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  • Besorgniserregende Homophobie.

    Seit 1981 führt die World Values Survey Association (WVSA), ein globales Netzwerk von Sozialwissenschafterinnen, großangelegte Studien über die sich verändernden Wertvorstellungen und ihren Einfluss auf das gesellschaftliche und politische Leben durch.

    Bisher wurden sechs Befragungswellen durchgeführt, die siebte ist bereits in Vorbereitung und schon seit 1981 wurde erhoben, ob die Teilnehmerinnen Homosexualität als »unter gar keinen Umständen in Ordnung«, »in jedem Fall in Ordnung« oder auf einer Skala von 1 bis 10 irgendwo dazwischen einstufen.

    Welle 5 (2005-2009) wurde auch in Italien durchgeführt und hat speziell bei dieser Frage bestürzende Werte zutage gefördert. Sage und schreibe 46,8 Prozent der Teilnehmerinnen entschieden sich auf der zehnstufigen Skala für den niedrigsten Wert, halten also Homosexualität für »unter gar keinen Umständen in Ordnung«. Das trägt maßgeblich zu einem Mittelwert von 3,34 bei, der im internationalen Vergleich (Länderauswahl s. Diagramm) sehr weit hinten liegt.

    Den besten Wert erzielte mit einem Mittelwert von 8,43 Schweden, den schlechtesten (1,02) Jordanien. Von den Ländern, die in Welle 5 berücksichtigt wurden, belegen westeuropäische die neun besten Positionen. Auf Platz 10 folgt Kanada.

    In der bisher letzten Befragungswelle (2010-2014) — die in Italien nicht durchgeführt wurde — verbesserten sich unter anderem die Niederlande (von 7,18 auf 7,90), Polen (von 3,07 auf 3,55) und Spanien (von 6,66 auf 7,10). In Schweden fiel der Wert von 8,43 auf 8,18, in Deutschland von 6,47 auf 5,89.

    Österreich wurde bisher nicht berücksichtigt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01 02 03 04



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  • Wilkomen – Haufidersen in Brixen.
    Gemeinde verschrottet deutsche Sprache

    Ein Anfang 2018 am großen Brixner Priel-Parkplatz installiertes Parksystem musste wenige Tage nach Inbetriebnahme schon wieder abgebaut werden, weil die Mailänder Firma Parkeon anscheinend unfähig war, es den Vorgaben entsprechend zu konfigurieren. Die Gemeinde und das Unternehmen schlossen einen (wie teuren?) Vergleich.

    Dann wurden die »Fähigen« — also die zweitplatzierte Firma Skidata aus Salzburg mit Niederlassung in Bozen — gerufen. Und das Ergebnis ist nun unter anderem dieses:

    Zu so einem unbeschreiblichen Pfusch will ich mir hier gar nicht länger die Finger wundschreiben. Nur ein Tipp: Wenn ihr demnächst jemand das Wort »Unfähigkeit« erklären müsst — zeigt einfach diese Abbildung. Oder kommt gleich ins Eisacktal.

    Die Stadt Brixen — übrigens die größte Gemeinde Südtirols, wo die »Sammelpartei der Deutsch- und Ladinischsprachigen« (sic) mit absoluter Mehrheit regiert — könnte sich hingegen im nicht deutschsprachigen (!) Ausland beraten lassen, wie man es macht. Wenn Beratungsresistenz nicht schon Teil des Problems ist.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03



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  • Urzì: Basisdemokratische Erpressung.

    Vor wenigen Tagen wurde im Landtag das Gesetz zur Direkten Demokratie genehmigt, mit dem es unter anderem möglich wird, Landesgesetze vor Inkrafttreten einem bestätigenden Referendum zu unterziehen. Wurden sie nicht mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, reichen 300 Unterschriften, um Gesetze für rund ein halbes Jahr außer Kraft zu setzen. Während dieser Zeit müssen weitere 13.000 Unterstützungen gesammelt werden, damit es tatsächlich zur Abstimmung kommt.

    Nicht weiter besorgniserregend — ganz im Gegenteil — wenn die neuen Mitbestimmungsinstrumente gewissenhaft eingesetzt werden. Doch der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì von der rechtsradikalen Fratelli d’Italia (FdI) hat bereits angekündigt, diese Möglichkeit systematisch zu missbrauchen, um eine Regierungsbeteiligung zu erzwingen. Andernfalls will er, sollte er in der Opposition verbleiben, jedes einzelne Landesgesetz außer Kraft setzen und unter Umständen der Stimmbevölkerung vorlegen lassen.

