→→ Archif di cuntribuć esterns →→

  • Wenn Alessandro Urzì zur Tagung lädt.

    Der Abgeordnete Alessandro Urzì von den neofaschistischen Fratelli d’Italia organisiert morgen Vormittag in den Räumlichkeiten des italienischen Parlaments eine Tagung zu einem seiner Lieblingsthemen, der Staatsgrenze, die er schon mal tapfer vor Kaffee trinkenden österreichischen Exekutivbeamten verteidigt oder mit italienischen Symbolen markieren lässt. Im konkreten Fall geht es ihm aber außer um Südtirol auch um die italienische Ostgrenze und die von Italien nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Gebiete in Istrien und Dalmatien, die den Unverbesserlichen bis heute Phantomschmerzen bereiten.

    Der in Vicenza gewählte Parlamentarier und Koalitionspartner der SVP, der sich in der Ankündigung ausdrücklich auch als Präsident der Sechserkommission vorstellt, konnte für seine Veranstaltung den Minister für die Beziehungen zum Parlament, Luca Ciriani, von seiner eigenen Partei gewinnen.

    Ankündigung der von Alessandro Urzì organisierten Tagung (Querbalken von mir)

    Zu den Vortragenden gehört unter anderem Federico Guiglia, der für die Athesia-Zeitung A. Adige regelmäßig ultranationalistische, autonomie- und minderheitenfeindliche Meinungsbeiträge (vgl. 01 02 03) verfasst.

    Eine besonders interessante Personalie ist aber wohl Francesca Carpenetti, ihres Zeichens gesamtstaatliche Vizepräsidentin des Comitato 10 febbraio, die einen Teil der Einleitung übernommen hat. Das Komitee, an dessen martialischem Marsch in Bozen Landeshauptmannstellvertreter Marco Galateo (FdI) im Februar letzten Jahres teilgenommen hat, widmet sich dem geschichtsrevisionistischen, revanchistischen Gedenken an die sogenannten Foibe. Es zeichnet sich aber vor allem durch zahlreiche personelle Überschneidungen mit neofaschistischen Bewegungen — insbesondere CasaPound — aus und scheut sich auch nicht davor, gemeinsam mit ihnen öffentlich in Erscheinung zu treten.

    Auch die Professoren Giuseppe de Vergottini, Andrea Ungari und Davide Rossi dürften ideologisch eingeordnet sein. Ersterer ist Ehrenpräsident des Verbands der aus Istrien, Rijeka/Fiume und Dalmatien Vertriebenen, letzterer der Vizepräsident des Vertriebenenverbands FederEsuli. Ungari sitzt einer Stiftung vor, die nach Ugo Spirito, einem Unterzeichner des Manifests der faschistischen Intellektuellen und wichtigstem Befürworter des faschistischen Korporatismus, benannt ist. Der zweite Namensgeber, Renzo De Felice, war als Nachkriegshistoriker für eine verharmlosende Darstellung des Faschismus verantwortlich.

    Als einziger tanzt (möglicherweise) Prof. Andrea Di Michele von der Freien Universität Bozen aus der Reihe. Ihm könnte man am ehesten vorwerfen, sich für eine parteiische — und parteipolitische — Veranstaltung der weit Rechten herzugeben und sie so, wenigstens teilweise, zu legitimieren.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Das Land verhandelt mit Onlinekartendiensten.
    Ortsnamen

    Auf eine der vielen Anfragen der STF zu Ortsnamen und Onlinekartendiensten1Anfrage zur aktuellen Fragestunde Nr. 16/10/26 antwortete Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) am 13. Oktober im Plenum, man stehe mit Google Maps und Apple Maps im Dialog.

    Wir haben diese inzwischen kontaktiert und ihnen vorgeschlagen, für die Geo-Daten Südtirols den Abschluss einer sogenannten Authoritative geospatial data partnership zu prüfen. Was würde bedeuten (sic), dass wir einen Vertrag abschließen, bei dem wir es sind, die ihnen permanent Daten liefern. Unsere Daten erscheinen dann bei allen Anbietern. Sie prüfen das jetzt. Für uns wäre das natürlich ideal, da es die beiden Datenbanken sind, die mehr oder weniger alle großen Anbieter nutzen.

