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  • Fahnen sollen brennen (wenn sie Symbole der Unterdrückung sind).


    von Nicola Canestrini

    Es gibt etwas tief Widersprüchliches in der Art und Weise, wie wir mit Symbolen umgehen. Die Fahne, zum Beispiel. Sie sollte eine Idee der Einheit, der Zugehörigkeit, des Teilens darstellen. Und stattdessen hat sie in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart zu oft dem Konflikt gedient. Um Unterschiede zu markieren. Um Grenzen zu ziehen. Um Kriege zu erklären. Um Hass gegenüber dem »Anderen« zu rechtfertigen.

    Aber die Überbetonung des Begriffs »Nation« ist der Vorraum des Nationalismus – jenes »komplexe Geflecht aus ideologischen und politischen Verhaltensweisen, das, indem es den Begriff der Nation mit dem der Heimat gleichsetzt und das natürliche moralische Gefühl des Patriotismus sowie das politische Prinzip der Nationalität deformiert und übersteigert, die Nation als höchsten ethisch-politischen und ethisch-kulturellen Wert betrachtet und das Prestige der Nation zum obersten und alles bestimmenden Prinzip macht, an dem sich das politische Handeln zu orientieren hat« (Großes Wörterbuch der italienischen Sprache, Turin 1981). Es traten ja die Verfechter des Nationalismus, die sich in der Associazione Nazionalista Italiana organisierten – gegründet nach einem Kongress in Florenz im Jahr 1910 – dem Faschismus bei.

    Nationalismen, die sich von Symbolen wie der Fahne nähren, waren – und sind noch immer – Ursache von Kriegen. Sie waren und sind bis heute der ideologische (und physische) Hintergrund von Invasionen, Unterdrückungen, »Säuberungen«, Besetzungen. Im Namen einer Fahne wurde marschiert, wurde eingedrungen, wurde getötet. Und auch in diesen Tagen wird marschiert, wird eingedrungen, wird getötet – sogar in unserer unmittelbaren Nähe.

    Und dennoch schwenken wir weiterhin diese Farben, als wären sie unantastbar, als dürften sie niemals infrage gestellt werden.

    Und wehe dem, der sie kritisiert: Wer das tut, riskiert einen Prozess – medial, aber auch strafrechtlich.

    Das geschieht in Italien, wo es im Strafgesetzbuch noch immer eine Vorschrift gibt, die jene bestraft, die die Nationalflagge »verächtlich machen«. Ein Tatbestand, der nach vergangenen Zeiten riecht – nach Regimen, die Angst vor dem Dissens hatten und Stärke durch den Kult ihrer Symbole demonstrieren mussten.

    Gerade für Menschen, die in Grenzregionen wie Südtirol leben, hat der Gebrauch der Fahne – und ganz allgemein der nationalistischen Symbole Italiens – im Laufe des 20. Jahrhunderts eine besonders schmerzhafte Bedeutung angenommen.

    Hier war die Trikolore ein Zeichen der Eroberung, der Aufzwingung, der Auslöschung der Identität.

    Wie kann man nicht an den – offenbar noch immer aktuellen – Anspruch auf das Bozner Siegesdenkmal erinnern? »Hinc patriae fines, siste signa. Hinc ceteros excolvimvs lingva legibvs artibvs.«

    Die erzwungene Zurschaustellung der Fahne – zusammen mit der Aufzwingung der italienischen Sprache, der Tilgung der deutschen Ortsnamen, der kulturellen und politischen Repression – war ein integraler Bestandteil einer Strategie gewaltsamer Assimilation, die mit dem faschistischen Marsch auf Bozen 1922 begann (mit der Absetzung von Bürgermeister Julius Perathoner) und leider, in weniger offenkundigen, aber ebenso unterdrückenden Formen, auch in der Republik nach 1946 fortgeführt wurde.

