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  • Italienische Schlutzkrapfen.

    Als die italienische Küche zum Unesco-Welterbe ernannt wurde, ließ die Regierung von Giorgia Meloni (FdI) das Kolosseum in Rom grünweißrot beleuchten. Ein wichtiges gastronationalistisches Ziel war erreicht.

    Irreführende Behauptung1»Die italienische Küche [ist] Unesco-Kulturerbe – das erste weltweit« auf dem römischen Kolosseum (Quelle: Rai News)

    Doch auch in Südtirol verliert Italien keine Zeit und versucht mit allen Mitteln, die heimische Küche für nationalistische Zwecke zu vereinnahmen. Italienische Medien überboten sich umgehend darin, Tiroler Gerichte als italienisches Erbe zu markieren und entsprechend auszuschlachten.

    Dass die Auszeichnung der Unesco eigentlich gar nicht konkreten Rezepten galt, geriet dabei sofort in Vergessenheit — so es überhaupt je wahrgenommen worden war.

    Einen weiteren banal-nationalistischen Baustein lieferte nun die vom italienischen Staat offiziell als »Kulturinstitution« anerkannte Accademia Italiana della Cucina. Wie die Pustertaler Zeitung (PZ – Nr. 9/2026 vom 30. April) unkritisch, ja geradezu begeistert berichtet, lud die Brixner Delegation der Akademie am 19. März zur Feier der Unesco-Anerkennung ins Hotel Pacher in Neustift — und stellte dabei ein typisches »italienisches« Gericht in den Mittelpunkt: die Schlutzkrapfen. Denn zur italienischen Küche gehöre »selbstverständlich auch die Südtiroler Küche«.

    Dazu passt, dass sich der Verein mit bemerkenswertem Eifer nicht nur der Gastronomie widmet, sondern — dem PZ-Bericht zufolge — »auch Wert auf andere Inhalte, wie auf die kulturelle Identität« legt.

    In ihrem Manifest beteuert die Akademie, dass sie zwar »höchsten Respekt« für die »ethnische Küche« habe, diese jedoch »nicht zur Verrohung und Entstellung unserer gastronomischen Kultur führen darf.«2Übersetzung von mir – Original: »[…] essi non debbono portare all’imbarbarimento e allo stravolgimento della nostra cultura gastronomica.« Der »weltweite Erfolg der italienischen Küche« bringe »ein Wuchern gefälschter italienischer Produkte sowie entarteter oder erfundener Gerichte mit sich«3Übersetzung von mir – Original: »Il successo universale e riconosciuto della cucina italiana nel mondo porta con sé il proliferare di falsi prodotti italiani e di piatti imbastarditi o inventati.«, wogegen der Verein ankämpft.

    Vor diesem Hintergrund wirkt die Vereinnahmung der heimischen Küche umso widersprüchlicher: Während man sich gegen angebliche Verfälschungen abgrenzt, wird gleichzeitig die Südtiroler kulinarische Tradition in ein nationales Narrativ gezwängt.

    Da es auf Staatsebene 110 Provinzen und 220 Delegationen gibt, ist die Akademie in Südtirol (mit drei Delegationen in Bozen, Meran und Brixen) überdurchschnittlich präsent und kann ihre Mission hier besonders gut erfüllen. Medien wie die PZ unterstützen sie dabei bereitwillig im vertrauten Alpenzeitungs-Stil.

    Cëla enghe: 01 02 03 04

    • 1
      »Die italienische Küche [ist] Unesco-Kulturerbe – das erste weltweit« ↩︎
    • 2
      Übersetzung von mir – Original: »[…] essi non debbono portare all’imbarbarimento e allo stravolgimento della nostra cultura gastronomica.« ↩︎
    • 3
      Übersetzung von mir – Original: »Il successo universale e riconosciuto della cucina italiana nel mondo porta con sé il proliferare di falsi prodotti italiani e di piatti imbastarditi o inventati.« ↩︎


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  • JWA hat ein Synonymwörterbuch.
    (…und natürlich Eier)

