Der Abgeordnete Alessandro Urzì von den neofaschistischen Fratelli d’Italia organisiert morgen Vormittag in den Räumlichkeiten des italienischen Parlaments eine Tagung zu einem seiner Lieblingsthemen, der Staatsgrenze, die er schon mal tapfer vor Kaffee trinkenden österreichischen Exekutivbeamten verteidigt oder mit italienischen Symbolen markieren lässt. Im konkreten Fall geht es ihm aber außer um Südtirol auch um die italienische Ostgrenze und die von Italien nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Gebiete in Istrien und Dalmatien, die den Unverbesserlichen bis heute Phantomschmerzen bereiten.
Der in Vicenza gewählte Parlamentarier und Koalitionspartner der SVP, der sich in der Ankündigung ausdrücklich auch als Präsident der Sechserkommission vorstellt, konnte für seine Veranstaltung den Minister für die Beziehungen zum Parlament, Luca Ciriani, von seiner eigenen Partei gewinnen.
Ankündigung der von Alessandro Urzì organisierten Tagung (Querbalken von mir)
Zu den Vortragenden gehört unter anderem Federico Guiglia, der für die Athesia-Zeitung A. Adige regelmäßig ultranationalistische, autonomie- und minderheitenfeindliche Meinungsbeiträge (vgl. 01 02 03) verfasst.
Eine besonders interessante Personalie ist aber wohl Francesca Carpenetti, ihres Zeichens gesamtstaatliche Vizepräsidentin des Comitato 10 febbraio, die einen Teil der Einleitung übernommen hat. Das Komitee, an dessen martialischem Marsch in Bozen Landeshauptmannstellvertreter Marco Galateo (FdI) im Februar letzten Jahres teilgenommen hat, widmet sich dem geschichtsrevisionistischen, revanchistischen Gedenken an die sogenannten Foibe. Es zeichnet sich aber vor allem durch zahlreiche personelle Überschneidungen mit neofaschistischen Bewegungen — insbesondere CasaPound — aus und scheut sich auch nicht davor, gemeinsam mit ihnen öffentlich in Erscheinung zu treten.
Auch die Professoren Giuseppe de Vergottini, Andrea Ungari und Davide Rossi dürften ideologisch eingeordnet sein. Ersterer ist Ehrenpräsident des Verbands der aus Istrien, Rijeka/Fiume und Dalmatien Vertriebenen, letzterer der Vizepräsident des Vertriebenenverbands FederEsuli. Ungari sitzt einer Stiftung vor, die nach Ugo Spirito, einem Unterzeichner des Manifests der faschistischen Intellektuellen und wichtigstem Befürworter des faschistischen Korporatismus, benannt ist. Der zweite Namensgeber, Renzo De Felice, war als Nachkriegshistoriker für eine verharmlosende Darstellung des Faschismus verantwortlich.
Als einziger tanzt (möglicherweise) Prof. Andrea Di Michele von der Freien Universität Bozen aus der Reihe. Ihm könnte man am ehesten vorwerfen, sich für eine parteiische — und parteipolitische — Veranstaltung der weit Rechten herzugeben und sie so, wenigstens teilweise, zu legitimieren.


