→→ Archif di cuntribuć esterns →→

  • Fazzi gegen Schützen und Vernunft.

    Der Soziologe Luca Fazzi (Uni Trient, FU Bozen), Kandidat des Team K bei der letzten Gemeinderatswahl in Bozen, Theoretiker des italienischen Unbehagens in Südtirol, hat auf Salto einen Beitrag veröffentlicht, mit dem er die Schützen für ihren Aufmarsch gegen Faschismus kritisiert, den Neofaschismus von FdI verharmlost und der Ukraine die Kapitulation empfiehlt.

    Auch ich sehe den Schützenaufmarsch zum Hundertjährigen des Marschs auf Bozen kritisch, auch bei mir löst er wegen seiner völlig unpassenden Bildsprache Unbehagen aus. Doch ich sehe es wie Ehrengast und Menschenrechtsanwalt Nicola Canestrini: Die Schützen haben es immerhin geschafft, uns alle (einschließlich Fazzi) dazu zu zwingen, uns mit dem Thema zu befassen. Niemand hätte die organisierte Linke (Gewerkschaften, Parteien, Vereine…) daran gehindert, mit den Schützen, gegen sie oder parallel zu ihnen auf die Straße zu gehen, um an den Marsch zu erinnern, doch das ist leider nicht geschehen.

    In seinem Beitrag spielt Fazzi den Wahlsieg von Giorgia Meloni (FdI) und ihrer neofaschistischen Partei herunter, indem er darauf hinweist, dass die Italienerinnen sie eben gewählt hätten, weil sie ihnen — wie Berlusconi, Renzi und 5SB zuvor — eine Systemänderung versprochen hat. Sie war sozusagen an der Reihe. Genau die unkritische und relativierende Haltung, wie sie auch Fazzi hier wieder an den Tag legt, hat aber schon die Wahlsiege von Berlusconi ermöglicht, der letztendlich politisch und gesellschaftlich den Faschistinnen den Weg geebnet hat. Die Systemänderung, die uns mit den Erben Mussolinis schlimmstenfalls droht, kann nicht in einer Reihe mit den Veränderungen genannt werden, die demokratische Parteien in Aussicht stellen. Dass auf diesen Umstand viel zu wenig hingewiesen wurde, dass es keine Ausgrenzung von FdI gab und gibt, ist wohl wesentlich mitverantwortlich dafür, dass Meloni demnächst die italienische Regierung anführen wird.

    Dass Fazzi auf die angeblich vorbildlich historisierten faschistischen Relikte in Südtirol verweist, ist seltsam. Wenn dies bei zweien, dem Mussolinirelief am Gerichtsplatz und teilweise beim Siegesdenkmal geschehen ist, ist das nämlich auch auf die Schützen und ihre unaufhörlichen Forderungen nach einer Schleifung dieser Denkmäler zurückzuführen — leider oder zum Glück. Das wird niemand ernsthaft leugnen können.

    Ebenso sonderbar ist, dass Fazzi das Autonomiestatut als fortschrittlichstes Mittel zur Bekämpfung ethnischer Konflikte nennt. Denn vor nicht allzu langer Zeit wollte er es nicht einmal mehr reformieren, sondern nur noch überwinden.

    Endgültig absurd wird Fazzis Beitrag aber dort, wo er zwischen Gegner- und Befürworterinnen des Schützenmarsches kokettierend einen an den Haaren herbeigezogenen dritten Argumentationsweg einschlagen will: Statt an den Faschismus vor hundert Jahren zu erinnern, hätte der Traditionsverein lieber gegen den Krieg in der Ukraine und den drohenden Einsatz von Atomwaffen auf die Straße gehen sollen — davon hänge nämlich ab, ob es die Tiroler in einem Monat noch gibt. Ein schlechter Friede sei besser, so der Soziologe, als ein gerechter Krieg. Eine gar nicht so verklausulierte Forderung an die Ukraine, Gebiete dem Aggressor zu überlassen und zu kapitulieren.

    Nicht nur lässt sich mit solchen Totschlagargumenten alles, aber wirklich alles relativieren. Fazzi hat aber wohl auch nicht bedacht, dass — wenn sich seine Forderung allgemein durchsetzt — morgen sogar Österreich Italien den Krieg erklären könnte, um Südtirol zurückzubekommen. Und Italien uns abtreten müsste. Doch dagegen würde dem Soziologen sicher wieder ein kreativ-»schlüssiges« Argument einfallen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Sabes: Zweisprachigkeit Thema im Landtag.

