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  • Mussolini ist Ehrenbürger der Kulturhauptstadt.
    Görz

    Die beiden aneinander grenzenden Städte Görz (Julien) und Neu-Görz bzw. Nova Gorica (Slowenien) sind — neben Chemnitz (Sachsen) — die europäischen Kulturhauptstädte 2025. Voneinander trennt sie eine Staatsgrenze, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu durch das historisch mehrsprachige Gebiet gezogen wurde und seit dem Beitritt von Slowenien zur EU wesentlich durchlässiger geworden ist. Slowenisch und Italienisch, Friaulisch und Deutsch gehören zu den autochthonen Sprachen, die hier gesprochen werden.

    Im Gemeinderat von Görz kam deshalb im November der Vorschlag auf, dem faschistischen Diktator Benito Mussolini — besser spät als nie — die 1924 erteilte Ehrenbürgerschaft der Stadt abzuerkennen. Spätestens im Faschismus wurde hier schließlich mit rassistischer Gewalt und ungebremster Brutalität versucht, die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Region zu unterdrücken, um Italien zu einem monolingualen und kulturell sowie politisch-ideologisch homogenen Nationalstaat zu machen.

    Außerdem fiel das faschistische Italien gemeinsam mit Nazi-Deutschland in Jugoslawien ein und beging grausame Kriegsverbrechen.

    Doch wer gedacht hätte, dass dem Ansinnen, die Ehrung für den Diktator zurückzunehmen, gerade im Vorfeld der verbindenden Kulturhauptstadtschaft nichts hätte im Wege stehen können, hat die Rechnung ohne die politischen Gegebenheiten im Italien des 21. Jahrhunderts gemacht. Bürgermeister Rodolfo Ziberna (FI), der seine ehemalige Mitgliedschaft bei den sozialistischen Demokraten (PSDI) hervorhob und sich als Antifaschist bezeichnete — jedoch gleichzeitig einer rechtsrechten Stadtmehrheit vorsteht, der auch die neofaschistische FdI angehört —, lehnte den Widerruf ab. Dafür führte er die in Italien sehr beliebte, höchst fadenscheinige Begründung an, man dürfe »die Geschichte nicht auslöschen«, sondern müsse sie bekannt machen, damit sie sich nicht wiederhole. Als hätte die Rücknahme einer Ehrung irgendetwas mit der Auslöschung von Geschichte zu tun.

    Vielmehr ist die aktive Entscheidung, die Ehrenbürgerschaft beizubehalten, Ausdruck und Bestätigung von ideologischer Nähe.

    Der Beschluss löste sowohl in der Partnerstadt Neu-Görz und in der slowenischen Hauptstadt Laibach als auch bei der slowenischen Minderheit in Görz und Julien Entsetzen und Empörung aus. In Italien ist Mussolini jedoch bis heute wichtiger als Versöhnung, Aufarbeitung und Wiedergutmachung.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06 07 08 09 10 || 01 02



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  • Amputierte Autonomie.
    Podcast Teil 1


    Marco Manfrini kanzelte auf diesen Seiten Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) und seine Autonomiereform als gefährlich ab. Die Wochenzeitung ff warf dem Landeshauptmann vor, hinter einer Reform der Autonomie herzujagen, die lebensfern ist.

    Laut Manfrini könnte die angestrengte Reform die Autonomie weiter schwächen. Die ff befindet, bei der Reform handle es sich um ein Ego-Projekt, dem es an Transparenz fehlt. Ex-Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) kritisierte die Reform als zu dürftig. Ex-Parlamentarier Karl Zeller (SVP) verteidigt das Kompatscher-Projekt, auch die ehemaligen Senatoren Francesco Palermo (PD/SVP) und mit Einschränkungen Oskar Peterlini (SVP) würdigten auf Salto die Autonomiereform als großen Wurf. Wie reagiert der Landeshauptmann auf die heftige Kritik?

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II


    I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i/la autëures ne sustën nia for i fins de BBD. · Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Willkür: Jetzt kommen die roten Zonen.