    Man dachte zum Beispiel auch in der Nachkriegszeit nicht daran, die »sprachliche Säuberung« von Ettore Tolomei rückgängig zu machen, sondern entschied sich, das ideologische Projekt, das sie begleitete – nämlich die Leugnung der Existenz der lokalen Kultur zugunsten einer künstlichen, kolonialisierenden »italianità« – nicht zu widerrufen.

    Es ist betrüblich – und liefert den gegensätzlichen Extremisten neue Nahrung –, dass selbst Jahrzehnte nach Kriegsende, und noch heute, der italienische Staat im Namen der nationalen Einheit an den »erfundenen« Ortsnamen festhält.

    Der Streit um zweisprachige oder dreisprachige Beschilderung ist nur das letzte Kapitel einer langen und für viele noch immer schmerzhaften Geschichte.

    In diesem Kontext gibt es Menschen, die meinen, die Kritik an aufgezwungenen Symbolen sei ein Akt kultureller Selbstverteidigung – während die Verteidigung der eigenen Kultur und Identität durch deutschsprachige Südtiroler oft als »anti-italienisch« (oder gar terroristisch) gebrandmarkt wurde – als sei es ein Angriff auf den Staat, um Respekt für die eigene Geschichte zu bitten.

    Hier wird das Paradox offensichtlich:

    Ein Symbol, das Einheit verkörpern sollte, wird zum Banner der Spaltung.

    Ein Emblem, das die Freiheit darstellen sollte, wird als Instrument der Unterdrückung wahrgenommen.

    Doch in Südtirol bedeutet das Zurückweisen der aufgezwungenen Italianità nicht, das Zusammenleben abzulehnen – sondern sich einer Erzählung zu widersetzen, die über Jahrzehnte die Fahne als Waffe, nicht als Brücke benutzt hat.

    Es ist kein Zufall, dass viele der Wunden jener Zeit noch immer nicht geheilt sind.

    Und es ist ebenso kein Zufall, dass gerade jene, die diese Symbole in Frage stellen, auch heute noch wegen Verächtlichmachung strafrechtlich verfolgt werden.

    Als ob es ein Verbrechen – und kein Recht – sei, einer auferlegten nationalen Identität zu widersprechen.

    Man erinnere sich an das mühsam eingestellte Verfahren des Bozner Gerichts im Jahr 2006 gegen ein Kunstwerk im Museion, das als »verächtlich« gegenüber der italienischen Nation betrachtet wurde: eine Reproduktion der Nationalhymne Mameli im Spülgeräusch eines WCs.

    Auch die Plakate der Süd-Tiroler Freiheit, die die italienische Fahne weggefegt zeigten, um der österreichischen Platz zu machen – hier sah das römische Gericht 2018 und 2021 den Straftatbestand des »vilipendio« (Verächtlichmachung) als erfüllt an.

    Doch was bleibt – bei all dem – von der Meinungsfreiheit?

    Artikel 21 der italienischen Verfassung nennt das Recht, Gedanken frei zu äußern, ein Grundrecht.

    Dasselbe sagt Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention.

    Der Straßburger Gerichtshof hat bereits im berühmten Urteil Handyside v. Vereinigtes Königreich vom 7. Dezember 1976 klargestellt, dass die Meinungsfreiheit auch Ideen schützt, die »verletzen, schockieren oder beunruhigen«.

    Sie ist keine Konzession der Macht, sondern eine Voraussetzung der Demokratie.

    Gerade deshalb muss sie auch jenen gewährt werden, die Symbole herausfordern – auch denen, die stören.

    Das Paradox ist offensichtlich: Im Namen des Schutzes eines Symbols wird genau jene Freiheit eingeschränkt, die dieses Symbol eigentlich verkörpern sollte.

    Man trifft die politische Kritik, kriminalisiert die Dissidenz, knebelt den Protest.

    Als ob die Demokratie so fragil wäre, dass sie ein verbranntes Stück Stoff oder eine grafische Provokation nicht aushalten könnte.