    Die STF hat heute bei der aktuellen Fragestunge einen -Beitrag thematisiert, mit dem ich auf Zweisprachigkeitsmängel beim Gesundheitsbetrieb aufmerksam gemacht hatte. Aus der entsprechenden Pressemitteilung des Landtags:

    Die Zweisprachigkeit lässt im Sanitätsbetrieb immer wieder zu wünschen übrig, urteilte Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) mit Verweis auf einen Internet-Artikel. Konkret geht es in diesem um Ausdrucke, mit denen man zu einem Schalter geschickt wird, um die Ticketgebühr zu begleichen. Die Landesbezeichnung „Provincia autonoma di Bolzano“ ist nur einsprachig italienisch angeführt. Auch, dass es sich um eine bereits erbrachte Leistung handelt, wird nur einsprachig aufgedruckt („EROGATA“). Ebenfalls nicht zweisprachig ist die Monatsbezeichnung auf dem Datumsstempel. Und auch sonst nimmt man es mit der Zweisprachigkeit nicht genau. Dazu stellte [Knoll] folgende Fragen: Wer überprüft die Formulare hinsichtlich ihrer sprachlichen Korrektheit, und weshalb wurde in diesem konkreten Fall die Zweisprachigkeit vernachlässigt? Warum bekommt es der Sanitätsbetrieb mit der Zweisprachigkeit grundsätzlich nicht auf die Reihe? Wie gedenkt die Landesregierung das Problem ein für alle Mal zu lösen?
    Der Bericht stamme vom August [2020], präzisierte LR Waltraud Deeg, inzwischen seien Korrekturen vorgenommen worden. Der Sanitätsbetrieb achte darauf, dass auf den Formularen die korrekten Bezeichnungen verwendet werden. Er müsse aber auch darauf achten, dass die Dienste aufrecht erhalten blieben. Sie verwahrte sich gegen den Vorwurf, der Sanitätsbetrieb würde es “grundsätzlich nicht auf die Reihe bringen”, man sei nicht perfekt, arbeite aber ständig an Verbesserungen.

    Ergänzungen in eckigen Klammern von mir. Verlinkung aus dem Original.

    Mich würde brennend interessieren, inwiefern die Berücksichtigung der Zweisprachigkeit (bzw. der »korrekten Bezeichnungen«) eine Gefahr für die Aufrechterhaltung der Dienste darstellt, wie Frau Deeg (SVP) suggeriert. Aber um seltsame Ausflüchte (01 02) ist man beim Land bezüglich Sabes ja offenbar selten verlegen.

    Hinsichtlich des Vorwurfs, gegen den sich die Landesrätin verwahrt, darf daran erinnert werden, dass der Gesundheitsbetrieb laut Astat-Sprachbarometer der Landesdienst mit der schlechtesten Zweisprachigkeitsperformance ist. Trotzdem sagte Generaldirektor Florian Zerzer 2019 zur TAZ, dies sei »absolut nicht« ein vordringliches Problem.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Der Antifaschismus der Jungen Generation.

    Es gelten also noch Prinzipien in der Südtiroler Volkspartei (SVP), zumindest scheint sie die Junge Generation (JG) wiedergefunden zu haben.

    Nach der Landtagswahl 2018 war ja unter dem Vorsitz des heutigen Parteisekretärs Stefan Premstaller noch für eine Zusammenarbeit mit der Lega plädiert worden. Zum Jahrestag der am 10. Oktober 1920 vollzogenenen Annexion rief der stellvertretende Vorsitzende der SVP-Jugendorganisation, Fabian Gufler, gestern hingegen »zum Widerstand der gesamten Gesellschaft gegen faschistische Tendenzen« auf. Die SVP sei im Widerstand geboren worden und stehe in einer antifaschistischen Tradition. Das müsse auch 77 Jahre nach Gründung gelten, weshalb die JG von der Mutterpartei ein klares Nein zu Giorgia Meloni (FdI) fordert.

    Derzeit ist noch völlig unklar, wie sich die Abgeordneten der Volkspartei im italienischen Parlament gegenüber einer wahrscheinlichen Regierung unter Führung der postfaschistischen FdI verhalten werden. Die Parteigremien müssen darüber noch befinden.

    Cëla enghe: 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Scharfe Kritik an ›Ladins Dolomites‹.

    Auf Seite eins ihrer neuen Ausgabe befasst sich die Usc di Ladins damit, dass Alessandro Urzì (FdI) angeblich von den Ladins Dolomites zum Ansprechpartner im italienischen Parlament erkoren worden sein soll. Das findet das ladinische Wochenblatt alles andere als lustig. Die Bewegung, die diese Anerkennung ausgesprochen haben will, existiere faktisch nicht mehr, so wie es auch ganz allgemein keine unabhängige politische Vertretung der Ladinerinnen mehr gebe. In dem Leitartikel wird denen, die mit dem in Venetien gewählten italienischen Rechtsradikalen kuscheln, folgerichtig die Legitimität abgesprochen, dies im Namen der Ladinis Dolomites zu tun, einer historischen Bewegung, die — so die Redaktion — vielleicht eines Tages wieder auferstehen könnte.