    – Auszug aus der Antwort von LH Arno Kompatscher (SVP)

    Diese Unternehmen schließen solche Verträge ab. Das gibt es schon, das ist also keine neue Erfindung. Wir hoffen, dass es uns gelingt, so einen Vertrag abzuschließen. Selbstverständlich gelten dann die derzeit geltenden Regeln aufgrund des Autonomiestatutes usw. Wir haben dann die Reihenfolge, wie sie in der Straßenbeschilderung ist, weil das zurzeit Stand der Dinge ist. Wir wissen, dass es in Bezug auf die Toponomastik noch offene Fragen gibt. Dann würde in den allermeisten Fällen der deutsche Name zuerst genannt werden.

    – Auszug aus der Antwort von LH Arno Kompatscher (SVP)

    Auf diese Antwort hat mich ein Leser aufmerksam gemacht.

    Der Ansatz ist begrüßenswert. Er ändert zwar nichts an der ungelösten Ortsnamenfrage, die der ganzen Misere ebenfalls zugrundeliegt, könnte aber zumindest dafür sorgen, dass die deutschen und ladinischen Toponyme auf digitalen Karten endlich angemessener berücksichtigt werden.

    Bis vor Kurzem war die Haltung der Landesregierung noch ganz anders: Es handle sich um private Kartendienste, deren Darstellung man weder kontrollieren noch rechtlich vorgeben könne. Das Land stelle die vorhandenen Geodaten in zwei- beziehungsweise dreisprachiger Form zur Verfügung, doch darüber hinaus seien die Einflussmöglichkeiten begrenzt.

    Nachzulesen ist das etwa in der erst kürzlich veröffentlichten Antwort — vom 15. September — auf eine weitere Anfrage der STF (Nr. 1892/26) zu diesem Thema. Darin erklärte Kompatscher, die Darstellungsregeln von Google seien der Landesregierung nicht bekannt. Eine systematische Überprüfung der verschiedenen Kartendienste liege ebenfalls nicht vor. Zwar könne das Land festgestellte Unstimmigkeiten melden, eine rechtliche Verpflichtung privater Anbieter zur entsprechenden Darstellung gebe es aber nicht.

    Das ist zwar vermutlich richtig, zeugt aber auch von einer außerordentlich resignierten Haltung. Während Regierungen anderer Minderheitengebiete in Europa schon seit langem offensiv vorgehen, entsprechende Vorschriften erlassen und auch über die rechtlichen Möglichkeiten hinaus starken Druck auf Onlinedienste ausüben, indem sie zum Beispiel ihre Vertreter immer wieder zu Gesprächen vorladen, war es hierzulande bisher das Höchste der Gefühle, passiv Daten bereitzustellen und ansonsten alles den Privatunternehmen zu überlassen. Damit wurde die Kulturpolitik in einem hochsensiblen Feld gewissermaßen Google anvertraut.

    Ortsnamen sind aber nicht ausschließlich Orientierungshilfen. Sie verweisen auf die sprachliche und historische Wirklichkeit, machen sie im öffentlichen Raum sichtbar und gehören somit auch zu den wichtigsten Identitätsmerkmalen sprachlicher Minderheiten. Ihre diskriminierungsfreie Berücksichtigung zählt zu den wesentlichen Grundsätzen des Minderheitenschutzes.

    Daher ist es natürlich von außerordentlicher Bedeutung, dass die deutschen und ladinischen Ortsnamen online nicht lediglich in irgendwelchen Datenbanken existieren, sondern auch in sämtlichen digitalen Diensten präsent sind, über die sich Einheimische und Gäste orientieren. Was auf den Bildschirmen fehlt, wird schnell unsichtbar, und was digitale Karten in den Hintergrund rücken, verliert auch in der Wahrnehmung der Nutzerinnen an Bedeutung.

