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  • Verflüchtigte Identität.


    Ich — Jahrgang 1967, politologisch verbildet — möchte vier kurze Episoden (teils selbst erlebt, teils verbürgt berichtet) schildern, die Schlaglichter auf die Entwicklung der »Identität« in Südtirol und deren »Rückspiegelung« in Nordtirol werfen

    Drei Episoden: »Speak Italian or English« versus »media o grande«

    Juli 2024: Tag des Tennisspiels zwischen der für Tschechien startenden Barbora Krejcikova und der für Italien startenden Jasmine Paolini. Ich warte in einem renommierten Sterzinger Lebensmittelgeschäft auf meine Bestellung. Vor mir bedient die Geschäftsinhaberin die Inhaberin eines benachbarten Geschäfts — beide Frauen sind best-agerinnen. Auf die Frage der einen, ob die »Unsere« denn das Tennismatch gewonnen habe, kommt die Antwort, dass leider die »Falsche«, also nicht die »Unsere«, Siegerin geworden sei. Trotz jahrhundertelanger gemeinsamer Geschichte und kultureller Nähe sind die Tschech:innen mittlerweile die »anderen« und die »Falschen«, die Italiener:innen — auch die ohne jeglichen Südtirolbezug — ganz offenbar die »Unsrigen«. Sommer 2023: In einer Wipptaler Schutzhütte nahe der österreichischen Grenze antwortet die Bedienung auf eine in deutscher Sprache vorgetragene Bierbestellung: »Please in English or Italian; I don’t speak German.« Juli 2024: Auf einer Schnalser Schutzhütte ist die Bedienung unverkennbar Norddeutsche. Als italienische Gäste auf Italienisch »una birra bionda, prego« bestellen, erhalten sie prompt in bundesdeutsch gefärbtem Italienisch die Gegenfrage: »media o grande?«

    Vierte Episode: Ein Sterzinger? Kannst mit dem Deutsch sprechen?

    Meine in der Silberstadt Schwaz wohnende Lebensgefährtin wird nach wie vor in ihrem Nordtiroler Bekanntenkreis gefragt, ob sie denn jetzt Italienisch lerne, um sich mit mir, einem »Sterzinger«, problemlos unterhalten zu können. Sterzing ist in Nordtirol durchaus bekannt und beliebt, wird jedoch als italienischsprachig wahrgenommen. Dieser Eindruck wird durch Verkäuferinnen und Bedienungen aus »Restitalien« verstärkt; Arbeitskräfte, die oft nur begrenzt oder gar nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Hinzu mag kommen, dass Nordtiroler:innen italienische Feriengäste und Zweitwohnungsinhaber:innen in Sterzing als »Einheimische« wahrnehmen. Die Südtiroler:innen könnten zwar Deutsch, sprächen aber untereinander vorwiegend Italienisch, so die Meinung, die mir auf meine Nachfragen bereits mehrfach von Nordtiroler:innen eröffnet wurde. Obwohl ich es nachvollziehen kann, finde ich es bedauerlich: Südtirol ist mittlerweile in Nordtirol bis auf Restbestände keine positiv besetzte Herzensangelegenheit mehr. Individuell werde ich zwar als »Auch-Tiroler« akzeptiert, aber das umfasst nicht mehr Südtirol.

    Die »Minoranza dominante in Sud Tirolo« hat sich verflüchtigt

    Pflichtlektüre während meines Studiums: Flavia Pristingers 1978 erschiene Publikation La minoranza dominante nel Sud Tirolo. Darin analysiert Pristinger die Dominanz der deutschsprachigen Bevölkerung in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen nach dem Abschluss des Zweiten Autonomiestatuts. Diese Dominanz manifestierte sich in einer stärkeren Vertretung in politischen Institutionen und in einem überproportionalen Einfluss auf die regionale Wirtschaft. Ein zentraler Punkt in Pristingers Analyse ist — ein nach wie vor aktueller Erklärungsansatz — das Konzept des sozialen Kapitals. Die deutschsprachige Gemeinschaft verfüg(t)e über dichte Netzwerke und starke institutionelle Bindungen, die ihre soziale Kohäsion und politischen Einfluss stärken. Dies führ(t)e zu Ungleichheiten, die nicht nur die ökonomische Ressourcen beträfen, sondern auch die kulturelle Repräsentation und politische Teilhabe. Stichwort: der bis zur intellektuellen Ermüdung diskutierte »disagio degli italiani«.