    Doch gerade das Symbol der Macht kann nur dann zum Instrument der Demokratie werden, wenn es geteilt ist – ohne die Berufung auf eine vermeintlich »jahrtausendealte Einheit des italischen Stammes« oder auf eine angebliche Heiligkeit dieser Symbole.

    So wie bei der Trikolore-Schärpe: ein institutionelles Symbol laut Kommunalgesetz, das von Bürgermeistern bei offiziellen Anlässen quer über der Schulter zu tragen ist.

    Doch auch hier droht der regulative Eifer, das Symbol zum Fetisch zu machen.

    Wenn die Form mehr zählt als der Inhalt, geht der ursprüngliche Sinn der demokratischen Institution verloren.

    Eine demokratische Gesellschaft sollte auch die härteste Kritik ertragen können – auch wenn sie provokativ formuliert sind.

    Meinungsfreiheit dient nicht dem Schutz des Konsenses, sondern des Dissenses.

    Und jedes Mal, wenn eine Ausdrucksform bestraft wird, nur weil sie das nationale Gefühl verletzt, geht man einen Schritt in Richtung jener autoritären Logik, die einst zu Rassengesetzen und Faschismen führte – und heute den identitären Populismus nährt.

    Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat im Fall Texas v. Johnson (1989) entschieden, dass das Verbrennen der amerikanischen Flagge – obwohl für viele zutiefst verletzend – durch den ersten Verfassungszusatz geschützt ist, da es sich um eine symbolische Ausdrucksform handelt.

    Das Gericht erklärte: »Wenn es ein grundlegendes Prinzip hinter dem First Amendment gibt, dann ist es, dass der Staat nicht die Äußerung einer Idee verbieten darf, nur weil die Gesellschaft sie für anstößig oder unangenehm hält.« Im Gegenteil: Die Entscheidung betont, dass die Stärke der Demokratie gerade in der Fähigkeit liegt, auch die kontroversesten Formen des Dissenses zu tolerieren: »Der zu Recht geschätzte Platz, den die Flagge in unserer Gemeinschaft einnimmt, wird durch unser heutiges Urteil gestärkt, nicht geschwächt. Unsere Entscheidung bekräftigt die Prinzipien von Freiheit und Inklusivität, die die Flagge am besten widerspiegelt, und die Überzeugung, dass unsere Toleranz gegenüber Kritiken wie der von Johnson Zeichen und Quelle unserer Stärke ist.«

    Der Supreme Court verteidigte das Recht, selbst die heiligsten Symbole infrage zu stellen, und bekräftigte, dass sich die wahre Stärke einer konstitutionellen Demokratie gerade in der Freiheit zum Widerspruch zeigt. Wenn es heute eine Fahne gibt, die es wert ist, geschwenkt zu werden, dann ist es die Regenbogenfahne.

    Nicht weil sie einen Staat repräsentiert, sondern weil sie ein Ideal verkörpert.

    Nicht weil sie Treue zu einer abgeschlossenen Identität fordert, sondern weil sie dazu einlädt, eine offene, inklusive, freie Gemeinschaft aufzubauen.

    Das Ideal einer geteilten, nicht geteilten Menschheit.

    Wo Grenzen nicht trennen, sondern durchquert werden.

    Wo Unterschiede keine Bedrohung sind, sondern Reichtum.

    Gegen Hass und Ausgrenzung. Für Frieden, Würde und Gleichheit.

    Wenn die Trikolore nur noch dazu dient, sich selbst zu schützen, hat sie jede Bedeutung verloren.

    Wenn sie dem Gewicht einer Kritik, eines Widerspruchs, einer Provokation nicht standhält, ist es nur Stoff, genäht um die Macht.

    Aber wenn wir bereit sind zu akzeptieren, dass selbst Symbole infrage gestellt werden dürfen – denn genau darin beweisen sich Demokratien –, dann lebt dieses Symbol wieder auf.

    Nicht als Zwang, sondern als Wahl.

    Nicht als Waffe, sondern als Brücke.

    Freiheit verteidigt man nicht, indem man den Widerspruch zum Schweigen bringt.