    Anlässlich der Silvesterfeiern hat der Präfekt von Mailand, Claudio Sgaraglia, in der lombardischen Metropole fünf sogenannte »rote Zonen« eingerichtet, die sage und schreibe bis Ende März (ein Vierteljahr!) Bestand haben und die Ergreifung von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen durch die Polizei noch weiter erleichtern sollen. Personen, die aggressive, bedrohliche oder lästige Verhaltensweisen an den Tag legen — was alles und nichts bedeuten kann — dürfen sich in den betreffenden Stadtgebieten genausowenig aufhalten wie Menschen mit gewissen Vorstrafen.

    Unter anderem die Vereinigung der Strafrechtsanwältinnen hat diese Maßnahmen scharf kritisiert, weil per Verwaltungsentscheid massiv in Grundrechte eingegriffen werde und Personen betroffen seien, für die die Unschuldsvermutung zu gelten hat.

    Innenminister Matteo Piantedosi von der rechtsrechten Regierung um Giorgia Meloni (FdI) ist von der Idee des Mailänder Präfekten hingegen derart angetan, dass er sie ausdrücklich auch anderen Städten landesweit empfiehlt. Wen kann es denn schon stören, wenn die persönliche Freiheit eingeschränkt wird, um — zumindest vorgeblich — das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen zu steigern?

    Die Strafrechtsanwältinnen sprechen von einer illiberalen Entwicklung, die zur zunehmenden Militarisierung des Stadtgefüges führt. Betroffen sind in Mailand schließlich so zentrale und schwer meidbare Bereiche wie drei Fernbahnhöfe (einschließlich des Hauptbahnhofs), ein weit gefasstes Gebiet um den Dom in der Stadtmitte und mehrere Ausgehmeilen.

    Der Präfekt von Neapel, Michele Di Bari, ist dem Vorbild aus Mailand bereits gefolgt und hat seinerseits vier »rote Zonen« eingerichtet. Ob die illiberale Maßnahme auch in Südtirol nachgeahmt wird, ist bislang unklar. Sie liegt jedenfalls nicht in der Zuständigkeit des Landes, sondern in jener des Regierungskommissariats.

    So werden in Italien Schritt für Schritt Grundfreiheiten abgebaut, die einen demokratischen Rechtsstaat ausmachen. Manche Bürgerinnen denken womöglich sogar, das geschehe zu ihrem Vorteil.

    Dabei sind die nächsten massiven Einschnitte bereits in Vorbereitung.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Der Absolutismus bei den Autonomieverhandlungen.


    Die Kritik an den Autonomieverhandlungen von Landeshauptmann Kompatscher wurde zuletzt noch lauter und sie kommt von allen Seiten (01 02). Auch der Landtag fühlt sich übergangen und das zu Recht. Stein des Anstoßes ist vor allem der Umstand, dass großteils geheim verhandelt wird und außer LH Arno Kompatscher (SVP) und seinem innersten Kreis kaum jemandem Mitsprache zugestanden wird.

    Auch die bisher gewählte Vorgangsweise gibt keinen Grund zum Optimismus: Der Kampf um das Autonomiestatut und das Paket hat Jahrzehnte gedauert und wurde von großen Teilen der Südtiroler Bevölkerung getragen. Kompatscher will die verlorengegangene Autonomie alleine und in wenigen Monaten wiederherstellen. Das war von Anfang an unrealistisch, ja beinahe anmaßend und vermessen. Am Ende könnte Kompatschers Wiederherstellung der Autonomie darin münden, dass Südtirol den Kürzungen der letzten Jahre teilweise sogar zustimmt und insbesondere die restriktive Auslegung durch den Verfassungsgerichtshof absegnet.