    JWA
    (Beitrag vom 20. April) (Landtagsanfrage Nr. 1623/26 vom 21. April)
    Rai Südtirol berichtet über eine »Aktion scharf« der italienischen Finanzpolizei gegen »illegale Sportübertragungen« in Südtiroler Lokalen — wovon insbesondere »Champions-League-Abende« betroffen sein sollen. RAI Südtirol berichtete am 20. April über eine verstärkte Kontrollaktion („Aktion scharf“) der italienischen Finanzpolizei gegen illegale Sportübertragungen in Südtiroler Gastbetrieben, von der insbesondere Übertragungen von Champions-League-Spielen betroffen sein sollen.
    Hiermit stelle ich die Befürchtung in den Raum, dass es sich dabei auch — oder gar hauptsächlich — um eine »Aktion scharf« gegen Sportübertragungen in deutscher Sprache handeln könnte. Dank RAS werden hierzulande Sportereignisse unverdunkelt übertragen, für die öffentlich-rechtliche deutsche, österreichische oder schweizerische Sendeanstalten die Rechte innehaben. Eine Vorführung in einem öffentlichen Lokal könnte dann streng genommen als illegale Übertragung gewertet werden, da für das italienische Staatsgebiet andere Anstalten, die allerdings nur auf Italienisch senden, die Rechte erworben haben. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, dass sich die Maßnahmen auch – oder überwiegend auf Sportübertragungen in deutscher Sprache beziehen. In Südtirol werden über RAS Sportereignisse unverschlüsselt ausgestrahlt, für die öffentlich-rechtliche Sender aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz die Übertragungsrechte besitzen. Die öffentliche Vorführung solcher Inhalte in Gastlokalen könnte jedoch rechtlich als unzulässig gelten, da für das italienische Staatsgebiet andere Rechteinhaber zuständig sind, die ihre Programme ausschließlich auf Italienisch anbieten.
    Eine scharfe Exekution der einschlägigen Vorschriften oder Verträge wäre dann zwar vermutlich formal korrekt, in einem Minderheitengebiet jedoch besonders problematisch, ungerecht und letztendlich diskriminierend. Dies ist bei Sportübertragungen noch mehr als bei anderen Inhalten der Fall, da sich Sportkommentare nicht nur in der Sprache, sondern auch nach dem Inhalt voneinander unterscheiden — also gewollt oder ungewollt auch national(istisch)e Narrative transportiert werden (vgl.). Eine konsequente Anwendung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen oder vertraglichen Regelungen wäre zwar formal korrekt, könnte jedoch in einem sprachlichen Minderheitengebiet als besonders problematisch und potenziell diskriminierend wahrgenommen werden.
    Wir tun also gut daran, genau zu beobachten, wie »neutral« die Kontrollen der Finanzpolizei diesbezüglich tatsächlich sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Durchführung der Kontrollen hinsichtlich ihrer Neutralität aufmerksam zu beobachten.

    Legende: wörtlich kopiert | Synonyme

    Cëla enghe: 01 | 02 03 04



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  • Bahnhofsareal aus der Hand gegeben?

    Eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste städtebauliche Projekt des Landes — das auf dem ehemaligen Bahnhofsareal in Bozen umgesetzt werden soll und mehrere Dutzend Hektar umfasst — wird nun maßgeblich einem zentralstaatlichen Akteur wie Rete Ferroviaria Italiana (RFI) überlassen. Genauer gesagt: Einer von RFI zu ernennenden Sonderkommissarin. Was sagt das über die Autonomie aus? Und was sagt es über die Autonomie, dass diese Vorgehensweise von der Landespolitik selbst angestrebt wurde?

    Übereinstimmenden Medienberichten zufolge haben sich LR Daniel Alfreider und Senator Meinhard Durnwalder (beide SVP) dafür eingesetzt, dass es zu dieser Wendung kommt. Man überzeugte Verkehrs- und Infrastrukturminister Matteo Salvini (Lega) sowie den Schienennetzbetreiber RFI; darüber hinaus genehmigte der römische Senat einen einschlägigen Änderungsantrag, der die Umwandlung in ein »Sonderprojekt« und somit die Ernennung einer Sonderkommissarin ermöglicht.

    Nun also wird RFI — nicht die Gemeinde Bozen, nicht das Land Südtirol — eine Person ernennen, die nach italienischer Unart über weitreichende Befugnisse verfügen und somit in vielerlei Hinsicht nach Belieben schalten und walten können wird.