    Man verteidigt sie, indem man ihm zuhört.

    Auch wenn es brennt.


    Dieser Beitrag ist in italienischer Sprache auch bei Salto erschienen.

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  • Combattere contro la destra estrema con CasaPound.
    Quotation

    C’è il rischio che la sua si riveli la faccia presentabile del ritorno di un passato segnato dagli eredi del nazionalismo fascista?

    No. Io rappresento qualcosa di nuovo: lontano dalla destra estrema, contro cui combatto.

    Claudio Corrarati, neo sindaco di Bolzano, intervistato per l’edizione odierna di Repubblica da Giampaolo Visetti

    Faccia presentabile forse no, faccia di bronzo certamente sì.

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  • La fascia e il rossobrunismo disagiato.

    Il signor Massimo (Max) Carbone, lo stesso che si lamenta perché un settimanale di lingua tedesca non pubblica abbastanza articoli in lingua italiana, candidato del PD alle elezioni comunali di Merano (19 preferenze), ha pensato che l’attacco nazionalista e sessista di Dario Dal Medico alla neo sindaca Katharina Zeller (SVP), sostenuta dal PD al ballottaggio, rendesse urgente un suo intervento esplicativo.

    Per questo oggi ha telefonato alla trasmissione Prima pagina di Rai Radio 3 e ha raccontato quanto segue:

    Per conoscere meglio alcuni aspetti dell’Alto Adige, a proposito della fascia tricolore rifiutata dalla nuova sindaca della città di Merano, volevo precisare questo: viviamo in una terra molto ricca, con un bilancio provinciale di quasi 8 miliardi e mezzo di euro, i quali sono gestiti per il 6% dagli assessori italiani, il 9% dall’assessore ladino e per quasi l’85% dagli assessori sudtirolesi (sic). Allora, il potere — lo chiamiamo così, diciamo — è saldamente in mano alla comunità sudtirolese, e gli italiani sono residuali, anche se il nuovo sindaco di Bolzano è Corrarati (?). Allora diciamo questo: i motivi però sono molto complessi di questa situazione — e chiudo con questo: la contrapposizione etnica, anche con i toni duri — inevitabile con questo caso che stiamo riportando — è sempre purtroppo molto presente e negli anni è aumentata. E aggiungo anche un’altra cosa: in Alto Adige, i concorsi pubblici sono quasi esclusivamente riservati ai cittadini di lingua tedesca. Allora, nel meccanismo brillante dell’Alto Adige c’è qualcosa che non funziona, e credo che la politica debba dare in fretta alcune risposte.

    – Prima pagina (trascrizione mia)

    Non so né che cosa c’entri tutto questo con la fascia tricolore né da dove il signor Carbone tragga i suoi dati. So invece che ha raccontato in modo completamente falso e distorto il ruolo dei concittadini di lingua italiana in Sudtirolo e il funzionamento della proporzionale etnica, in modo da aizzare ulteriormente — se ce ne fosse bisogno — l’odio antisudtirolese in Italia. Questo è puro sciacallaggio politico. Se qualcuno pensava che i partiti del centrosinistra italiano, in questo senso, fossero diversi da quelli della destra, purtroppo ha fatto male i conti. Con sfumature diverse, il nazionalismo sfrenato è una caratteristica del tutto trasversale.

    E per fortuna che ci hanno colonizzato quelli che portavano la cultura, la scienza e le arti, ché altrimenti a quest’ora non so come saremmo messi.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03 04 05



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  • Lo scandalo del fascio.

    Avevo già fatto notare, più di una volta, la presenza di fascisti dichiarati tra i sostenitori di Claudio Corrarati, candidato sindaco di destra a Bolzano. Oggi la Tageszeitung riferisce che un video con Maurizio Puglisi Ghizzi (membro CPI candidato Lega) e Corrarati starebbe creando parecchio scompiglio nell’SVP, che in occasione del ballottaggio si era dichiarata blockfrei.