    Kompatschers Verhandlungen scheinen zudem überhastet und oberflächlich. Offiziell wird verlautbart, man wolle den Stand der Autonomie bei der Streitbeilegung im Jahr 1992 wiederherstellen, aber es weiß wohl niemand so wirklich, wie der Umfang und das Ausmaß der damaligen Autonomie definiert, erhoben und bemessen werden kann. So wird nicht überprüfbar sein, ob Kompatschers plötzliche autonomiepolitischen Bemühungen auch tatsächlich das vorgegebene Ziel erreicht haben, oder ob man in Rom billig abgespeist wurde.

    Seriöse Verhandlungen setzen aber voraus, dass klar feststeht und daher auch unstrittig ist, was der Stand der Autonomie von 1992 genau umfasst und was in den letzten Jahren beschnitten und gekürzt wurde. Allein dies ist ein gewaltiges Unterfangen, das öffentlich und auf breitestmöglicher Basis zu erörtern wäre und bei dem die klügsten Köpfe des Landes miteinzubeziehen sind. Eine entsprechende politische und gesamtgesellschaftliche Debatte ist unabdingbar, geht es doch um die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens, denn das Autonomiestatut wird nicht umsonst als Südtiroler Landesverfassung bezeichnet. Es regelt nämlich, welche politischen Entscheidungen, die der Südtiroler Bevölkerung zustehen, an Rom abgegeben werden müssen und welche hingegen tatsächlich in Südtirol selbst getroffen werden dürfen.

    Kompatschers Verhandlungen werden aber nicht als Gesamtanstrengung der Südtiroler Bevölkerung geführt, so wie in den 1960er und 1970er Jahren, sondern wurden zur Chefsache erklärt, die somit allein und direkt dem Landeshauptmann vorbehalten ist. Verhandelt wird mehr verdeckt als transparent. Ein kleiner Kreis von Leuten hält Südtirols Schicksal in der Hand und entzieht sich dabei jeglicher Kontrolle und Debatte. Es wird nicht Bericht erstattet und auch nicht Rechenschaft abgelegt. Irgendwann wird uns ein Ergebnis vorgelegt werden, von dem niemand wirklich weiß, was es genau beinhaltet, wie es zustande kam und worauf Rom gegenüber verzichtet wurde. Der Unterscheid zum Paketabschluss und den bisherigen Autonomieverhandlungen könnte nicht größer sein.

    Der Kampf um das Zweite Autonomiestatut war die Mammutaufgabe von Jahrzehnten und forderte die Anstrengung einer ganzen Generation. Kompatscher glaubt, es in wenigen Monaten schaffen zu können. Überschätzt er sich?

    Vielleicht ist sich Kompatscher der Aufgabe nicht bewusst, oder es geht ihm weniger um eine inhaltliche Stärkung und tatsächliche Wiederherstellung der Autonomie, sondern vielmehr darum, schnellstmöglich ein Ergebnis präsentieren zu können, das dann als Erfolg verkauft werden kann.

    In Südtirol werden sich wohl trotzdem genügend Leute finden, die dann Lobeshymnen anstimmen und Kompatscher einen Platz unter den vermeintlich Großen der Südtiroler Geschichte zuweisen werden.


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  • Über die Dysfunktionalität der Autonomie in Südtirol.
    Ein persönlicher Erfahrungsbericht


    Am 30. Dezember 2024 bin ich über den Bahnhof Brenner nach Südtirol eingereist, wie schon öfter in der letzten Zeit. An diesem Tag sollte mir aber in sehr direkter Weise vor Augen geführt werden, wie wenig Minderheitenrechte in Italien Beachtung finden.

    Ich wurde am besagten Tag und Ort von der Bahnpolizei kontrolliert. Als sich die Beamtin ausschließlich in Italienisch an mich gewandt hatte, bat ich sie darum, mit mir auf Deutsch zu sprechen, wie es ja vom DPR 574/1988 vorgesehen wäre. Die Beamtin gab mir dann die Antwort »Ausweis«, gut dachte ich, ich habe es geschafft, meine Rechte wenigstens ein wenig einzufordern. Doch sehr weit gefehlt. Gleich im Anschluss an dieses einzige deutsche Wort, das der Beamtin über die Lippen ging, meinte sie prompt auf Englisch »but here we are in Italy!«. Als ich der Beamtin versuchte, auf Englisch zu erklären, dass es in Südtirol verpflichtend ist, mit Bürger:innen auch Deutsch zu sprechen, verneinte sie dies immer wieder mit dem Wortlaut »we are in Italy!«. Auch erklärte ich ihr, dass ich einer sprachlichen Minderheit angehöre. All dies ließ die Beamtin unbeeindruckt und sie verwies mich dann auf die einsprachigen Plaketten der Polizei:

    Auf ihren Plaketten würde »Polizia« stehen und nicht »Polizei«. Diese Aussage, das muss ich zugeben, hat mir dann wirklich noch den Rest gegeben. Die anderen Kolleg:innen, die mittlerweile auch in meiner Nähe standen, meinten gar nichts dazu.

    Als ich mich dann schlussendlich auswies, auch aus Angst vor Konsequenzen, meinte die Beamtin, dass ich »italiano« sei, wandte sich ab und ging.

    Die gewaltsame Negierung von Minderheitenrechten

    Diese persönliche Erfahrung mit der (Bahn-)Polizei war ganz klar Gewalt gegen mich als Angehöriger einer Minderheit. Mir wurden meine Minderheitenrechte negiert! Dies auf eine nationalistische und gewaltsame Art und Weise, wie ich sie selten erleben musste. Die Beamtin und ihre Kolleg:innen, das kommt erschwerend hinzu, traten hier als Vertreter:innen des Staates auf, nicht als Privatpersonen. Sie tragen Uniformen, Waffen. Zu dieser Machtasymmetrie kommt hinzu, dass ich mich ausweisen muss, auf der anderen Seite, dies betrifft jetzt vor allem die Polizeiarbeit im Allgemeinen, müssen keine Identifikationsbadges o. ä. auf der Uniform getragen werden, was vor allem auch bei Beschwerden jeglicher Art sehr nützlich sein könnte.

    Minderheitenfeindlichkeit, die Diskriminierung von Minderheiten und die Negierung ihrer Rechte ist und bleibt immer Gewalt!

    Beschwerdemöglichkeiten ohne Konsequenzen

    Beschwerde- und Sanktionsmöglichkeiten gegen Missachtung des Rechts auf Muttersprache, wie ich sie hier par excellence erleben musste, sieht das Autonomiestatut bzw. nachfolgende Durchführungsbestimmungen durchaus vor, wobei die effektive Sanktionsmacht beim Regierungskommissariat liegt, also beim Staat selbst. Das Regierungskommissariat hat, wie aus der Landtagsanfrage 105/24-XVII hervorgeht, in den letzten Jahren faktisch keine Sanktionen verhängt, auf der anderen Seite, das Landesamt für Landessprachen und Bürgerrechte, bei dem in den letzten Jahren über hundert Beschwerden bzgl. der Missachtung der (deutschen) Muttersprache bearbeitet wurden. Das passt nicht zusammen.

    Es ist zudem davon auszugehen, dass man als Beschwerdeführer:in aktiv beweisen muss, dass eine Missachtung der eigenen Minderheitenrechte erfolgt ist. Was in Fällen wie in meinem jedoch sehr schwierig ist. Wieso müssen aber nicht die Behörden beweisen, dass sie Minderheitenrechte nicht missachtet haben, im Sinne einer Beweislastumkehr?

    Die dysfunktionale Südtiroler Autonomie

    Die Negierung von Minderheitenrechten der ladinisch- und deutschsprachigen Menschen in Südtirol ist kein Einzelfall, sondern eher strukturell und Anzeichen für eine Autonomie, die in ihrer jetzigen Form nicht funktioniert. Verfassungsrechte, wie es Minderheitenrechte und auch die Südtiroler Autonomie in Italien sind, haben keinen Wert, wenn sie in der Praxis negiert werden und die Autonomie es nicht schafft, ihre zu schützenden Minderheiten davor zu bewahren. Eine Autonomie, die nicht in der Lage ist, Verstöße gegen Minderheitenrechte zu bestrafen bzw. für deren Einhaltung zu sorgen und Minderheiten vor dieser Art von Gewalt und Willkür zu schützen, verliert ihre Legitimation und verfehlt ihr Ziel!