    Dass die Landesregierung nun versucht, mit Google und Apple eine Zusammenarbeit zu erreichen, ist ein überfälliger Schritt weg von der unhaltbaren Vorstellung, man könne den Minderheitenschutz an die Sensibilität privater Unternehmen delegieren. Es wäre allerdings verfrüht, bereits von einem Erfolg zu sprechen: Noch ist kein Vertrag abgeschlossen und auch die konkreten Auswirkungen einer solchen Datenpartnerschaft sind noch nicht genau absehbar.

    Eine technische Vereinbarung kann die ungelöste Toponomastikfrage nicht aus der Welt schaffen.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 05

    • 1
      Anfrage zur aktuellen Fragestunde Nr. 16/10/26 ↩︎


    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Riggertalschleife, ein Gesamtkunstwerk der Marginalisierung.
    Baustelle

    Kürzlich hat mich ein Leser auf diese Schilder an der Baustelle zur Riggertalschleife in Schabs hingewiesen:

    • Da wird erstens und hauptsächlich das Riggertal konsequent als »Rigatal« bezeichnet. Man hat also noch nicht einmal die Sensibilität, die korrekte deutsche Ortsbezeichnung zu recherchieren und zu benutzen, die dem gesamten Projekt den Namen gibt. Stattdessen wird mit gewohnter Oberflächlich- und Schlampigkeit (um nicht Schlimmeres zu unterstellen) einfach die — wohl von Tolomei erfundene — Bezeichnung »Riga« mit dem deutschen Zusatz »Tal« versehen und »rückübersetzt«. Die lettische Hauptstadt ist hier eher nicht gemeint.
    • Auf dem Hinweisschild wird zwar »Ufficio« mit »Buro« (ohne Umlaut) übersetzt, gleich darunter bleibt »Uffici« jedoch schon wieder einsprachig italienisch.
    • Im linken, grün hinterlegten Streifen des Baustellenschildes ist nicht nur von der »Eisenbahnvariante Rigatal« die Rede, sondern auch von der »Linie: Verona – Brenner [und] Franzensfeste [-] San Candido«. Innichen wird hier also ebenfalls ausschließlich mit dem im Faschismus oktroyierten Ortsnamen angegeben.
    • Als »Genehmigung« wird wiederum einsprachig eine »Ordinanza n.5 della Commissaria del 01/12/2022 (G.U.R.I. del/von 17/01/23)« angeführt.
    • Darüber hinaus erfährt man, dass ein »Projectleiter«, ein »Capogruppo Mandataria« und die »Mandanti« beteiligt sind.
    • Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass das Projekt »Finanziato dall’Unione europea« ist, denn auch die EU wird in Südtirol grundsätzlich »nationalstaatlich« dekliniert (vgl. 01 02).

    Grünweißrot — also banaler Nationalismus — darf auf mehreren der weiteren, allesamt ausschließlich italienisch beschrifteten Logos natürlich ebenfalls nicht fehlen.

    Das ergibt geradezu ein Gesamtkunstwerk: Die deutsche Sprache und die historisch gewachsenen Ortsbezeichnungen sind — obwohl erstgereiht — eindeutig als lästiges Beiwerk erkennbar, dem man keinerlei Sorgfalt zu widmen braucht. Hauptsache, man arbeitet die Zweisprachigkeitsvorschriften mehr schlecht als recht ab. Dann wird schon niemand meckern.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Das koloniale Urlaubsdomizil.
    Villa Ausserer

    Schon zum zweiten Mal hat der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella heuer seinen Sommerurlaub in der Seiser Villa Ausserer verbracht, so wie es auch sein Vorgänger Carlo Azeglio Ciampi regelmäßig tat. Ministerpräsidenten wie Paolo Gentiloni waren ebenfalls schon zu Gast. Das Gebäude gehört dem italienischen Staat und dient dem Militär als Erholungs- und Logistikbasis. Seine Geschichte reicht jedoch weit über die gegenwärtige Nutzung zurück, unter anderem bis zur Option, zum Umgang mit dem zurückgelassenen Vermögen der Optantinnen und zur Aneignung ihrer Immobilien durch den faschistischen Staat.