    Nella registrazione si vede il due volte candidato sindaco dei fascisti del terzo millennio, nemico della democrazia, rivolgersi a Corrarati e «dettargli» il da farsi una volta eletto primo cittadino, con quest’ultimo che si limita ad annuire:

    Fotogramma del video pubblicato da Tageszeitung: Maurizio Puglisi Ghizzi (CPI) con Claudio Corrarati, barratura mia

    La pubblicità, evidentemente, è stata prodotta tra il primo e il secondo turno, visto che si riferisce al ballottaggio del 18 maggio, successivamente vinto da Corrarati.

    Mentre però lo «scandalo della fascia» è immediatamente diventato un caso a livello statale, ben difficilmente quello del fascio — il sostegno di CPI a Corrarati — desterà un simile scalpore.

    Anzi, analogamente al «caso» di Merano, semmai, sarà l’eventuale rifiuto dell’SVP a governare con questi elementi a far entrare la questione nelle cronache dei media statali.

    E questo la dice lunga anche sull’ipocrisia di molti che interpretano il rifiuto di Zeller come un’offesa alla repubblica. A loro infatti la fascia tricolore interessa soprattutto come simbolo nazionale — che in Sudtirolo è anche segno di sottomissione —, mentre collaborano senza problemi con chi, nemico dichiarato della repubblica, esalta la dittatura fascista.

    Cëla enghe: 01 02 03 || 01 02



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  • Lo scandalo della fascia.

    C’è chi vuole farci credere che il nazionalismo banale, onnipresente e subdolo, basti ignorarlo — pur non essendo, per definizione, possibile, perché agisce sul subconscio.

    E invece no. Politici italiani di ogni colore e provenienza non perdono occasione di costringerci a sventolare, indossare, addirittura respirare simboli che non ci appartengono e che ci sono stati imposti. Pensando probabilmente che sia normale e che chi si rifiuta vada condannato, svilito, messo alla gogna.

    Da questo punto di vista in un secolo poco è cambiato.

    Oggi stesso il sindaco uscente di Merano, Dario Dal Medico, in occasione del passaggio di consegne, con inaudita violenza (nazionalista e sessista) tentava di costringere colei che gli succederà, Katharina Zeller (SVP), a indossare la fascia tricolore, pur non essendoci alcun obbligo legale di farlo.

    Anzi, non a caso la legge prevede il medaglione con lo stemma del Comune, da indossare in luogo della fascia, che infatti in Sudtirolo — con poche eccezioni — non si vede quasi mai.

    Non è però l’atto di sopraffazione dal sapore coloniale di Dal Medico a causare ampio sdegno, bensì la spontanea reazione della nuova sindaca, che giustamente si è rifiutata di farsi impacchettare. Media locali di lingua italiana e media a livello statale, alla pari dei partiti con cui l’SVP governa a livello provinciale, fanno a gara nel gridare allo scandalo, sfoggiando la più assoluta incomprensione verso la sensibilità di una minoranza.

    Certo, possiamo anche fare finta che sia un caso isolato, ma finché faremo parte di questo Stato giacobino, con le sue belle Vette Sacre e i suoi «saluti» sdoganati, non ci sono autonomia e tutele che tengano. Da questo suprematismo innato è impossibile scappare.

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  • ›Sprachloser‹ Gemeindewahlkampf.
    Bozen

    Gestern gingen in den beiden größten Städten des Landes, Bozen und Meran, die Stichwahlen um das Bürgermeisterinnenamt über die Bühne. Dabei spielte in der Landeshauptstadt die deutsche Sprache praktisch keine Rolle.

    Während der knapp siegreiche Rechtskandidat Claudio Corrarati immerhin auf Deutsch antwortete, wenn er von deutschsprachigen Medien befragt wurde, fiel der Bürgermeisterkandidat von Mittelinks, Juri Andriollo (PD), dadurch auf, dass er in einer der zwei »gleichwertigen« Amtssprachen der Stadt, die er regieren wollte, im gesamten Wahlkampf so gut wie kein Wort über die Lippen gebracht hat.