    Was übrigbleibt

    Mein Erlebnis am Bahnhof Brenner ist ein persönliches, aber auch ein politisches. Es bleibt ein mulmiges Gefühl, die Frustration, schon wieder seine Rechte negiert zu bekommen und dabei (fast) hilflos zuschauen zu müssen. Ein guter Freund, der selbst nicht aus Südtirol kommt, meinte betroffen, als ich ihm von dem Erlebnis am Brenner erzählt hatte, ich solle mich unbedingt an eine NGO wenden, die sich für Minderheitenrechte einsetzt — nur dumm, dass es so etwas meines Wissens in Südtirol gar nicht gibt. Es gibt in Südtirol auch wirklich keine öffentlichen Foren (außer vielleicht), in denen man solche Erfahrungen, die wenigstens mir schon auch gefühlsmäßig zusetzen, verarbeiten und aufarbeiten könnte. Missachtungen der Minderheitenrechte in Südtirol finden zwar teilweise politisches Gehör, werden meiner Meinung nach aber vor allem von rechten Parteien aufgegriffen, obwohl es Minderheitenrechte per se gar nicht wären. Das alles gibt sehr zum Bedenken und lässt mich manchmal sprachlos.

    Die Südtiroler Autonomie braucht keine Reform – sie braucht eine Generalsanierung!


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  • Den Bock zum Gärtner machen.


    Es mag unfair sein, Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) allein für den desolaten Zustand der Südtirolautonomie verantwortlich zu machen. Gewiss liegt es nicht nur an ihm, dass Rom die Landeszuständigkeiten nach und nach gekürzt und gestrichen hat, bis nur noch eine magere Restautonomie übrig blieb.

    Ebenso mag es stimmen, dass die Ursache dafür, dass die Autonomie teils radikal beschnitten wurde, vor allem in der Verfassungsreform von 2001 liegt und somit lange vor seinem Amtsantritt zu suchen ist.

    Dennoch ist Kompatscher der einflussreichste Südtiroler Politiker der letzten Jahre. Er ist nicht nur Landeshauptmann, sondern auch die unbestrittene Führungspersönlichkeit der SVP und hat diese Rolle auch stets und hartnäckig für sich beansprucht. Als Landeshauptmann hat Kompatscher die Autonomiepolitik seit 2013 maßgeblich geprägt und zwar sowohl in der Landesregierung als auch in der SVP.

    Daher ist es ebenso folgerichtig wie unvermeidbar, dass er für den autonomiepolitischen Kahlschlag während seiner bisherigen Amtszeit Rede und Antwort stehen muss.

    Aber der Reihe nach: In den ersten beiden Landtagswahlkämpfen (2013 und 2018) verlor Kompatscher kein Wort über die Autonomiekürzungen und vermied jede Debatte darüber, obwohl schon damals ein autonomiepolitisches Loch klaffte. Er setze stattdessen auf Wohlfühlpolitik und bediente lieber modische Schlagwörter wie die damals allgegenwärtige Nachhaltigkeit.

    Für Kompatscher waren 2018 andere Themen wichtiger. Die ständigen Angriffe auf die Autonomie wurden nicht thematisiert, weder im Wahlkampf noch in der Regierungsarbeit. Man vermied es penibel, die Südtiroler:innen darüber aufzuklären, dass Rom die Autonomie in weiten Teilen wieder einkassiert hatte.

    Ob dies aus politischer Kurzsichtigkeit und falscher Schwerpunktsetzung geschah oder ob Kompatscher den Konflikt mit dem Zentralstaat scheute, um seine politischen Prioritäten medial besser verkaufen zu können, sei dahingestellt. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass das Bild des ruhig und souverän agierenden Politikers nicht getrübt werden sollte. Eine harte politische Auseinandersetzung mit Rom hätte die eine oder andere Schramme und Niederlage bedeutet. Das Image des lässigen Landesmanagers wäre schnell verblasst. 