    Vor rund zehn Jahren hatte die Gemeinde Kastelruth versucht, das Feriendomizil für Militärangehörige wenigstens zur Entrichtung der Ortstaxe zu bewegen. Der italienische Staat weigert sich jedoch beharrlich, der örtlichen Gemeinschaft in dieser Form einen kleinen Beitrag zu entrichten. Auch Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo Dello Sbarba (Grüne) hakten in der Sache damals mit einer Landtagsanfrage (Nr. 2189/16) nach.

    Mich hat immer schon wunder genommen, wie die Villa in den Besitz der italienischen Streitkräfte gelangt ist, doch Informationen dazu sind ausgesprochen spärlich. Nun aber hat Lisa Maria Gasser die Geschichte für die SWZ vom 28. August nachgezeichnet — und die ist, wie man vermuten konnte, alles andere als unproblematisch.

    Demnach wurde das Anwesen Ende des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz von Karl Ausserer errichtet. Der in Bozen geborene Historiker stammte aus einer ursprünglich vom Nonsberg kommenden Familie. Nachdem er ab 1889 in Wien gelebt hatte, ließ er sich 1919 endgültig in Seis nieder, wo er wenig später starb. Das Haus erbte sein gleichnamiger Neffe, der es 1927 an den Ingenieur Leo Perwanger verkaufte, einen Großonkel des früheren Rai-Koordinators Markus Perwanger.

    Dann kam die Option. Als Leo Perwanger 1942 nach Wien zog, fiel die Villa dem berüchtigten Ente nazionale per le Tre Venezie (ENTV) zu. Die 1939 geschaffene Einrichtung sollte die Immobilien jener Südtirolerinnen »übernehmen«, die sich für die Auswanderung ins Deutsche Reich entschieden hatten. Das ENTV hatte die Aufgabe, die teilweise enteigneten oder weit unter Wert erworbenen Güter zu verwalten und in vielen Fällen auch wieder zu veräußern. Im Rahmen der Option gerieten so unzählige Liegenschaften von Menschen, die ihre Heimat unter dem massiven Druck der damaligen Verhältnisse verließen, unter staatliche Kontrolle.

    Erst 1972 ging das Vermögen des ENTV an das Land Südtirol über. Die Villa Ausserer gehörte allerdings nicht mehr dazu: Der italienische Staat hatte sie schon 1963 dem Militär zur Verfügung gestellt.

    Eine angemessene Entschädigung für Leo Perwanger beziehungsweise für seine rechtmäßigen Erben ist mir nicht bekannt und wird auch von Lisa Maria Gasser nicht erwähnt.

    Doch selbst wenn es — was mir unwahrscheinlich erscheint — zu einem finanziellen Ausgleich gekommen sein sollte, wäre damit nicht automatisch auch die historische und politische Problematik erledigt. Wie ich finde, sollte sich eine Immobilie, die im Zusammenhang mit der Option in die Hände des Besatzers gefallen ist, gerade in einem Land wie Südtirol grundsätzlich als Residenz des italienischen Staatspräsidenten verbieten. Eine offensive, öffentlich nachvollziehbare Aufarbeitung der Eigentumsgeschichte und der genauen Umstände der Aneignung wäre jedoch das Allermindeste.

    Nichts in diese Richtung ist aber auch nur ansatzweise geschehen. Im Gegenteil: Die Villa scheint von einer ausgesprochenen Geheimniskrämerei umgeben zu sein. So wirft ihre Geschichte nach wie vor zahlreiche Fragen auf, offizielle Informationen sind kaum zu finden.

    Wer das koloniale Erbe verwaltet, muss es aber offenbar nicht unbedingt hinterfragen. Manchmal genügt es, stillschweigend die Schlüssel zu behalten und sich von Zeit zu Zeit selbst einzuladen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Schlechte Post immer schlechter.