    Ein neues Stadtviertel in der Landeshauptstadt, dessen städtebauliche und gesellschaftliche Auswirkungen jene des umstrittenen Waltherparks um ein Vielfaches übertreffen dürften, wird damit einem auswärtigen Akteur übertragen, für den Südtirol kein primäres Anliegen ist. Das ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern ein massiver Eingriff in die langfristige Stadtentwicklung.

    Dabei beweist RFI regelmäßig, dass sie die hiesigen Besonderheiten — etwa in sprachlich-kultureller Hinsicht, einschließlich der damit zusammenhängenden Vorschriften —, nicht im Geringsten interessieren (vgl.).

    Es ist zu befürchten, dass sowohl Gemeinde und Land als auch die Bevölkerung wenig Mitsprache bei der Umsetzung dieses öffentlichen Jahrhundertprojekts haben werden. Neben Wohnraum sind auf dem Areal auch öffentliche Einrichtungen vorgesehen — für deren Realisierung dann vor allem ein externer Akteur mit weitreichenden Befugnissen zuständig ist. Nicht auszuschließen ist zudem, dass sich die Sonderkommissarin auch über einschlägige raumplanerische Bestimmungen auf Landes- und Gemeindeebene hinwegsetzen kann.

    Auch die wirtschaftliche Dimension ist nicht zu unterschätzen, da RFI kein besonderes Interesse haben dürfte, heimische Firmen zu beauftragen und die dafür existierenden Spielräume auszunutzen.

    Dabei hatte 2006/2007 noch alles ziemlich vielversprechend — und mit vielen Versprechungen garniert — begonnen, als Land und Gemeinde die Gesellschaft Areal Bozen gegründet hatten. Anschließend wurde ein Ideenwettbewerb organisiert, den 2011 Arch. Boris Podrecca gemeinsam mit Studio ABDR und Arch. Theo Hotz († 2018) für sich entscheiden konnte.

    Cëla enghe: 01 02



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  • I nomi (gallesi) delle circoscrizioni elettorali.
    Senedd

    Giovedì prossimo, 7 maggio, si svolgeranno le elezioni per il rinnovo del Senedd, l’assemblea parlamentare del Cymru (aka Galles). A tal fine, in seguito a una riforma elettorale del 2024, una speciale commissione indipendente ha anche ridefinito le circoscrizioni elettorali, dimezzandone il numero rispetto a quelle utilizzate per le elezioni al parlamento del Regno Unito.

    La commissione incaricata aveva inoltre il compito di assegnare un nome a ciascuna circoscrizione, con l’indicazione che — ove lo ritenesse accettabile — il nome fosse identico in entrambe le lingue ufficiali, gallese e inglese, per ragioni di chiarezza e univocità.

    Riunitosi per la prima volta nel luglio 2024, il gruppo di lavoro ha pubblicato una prima bozza delle nuove circoscrizioni a settembre dello stesso anno, aprendo una fase di consultazione pubblica. Successivamente, nel dicembre 2024 è stata presentata una proposta rivista, con modifiche alla suddivisione della capitale Caerdydd (aka Cardiff).

    Nel marzo 2025 la Commissione ha pubblicato la versione definitiva, in cui tutte le nuove circoscrizioni – anche quelle a stragrande maggioranza anglofona – hanno ottenuto un unico nome in lingua gallese:

    1. Bangor Conwy Môn1in inglese: Bangor, Conwy and Anglesey
    2. Clwyd2in inglese: Clwyd
    3. Fflint Wrecsam3in inglese: Flint and Wrexham
    4. Gwynedd Maldwyn4in inglese: Gwynedd and Montgomeryshire
    5. Ceredigion Penfro5in inglese: Ceredigion and Pembroke
    6. Sir Gaerfyrddin6in inglese: Carmarthenshire
    7. Gŵyr Abertawe7in inglese: Gower and Swansea
    8. Brycheiniog Tawe Nedd8in inglese: Brycheiniog, Tawe and Neath
    9. Afan Ogwr Rhondda9in inglese: Afan, Ogmore and Rhondda
    10. Pontypridd Cynon Merthyr10in inglese: Pontypridd, Cynon and Merthyr
    11. Blaenau Gwent Caerffili Rhymni11in inglese: Blaenau, Gwent, Caerphilly and Rhymney
    12. Sir Fynwy Torfaen12in inglese: Monmouthshire and Torfaen
    13. Casnewydd Islwyn13in inglese: Newport and Islwyn
    14. Caerdydd Penarth14in inglese: Cardiff and Penarth
    15. Caerdydd Ffynnon Taf15in inglese: Cardiff and Taff’s Well
    16. Pen-y-bont Bro Morgannwg16in inglese: Bridgend and Vale of Glamorgan

    Le denominazioni in inglese, non ufficiali, che ho riportato nelle note, servono a mostrare come in alcuni casi differiscano sensibilmente da quelle gallesi17in particolare (ma non solo) le n. 4, 6, 12, 13 e 16 – che tuttavia, appunto, verranno utilizzate in entrambe le lingue.