    Wie dem auch sei: Die Autonomiepolitik wurde jahrelang vernachlässigt, obwohl es eine zentrale Aufgabe der Landespolitik gewesen wäre, gegen die zahlreichen Kürzungen aufzubegehren.

    Seit der Verfassungsreform von 2001 hat Italien nämlich grundlegende Zuständigkeiten fortlaufend beschnitten und gleichzeitig den Spielraum für deren Umsetzung so stark eingeschränkt, dass in den meisten Bereichen kein eigenständiges und vom Zentralstaat abweichendes Handeln mehr möglich ist. Im Wesentlichen hat Italien dadurch das Autonomiestatut einseitig aufgekündigt — und somit auch den politischen Kompromiss, den es darstellt.

    Statt in Rom und Wien Protest einzulegen, hat sich Kompatscher in seinen ersten beiden Amtszeiten über die Kürzung der Autonomie ausgeschwiegen und stattdessen bei jeder Gelegenheit sogar ihren angeblichen Vorbildcharakter gepriesen und ihr beste Gesundheit bescheinigt.

    Zudem inszenierte sich Kompatscher immer wieder als erfolgreicher Autonomieverhandler, der die Landeszuständigkeiten ausgebaut und erweitert habe, obwohl er als Landeshauptmann doch wissen musste, dass das genaue Gegenteil der Fall war.

    Während Kompatscher seine vermeintlichen Erfolge feiern ließ, wurde Südtirols Autonomie immer stärker eingeschränkt. Großteils besteht sie heute nur mehr darin, dass der Landtag die in Rom beschlossenen Bestimmungen nachspricht und sie der Südtiroler Bevölkerung als eigene Entscheidung verkauft. Es geht oft nur noch darum, die römischen Vorgaben formell zu übernehmen. Eine echte politische Autonomie, bei der sowohl Inhalte und Zielsetzungen als auch Detailregelungen frei bestimmt werden können, gibt es kaum mehr.

    Im Wahlkampf 2023 kam dann die große Wende: Kompatscher sprach plötzlich davon, dass man die Autonomie widerherstellen müsse. Die Autonomie sei in eine gehörige Schieflage geraten. Es war aber kein Eingeständnis des eigenen Versagens, obwohl allein das Wort wiederherstellen bereits besagt, dass etwas kaputtgegangen ist und repariert werden muss. Vielmehr schlüpfte Kompatscher von einem Tag auf den anderen in die Rolle des prinzipientreuen Autonomiepolitikers, der die verlorenen Zuständigkeiten zurückholen, ja sogar ausbauen und für die nächsten Jahrzehnte festigen würde. Vergessen waren die salbungsvollen Reden über die angebliche Vorzeigeautonomie, um die uns alle beneiden würden. Vergessen waren aber auch Kompatschers bisherige thematische Steckenpferde, die beinahe über Nacht allesamt ausgedient hatten. War Kompatscher im Herbst 2022 ein Symposium zur Nachhaltigkeit noch 2,3 Millionen Euro wert, wurde das Thema nun sang- und klanglos entsorgt. Jetzt war Autonomiepolitik angesagt. Der große Wurf sollte her. Kompatscher würde die Südtirolautonomie wiederherstellen und langfristig sichern, posaunte die Südtiroler Presse. 

    Es klang ganz so, als habe nicht Kompatscher selbst zehn Jahre lang die Geschicke des Landes geleitet und dabei als Landeshauptmann den Autonomieabbau beaufsichtigt und ihm tatenlos zugesehen.

    Um die verlorenen Zuständigkeiten zurückzugewinnen, wurde sogar eine Koalition mit der italienischen Rechten und Giorgia Melonis Postfaschisten (FdI) eingegangen, also mit denjenigen Kräften, denen die Autonomie stets ein Dorn im Auge war und die hinter vorgehaltener Hand weiterhin von der vollständigen Italienisierung Südtirols träumen.