    Natürlich hatte ich von einem Postfaschisten, dessen Partei die Folter legalisieren will, keine demokratische Reife erwartet, doch diese Ankündigung hat schon was von radikalem Infantilismus. Jetzt lautet also die Frage, ob man die Regel sofort verschärft und die Unterschriftenanzahl erhöht, wie es dem Landeshauptmann vorschwebt — oder ob man hofft, dass die Landtagswahl das Urzì-Problem an der Wurzel behebt.

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  • Pflege: Proporz ohne Not ausgehebelt?

    Die Landesregierung opfert Proporz und Zweisprachigkeit immer öfter und ungenierter auf dem Altar der Alternativlosigkeit — mit besonderer Vorliebe im höchst sensiblen Gesundheitsbereich. So wurde dieser Tage beschlossen, 66,5 Stellenäquivalente im Pflegebereich am Proporz vorbei an italienische Bewerberinnen zu vergeben.

    Zur Erinnerung: Laut letztem Astat-Sprachbarometer war knapp einem Drittel der deutschsprachigen Südtirolerinnen (31,9%) im öffentlichen Gesundheitswesen das Recht auf Muttersprache verwehrt worden. Umfassende Maßnahmen, um diesen gravierenden Missstand zu beheben, hat es seitdem nicht gegeben.

    Schwere Vorwürfe kommen von Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB), demzufolge eine Abweichung vom Proporz gerade im Pflegebereich nicht nötig wäre. In Vergangenheit seien zahlreiche Absolventinnen der Claudiana ins Ausland gegangen, statt in Südtirol zu bleiben — was großteils »dem Unvermögen der politisch Verantwortlichen« und der Führung des Gesundheitsbetriebs geschuldet sei. Sie hätten es verabsäumt, dem Pflegepersonal die nötige Wertschätzung zuteil werden zu lassen.

    Um einen Vergleich anzustellen: man stelle sich vor, ein Betrieb in der Privatwirtschaft bildet für viel Geld einen jungen Menschen aus, würde ihn benötigen, lässt ihn aber ziehen, um jemanden von außerhalb anzustellen, der gar nicht die Anforderungen, die der Betrieb an ihn stellt, erfüllt. Dies ist derart widersinnig, dass einem die Worte fehlen.

    – ASGB-Chef Tony Tschenett

    Auch hier entsteht — wie beim Fahrdienst für beeinträchtigte Menschen — der Eindruck von Sozialdumping.

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  • Mallorca, Salvini ist ›persona non grata‹.

    Der Inselrat von Mallorca hat gestern einstimmig eine Resolution von Podem, Sozialistischer Partei (PSIB) und MÉS verabschiedet, mit der der italienische Innenminister Matteo Salvini (Lega) auf der Insel zur persona non grata erklärt wird. Hintergrund ist die menschenfeindliche Migrationspolitik der italienischen Regierung, für die Salvini maßgeblich verantwortlich zeichnet.

    In dem Text wird ferner kritisiert, dass der europäische Umgang mit den Geflüchteten nicht die Achtung der Menschenrechte sicherstelle.

    Vor seiner Verabschiedung wurde der Text um einen Vorschlag der rechten PP* ergänzt, Salvinis Absicht zu verurteilen, eine Zählung von Roma und Sinti zu veranlassen.1die PP der Balearen überrascht nicht selten mit relativ progressiven Positionen Zudem wird der Inselrat die spanische PSOE-Regierung auffordern, den Lega-Chef auch auf Staatsebene zur unerwünschten Person zu erklären — wie von der regionalen Zentrumspartei PI angeregt.

    Cëla enghe: 01 02 || 01 02

    • 1
      die PP der Balearen überrascht nicht selten mit relativ progressiven Positionen


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  • Kruzifix-Marxismus.
    Quotation

    Aus gegebenem Anlass:

    Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.

    Es ist ein Zeichen des Widerspruchs gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod, aber kein Zeichen gegen andere Menschen. Ein Kreuz aufhängen heißt: Ich möchte mich an den Worten dessen orientieren, der am Kreuz für die ganze Welt gestorben ist. Das ist eine Provokation, für jeden Christen, für die Kirche, aber auch für den Staat, der sich auf dieses Zeichen beziehen will.

    Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der deutschen katholischen Bischofskonferenz, im SZ-Interview (April 2018) über den bayerischen »Kruzifix-Erlass«.

    Die regierende Lega möchte es dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gleichtun und auch in Italien Kruzifixe in allen öffentlichen Ämtern aufhängen lassen.