    Nelle proposte precedenti, alcune delle 16 circoscrizioni mantenevano ancora una doppia denominazione gallese-inglese, abbandonata nella versione definitiva.

    Nel suo rapporto finale, la Commissione ha spiegato di aver ricevuto anche obiezioni riguardo al fatto che non fosse stato garantito un trattamento simmetrico tra gallese e inglese, o che potessero risultare penalizzati i residenti non gallesofoni. Tuttavia, tali critiche non sarebbero state ritenute convincenti.

    Secondo la Commissione, infatti, i nomi gallesi scelti risulterebbero riconoscibili a tutti gli abitanti delle rispettive circoscrizioni, indipendentemente dalla loro lingua primaria. L’organo indipendente, che ha esplicitamente voluto promuovere l’uso della lingua minoritaria, ha ritenuto che l’adozione delle sole denominazioni gallesi — purché radicate e riconoscibili a livello locale — non comporti alcun pregiudizio per i cittadini la cui prima lingua non fosse il gallese.

    Purtroppo, in Sudtirolo un approccio simile, volto ad affermare asimmetricamente le lingue minorizzate, sarebbe difficilmente immaginabile.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 🏴󠁧󠁢󠁷󠁬󠁳󠁿

    • 1
      in inglese: Bangor, Conwy and Anglesey ↩︎
    • 2
      in inglese: Clwyd ↩︎
    • 3
      in inglese: Flint and Wrexham ↩︎
    • 4
      in inglese: Gwynedd and Montgomeryshire ↩︎
    • 5
      in inglese: Ceredigion and Pembroke ↩︎
    • 6
      in inglese: Carmarthenshire ↩︎
    • 7
      in inglese: Gower and Swansea ↩︎
    • 8
      in inglese: Brycheiniog, Tawe and Neath ↩︎
    • 9
      in inglese: Afan, Ogmore and Rhondda ↩︎
    • 10
      in inglese: Pontypridd, Cynon and Merthyr ↩︎
    • 11
      in inglese: Blaenau, Gwent, Caerphilly and Rhymney ↩︎
    • 12
      in inglese: Monmouthshire and Torfaen ↩︎
    • 13
      in inglese: Newport and Islwyn ↩︎
    • 14
      in inglese: Cardiff and Penarth ↩︎
    • 15
      in inglese: Cardiff and Taff’s Well ↩︎
    • 16
      in inglese: Bridgend and Vale of Glamorgan ↩︎
    • 17
      in particolare (ma non solo) le n. 4, 6, 12, 13 e 16 ↩︎


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  • Auch für Heli-Landeplätze ist Südtirol nicht zuständig.

    In Lengstein am Ritten wurde kürzlich von der italienischen Luftfahrtbehörde ENAC die Errichtung eines Hubschrauberlandeplatzes genehmigt, der auch touristischen Zwecken dienen wird. Die Gemeindeverwaltung hatte zunächst versucht, die Genehmigung zu verhindern, unter anderem, indem sie ihre Zustimmung aus Lärmschutzgründen versagte. Dagegen klagte die beantragende Firma Heli-Union erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht.

    Zudem hatte sich die Gemeinde direkt an ENAC gewandt, um eine Ablehnung aus ökologischen und raumordnerischen Gründen zu erwirken.

    Sowohl die Gemeinden als auch das Land Südtirol verfügen bei der Planung und Errichtung von Helikopterlandeplätzen über kaum nennenswerte Mitspracherechte. Dem Schutz von Umwelt und Bevölkerung vor unnötigen Emissionen und Lärm sind damit äußerst enge Grenzen gesetzt. Ein Gestaltungsspielraum, der diesen Namen verdient, existiert nicht. Letztendlich entscheidet über die Genehmigung solcher Anlagen in Südtirol eine zentralstaatliche Behörde.

