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  • Politik von unten her neu denken.
    Quotation

    Am 25. April hat der Verein Noiland das Buch Kann Südtirol Staat? auf Einladung des slowenischen Vereins Mohorjeva-Hermagoras in Celovec/Klagenfurt präsentiert. Dazu schreibt Hans Karl Peterlini im dieswöchigen Sonntagsblatt (Nr. 18/2024) unter anderem:

    Nicht militant, im Stile einer neuen Generation wird ein Kleinstaat entworfen, zu dem alle Bevölkerungsgruppen, auch die migrantischen, eingeladen werden. Ob dieser Kleinstaat besser wäre als die Autonomie, ob er überhaupt je wirklich wird, ist weniger wichtig als der dadurch eröffnete Raum, Politik nicht einfach hinzunehmen, sondern von unten her wieder neu zu denken.

    – Hans Karl Peterlini

    Peterlini ist Prodekan der Fakultät für Kultur- und Bildungswissenschaften an der Uni Celovec/Klagenfurt und war selbst bei der Buchvorstellung anwesend.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Nicht so internationaler Klassenzug.

    Die von den Arbeitgeberverbänden und auch vom Team K geforderte »internationale Schule« — bzw. vorerst ein Klassenzug mit englischer Unterrichtssprache am Realgymnasium Bozen — wird im Schuljahr 2024/25 nach dem Modell der IB World Schools starten. Deutsch und Italienisch werden dort nur als Fremdsprachen vermittelt.

    Das Team K hat sich kürzlich mit einer Landtagsanfrage (Nr. 87/24) nach dem Projekt erkundigt, unter anderem mit einer Frage zu Eingeschriebenen, die aus dem Ausland zugezogen sind. Schließlich sollte das neue Angebot vor allem Kinder aus Familien ansprechen, deren Eltern etwa aus beruflichen Gründen nach Südtirol ziehen und die nicht gewillt sind, sich schulisch zu integrieren.

    Diesbezüglich fällt die Antwort von Landesrat Philipp Achammer (SVP) allerdings ernüchternd aus: Keine einzige der eingeschriebenen Schülerinnen seien Kinder von Familien, die im laufe des letzten Schuljahres aus dem Ausland zugezogen sind.

    Das ist selbstverständlich nur ein erster Zwischenbefund. Während der kommenden Jahre wird sich zeigen, ob das elitäre Projekt tatsächlich nützlich ist, um neue Arbeitskräfte aus dem Ausland anzulocken, wie man es sich erhofft hatte. Dazu hieß es in der Antwort auf Landtagsanfrage Nr. 2268/2022 des Team K:

    Ziel ist es die internationale Wettbewerbsfährigkeit der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol auf dem Arbeitsmarkt zu fördern. Weiters sollen auch Schülerinnen und Schüler aus Südtirol, deren Eltern eine internationale Ausbildung wünschen, die Möglichkeit haben, den internationalen Klassenzug zu besuchen.

    – LR Philipp Achammer

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02



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  • Colli ohne (Eier).

    Die Liste JWA hatte im Landtagswahlkampf vor allem auf einen herausragenden Punkt in ihrem Programm verwiesen: männliche Geschlechtsorgane, die trotz ihrer äußersten Gebrechlichkeit gemeinhin für Mut stehen.

    Seit sich der Namensgeber immer ungenierter in rechtsextremen Kreisen bewegt und auch selbst mit radikalsten Aussagen auf sich Aufmerksam macht, steht der Zweite im Bunde — LAbg. Andreas Colli — ebenfalls unter Beobachtung: Wird er sich vom Nazi Chef distanzieren? Springt er ihm gar aktiv bei?

    Doch spätestens seit der peinlichen Stellungnahme, die er dazu vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, wissen wir, dass mit den Eiern wohl doch nicht der Schneid gemeint gewesen sein kann: »Andreas ist nicht Jürgen und Jürgen nicht Andreas!« raunzt er da einfallslos — und: Jürgen Wirth Anderlan sei in der Liste, die seinen Namen trägt, auch gar nicht der Chef.

    Colli hat also weder den Mumm, sich klar zu distanzieren, noch die Courage, sich selbst als der Nazi peinliche Mitläufer zu outen, der er nunmal ist, wenn er die Umtriebe seines Chefs einfach hinnimmt. In solchen Kreisen würde man das wohl als Memme bezeichnen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Das Behindertentransport-Versagen.

