacht, das 2010/2011 unter dem Titel »VIELFALT daheim IN TIROL. Fakten – Kunst – Positionen zu Migration und Integration in Tirol« ins Leben gerufen wurde.

Die künstlerische, wissenschaftliche und mitunter auch höchst menschliche Auseinandersetzung mit dem Thema und die Miteinbeziehung von Betroffenen, wirft ein sehr interessantes Licht auf das Phänomen. Hier wurde nicht — wie sonst in Sachen Integration oft üblich — über sondern mit Migranten gesprochen.

deine fresseAusschnitt aus der Installation »Passport« von Franz Wassermann (2010)

Informationen zum Projekt beim Amt der Tiroler Landesregierung.

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Quotation (161): Das halbvolle Glas.

The pessimist sees difficulty in every opportunity.
The optimist sees the opportunity in every difficulty.

— Sir Winston Churchill

Die Spannungsfelder zwischen Bewahrung und Veränderung, Kulturpessimismus und Avantgarde, Realismus und Vision, Mauern und Brücken, Aussichtslosigkeit und Perspektiven bedürfen stetigen Ausgleichs. Sehen wir zu, dass die Bewahrer, Kulturpessimisten, Realisten, Maurer und Aussichtslosen nicht die Oberhand gewinnen.

Hier ein kleiner Motivationsschub.

Siehe auch:

Feuilleton Kunst+Cultura | Zitać | | | | | English

dpa: Belanglosigkeit und eine Prise Sexismus.

Kürzlich sind auf stol.it zwei Meldungen der dpa (Deutsche Presse-Agentur) erschienen, die ein interessantes Licht auf die größte Nachrichtenagentur der Bundesrepublik werfen. Meldungen renommierter Agenturen werden von Zeitungs- und Onlineredaktionen meist unverändert und somit unhinterfragt übernommen. So wohl auch im Fall zweier Berichte über das anstehende Referendum in Schottland und die Wahl Federica Mogherinis zur neuen Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik.

Die Qualität der beiden Meldungen ist erschreckend – was umso schwerer wiegt, wenn man sich vor Augen führt, dass derartige Berichte bisweilen hundertfach 1:1 widergegeben werden. Beim Schottland-Artikel wird eine Reihe belangloser bis lächerlicher Argumente angeführt wird, die vermeintlich gegen die Unabhängigkeit des Landes sprächen.

Ein knapper Ausgang nach einer hitzigen Kampagne könne darum Fragen nach der Legitimität des Votums aufwerfen, heißt es in Kreisen der Unabhängigkeits-Gegner.

Bedeutet das etwa, dass die »Better together«-Protagonisten die Legitimität auch dann anzweifeln, wenn die Schotten mit hauchdünner Mehrheit für einen Verbleib bei Großbritannien stimmen würden?

Mehrere Staaten, darunter Spanien, haben Widerstand gegen ein unabhängiges Schottland angekündigt.

Der spanische Außenminister sieht das nicht ganz so eng, wie die Financial Times berichtet.

Militärs warnen in dem Fall vor Schwierigkeiten beim Erhalt des britischen Nuklearpotenzials, da es an passenden Standorten fehlt.

Und was geht das ein eventuell unabhängiges Schottland an, was die Briten mit ihren Massenvernichtungswaffen tun und welche Probleme sie damit haben? Wenn sie unbedingt Atomwaffen haben wollen, dann sollten sie sie auch bei sich zu Hause deponieren.

Dem nur fünf Millionen Menschen starken Schottland käme demnach laut Zahl des britischen “Economist” zwischen 121 und 143 Milliarden Pfund (152,86 Mrd. und 180,66 Mrd. Euro) an Schulden zu, dies würde den neuen Staat mit einer Schuldenquote von 73 und 86 Prozent (sic!) des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belasten.

Und als Teil Großbritanniens hätten sie diese Schulden etwa nicht, oder wie? Die Schuldenquote Großbritanniens liegt übrigens bei über 93 Prozent.

Schottland könnte in Budgetschwierigkeiten geraten.

Man nenne mir ein Land in Europa (mit Ausnahme Norwegens vielleicht), welches keine »Budgetschwierigkeiten« hat. Außerdem würde Schottland dennoch nicht zu Europas »Sorgenkindern« zählen. Im Gegenteil.

Sorgen gibt es auch wegen der Überalterung der Gesellschaft – kommen heute noch 3,2 Arbeitskräfte auf einen Pensionisten, sind es 2037 nur noch 2,6 Beschäftigte.

Brillant. Auch dieses Problem haben einzig und allein die Schotten, denn das restliche Königreich ist bekanntlich ein Hort der Jugend – wie überhaupt ganz Europa. Und wenn man bei Großbritannien bleibt, wird die schottische Gesellschaft natürlich mit einem Mal jünger. Problem gelöst.

Der Kurzbericht über Mogherini ist hingegen unterschwellig sexistisch.

Vor einem halben Jahr übernahm die Frau mit den schulterlangen blonden Haaren das Amt der Außenministerin.

Der Mann mit den Geheimratsecken wurde 2007 zum polnischen Ministerpräsidenten gewählt und 2014 zum EU-Ratspräsidenten ernannt.

2012 gewann der Mann mit den kurzgeschorenen Locken neuerlich das Rennen um das Amt des amerikanischen Präsidenten.

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