    Nun haben die Grünen im Landtag — überraschend — einen Begehrensantrag (Nr. 55/26) eingebracht, mit dem das Parlament und die Regierung in Rom dazu aufgefordert werden sollen, die Zuständigkeit in den Kompetenzbereich des Landes zu übertragen — oder wenigstens eine verbindliche Mitsprache des Landes bei der Ausweisung neuer Landeplätze sicherzustellen. Zwar ist zu hoffen, dass diesbezüglich etwas geschieht, doch solche Anträge sind natürlich immer auch ein wenig wie die Wünsche ans Christkind. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob jemals ein Begehrensantrag zu einem konkreten Ergebnis geführt hat, wiewohl sie als Willensbekundung zweifellos ihre Bedeutung haben.

    Zielführender wäre es vermutlich, die Zwölferkommission mit der Angelegenheit zu befassen, doch das wiederum liegt nicht im unmittelbaren Einflussbereich der Grünen.

    Ein staatlich unabhängiges Südtirol oder eines mit einer richtigen Autonomie könnte hingegen selbst darüber entscheiden, wo auf seinem Gebiet Hubschrauber landen und Fernbusse halten dürfen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Immer mehr Italienerinnen gegen Zweisprachigkeitsnachweis.
    Sprachbarometer 2025

    Am 22. April hat an der Eurac eine Tagung zum 50-jährigen Bestehen des Sprachgruppenproporzes stattgefunden, die Andreas Gufler Oberhollenzer in einem Gastbeitrag für zusammengefasst hat. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass Eurac-Wissenschaftler Andrea Carlà in seinem Beitrag und in der anschließenden Diskussion unter anderem folgende Behauptungen aufgestellt hat:

    1. Dass es in Südtirol eine Art vertikale Segregation nach Sprachgruppen gebe, wobei Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung häufig deutscher, aber nur selten italienischer Muttersprache seien. Dazu fehlten jedoch empirische Studien.
    2. Dass in Südtirol niemand die Zweisprachigkeit infrage stelle.

    Zur ersten Behauptung habe ich bereits in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass es mit »Ethnische Differenzierung und soziale Schichtung in der Südtiroler Gesellschaft« sehr wohl eine einschlägige Studie gibt, die im Übrigen zum Schluss kommt, dass eine vertikale Segregation nicht nachweisbar ist.

    Auch bezüglich seiner zweiten Behauptung liegen Daten vor, nämlich im ASTAT-Sprachbarometer 2025. Demnach sprechen sich inzwischen 40 Prozent der Südtirolerinnen italienischer Muttersprache für die Abschaffung des Zwei- bzw. Dreisprachigkeitsnachweises als Voraussetzung für die Aufnahme in den öffentlichen Dienst aus. Nur noch 37 Prozent wollen diesen zentralen Pfeiler unserer Autonomie und des Minderheitenschutzes beibehalten.

    Der Anteil jener, die eine Abschaffung des Zwei- bzw. Dreisprachigkeitsnachweises im öffentlichen Dienst befürworten, ist innerhalb eines Jahrzehnts um 11 Prozentpunkte bzw. rund 38 Prozent gestiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass — anders als in der deutschen Sprachgruppe — die Zustimmung zur Abschaffung mit steigendem Bildungsgrad zunimmt.

    Sowohl unter den Deutschen als auch unter den Ladinerinnen liegt der Anteil derer, die die Verpflichtung zum Sprachnachweis abschaffen möchten, bei vergleichsweise niedrigen, aber nicht vernachlässigbaren 14 Prozent.

    Natürlich ließe sich argumentieren, dass die Abschaffung der Nachweispflicht nicht automatisch die Abschaffung der Zwei- bzw. Dreisprachigkeit bedeutet. Wenn aber ein so großer Anteil der italienischen Sprachgruppe das wichtigste — und nach internationalen Standards wohl gebräuchlichste — Instrument zum Nachweis von Sprachkenntnissen ablehnt, fällt es schwer, etwas anderes zu vermuten.

    Hier verabschiedet sich die Titularnation zunehmend vom Konsens, auf dem unsere Autonomie und insbesondere der Minderheitenschutz beruhen. Sie tut dies, indem sie sich auch immer mehr von den Vorstellungen der deutschen und ladinischen Sprachgruppe entfernt. Da die Italienerinnen wissen, dass sie am wenigsten von einer Abschaffung der Zwei- bzw. Dreisprachigkeitspflicht zu befürchten hätten, kann man dies auch als eine Form der Entsolidarisierung werten.