    Zumal mir Demokratie wichtiger ist als Minderheitenschutz, wäre Andriollo aus meiner Sicht trotzdem das bei weitem geringere Übel zwischen den beiden Kandidaten gewesen. Dass es aber noch immer möglich ist, Teil der politischen Führungselite in diesem Land zu werden, »ohne« Deutsch zu beherrschen, finde ich bemerkenswert und skandalös.

    Außerdem sagt es auch viel über den Status der beiden Amtssprachen Deutsch und Italienisch aus. Es ist ein Witz, dass manche behaupten, Italienisch sei in Südtirol die eigentliche Minderheitensprache, denn in keiner einzigen Gemeinde könnte es sich die Bürgermeisterin, ja noch nicht einmal ein einfaches Gemeinderatsmitglied leisten, kein Italienisch zu beherrschen.

    Während sich im Vorfeld der Stichwahl von 2020 die beiden Kontrahenten Renzo Caramaschi und Roberto Zanin — nachdem sich letzterer zunächst verweigert hatte — doch noch auf Deutsch duellierten, war auch das meines Wissens diesmal nicht der Fall. Eine öffentliche Debatte auf Deutsch zwischen den Stichwahlkandidaten wird den Bewohnerinnen der Gemeinde mit der (absolut) größten deutschsprachigen Bevölkerungszahl in Südtirol vorenthalten.

    Obwohl der Anteil der deutschen Sprachgruppe an der Gesamtbevölkerung der Landeshauptstadt seit 1991 immer nur gesunken ist, 2011 sogar wieder den Wert von 1981 unterschritten und 2024 erstmals nicht mehr die psychologische Grenze von einem Viertel erreicht hat, ging es im Wahlkampf auch inhaltlich nie um die Minderheitensprache Deutsch und generell um sprachpolitische Maßnahmen auf kommunaler Ebene.

    Seit Jahren verfolge ich die Politik in mehreren Minderheitengebieten wie Galicien, Baskenland, Katalonien, Québec oder Wales: dass Sprachpolitik zur Förderung der jeweiligen Minderheitensprache im Wahlkampf praktisch keine Rolle spielt, ist meiner Beobachtung zufolge aber ein Südtiroler Unikum.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08



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  • Wohlstandsbeschaffer Tourismus?
    Tourismuspolitik


    Die immer noch wachsenden Tourismusindustrie ist stets bemüht, den Tourismus als wichtigste Wohlstandsquelle darzustellen. Doch um welchen Wohlstand geht es und für wen?

    Der Beitrag des Tourismus zum Wohlstand werde nicht ausreichend gewürdigt, meinte LTS-Präsident A. Hofer bei der jüngsten Vollversammlung des Landesverbands der Tourismusorganisationen Südtirols und stimmte das übliche Loblied auf den Tourismus als Wirtschaftsmotor, Jobmaschine, Investitions- und Einkommens-beschaffer an. Dass der Tourismus wächst, beweisen die Zahlen, doch heute ist zu fragen, ob man den Wohlstand der Bevölkerung nur mehr in Maßstäben von Ankünften, Nächtigungen, Umsätzen und verbauter Kubatur messen kann. Was ist mit den vielfachen Belastungen, die die touristische Überbeanspruchung ausgelöst hat? Und wie ist die touristisch geschaffene Zusatzwertschöpfung sozial verteilt? Laut einer Studie der Universität Bozen nimmt eine Mehrheit der Bevölkerung die Auswirkungen in zumindest drei Bereichen als sehr oder überwiegend negativ wahr: Immobilienpreise, Verkehrsbelastung und Lebenshaltungskosten. Die klare Mehrheit wünscht sich nicht mehr Tourismus, also Wohlstand im Sinne des LTS, was von der Tourismusbranche beharrlich ignoriert wird.