    Wiederum episodisch und plakativ

    Ich darf wiederum episodisch und plakativ werden. Mit Bedauern stelle ich eine nahezu flächendeckende Erosion der an Tirol und an Österreich orientierten Südtiroler Identität fest. Wo ist die Südtiroler »Linke«, die etwa mit der österreichischen Sozialdemokratie im Austausch ist? Wo sind die grenzüberschreitenden Initativen für den Schutz des Lebensraumes angesichts der Transitbelastung? In meinem persönlichen Umfeld beobachte ich vielmehr, dass viele Südtiroler:innen — auch meiner Generation — sich problemlos eine Identität als deutschsprachige Italiener:innen überstreifen.

    Dies mag — auch — eine Folge der Tirol gegenüber geschürten Ressentiments (»sture Tiroler Verkehrspolitik«, »österreichische Arroganz«) sein, der Verharmlosung der rechtspopulistischen und nationalistischen Fratelli d’Italia durch maßgebliche Südtiroler Medien und der ungebremsten Italophilie in der Sportberichterstattung — einem Instrument, das in allen Ländern zur Verstärkung nationalstaatlicher Identifikationen genutzt wird. Gerade in Zeiten von Fußball-Großereignissen gerate ich immer wieder in die paradoxe Situation, dass ich von deutschsprachigen Südtiroler:innen als nationalistisch tituliert werde, weil ich eben nicht ein »tifoso« der italienischen Nationalmannschaft bin. Mir fehlen die psychologischen Grundkenntnisse, um eine solche Meinungsäußerung und die dahinter liegende Haltung angemessen einordnen zu können.

    Wer es analytischer mag, dem sei die Publikation von Michael Billig, Banal Nationalism (London: Sage Publications, 1995) ans Herz gelegt. Kurzfassung: Das Konzept des banalen Nationalismus postuliert, dass nationale Identitäten und Nationalismus nicht nur in extremen, sichtbaren Formen wie militärischen Paraden oder politischen Demonstrationen existieren, sondern auch in alltäglichen, scheinbar trivialen Handlungen und Symbolen tief verwurzelt sind. Billig argumentiert, dass dieser alltägliche, deshalb »banale« Nationalismus eine subtile, aber pervasive Präsenz in unserem täglichen Leben hat und wesentlich zur Reproduktion nationaler Identitäten beiträgt.

    …wenn der Wille zur Selbsterhaltung nicht abstirbt

    Ich hatte die Ehre, als Oberschüler den in meiner Nachbarschaft wohnenden Friedl Volgger wenige Male zu sehen und auch mit ihm zu sprechen. Er hat argumentiert, dass die Südtirolautonomie eine Grundlage biete, weiterhin als Tiroler leben zu können, wenngleich Südtirol dem »falschen Staat« angehöre. Seine Einschränkung: wenn der Wille zur Selbsterhaltung nicht abstirbt.

    Nun scheint es so weit zu sein. Ich gebe zu, dass ich das sehr traurig finde und mich zunehmend als »letzter Mohikaner« fühle.

    Dieser Beitrag wurde auch auf Salto veröffentlicht.

    Cëla enghe: 01 02 03


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  • Die Polizei-Anerkennungskompetenz.

    Sicherheitslandesrätin Ulli Mair (F) hat sich jetzt in Ermangelung von Kompetenzen offenbar eine weitere Tätigkeit ausgedacht. Da der Zentralstaat Südtirol die Zuständigkeit für öffentliche Sicherheit (die viele andere Autonomien haben) verweigert, wurden bislang bereits folgende Ersatzbefugnisse ausgeübt:

    Gemeinsam mit LH-Stellvertreter Marco Galateo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia ist die Sicherheitslandesrätin neuerdings aber auch für das Überreichen von Anerkennungen zuständig, wie hier an einen mutigen Carabiniere:

    Quelle: Landespresseamt – Querbalken von mir

    Choreografisch sicher eines der autonomistischen Highlights schlechthin.

    Mitreden dürfen wir als Vorzeigeautonomie zwar weiterhin nicht, doch gegen die Selbstkasteiung unserer Institutionen wird in Rom wohl niemand etwas einzuwenden haben. Als nächstes könnte die Landesregierung dem Staat vielleicht eine Urkunde für die vorzügliche Einhaltung der Zweisprachigkeitspflicht überreichen.