    Einer von vielen Vorteilen, eine Autonomie in einem dysfunktionalen Staat zu sein, besteht darin, für schlechte Dienste, auf die man so gut wie keinen Einfluss hat, doppelt und dreifach zahlen zu dürfen. Im Gegenzug missachten sie auch noch systematisch die Minderheitenschutzgesetze.

    Jetzt hat die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) einmal mehr die Zustellzeiten der italienischen Post untersucht.

    JahrZustelldauer (Ø)QualitätszielerreichtPorto
    20266,57 TageEinwurf + 5 Tage49,5%1,30€
    20196,1 TageEinwurf + 4 Tage54%1,10€
    20142,7 TageEinwurf + 3 Tage91%0,70€

    Das Ergebnis ist ernüchternd: Seit 2014 hat sich die Zustelldauer drastisch erhöht. Trotz ständig abnehmender Qualitätsziele (damals drei, heute sogar fünf Tage nach dem Einwurf) hat sich deren Einhaltung nahezu halbiert, während das Porto fast verdoppelt wurde. Selbst im Vergleich zum bislang schlechtesten Testergebnis der VZS von 2019 hat sich die Zustellzeit noch einmal — auf durchschnittlich über sechsandhalb Tage — verlängert.

    Es handelt sich um den schlechtesten Wert der gesamten zwölfjährigen Erhebungsreihe.

    Solche Laufzeiten und diese Unzuverlässigkeit wirken sich negativ auf öffentliche und private Dienstleistungen aus, auf die die Bürgerinnen angewiesen sind. Und sie sind im Vergleich mit dem Ausland auch ein klarer Wettbewerbsnachteil.

    Dank der vielen Millionen Euro, die das Land der italienischen Post unter LH Arno Kompatscher (SVP) in den Allerwertesten steckt, ist sie hierzulande unter anderem zur täglichen Zustellung verpflichtet. Ein Brief, der schon vorgestern hätte beim Empfänger sein sollen, könnte also schon morgen statt erst übermorgen ankommen.

    Ein handfester Vorteil. Und eine wahre Freude.

    Cëla enghe: 01 02 | 03 04 05



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Sprachpolitik in Katalonien mit 160 Neueinstellungen.

    Die katalanische Regierung von Salvador Illa (PSC) stattet die Sprachpolitik mit zusätzlichen personellen Ressourcen aus: Insgesamt 160 neue Stellen sollen demnach beim Departement für Sprachpolitik und beim Consorci per a la Normalització Lingüística (CPNL) entstehen. Damit reagiert die Generalitat auf die zusätzlichen Aufgaben, die sich insbesondere aus dem ehrgeizigen Pacte Nacional per la Llengua und auch aus verstärkten Integrationsanstrengungen im Rahmen der Regularisierung von Sans Papiers ergeben.

    Sechzig zusätzliche Stellen sind für das Departement für Sprachpolitik vorgesehen. Sie sollen dessen Planungs-, Verwaltungs-, Koordinierungs- und Evaluierungskapazitäten stärken. Dies soll hauptsächlich dem Schutz der Sprachrechte, dem Ausbau des Systems zur Sprachzertifizierung, sprachlichen Integrationsmaßnahmen sowie der Förderung des informellen Lernens und des Gebrauchs von Katalanisch in der Arbeitswelt zugute kommen. Auch die Präsenz der katalansichen Sprache in der digitalen und audiovisuellen Wirtschaft soll gestärkt werden.

    Weitere hundert Stellen sind für das CPNL vorgesehen, das in ganz Katalonien Katalanischkurse für Erwachsene organisiert und hält. Mit dem zusätzlichen Personal sollen sowohl die Lehrkapazitäten als auch die organisatorischen Fähigkeiten ausgebaut werden. Damit will die Regierung dem wachsenden Bedarf an Sprachunterricht und Sprachzertifizierung besser entsprechen. Berücksichtigt wird dabei auch ein möglicher zusätzlicher Bedarf infolge der außerordentlichen Regularisierung von Menschen, die bisher keinen regulären Aufenthaltsstatus hatten.