    Die öffentliche Skepsis sei unangebracht, meinte sinngemäß HGV-Direktor Mooswalder bei derselben Veranstaltung und befasste sich mit dem Hauptproblem der Touristiker: nicht das Scheitern der Bettenstopp-Regelung mit jetzt 260.000 Betten, Tendenz weiter steigend, nicht die zunehmende Verkehrslawine, die nicht weniger als 24 Prozent des internen Verkehrsaufkommens Südtirols ausmacht (vgl. H.P. Niederkofler, Tourismus in Maßen statt in Massen, arcaedizioni 2024, 43 ff.), nicht der enorme Ressourcenverbrauch und der fehlende Beitrag des Tourismus zur CO2-Emissionsminderung. Für keinen der LTS-Versammlungsredner ist der Klimaschutz ein ernstzunehmendes Thema. Nein, es ist die sinkende »Tourismusgesinnung« — die Einheimischen, die die touristische Zwangsbeglückung nicht schätzen.

    Wenn heute jemand — außer den Investoren selbst — stark vom Wachstum im Tourismus profitiert, ist es das Bauhaupt- und Nebengewerbe. Wie die SWZ vermeldet, sind der Tourismus und die öffentliche Hand derzeit die Haupttreiber der guten Auftragslage dieser Branche. Noch mehr Hotelkubatur auf die grüne Wiese: das ist keine gute Nachricht, weder für die Landschaft noch fürs Klima. Denn jedes zusätzliche Bett will auch gefüllt werden, wird beworben, erzeugt mehr Verkehr und Ressourcenverbrauch.

    Dann die Geschichte mit den Arbeitsplätzen: Heute arbeiten zur Hochsaison über 50.000 Menschen abhängig und selbstständig im Tourismus. Ganzjahresarbeitsplätze gibt es in dieser Branche weit weniger. Im Jahresdurchschnitt liegt die Beschäftigtenzahl bei 37.500 (ASTAT 2023, vgl. HGV), was rund 14 Prozent der Gesamtbeschäftigten entspricht. Die Arbeit im Tourismus weist eine vergleichsweise geringere Produktivität und unterdurchschnittliche Entlohnung auf. Südtirol mit seinem leergefegten Arbeitsmarkt braucht heute nicht mehr so viele unterbezahlte, nicht stabile, saisonale und unterversicherte Arbeitsplätze im Gastgewerbe.

    Zudem stellt sich in Zeiten des demografischen Wandels die Frage der Beschäftigung neu. In den nächsten 10-15 Jahren wird sich der Personalmangel in verschiedenen qualifizierten Bereichen von der Pflege über das Handwerk bis zum Bildungssystem verschärfen, wie auch die Banca d’Italia festhält. In dieser Situation gereicht zu viel Tourismus zum Schaden, weil er tausende junge Erwerbstätige absorbiert, die in anderen Bereichen sozial, ökologisch und sogar wirtschaftlich sinnvoller tätig sein könnten. Von wem werden wir im Alter gepflegt? Von Robotern? Welche Techniker installieren klimafreundliche Heizungen für 80.000 Haushalte, die noch mit Gas und Öl heizen? Wer saniert zehntausende alte Häuser? Welche jungen Menschen lehren und erziehen auf allen Stufen?

    Ohne Zweifel hat der Tourismus zum heutigen Wohlstand im Land beigetragen, doch dank exzessiver touristischer Vermarktung sind wir heute die tourismusintensivste Region der Zentralalpen, in der Spitzengruppe bei der Tourismusintensität unter den EU-NUTS-II Regionen. Wägt man heute Vor- und Nachteile einer weiter wachsenden Tourismusindustrie ab, muss man zum Schluss kommen: angesichts der Überbelastung ist noch mehr Tourismus nicht mehr Wohlstandsbeschaffer, sondern wohlstandsmindernd, eine wirtschaftspolitische Umorientierung absolut geboten. Auch für LTS, IDM, HGV und Landesrat einmal Anlass, sich mit den Grenzen des Wachstums zu befassen, statt mit der rituellen Beschwichtigung der besorgten Bevölkerung.


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