    In einem früheren Leben war Mair übrigens Befürworterin eines unabhängigen Südtirol — oder zumindest eines entschiedenen Autonomieausbaus. Doch so sehen eben erfolgreiche politische Karrieren aus, Visionen stehen da nur im Weg.

    Cëla enghe: 01



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  • Vier Nachbarstaaten fordern neues Referendum in Kanaky.
    Selbstbestimmung

    Die Regierungen von Fidschi, Salomonen, Papua-Neuguinea und Vanuatu haben Frankreich dazu aufgefordert, das Selbstbestimmungsreferendum von Kanaky (Neukaledonien), das am 12. Dezember 2021 stattgefunden hatte, unter der Aufsicht der Vereinten Nationen zu wiederholen. Infolge einer schweren Coronawelle hatte der Traditionssenat der Inseln damals eine Trauerperiode ausgerufen und unter anderem die Verschiebung der Abstimmung gefordert. Als sich Paris weigerte, diesem Wunsch nachzukommen, blieb ein erheblicher Teil der indigenen Bevölkerung den Urnen fern, sodass die Beteiligung nur 44 Prozent erreichte. Das Ergebnis fiel zugunsten des Verbleibs bei Frankreich aus.

    Es handelte sich dabei um das dritte und letzte von drei Selbstbestimmungsreferenda, die vom Nouméa-Abkommen zwischen Frankreich und Kanaky vorgesehen waren.

    Mit ihrem Communiqué schlossen sich die vier Pazifikstaaten der Kanakischen und sozialistischen Front der nationalen Befreiung (FLNKS) an, die die Forderung nach einer Abstimmungwiederholung als erste erhoben hatte.

    Am 13. Mai dieses Jahres war Frankreich zunächst vorgeprescht, indem es einen Beschluss zur Aktualisierung der Wahllisten von Kanaky verabschiedete. Da damit Tatsachen geschaffen werden sollten, die eine weitere Abstimmung verhindert (oder zumindest erschwert) hätten, brachen auf Kanaky in der Folge Unruhen aus, vereinzelt kam es zu schweren Ausschreitungen mit Toten und Verletzten.

    Die Regierungen von Fidschi, Salomonen, Papua-Neuguinea und Vanuatu — vier Nachbarstaaten von Kanaky — ließen wissen, dass sie das Ergebnis des Referendums von 2021 nicht anerkennen und als null und nichtig einstufen, weil Frankreich die kulturellen Eigenheiten der betroffenen Bevölkerung nicht angemessen respektiert habe, als es die Verschiebung der Abstimmung ablehnte.

    Seit er am 9. Juli 2021 vom kanakischen Parlament zum Präsidenten der Inselgruppe gewählt wurde, wird dieses Amt mit Louis Mapou zum ersten Mal von einem Unabhängigkeitsbefürworter und Kanak bekleidet.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Genere binario, la Consulta se ne lava le mani.

    Un sudtirolese che studia a Vienna, cui alla nascita era stato assegnato il genere femminile, si è rivolto al tribunale di Bolzano/Bozen per chiedere l’attribuzione di un genere non binario (altro/neutro) e farsi riconoscere il diritto di sottoporsi a interventi medico-chirurgici di adeguamento.

    L’Italia, come per i diritti LGBTQIA+ in generale, anche per quanto riguarda — nello specifico — i diritti delle persone transessuali, è uno dei paesi meno evoluti dell’Unione europea e perfino il più arretrato in assoluto dell’Europa occidentale (fonte: Transgender Europe, 2024). Tra le altre cose, non sono previsti né ammessi generi anagrafici diversi da quelli maschile e femminile ed è necessario che, caso per caso, un tribunale autorizzi i relativi trattamenti medico-chirurgici. Un insulto all’autodeterminazione individuale e al rapporto medico-paziente.

    Questo, per inciso, vale la pena ricordarlo anche a coloro che ingenuamente ripetono che «ormai i confini in Europa non esistono più», per cui anche l’indipendentismo sarebbe obsoleto. E invece già tra Tirolo meridionale (perché facente parte dell’Italia) e Tirolo settentrionale (perché appartenente all’Austria) la vita di una persona, a maggior ragione se transsessuale, può cambiare diametralmente.