    Nach dem jahrelangen Desaster mit dem süditalienischen Unternehmen Tundo beim Behindertentransport in Südtirol (vgl. 01 02 03), war seit kurzem wieder Ruhe und Zufriedenheit eingekehrt, nachdem der Verein Adlatus den Dienst übernommen hatte. Doch wie wir jetzt wissen, war das nicht von langer Dauer, denn Mitten im heurigen Schuljahr wurde der Auftrag — ab dieser Woche — wieder an eine neue Firma übergeben, die offenbar außerstande ist, die Beförderung auf angemessene Weise zu gewährleisten. Gerade in einem so sensiblen Bereich und bei einer derartigen Vorgeschichte, die zusem nur kurze Zeit zurückliegt, hätte man sich eigentlich von allen Verantwortlichen höchste Vorsicht erwarten dürfen. Umso mehr, da für manche Menschen mit Behinderung ohnehin jede Veränderung — selbst wenn sie organisatorisch perfekt verläuft — ein schwer verkraftbares, nahezu traumatisches Ereignis ist.

    Wie salopp sich Verantwortliche zum erneuten logistischen Versagen äußern, wenn sie nicht ganz untergetaucht sind, ist schwer erträglich. Währenddessen häufen sich die Klagen über nicht abgeholte Kinder, keiner der Landessprachen mächtige Fahrerinnen (die also wohl nicht einmal Verkehrsschilder vollständig verstehen können), einsprachige oder gar fehlende Begleitpersonen, nicht angemessen ausgestattete Fahrzeuge, Informationschaos bezüglich Abhol- und Zielorten sowie Anzahl der zu befördenden Personen. Der neue Auftragnehmer aus dem Trentino (Alpin Bus) mit Südtiroler Beteiligung (Dibiasi), der die Ausschreibung Berichten zufolge vor allem dank riesigem Abschlag gewonnen hat, gibt an, nur kurzfristig und unvollständig über den Auftrag und den Zeitpunkt der Übernahme unterrichtet worden zu sein.

    Wie ein so wichtiger Dienst überhaupt aufgrund des Preises vergeben werden konnte, ist mir unverständlich. Doch ganz offensichtlich wurden in der Ausschreibung die zu erfüllenden Bedingungen nicht stringent genug formuliert — und gab es vorab keine Inspektion der Fahrzeuge, keine Überprüfung der Kompetenzen von Fahrer- und Begleiterinnen und keine Einweisung vonseiten der Verantwortlichen. Dabei kann man sich in diesem Fall noch nicht einmal mit dem Mangel an kompetentem, mehrsprachigem Personal und geeigneten Anbietenden herausreden, denn mit Adlatus und Easy Mobil war beides schon da. Es hätte alles, aber wirklich alles getan werden müssen, um zu verhindern, dass der schon vorhandene Qualitätsstandard erneut unterboten wird.

    Doch Politik und Verwaltung haben auf ganzer Linie versagt.



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  • Verhöhnung auf europäischer Ebene.
    Scheinkandidaturen und das Spiel mit der Demokratie

    Giorgia Meloni (FdI), Antonio Tajani (FI) und Elly Schlein (PD) haben angekündigt bei den anstehenden Europawahlen als jeweilige Spitzenkandidaten ihrer Parteien kandidieren zu wollen, ohne jedoch ernsthaft in Betracht zu ziehen, die Mandate, die sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erringen werden, auch anzunehmen. Im Prinzip gibt es nur zwei Erklärungen für dieses Verhalten: Entweder Meloni, Tajani und Schlein sind so dermaßen dumm, dass sie nicht verstehen, was da im Juni gewählt wird oder aber sie verkaufen die Bevölkerung für dumm, betreiben bewusste Wählertäuschung und offenbaren eine egomanische Geringschätzung für die europäische Demokratie und ihre Institutionen. Beides sind Befunde, die diese Herrschaften nicht wirklich dafür qualifizieren, die Bevölkerung – wo auch immer – zu repräsentieren. Leider sind diese Scheinkandidaturen spätestens seit Berlusconi zu einer gängigen Praxis und wohl auch zu einem unrühmlichen Spezifikum in Italien geworden. Jedenfalls hätte ich nicht mitbekommen, dass sich Scholz, Macron oder auch Nehammer für die Europawahlen als Spitzenkandidaten aufstellen ließen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Zum 150. von Karl Kraus.
    Veranstaltungshinweis