    Die Aussage, dass in Südtirol »niemand« die Zweisprachigkeit infrage stelle, erscheint vor diesem Hintergrund jedenfalls sehr gewagt. Auch die Reaktionen auf den Fälschungsskandal (vgl.) sind ein guter Indikator für die auseinanderklaffenden Vorstellungen und Befindlichkeiten.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • ›Daten des Kundens.‹
    Wenn Kulturinstitutionen die Kultur der Sprache vergessen


    von Brennglas1Name ist uns bekannt

    Das Stadttheater Bozen verkauft Tickets online. Was dabei auf Deutsch erscheint, lässt zu wünschen übrig – und das ist symptomatischer, als es zunächst scheint.

    Es sind kleine Fehler. Fast zu klein, um Empörung zu rechtfertigen. Und genau das ist das Problem.

    Ich habe auf der Website des Stadttheaters und Konzerthauses Bozen neulich einige Tickets gekauft. Da ist mir eine sprachliche Melange begegnet, die man sich in einem Kulturbetrieb eigentlich kaum vorstellen mag: deutschsprachige Benutzeroberflächen, in denen plötzlich ganze Abschnitte auf Italienisch erscheinen. Bezahlhinweise auf Italienisch, Schaltflächen wie »Prosegui con altri acquisti« ohne Übersetzung, mitten im deutschen Text. Und das grammatikalisch fragwürdige »Daten des Kundens«, dort, wo es selbstverständlich »Kundendaten« oder wenigstens »Daten des Kunden« heißen müsste.

    Nun könnte man einwenden: Nicht alles liegt in der Hand des Theaters. Der Bestellprozess läuft womöglich über einen externen, gesamtstaatlichen Anbieter, der die Zweisprachigkeit nicht vollständig gewährleistet. Das mag sein – und ist dennoch keine Entschuldigung. Denn erstens gilt diese Erklärung nicht für den deutschen Grammatikfehler, der hausgemacht ist. Und zweitens: Wenn eine Institution, die für sich beansprucht, im kulturellen Herzen einer zweisprachigen Gesellschaft zu wirken, bei der Beauftragung externer Dienstleister die Sprachqualität nicht als Mindestanforderung definiert – was sagt das dann über ihre tatsächliche Haltung zur Sprache aus?

    Eine Institution, die Kultur vermittelt, trägt auch eine Verantwortung für die Sprache, in der sie kommuniziert. Diese Verantwortung endet nicht an der Schnittstelle zum Dienstleister.

    Theater, Konzerthäuser, Museen – sie sind keine Supermärkte (wobei das Recht auf die eigene Muttersprache auch dort keine Selbstverständlichkeit ist – aber das wäre ein Thema für sich). Sie verkaufen nicht irgendein Produkt. Sie behaupten, Bedeutung zu schaffen. Und die Bedeutung von Sprache ist nirgendwo augenfälliger als in einer Gesellschaft wie Südtirol.

    Bezahlhinweise ausschließlich auf Italienisch, Übersetzung fehlt vollständig.

    Das Digitale ist heute ein primärer Raum, in dem Sprache stattfindet. Wer dort auf Sorgfalt verzichtet – ob aus Gleichgültigkeit, Ressourcenmangel oder schlichter Gewöhnung –, leistet einen Beitrag zu jenem schleichenden Prozess, der einen Domänenverlust beschreibt: dem Rückzug einer Sprache aus bestimmten Lebensbereichen. Nicht durch politische Verbote, sondern durch Unterlassen.

    Bilder zum Vergrößern anklicken (links: »Daten des Kundens« → »Kundendaten« / »Daten des Kunden« | rechts: Informationen zur Ticketabholung ausschließlich auf Italienisch)

    Die Botschaft, die solche Fehler senden, ist subtil und deshalb umso wirkungsvoller: Hier spielt Sprache keine besondere Rolle. Für ein Kulturhaus ist das eine bemerkenswert unglückliche Botschaft.

    Es wäre eine Kleinigkeit, das zu ändern. Und eben das macht es so schwer zu erklären, warum es noch nicht geschehen ist.

    Cëla enghe: 01 02


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