    Der Ausbau ist Teil einer längerfristigen Entwicklung. Im Februar 2025 hatte die katalanische Regierung im Rahmen einer Vereinbarung mit ERC bereits zusätzliche Mittel für den Katalanischunterricht für Erwachsene angekündigt. Ziel war es, die jährliche Kapazität des CPNL bis 2026 auf bis zu 140.000 Plätze auszubauen.

    Ebenfalls aufgrund einer Vereinbarung mit ERC hatte die Regierung Illa bereits zuvor erstmals ein Ministerium für (katalanische) Sprachpolitik geschaffen.

    Die nun angekündigte Personalaufstockung zeigt, dass die Umsetzung der anspruchsvollen Ziele nicht auf symbolische Maßnahmen beschränkt bleibt. Eine seriöse Sprachpolitik lebt nicht ausschließlich von Bekenntnissen, sondern erfodert zusätzliche Kapazitäten für Sprachunterricht, Verwaltung, Koordination und die konkrete Durchsetzung von Sprachrechten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Auch bei Gericht gelten Sprachrechte nicht.
    Koloniale Justizbehörde

    Letzte Woche ist an meiner alten Wohnadresse ein Brief der Einnahmenagentur eingetroffen, mit dem ich — immerhin zweisprachig — aufgefordert wurde, eine angeblich seit 2018 offene Schuld von 60 Euro gegenüber dem Landesgericht Bozen zu begleichen.

    Da ich mir auf diese Forderung keinen Reim machen konnte, der Brief weder an meine aktuelle Anschrift noch als Einschreiben verschickt worden war und darin zudem auch noch meine Steuernummer falsch angegeben war, wurde ich stutzig. Mein Steuerberater, bei dem ich nachgefragt hatte, wie ich mich verhalten sollte, erkundigte sich bei der Agentur. Dort bestätigte man ihm, dass das Schreiben echt sei. Wegen der falschen Angaben müsse ich mich allerdings direkt an die zuständige Stelle des Gerichts wenden.

    Also schrieb ich heute Morgen eine zertifizierte E-Mail (ZEP) an das sogenannte »Amt für Forderungseintreibungen« des Landesgerichts, in der ich den Sachverhalt schilderte und um Auskunft bat. Auf Deutsch.

    Wortlaut anzeigen

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    letzte Woche habe ich von der Agentur der Einnahmen per Post eine Zahlungsaufforderung erhalten, die sich auf eine Forderung des Landesgerichts Bozen bezieht. Im Anhang schicke ich einen Scan davon mit.

    Die Mitteilung wurde mir als gewöhnlicher Brief (und nicht als Einschreiben) zugestellt und mir ist unklar, worauf genau sich die Forderung bezieht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor eine Rechnung des Gerichts in der Höhe des genannten Betrags (EUR 60,–) erhalten zu haben.

    Insbesondere aber wurde der Brief an meinen alten Wohnsitz adressiert und auch meine darin angegebene Steuernummer stimmt nicht.

    Mein Steuerberater hat bereits mit der Agentur der Einnahmen Rücksprache gehalten. Demnach handelt es sich offenbar um einen »echten« Brief und nicht um eine Betrugsmasche.

    Für weitere Informationen wurde ich jedoch an Ihr Büro verwiesen.

    Wichtig wäre mir natürlich vor allem, dass eine etwaige Begleichung der Schuld korrekt anerkannt und verbucht wird, auch wenn die angegebene Steuernummer falsch ist. Andernfalls besteht womöglich die Gefahr, dass ich die Rechnung zweimal bezahlen muss bzw. dass ich trotz Begleichung weiterhin als säumig gelte.

    Für Ihre Auskunft danke ich im Voraus!

    Mit freundlichen Grüßen

    …

    Immerhin erreichte mich noch am selben Tag, also ebenfalls heute, eine Antwort:

    Buongiorno,

    in risposta alla sua cortese richiesta le confermo che il sollecito di pagamento a lei pervenuto dall’agenzia entrate – riscossione risulta collegato alla partita di credito numero xxxxxxxxx del Tribunale di Bolzano, aperta per il recupero di spese processuali poste a suo carico dal Giudice.