    Das Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck erinnert zu dessen 150. Geburtstag mit mehreren Veranstaltungen an den österreichischen Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus:

    Veranstaltungsort ist der Georg-Trakl-Turm, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock in Innsbruck

    Beim Journalismusfest Innsbruck zeigen Markus Ender und Ulrike Tanzer am 3. Mai – 17.30 Uhr Exponate der Karl-Kraus-Sammlung, die der Sammler Friedrich Pfäfflin 2019 dem Brenner-Archiv übergab. Und im Herbst schließt die von Markus Ender kuratierte Ausstellung Ins Bild gerückt: Charlotte Joël (1887-1943). Fotografien aus der Karl-Kraus-Sammlung Friedrich Pfäfflin die Reihe ab. Bei der Vernissage am 24. September – 19.00 Uhr wird Franz Schuh mit Klavierbegleitung von Suyang Kim Texte von Kraus, für Kraus und gegen Kraus lesen.

    Nicht zuletzt präsentiert die neue Nummer der Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv einen großen Aufsatz des Marbacher Kraus-Experten Friedrich Pfäfflin, in dem der Publikationsgeschichte von Kraus’ Werk in Deutschland zwischen 1951 und 2006 nachgegangen wird.

    Zur offiziellen Veranstaltungsankündigung.

    Cëla enghe: 01 02



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  • 25. April: Galateos perfide Forderung.

    LH-Stellvertreter Marco Galateo von der neofaschistischen FdI war wenig überraschend nicht bei der Gedenkfeier vom 25. April. Und ich gehöre nicht zu denen, die der Meinung sind, dass seine Anwesenheit irgendetwas geändert hätte, jedenfalls nicht im positiven Sinne. Jemand, der keinerlei Berührungsängste mit CPI hat, kolonialistisch-faschistische Denkmäler vor Angriffen verteidigt und noch vor wenigen Monaten beharrlich abgelehnt hat, sich vom Faschismus zu distanzieren, könnte gar nicht glaubwürdig an einer antifaschistischen Veranstaltung teilnehmen, ohne ihr zu schaden. Eine solche Teilnahme wäre natürlich auch nicht dazu angetan, seine politische Vergangenheit und seine Gesinnung reinzuwaschen.

    Nicht die Abwesenheit des stellvertretenden LHs von einer antifaschistischen Gedenkfeier ist ja der eigentliche Sündenfall, sondern die Koalition der SVP mit Kräften, deren Teilnahme man aufgrund ihrer Gesinnung weder erwarten darf noch wünschen kann. Wenn sich jetzt LH Arno Kompatscher und Landesrat Philipp Achammer (SVP) überrascht oder empört zeigen, kann man sie leider nicht ansatzweise ernstnehmen.

    Zum Schaden kommt nun aber auch noch der Spott, denn Galateo ist offenbar nichts Schlimmeres eingefallen, als eine künftige Teilnahme am 25. April an die Bedingung zu knüpfen, dass nicht nur er die Widerstandshymne Bella Ciao, sondern auch alle anderen Mitglieder der Landesregierung die italienische Nationalhymne anstimmen müssen. Seine allfällige äußerliche Teilnahme bei einer Veranstaltung, an die er nicht glaubt, nutzt er also, um die Vertreter der nationalen Minderheit dazu zu drängen, sich symbolisch der Nation anzuschließen.

    Der Antifaschismus ist in einer Demokratie (anders als die Nation) ein universeller Wert. Ihn an irgendwelche Vorbedingungen zu knüpfen, ist per se absurd und wer dies tut, ist kein Antifaschist. Galateos Bedingung ist zudem auch noch so geartet, dass sie dem Ansinnen diametral entgegensteht, denn an das Ende der faschistischen Herrschaft waren auch die wiedererlangte Freiheit und das Versprechen geknüpft, dass die Minderheit nicht weiter dazu gedrängt, geschweige denn genötigt wird, sich dem nationalen Projekt unterzuordnen — schon gar nicht durch das Absingen einer blutrünstigen und antiitalienischen Hymne.

    Anstatt jetzt wenigstens zu schweigen, fühlt sich Galateo (von dem übrigens niemand verlangt hat, irgendwas zu singen) so selbstsicher, dass er den Anlass auch noch dazu missbraucht, die deutschsprachige Minderheit mit einer neokolonialen Forderung zu verhöhnen. Dass er das von der Regierungsbank aus tun kann, verdanken wir — außer denen, die ihn gewählt haben — der SVP.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 || 01 02



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