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  • Passaporto in agorà.
    Quotation · Crimea, esilio, guerra, prima gli italiani…

    Con Sven Knoll di STF in collegamento, nella puntata di ieri Agorà estate di Rai3 si è occupata anche di doppia cittadinanza «sudtirolese». E ancora una volta, indifferentemente che si parli di autonomia, di autodeterminazione o appunto di passaporto la confusione e l’ignoranza regnano sovrane.

    Ecco il pappone indigeribile che Claudia Fusani, giornalista dell’Huffington Post (già dell’Unità) ha somministrato alla platea:

    Innanzitutto volevo dire [a Sven Knoll] che lui è liberissimo di vivere dove vuole, quindi vada pure in Austria, però ci sono stati trattati nella storia che vanno rispettati, non è che uno sposta i confini così come gli pare. Perché non funziona in questo modo qua. Putin ha preso un giorno i carroarmati ed è andato in Crimea e sta ancora pagando le sanzioni, secondo me giustamente. Ora, non è che paragono la richiesta di passaporto al carroarmato, però insomma lo trovo un atto… e trovo una beffa questa cosa, perché abbiamo come ministro dell’Interno Matteo Salvini che… io ho partecipato a ben due riunioni al Viminale con […] il premier austriaco, con il ministro dell’Interno, quindi dimostrando questa grande alleanza Italia-Austria io trovo questo da parte dell’Austria un colpo bassissimo […], un atto di aggressione, un atto ostile. Chi vive a Bolzano e ritiene di vivere meglio in Austria vada pure in Austria, nessuno lo può trattenere, ma l’Italia ha i suoi confini che nessuno toccherà. E io voglio pensare, voglio sperare, che il ministro Salvini, che tiene tanto a ‘prima gli italiani’ su questo punto sarà fermissimo… voglio augurarmi.

    Per poi aggiungere:

    Allora facciamo così: loro prendono il doppio passaporto, togliamo tutti i vantaggi fiscali che il Sudtirolo ha, vediamo se sono d’accordo in Sudtirolo… perché hanno grossi vantaggi fiscali.

    Tuttavia, va detto, ci sono state anche delle prese di posizione abbastanza sorprendenti e sensate, come questa dello scrittore e attivista Iacopo Fo:

    Voglio il passaporto europeo e voglio ricordare anche che l’Italia in Tirolo ha fatto delle porcherie. Li abbiamo invasi, gli abbiamo negato la loro lingua madre, abbiamo trasferito funzionari che non sapevano neanche una parola di tedesco, li abbiamo emarginati, sono stati repressi e il problema si risolve con un grande salto: uno chiedendo scusa ai tirolesi per le porcherie che l’Italia ha fatto contro di loro, due facciamo il passaporto europeo, chiudiamo tutte queste discussioni vuote.

    Trascrizione:

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Neue Parkscheinautomaten in Brixen.
    Der übliche Sprachpfusch

    Kürzlich wurden in Brixen die alten, aufgrund von Kleberitis völlig versifften Parkscheinautomaten durch neue ersetzt. Leider hat man jedoch auch diesmal — wie schon am Priel-Parkplatz — »vergessen«, auf eine (gesetzeskonforme) zweisprachige Beschriftung ab Werk zu achten. Aber wer hätte schon ahnen können, dass das in Südtirol ein Thema sein könnte?

    In anderen mehrheitlich deutschsprachigen Südtiroler Gemeinden wurden die Geräte wenigstens so programmiert, dass die Bediensprache am Display standardmäßig Deutsch ist. Hier nicht: Nicht nur ist Italienisch die erste Sprache, sondern Deutsch auch noch die vierte. Die entsprechende Taste, (Cambio/Lingua) muss man also dreimal betätigen (→ Englisch → Französisch → Deutsch), um die Mehrheitssprache anzuwählen, die die in Brixen regierende SVP zu schützen vorgibt. Lächerlich.

    Demnächst können wir unsere Verwalterinnen wohl an den Gardasee schicken, damit sie lernen, wie man Deutsch wenigstens als zweitgereihte (Tourismus-)Sprache angemessen berücksichtigt.

    Zu fordern, dass die Geräte — wie in der Schweiz mancherorts1außerhalb des rätoromanischen Siedlungsgebiets, z.B. im italienischsprachigen Lugano üblich — auch auf Ladinisch funktionieren, würde die Stadtverwaltung wohl überfordern. Lassen wir das.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03 04

    • 1
      außerhalb des rätoromanischen Siedlungsgebiets, z.B. im italienischsprachigen Lugano


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