    Per dirimere il caso, il tribunale sudtirolese si è rivolto alla Consulta, sollevando questione di legittimità costituzionale. Questa però — nonostante una carta fondamentale «bellissima» — ha negato il diritto al genere neutro, lavandosene le mani e rimandando tutto alla responsabilità del legislatore, «primo interprete della sensibilità sociale». Legislatore che però, essendo maggioritariamente rappresentato dall’estrema destra, per bocca di Alessandro Urzì (FdI) ha già fatto sapere che di superamento dello status quo non se ne parla.

    Non che comunque quando in Italia governava il cosiddetto centrosinistra fossero mai stati fatti chissà quali grandi passi avanti, altrimenti la situazione non sarebbe quella che conosciamo.

    Assurdamente, la Corte costituzionale ha giustificato la propria inazione col fatto che

    l’eventuale introduzione di un terzo genere di stato civile avrebbe un impatto generale, che postula necessariamente un intervento legislativo di sistema, nei vari settori dell’ordinamento e per i numerosi istituti attualmente regolati con logica binaria.

    – sentenza n. 143/2024

    Non ricordo (ma non sono un giurista) che l’impatto di una sua decisione avesse mai interessato — o addirittura inibito — la Corte. E comunque sembra molto strano che «l’impatto» possa incidere sulla costituzionalità di una norma o di un principio che la informa.

    Nel procedimento ha deciso di intervenire anche la presidente del Consiglio, invero non del tutto estranea alle disforie di genere, chiedendo l’inammissibilità o la non fondatezza delle questioni. Le argomentazioni di cui l’Avvocatura dello stato, in sua rappresentanza, si è servita sono del tutto rappresentative dell’oscurantismo al potere. Come ad esempio l’affermazione secondo cui «l’identità di genere, per sua natura mutevole, anche giornalmente se del caso – si pensi al caso dei “genderfluid” – non è un dato che si presta a essere fatto oggetto di attestazioni di stato civile.» Un insulto alla ragione e, anzi, un volgare insulto alle persone interessate. In altri paesi non sembrano esserci problemi di questo tipo.

    L’unica concessione della Corte costituzionale, ad ogni modo, è stata quella di rivedere l’autorizzazione preventiva del tribunale per gli interventi medico-chirurgici, limitatamente ai casi in cui la transizione di genere sia già intervenuta. Tuttavia anche tali interventi rimarranno invariabilmente imprigionati nella logica binaria, da maschile a femminile o viceversa.

    Dal Sudtirolo, chi potrà, si trasferirà oltre confine per sottrarsi a questo regime oscurantista.

    Per quanto riguarda la classifica di Transgender Europe (2024), comunque, faccio notare che tra i paesi più avanzati figurano Malta, il Lussemburgo e l’Islanda — con popolazioni paragonabili, per dimensioni, a quella sudtirolese. E non mi risulta che maschi e femmine o le veneratissime famiglie tradizionali lì siano implose.

    Cëla enghe: 01 02 || 01



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  • Olympia 2030 grenzüberschreitend.

    In Anpezo wird gerade allen ökologischen und wirtschaftlichen Bedenken sowie der Vernunft zum Trotz ein neuer Eiskanal aus dem Boden gestampft, weil die Nutzung einer Anlage in benachbarten Grenzregionen für die italienischen Olympia-Veranstalter unvorstellbar war. Selbst das IOK hatte nicht bloß keine Einwände gegen die Einbindung von Igls oder San Murezzan (St. Moritz) vorgebracht, sondern sogar eine dementsprechende Empfehlung ausgesprochen.

    Im ultranationalistisch regierten Italien wurde dieser Vorschlag jedoch als Beleidigung wahrgenommen. Auch der Präsident des Südtiroler Landeskomitees im NOK (CONI) schwadronierte:

    Die Olympischen Spiele organisiert Italien, wir werden ganz sicher in Italien eine Bahn bauen.

    — Alex Tabarelli

    Aus Südtiroler Sicht ist diese Haltung umso peinlicher und ärgerlicher, werden doch sonst so gern die Überwindung der Nationalstaaten und die Europaregion beschworen — und argumentiert, es gebe längst keine Grenzen mehr.