    Wenn man Kompatschers bisherige politische Bilanz im Blick behält ist sein plötzlicher Wandel zum Autonomiepolitiker allerdings weder überzeugend noch glaubhaft. Nun soll aber gerade er Südtirols Autonomie nach jahrelangen Angriffen und der ständigen Demontage durch den Zentralstaat wieder auf die Beine stellen. Es ist mehr als Skepsis angebracht.

    Vor allem sollte hinterfragt werden, weshalb die Landesregierung und die SVP dieser Demontage bisher stillschweigend zugesehen haben. Es braucht eine ehrliche Antwort darauf, wie es soweit kommen konnte, ohne dass man in Südtirol auf die Barrikaden gestiegen ist und den Autonomienotstand ausgerufen hat.

    Die Sorge um Südtirols Autonomie ist nämlich berechtigt, denn auch das, was bisher von den Verhandlungen durchgesickert ist, verheißt nichts Gutes. Die angekündigte Wiederherstellung der Autonomie könnte in einem Fiasko enden, das die erfolgten Kürzungen nicht beseitigt, sondern sogar festschreibt, wobei Südtirol dann auch noch offiziell seinen Segen und seine Zustimmung dazu erteilt hätte.

    Wem die Autonomie am Herzen liegt, ist gut beraten, keine allzu großen Hoffnungen in die derzeitigen Verhandlungen zu stecken. Die Gefahr ist nämlich groß, dass es noch schlimmer wird, als es bereits ist.

    Cëla enghe: 01


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  • La minoranza sudtirolese dà fastidio, il razzismo no.

    Silvia M.C. Senette recentemente ha intervistato il conduttore radiofonico Giuseppe Cruciani per il Corriere della Sera e, tra le altre cose, gli ha chiesto che cosa pensa delle due autonomie speciali del Sudtirolo e del Trentino.

    Siamo in Italia

    La sua risposta è un perfetto esempio di razzismo nei confronti di una minoranza linguistica:

    Non me ne frega nulla, ma il tedesco parlato in Alto Adige mi dà fastidio. Quella è Italia e qualsiasi discriminazione nei confronti della lingua italiana mi fa inc…are. È un posto che gode di autonomia e agevolazioni, quindi tutto dovrebbe funzionare alla perfezione perché ci sono un sacco di soldi: è chiaro che è un posto che ha dei privilegi rispetto alle altre parti d’Italia, questo deriva dalla storia, da alcuni accordi che sono stati presi e nessuno ha il coraggio di modificarli. Intanto, però, le persone di lingua italiana sono considerate di rango inferiore rispetto a quelle di lingua tedesca.

    – Giuseppe Cruciani

    Lo stesso conduttore, nel 2016, aveva attaccato aspramente e pesantemente offeso il senatore Hans Berger (SVP), perché questi si era permesso di rivolgere qualche parola in tedesco ai media dopo le consultazioni con il presidente della repubblica. Cruciani, allora, aveva detto che il tedesco — anzi: «quella minchia di tedesco di merda» – Berger poteva parlarlo a Bolzano, ma non a Roma. Ora evidentemente ha cambiato idea e il tedesco gli dà fastidio anche in Sudtirolo. Intolleranza e odio si fanno strada.

    L’intervistatrice del Corriere, ritenuto un quotidiano serio, non si è fatta irritare dal razzismo di Cruciani ed è tranquillamente passata alla domanda successiva, come se nulla fosse. L’odio nei confronti del diverso in questo Stato ormai è perfettamente normalizzato e viene accettato come un’opinione qualsiasi. E chiaramente non ci sono da aspettarsi prese di distanza o critiche.

    Tra l’altro, pochi giorni dopo l’intervista, Cruciani è stato uno dei tanti ospiti — di ogni colore politico — che hanno partecipato ad Atreju.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 | 10 || 01 02 03



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