Am Wochenende durfte ich für jemanden aus der Familie über die Website von Alperia einen Stromanbieterwechsel beantragen, bei dem das Angebot Alperia Direct Südtirol aktiviert werden sollte. Aus sprachlicher Sicht verlief dieses Unterfangen bei der sogenannten Landesenergiegesellschaft allerdings ausgesprochen holprig: Die Online-Aktivierung gibt es zwar auf Deutsch, doch ohne Italienischkenntnisse ist sie nicht leicht zu bewältigen.
Es fängt schon damit an, dass sich die Website nach Aufrufen der URL alperia.eu jeglicher guter Praxis zum Spott standardmäßig auf Italienisch öffnet, obwohl Betriebssystem und Browser — einschließlich der Spracheinstellungen — auf Deutsch konfiguriert sind. Und selbst die manuell gewählte deutsche Sprachversion geht von einem Schritt zum nächsten wieder verloren, sodass man erneut auf der italienischen Oberfläche landet. Letzteres ist mir im Laufe der Prozedur gleich zweimal passiert.
Darüber hinaus enthält auch das deutschsprachige Online-Formular zahlreiche sprachliche Fehler und italienische Einsprengsel, die nicht nur störend wirken, sondern auch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der größten Sprache im Land erkennen lassen.
Alperia-Website (Ausschnitt)
So sind Aufklappmenüs grundsätzlich mit einer Suchfunktion versehen, die mit »Cerca« gekennzeichnet ist, wie man oben ausgerechnet am Menü zur Auswahl der »bevorzugten Sprache« sehen kann. Dass dabei selbst in der deutschen Sprachversion Italienisch vor Deutsch gereiht wird, obwohl dafür noch nicht einmal die alphabetische Reihung verantwortlich gemacht werden kann, wirkt unsympathisch. Und statt »E-Mailadresse« müsste es zudem korrekt »E-Mail-Adresse« heißen.
Alperia-Website (Ausschnitt)
Das ebenfalls mit einer »Cerca«-Funktion versehene Menü der Ländervorwahlen ist auch in der deutschen Sprachversion ausschließlich auf Italienisch gehalten.
Alperia-Website (Ausschnitt)
Der Kalender — hier zur Angabe des Ausstellungsdatums des Ausweisdokuments — kennt auch nur eine Sprache: Monate von GEN(naio) bis DIC(embre) und Tage von L(unedì) bis D(omenica).
Alperia-Website (Ausschnitt)
Manche Gemeindenamen in Südtirol sind nur auf Italienisch (bzw. in der faschistisch oktroyierten Form) verfügbar, zum Beispiel Brixen:
Alperia-Website (Ausschnitt)
Sucht man nach der deutschen Bezeichnung, heißt es: »Nessun elemento trovato«. Der italienische Ortsname wird hingegen auch in der deutschen Version des Formulars gefunden.
Absurd ist außerdem die verpflichtende Auswahl eines Adresstyps (Straße, Gasse, Platz usw.):
Alperia-Website (Ausschnitt) – Schwärzung von mir
Im Italienischen mag das häufig funktionieren, weil Zusätze wie »via« oder »piazza« dem eigentlichen Namen meist vorangestellt werden. Im Deutschen bilden Straßenbezeichnungen hingegen oft eine feste Einheit — etwa Brennerstraße oder Waltherplatz und nicht »Straße Brenner« oder »Platz Walther«.
Im konkreten Fall des von mir gestellten Antrags funktioniert es aber weder auf Deutsch noch auf Italienisch, da der Straßenname in beiden Sprachen ohne Zusatz auskommt: Anhöhe Nr. 5 bzw. Salita n. 5 (Beispiel). Da das Formular jedoch zwingend eine Auswahl verlangt, blieb mir nichts anderes übrig, als irgendeinen Typ auszuwählen.
Bestätigung (Ausschnitt) – Schwärzung von mir
Ich habe »Straße« genommen, was das System in der abschließenden Bestätigung sogar ungefragt ins Italienische übersetzt hat — dem obigen Beispiel folgend also in deutscher Sprache »Strada Anhöhe«.
Alperia-Website (Ausschnitt) – Schwärzungen von mir
Auch Fehlermeldungen erscheinen vielfach ausschließlich auf Italienisch, etwa bei der versehentlichen doppelten Eingabe derselben POD-Nummer (s. oben). Für Menschen ohne Italienischkenntnisse (etwa Zugewanderte aus dem deutschen Raum oder Personen, die sich über die deutsche Sprache integrieren wollen), kann das mitunter nicht nur ärgerlich, sondern tatsächlich problematisch sein.
Alperia-Website (Ausschnitt)
Dasselbe Sprachproblem gilt für Hinweise zum verpflichtenden Herunterladen sämtlicher Anhänge (s. oben) oder für die Bestätigung, dass diese erfolgreich geladen wurden und angezeigt werden können (s. unten).
Alperia-Website (Ausschnitt)
Manche Formulierungen — etwa zur sogenannten »vorzeitigen Aktivierung — sind ferner in jener wunderbaren Bürokratensprache gehalten, die ihre italienische Herkunft nicht einmal zu kaschieren versucht, aber unnötig schwerfällig und kaum verständlich daherkommt:
Alperia-Website (Ausschnitt)
Auf Deutsch könnte es zum Beispiel lauten:
Ich bestätige, ausführlich über die Folgen einer sofortigen Vertragsausführung gemäß Artikel 5 der Allgemeinen Lieferbedingungen informiert worden zu sein, und beauftrage Alperia Smart Services, die notwendigen Maßnahmen zur vorzeitigen Aktivierung der Lieferung einzuleiten.
Annahmebestätigung (Ausschnitt)
Das abschließende Sahnehäubchen besteht darin, dass in der Annahmebestätigung nicht nur aus der »Straße« plötzlich eine »Strada« wird, sondern auch das Angebot von »Alperia Direct Südtirol« in »Alperia Direct Alto Adige« umbenannt wurde (s. oben).
All diese Details vermitteln eine klare Botschaft darüber, welche Sprache als selbstverständlich gilt — und welche allem Anschein nach nur widerwillig mitgeführt wird.
Von einem Unternehmen, das seine Gewinne in erheblichem Maße aus Südtiroler Ressourcen erwirtschaftet, dürfte man sich durchaus etwas mehr sprachliche Sorgfalt und Sensibilität erwarten. Doch auch hier scheint die deutsche Sprache offenbar hauptsächlich als lästige Verpflichtung und nicht als sorgfältig einzuhaltende Selbstverständlichkeit empfunden zu werden.














Minorisierung und Pfusch