    Doch während die Bahn in Anpezo noch gebaut wird, wurde die kleinkariert-isolationistische Haltung Italiens schon als rückständig und unnötig enttarnt: Vier Jahre nach Mailand-Anpezo werden die olympischen Winterspiele in den französischen Alpen über die Bühne gehen, doch ein Eisoval, das es dort nicht gibt, soll nicht gebaut werden. Die entsprechenden Sportwettbewerbe werden also nicht auf französischem, sondern voraussichtlich — ausgerechnet — auf italienischem Staatsgebiet stattfinden, im Oval von Turin, das für Olympia 2006 errichtet worden war.

    Dabei ist Frankreich zwar auch nicht für seinen besonders gemäßigten Nationalismus bekannt, aber offensichtlich weniger komplexbehaftet als sein südöstlicher Nachbar.

    Der ungebremste und — auch für Südtirol — teure italienische Nationalismus ist einsame Spitze. Womöglich werden die Winterspiele 2026 als die letzten einer unheilvollen Zeit in die Geschichte eingehen, als Länder noch der Meinung waren, unbedingt alles selber machen zu müssen, statt auf Kooperation und Austausch zu setzen.

    Cëla enghe: 01



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  • In Richtung Willkürstaat.

    Wegweisungen, Platzverweise und Abschiebungen — der nicht mehr ganz so neue Polizeipräsident Paolo Sartori fackelt nicht lange und interpretiert so indirekt den Geist des autoritären Staates unter rechtsrechter Führung. Allmählich verschaffen sich aber neben all der peinlichen Bewunderung auch Skepsis und Widerstand Gehör.

    Von Valentino Liberto für Salto befragt, ordnet Menschenrechtsanwalt Nicola Canestrini die neue Gangart — die nicht auf Südtirol beschränkt sei — ein und zeigt sich alarmiert. Die allgemeine Zurückhaltung, die noch kürzlich beim Einsatz dieser demokratisch bedenklichen Mittel vorgeherrscht habe, sei inzwischen gefallen. Am Ende des Tunnels, in dem wir uns seiner Meinung nach schon befinden, liege der Polizeistaat.

    Die exponentielle Zunahme repressiver Verwaltungsmaßnahmen wie den Platzverweisen, die keiner richterlichen Überprüfung unterliegen und gegen die ein Einspruch schwierig und teuer sei, hält er dementsprechend für besorgniserregend. Es handle sich dabei um freiheitsberaubende und freiheitsbegrenzende Maßnahmen, die im Faschismus eingeführt und im demokratischen Italien beibehalten wurden. Auf der Grundlage eines reinen Verdachts oder einer Zukunftsvorhersage will man die potenzielle Gefährlichkeit von Menschen einschätzen und theoretisch die Verübung einer Straftat verhindern. Und obwohl das im Grunde Kaffeesudleserei ist, wird dabei auch noch die Beweislast umgekehrt.

    Neben Italien kannten laut Canestrini im Jahr 2017 nur fünf weitere von 34 Staaten, die dem Europarat Auskunft über die jeweilige Rechtsordnung erteilt haben, administrative Präventionsmaßnahmen: Russland, Österreich und Frankreich; zudem die Schweiz und das Vereinigtes Königreich, wobei sie dort auf Gewalt im Stadion respektive auf die Terrorismusbekämpfung begrenzt seien. Und vielleicht gibt es in einigen dieser Länder im Gegensatz zu Italien zumindest niederschwellige Einspruchsmöglichkeiten.

    Der EGMR jedenfalls habe die italienische Gesetzeslage scharf verurteilt, so Canestrini.

    Wir leben also in einer Zeit, in der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unter parteiübergreifendem Applaus der Verbesserung des Sicherheitsgefühls geopfert werden, wobei bislang — meiner subjektiven Beobachtung zufolge — auch dies keineswegs gelungen zu sein scheint. Dafür überlässt man den Schlüssel zum öffentlichen Raum bereitwillig dem Ermessen und der Willkür eines von oben eingesetzten Beamten oder gar den Streitkräften.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03 04 05 06



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  • La gestione linguistica nel sistema sanitario catalano.
    Buone pratiche

    Pochi giorni fa sul sito della Revista de Llengua e Dret della Generalitat de Catalunya è stato pubblicato un articolo firmato da Francesc Sala i Pascual, dell’Ufficio di analisi e strategia e Jordi Pere i Mas, del Servizio di pianificazione linguistica in seno al Dipartimento catalano alla salute.