    Con riferimento all’attribuzione del codice fiscale non corretto da parte dell’agenzia, non posso fornire informazioni utili in quanto l’identificazione del debitore viene effettuata dalla stessa agenzia sulla base degli atti trasmessi dagli uffici giudiziari quali enti creditori.

    Distinti saluti.
    […]

    Schwärzung von mir

    Ich war und bin perplex. Nicht so sehr wegen der unbefriedigende Antwort und der Tatsache, dass sich staatliche Behörden hinsichtlich der Angaben im Brief gegenseitig den Ball zuspielen.

    Pro italico imperio

    Obwohl ich einiges gewohnt bin, stellt diese Missachtung meines verbrieften Rechts auf Gebrauch der deutschen Sprache — mit Vor- und Nachnamen des Verantwortlichen, in einer zertifizierten E-Mail und auch noch im Verkehr mit einem Gerichtsamt — für mich persönlich sowas wie einen neuen Höhepunkt der Entrechtung dar.

    Mit welcher kolonialen Überheblichkeit man als Mitglied der Sprachminderheit konfrontiert wird, als wäre man ein minderwertiger Bürger mit nicht ernstzunehmenden Rechten, erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Beamte fühlen sich offenbar sehr, sehr sicher, dass sie in einem solchen Fall nichts zu befürchten haben. Sonst würden sie wohl kaum so agieren.

    Noch nicht einmal eine entschuldigende Floskel oder eine auch nur fadenscheinige Ausrede hielt der Gerichtsmitarbeiter hier für angebracht. Nix. Auf ein Schreiben in deutscher Sprache wird völlig selbstverständlich auf Italienisch geantwortet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09 10 11 | 12



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Schottisches Entscheidungsrecht bekräftigt.

    Auf Vorschlag von Regierungschef John Swinney (SNP) hat das schottische Parlament am 22. September mit 84 Ja- gegen nur 18 Neinstimmen eine Resolution verabschiedet, in der unterstrichen wird, dass Schottland das Recht hat, über seine eigene Zukunft zu entscheiden.

    Erst rund eine Woche zuvor hatten sich die Regierungschefs von Cymru, Nordirland und Schottland — in ihrer Eigenschaft als Parteivorsitzende — in Caerdydd getroffen (vgl.), wo sie ein gemeinsames Memorandum unterzeichneten, in dem sie das Selbstbestimmungsrecht ihrer Länder bekräftigten.

    Swinneys Vorlage wurde auch von Abgeordneten unterstützt, die sich nicht für die Unabhängigkeit Schottlands aussprechen. So stimmte auch Scottish Labour geschlossen für den Antrag, obwohl die Partei offiziell den Verbleib im Vereinigten Königreich befürwortet. Die Zustimmung zum Recht, über die eigene politische Zukunft und somit auch über die staatliche Zugehörigkeit zu entscheiden, ist nicht deckungsgleich mit der Zustimmung zur Eigenstaatlichkeit. Erwartungsgemäß unterstützten auch die an der Abstimmung teilnehmenden Abgeordneten von SNP und Grünen den Vorstoß.

    Dabei handelt es sich in erster Linie um eine politische Willensbekundung und um eine Positionierung gegenüber London. Im November 2022 hatte der Supreme Court entschieden, dass das schottische Parlament der Zustimmung der britischen Regierung benötigt, um ein Unabhängigkeitsreferendum anzusetzen. Dafür müsste Westminster — wie im Vorfeld des Referendums von 2014 — Edinburgh die entsprechende Zuständigkeit übertragen.

    Die politische Bedeutung der Abstimmung ist jedoch klar: Das Parlament von Schottland ist großmehrheitlich der Auffassung, dass der künftige politische Status von Schottland von den Bürgerinnen des Landes selbst entschieden werden soll.

    Cëla enghe: 01



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL