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  • I Borghi più belli d’Atreju.

    Mehrere Südtiroler Ortschaften halten es für sinnvoll und notwendig, sich als Borghi più belli d’Italia bezeichnen zu lassen. Dieses Prädikat beruht nicht etwa auf einer Auszeichnung, sondern wird — neben der Erfüllung einiger Voraussetzungen — durch die kostenpflichtige Mitgliedschaft in einem Verein ermöglicht.

    Die teilnehmenden Gemeinden fördern damit freiwillig ein (banal-)nationalistisches Narrativ und setzen dafür auch noch öffentliche Gelder ein.

    So wie die Mehrheit der Südtiroler Gemeinden wird derzeit auch der größere Teil jener fünf Kleinstädte und Dörfer im Land von der SVP regiert, die zu den schönsten des Nachbarlandes gehören wollen. Es ist gut möglich, dass zum Zeitpunkts ihres Beitritts zu diesem aus Südtiroler Sicht fragwürdigen Verein alle von der Sammelpartei geführt wurden.

    Die Idee für die 2002 gegründeten Borghi più belli d’Italia stammt aus Frankreich, wo die Plus Beaux Villages de France schon 1981 ins Leben gerufen wurden. Nachahmerinnen gab es in mehreren Ländern, etwa in Spanien, Japan oder in der Schweiz. Neben staatsweiten Vereinigungen existieren jedoch auch Netzwerke mit regionalem Bezug: Sowohl Québec als auch Wallonien — und sogar Sachsen — haben eigene Zusammenschlüsse geschaffen und entziehen sich damit einem national(istisch)en Rahmen.

    Der Webauftritt der Borghi più belli d’Italia ist ebenso wie die vereinseigene Zeitschrift ausschließlich auf Italienisch und Englisch verfügbar. Die in den Südtiroler Mitgliedsgemeinden — Glurns, Kastelruth, Klausen1Gründungsmitglied, Neumarkt und Sterzing — mehrheitlich gesprochene Amtssprache Deutsch findet keinerlei Berücksichtigung. Die schweizerische Vereinigung hingegen schafft eine durchwegs viersprachige Kommunikation.

    Auch inhaltlich ist die Website aufschlussreich: Die Borghi werden dort als »Ausdruck der Schönheit und Faszination« präsentiert, in Bezug auf die Italien die weltweite Führungsrolle (!) einnehme.2Original: »[…] sono l’espressione della Bellezza (sic) e del fascino di cui l’Italia è leader nel mondo.« Der Verein stelle »das Beste [dar], was das verborgene Italien der Welt zu bieten hat.«3Original: »l’Associazione […] rappresenta il meglio che l’Italia Nascosta (sic) ha da offrire al mondo.« Und Südtiroler Gemeinden stülpen sich diese Rhetorik über.

    Atreju

    Wie anschlussfähig dieses nationalistische Selbstverständnis für bedenkliche politische Strömungen ist, zeigte sich zuletzt am 13. Dezember: An diesem Tag war Fiorello Primi, Gründer und Präsident der Borghi più belli d’Italia, beim Parteifest der rechtsextremen Fratelli d’Italia (FdI) zu Gast. Dort nahm er an einer Diskussionsrunde mit der offen faschistischen Tourismusministerin Daniela Santanchè (FdI) teil, die dazu diente, die Maßnahmen der Regierung von Giorgia Meloni (FdI) für den Tourismus und speziell für die kleineren Ortschaften in den höchsten Tönen zu loben.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 ||

    • 1
      Gründungsmitglied ↩︎
    • 2
      Original: »[…] sono l’espressione della Bellezza (sic) e del fascino di cui l’Italia è leader nel mondo.« ↩︎
    • 3
      Original: »l’Associazione […] rappresenta il meglio che l’Italia Nascosta (sic) ha da offrire al mondo.« ↩︎


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  • Neuer Autonomy Policy Brief.

    Seit 2023 veröffentlicht das an der Eurac angesiedelte Center for Autonomy Experience jeweils im Dezember einen sogenannten Autonomy Policy Brief, der eine übersichtliche Zusammenfassung der autonomiepolitischen Entwicklungen des jeweiligen Jahres in Südtirol liefert.

    Für das soeben zu Ende gegangene Jahr ist die dritte, von Jakob Volgger und Marc Röggla verfasste Ausgabe des Briefs am 6. Dezember erschienen. Sie analysiert die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen der Autonomiepolitik im Jahr 2025. Dazu gehören unter anderem:

    • eine chronologische Übersicht zur laufenden Autonomiereform mit den entsprechenden verfassungsrechtlichen Schritten und dem Prüfverfahren des noch nicht verabschiedeten Reformentwurfs;
    • Angaben zu neuen Durchführungsbestimmungen des Autonomiestatuts;
    • Auszüge und Ergebnisse des Sprachbarometers 2025;
    • Entwicklungen in den Bereichen Sprach-, Bildungs- und Finanzpolitik;
    • politische Ereignisse wie die Gemeindewahlen.

    Darüber hinaus werden auch überregionale Bezüge thematisiert, etwa die Regierungsbildung in Österreich mit Auswirkungen auf die Schutzmachtfunktion.

    Bereits am 15. April 2025 war zur laufenden Autonomiereform eine Sonderausgabe des Policy Briefs veröffentlicht worden, die eine Analyse des Verfassungsgesetzentwurfs enthielt.

    Ergänzend dazu steht das Autonomy Dashboard zur Verfügung, das laufend aktualisierte Daten zu Autonomie, Minderheitenschutz und gesellschaftlichen Indikatoren in Südtirol enthält.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Ziemlich unco,ol: Schluss mit zweisprachigen Kampagnen!

    Das Land hat gestern die landesweite Aktion zur dritten Ausgabe der Co,ol – Dry January Challenge vorgestellt, mit der Menschen dazu motiviert werden sollen, einen Monat lang auf Alkoholkonsum zu verzichten. An sich eine gute Sache.

    Doch leider gibt es die Sensibilisierungskampagne nur auf Deutsch und Italienisch, während die ladinische Sprache vollständig fehlt. Selbst dem Englischen wird — beginnend beim Titel — mehr Platz eingeräumt als der kleinsten Amtssprache des Landes. Dabei fällt mir kein schlüssiger Grund ein, warum die Sensibilisierungskampagne nicht dreisprachig sein kann und soll.

    Website der Aktion (Ausschnitt) – auch hier ist Deutsch, wie inzwischen immer öfter, in der Sprachwahl zweitgereiht

    Die Cookie-Info auf der Website der Kampagne ist übrigens nur auf Englisch verfügbar, was wohl gesetzwidrig sein dürfte. Und auch die im Rahmen der Aktion empfohlene App für iPhone und Android gibt es ausschließlich in der »Sprache Shakespeares«.

    Website der Aktion (Ausschnitt)

    Darüber hinaus beherrschen Deutsch und Italienisch das Bild, sowohl online als auch bei den Drucksachen.

    Dabei sollte es längst selbstverständlich sein, dass landesweite Kampagnen zumindest die drei Landessprachen berücksichtigen. Sonst ist das nicht nur alles andere als co,ol, sondern auch respektlos und diskriminierend.

    Zwar bezieht das Land die ladinische Sprache bereits immer wieder auch dann ein, wenn — leider — keine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht (vgl. 01 02 03 04). Doch das sollte noch viel konsequenter geschehen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • QueerCityPass: UT24 hetzt gegen Wiener Linien.
    Fake News

    Das Südtiroler Onlineportal UnserTirol24 (UT24) verbreitet Falschinformationen über den QueerCityPass der Wiener Linien. Darauf wurde ich von einem Leser hingewiesen. In dem auf Empörung abzielenden Beitrag — der hier bewusst nicht verlinkt wird — wird behauptet, Nicht-Heterosexuellen werde mit diesem Pass eine günstigere Öffi-Nutzung in der österreichischen Hauptstadt erlaubt als Heterosexuellen.

    Allein der Gedanke, ein Ticket könne ausschließlich Queeren vorbehalten sein, ist absurd: Wer sollte bitteschön die sexuelle Orientierung der Ticketkäuferinnen oder der Fahrgäste überprüfen?

    Der QueerCityPass, der sich hauptsächlich an Touristinnen richtet, kann selbstverständlich von jeder frei erworben und genutzt werden — unabhängig von sexueller Orientierung und Identität. Er kostet 17,90 Euro für 24 Stunden bzw. 39,90 Euro mit einer siebentägigen Gültigkeit und ist damit exakt gleich teuer wie der EasyCityPass. Die ViennaCityCard kostet für 24 Stunden mehr (19,00 Euro) und für sieben Tage geringfügig weniger (39,00 Euro) als der QueerCityPass.

    Allen diesen Angeboten ist gemeinsam, dass sie — neben der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel — zielgruppenspezifische Zusatzleistungen enthalten, etwa Ermäßigungen für Museen, Vorteile in Gastronomie und Handel, Kulturangebote und Ähnliches. Schon deshalb sind sie untereinander nicht direkt vergleichbar. Völlig unzulässig ist es jedoch, sie mit dem Wiener Jugendticket zu vergleichen, das UT24 zwar korrekt mit einem Preis von 19,60 Euro angibt, aber für ein ganzes Schuljahr gilt und — anders als die genannten Touristenangebote — weder auf die Kernzone noch auf Wien beschränkt ist.

    Die reine Öffinutzung ohne Zusatzangebote kostet übrigens 9,70 Euro für 24 Stunden (bzw. 10,20 Euro bei Postzustellung) und 25,20 Euro für sieben Tage (bzw. 28,90 Euro bei Postzustellung).

    Die von UT24 betriebene Hetze wird ihre Wirkung vermutlich dennoch nicht verfehlen. Mit journalistischer Sorgfaltspflicht haben diese Fake News jedoch absolut nichts zu tun.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Lässt Bozen jetzt Obdachlose erfrieren?

    Das Bozen von Mittelinks war im Umgang mit obdachlosen Menschen leider kein Vorbild — ganz im Gegenteil. Was sich jedoch derzeit in der Landeshauptstadt abspielt, ist schon nahezu kriminell: Die weit nach Rechts verschobene Mehrheit von Bürgermeister Claudio Corrarati, der auch die SVP angehört, nimmt sehenden Auges in Kauf, dass Menschen ohne Dach über dem Kopf einer akuten Lebensgefahr ausgesetzt werden. Und das völlig unnötig.

    Während hierzulande geradezu arktische Temperaturen herrschen, weigert sich die zuständige Stadträtin Patrizia Brillo von den neofaschistischen Fratelli d’Italia einem Bericht von Rai Südtirol zufolge, den Bevölkerungsschutz des Landes einzuschalten. Demnach sei sogar Soziallandesrätin Rosmarie Pamer (SVP) selbst aktiv geworden, um Brillo zu diesem Schritt zu bewegen, ohne jedoch bislang einen Erfolg zu erzielen.

    Einerseits tritt hier die inhärente Menschenfeindlichkeit der extremen Rechten offen zutage. Andererseits versteift sich die Landeshauptstadt regelmäßig auf die infantile Forderung, Aufgaben einer Großstadt auf Kleingemeinden abzuwälzen — und spielt diese Karte rücksichtslos auf dem Rücken der Vulnerabelsten aus.

    Doch jeder Tag, ja jede Stunde des Zögerns und Taktierens gefährdet Menschenleben. Notfalls muss das Land eben eigenmächtig einschreiten, wenn es sein muss auf dem Gebiet einer angrenzenden Gemeinde.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Das geheime Böllerverbot.

    In Südtirol gilt ein allgemeines, landesweites Böllerverbot, das selbstverständlich auch an Anlässen wie Silvester gilt. Wer dennoch ein privates Feuerwerk veranstalten möchte, muss laut Landesgesetz (Nr. 20/2012) bei der zuständigen Gemeinde eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Mancherorts, etwa in der Landeshauptstadt, bestehen zudem kommunale Verbote.

    Leider wissen jedoch viele nichts von diesen Regelungen. In meinem persönlichen Umfeld etwa wussten selbst Personen, die das Böllerverbot — wie ich — befürworten, meist nicht, dass ein solches bereits in Kraft ist. Umgekehrt haben auch viele Menschen, die gerne böllern, vermutlich keine Ahnung davon, dass ihr Verhalten gesetzwidrig ist. Ein Teil von ihnen würde sicher davon Abstand nehmen, wenn ihnen das Verbot bewusst wäre.

    Im Vorfeld einschlägiger Feiertage wie dem Jahreswechsel sollten daher sowohl die zuständigen Institutionen (Land, Gemeinden, Polizei…) als auch die Medien die Bevölkerung aktiv über die geltenden Regelungen informieren. Tatsächlich geschieht dies jedoch — wenn überhaupt — in einem viel zu geringen Ausmaß.

    Unwissen schützt zwar nicht vor einer allfälligen Strafe. Wenn es jedoch um die Sache — Vermeidung von Feinstaub, Lärm und Gefahren für die öffentliche Sicherheit — geht, wäre vor allem eine breite und frühzeitige Sensibilisierung erforderlich.

    Hinzu kommt, dass die Ordnungskräfte offenbar wenig Engagement zeigen, die entsprechenden Gesetze auch konsequent zu exekutieren. Dies scheint meiner Beobachtung nach bei vielen Regelungen der Fall zu sein, die nicht vom Zentralstaat, sondern vom Land oder von den Gemeinden erlassen wurden, als gäbe es Vorschriften, die gleicher sind als alle anderen.



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