    Informano che a maggio il consiglio direttivo del Servizio catalano alla salute ha approvato un’ordinanza specifica contenente misure per assicurare l’effettivo rispetto dei diritti linguistici degli utenti e pazienti del Servizio sanitario pubblico. Vi si riafferma la speciale rilevanza che la lingua riveste in ambito sanitario «per facilitare un ambiente affettivo ed emotivo di massima vicinanza alle persone vulnerabili, utenti dei servizi di salute in circostanze stressanti o di preoccupazione» o per «garantire la fluidità nella comunicazione e, di conseguenza, l’identificazione adeguata dei problemi di salute e l’efficacia stessa dell’assistenza» sanitaria.

    I due autori fanno notare come diversi studi scientifici1citano Seale et al., 2022; Tolchinsky et al., 2022; e Gershengorn, 2023 mettono in evidenza che conoscere la lingua dei pazienti è una componente fondamentale dell’assistenza sanitaria, garanzia di qualità e determinante per la sicurezza dei pazienti, constatando come una comunicazione insoddisfacente sia la principale fonte di errori nel trattamento sanitario e in particolare nell’assistenza clinica acuta.

    Affermano che l’assistenza nella lingua dei pazienti è associata direttamente al miglioramento degli indicatori di salute. Un requisito che è ancora più importante in pediatria e nell’assistenza di gruppi particolarmente vulnerabili, come gli anziani, in situazioni che derivano da malattie croniche o mentali, e di persone in assistenza intermedia o in fine vita.

    Secondo Sala i Pascual e Pere i Mas, l’ordinanza esplicita in modo più specifico e dettagliato in che cosa consistono esattamente i diritti linguistici dei pazienti, tra i quali risalterebbero i seguenti:

    • I cittadini hanno il diritto a venire assistiti nella lingua ufficiale di loro scelta e le entità che forniscono il servizio devono garantire sempre l’uso linguistico che salvaguardi meglio la loro salute.
    • Il personale deve garantire i diritti linguistici dei pazienti e degli utenti.
    • Anche una possibile situazione di carenza di professionisti sanitari in alcune specialità non deve mai limitare i diritti linguistici dei cittadini. Pertanto, la mancanza di medici e l’arrivo di professionisti dall’estero non può andare a scapito dei diritti linguistici degli utenti.
    • L’amministrazione sanitaria deve facilitare le condizioni e i mezzi adeguati affinché si possa formare il personale che, temporaneamente, non dispone delle conoscenze linguistiche necessarie per assistere i cittadini nella lingua ufficiale che scelgono. Si sottolinea che questa situazione può essere solo temporanea e che spetta al governo catalano prevedere come e entro quali termini i professionisti provenienti dall’esterno debbano acquisire le competenze linguistiche adeguate per il loro posto di lavoro.

    Inoltre, si ribadisce che i diritti linguistici vanno sempre salvaguardati anche nei servizi forniti da entità esterne o eventuali concessionarie. Il catalano e, dove previsto, l’occitano vanno utilizzati anche nei rapporti amministrativi, nelle insegne, pubblicazioni, avvisi e altre comunicazioni generali, nella documentazione interna, nelle fatture, comunicazioni vocali, istruzioni, etichettatura e imballaggi dei prodotti; nelle comunicazioni e notifiche indirizzate a persone fisiche o giuridiche residenti nell’ambito linguistico catalano (quindi non solo nella Catalogna in senso stretto, ma anche nel País Valencià, nelle Isole Baleari, Catalogna del Nord, Striscia occidentale, Andorra e Alghero) e in tutti i sistemi di informazione utilizzati. Tutto questo era già implicitamente previsto, ma la nuova ordinanza lo ribadisce e prevede nuovi obblighi e meccanismi di monitoraggio.

    Tutte le entità facenti parte del Servizio catalano di salute sono obbligate a destinare i mezzi necessari alla formazione linguistica del personale e a prevedere le misure idonee a garantire che il personale effettivamente conosca e utilizzi la lingua ufficiale preferita dai pazienti.

    Ogni entità inoltre dovrà dotarsi di un Piano di gestione linguistica che consenta di ottenere e mantenere i requisiti previsti dalla normativa vigente. Oltre a essere un obbligo e a migliorare il servizio offerto alla cittadinanza, sottolineano gli autori, il pieno rispetto dei diritti linguistici è dimostrazione di responsabilità nei confronti dell’ambiente sociale, aiuta ad attrarre professionisti locali, migliora la coesione interna e l’ambiente di lavoro, la produttività e la qualità, e contribuisce a una migliore immagine.

    L’intento è quello di portare il sistema di gestione linguistica di ogni centro ed entità ai livelli già previsti per la gestione della qualità, delle politiche ambientali, la responsabilità sociale ecc. Ad avviso degli autori ciò porterà a considerare la lingua come un fattore di salute, con conseguenze dirette per la qualità e la sicurezza assistenziale, mentre contribuirà a migliorarne la gestione.

    Tra le altre cose, il Piano di gestione linguistica deve contenere:

    • La designazione di un responsabile della gestione linguistica, che accompagnerà l’implementazione del Piano e delle azioni concrete che ne deriveranno, ne monitorerà l’efficacia, garantirà e valuterà il rispetto degli obblighi linguistici, intraprenderà azioni correttive basate anche su eventuali reclami ricevuti. Il responsabile sarà inoltre l’interlocutore e coordinatore in materia linguistica nei confronti del Servizio e del Dipartimento catalano alla salute. In certi casi, oltre alla figura del responsabile, nelle strutture sarà creato anche un team interdisciplinare di dinamizzazione della lingua catalana.
    • La definizione di una politica linguistica specifica del relativo centro in un’ottica di pieno rispetto della normativa di riferimento e di un continuo miglioramento.
    • Una diagnosi della situazione linguistica che individui e includa le esigenze degli utenti, il contesto sociolinguistico particolare del centro, la normativa di riferimento, un inventario delle lingue parlate dai pazienti (anche in un’ottica di offrire sistemi di mediazione e traduzione), eventuali esigenze linguistiche aggiuntive (progetti di cooperazione internazionali, reti di collaborazione, attività formativa internazionale). Andrà poi analizzata l’appropriatezza linguistica del personale e pianificata l’eventuale formazione.
    • Gli obiettivi linguistici da raggiungere a corto, medio e lungo termine con la definizione delle risorse necessarie. A titolo esemplificativo si citano la formazione linguistica, la riduzione di reclamazioni per motivi linguistici, l’assistenza o mediazione in lingue non ufficiali e nella lingua dei segni, la promozione della terminologia specifica.
    • La formazione linguistica, da includere nel piano di formazione professionale generale, anche in lingue diverse da quelle ufficiali, l’accreditazione dei livelli raggiunti, la definizione di una guida o di un piano di accoglienza linguistica per i nuovi collaboratori provenienti dall’esterno, la definizione di itinerari linguistici personali.
    • La definizione delle buone pratiche linguistiche, in particolare per il personale a contatto diretto con i pazienti.
    • Monitoraggio attivo negli ambiti della gestione documentale del centro, dei protocolli operativi, della comunicazione e della segnaletica, assicurandosi che documenti, siti web, software per ufficio, strumenti di traduzione automatica e sistemi informativi siano aggiornati e accessibili per pazienti e utenti nella lingua giusta e che nell’adozione di nuovi sistemi o programmi informatici venga richiesta la disponibilità immediata di tutte le lingue ufficiali. Va specificato che il rapporto linguistico con la cittadinanza e con il personale avvenga in un linguaggio chiaro, preciso e comprensibile.
    • L’implementazione di procedure di monitoraggio del rispetto delle clausole linguistiche nei contratti coi fornitori dei centri. Nell’appaltazione di servizi (mensa, manutenzione ecc.) e prodotti (apparecchiature, materiali di consumo ecc.) va garantito il rispetto della legislazione linguistica, che prevede sempre la presenza della lingua catalana. Il rispetto delle clausole va verificato periodicamente e vanno eventualmente applicate le sanzioni previste.
    • Valutazione, misurazione e analisi degli effetti del Piano che orientino l’ente verso un miglioramento continuo nella gestione linguistica. Lo stato del Piano va rivisto annualmente e venno determinati nuovi obiettivi per l’esercizio successivo. È opportuno prevedere sondaggi di soddisfazione degli utenti che includano domande sull’assistenza linguistica e raccogliere l’evoluzione di reclami e suggerimenti.

    Ancora una volta, dunque, in Catalogna non si lascia nulla al caso.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 || 01 02

    • 1
      citano Seale et al., 2022; Tolchinsky et al., 2022; e Gershengorn, 2023 ↩︎


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