    Nicht nur weist die Usc in diesem Zusammenhang auf die »faschistische Flamme« im Parteisymbol von FdI hin; sie stellt auch klar, dass der Vorfall keineswegs nur als Provokation verstanden werden könne. Vielmehr handle es sich bei der Stellungnahme der angeblichen Ladins Dolomites um eine handfeste Beleidigung für alle Aktivistinnen, die sich in der seit dem Faschismus zerrissenen Ladinia leise engagieren.

    Cëla enghe: 01 02 03



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Tanken in der Landessprache.
    Katalonien

    Letzte Woche hatte ich thematisiert, wie der italienische Energiekonzern Eni mit einem (Marketing-)Gag Minderheitensprachen und Dialekte in einen Topf wirft und folklorisiert. Das mag lustig sein, einen Beitrag zur sprachlichen Gleichberechtigung leistet es aber nicht.

    Da ich unlängst nach mehreren Jahren wieder ein paar Tage in Katalonien verbracht habe, möchte ich an dieser Stelle — am Beispiel einiger Aufnahmen, die ich dort gemacht habe — auch zeigen, wie sich eine seriöse Sprach- und Minderheitenpolitik in diesem Bereich auswirkt.

    An dieser BP-Tankstelle in der Ortschaft Begur etwa ist alles auf Katalanisch.

    Von der Werbung über die gesamte Beschriftung der Zapfsäulen bis hin zu Sicherheitshinweisen und Kleingedrucktem (technische Angaben zur Treibstoffabgabe, zu den Kraftstoffen selbst, zur Eichung der Anlage): Alles in der Minderheitensprache.

    In Katalonien ist die Berücksichtigung der Landessprache bei der Beschriftung von Handels- und Dienstleistungsbetrieben gesetzlich vorgeschrieben. Das schließt auch Tankstellen ein.

    Das Gegenteil ist im Vorzeigeland Südtirol der Fall: Hier eine Tankstelle nur auf Deutsch oder Ladinisch zu beschriften wäre gar nicht zulässig. Einer klaren, minderheitenfeindlichen Sprachhierachie folgend ist das Privileg der Einsprachigkeit ausschließlich der lingua franca nazionale vorbehalten.

    Und so ist denn bei uns auch bei den meisten Tankstellen kaum ein deutsches Wort zu lesen. Von Ladinisch ganz zu schweigen.

    In Katalonien gibt es Unternehmen wie BP, die (im Sinne der affirmative action) ausschließlich auf Katalanisch beschriften und andere, wie Repsol, die (in dieser Reihung:) Katalanisch und Kastilisch berücksichtigen.

    Dass ich zur Veranschaulichung der sprachlichen Situation die Tankstelle eines internationalen Großkonzerns herangezogen habe, ist übrigens kein Zufall: Erfahrungsgemäß sind es wennschon eher sie (und nicht etwa ein freier lokaler Tankstellenbetreiber), die versuchen, sich örtlichen Regeln zu entziehen. In Katalonien ist es aber wie in anderen Minderheitengebieten (Québec, Tessin, Finnland aber nicht in Südtirol) gelungen, die Landessprache entsprechend gesetzlich zu verankern.

    So wird die Minderheitensprache wie eine vollwertige und vollwürdige Sprache behandelt, während wir uns in Südtirol über Blödelaktionen wie jene von Eni freuen dürfen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01 02 03 04 05 06 07



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Nächstes Alpinitreffen in Vorbereitung.

    In Italien kommt die radikale, gegen Minderheiten hetzende Rechte um Giorgia Meloni (FdI) an die Macht — und was fällt dem angeblich progressiven Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi dazu ein? Er verkündet wenige Tage später, zufällig genau am 100. Jahrestag des faschistischen Marschs auf Bozen, dass er eine nationalistisch-militaristische Veranstaltung wie das jährliche Treffen der italienischen Gebirgsjäger (Alpini) in die Südtiroler Landeshauptstadt holen will. Medienberichten zufolge soll er sogar schon die Kandidatur vorbereitet haben.

    Dass das im selben Jahr passiert, da die Alpini bei ihrem Jahrestreffen in Rimini wegen schwer sexistischen Verhaltens — es war sogar von Vergewaltigungsversuchen die Rede — massiv in die Kritik geraten waren, macht das Ansinnen noch absurder.

    Es darf ferner daran erinnert werden, dass die Gebirgsjägervereinigung ANA ausdrücklich ihre Freude über die Einrichtung eines einschlägigen Gedenktags zum Ausdruck gebracht hat, weil der gewählte Tag der Schlacht von Nikolajewka entspricht. Damals waren die Alpini des faschistischen Italien Seite an Seite mit der Wehrmacht an einem Eroberungskrieg beteiligt.

    Als Motto für ihr Jahrestreffen 2018 in Trient hatte die ANA zudem einen Leitspruch von Benito Mussolini gewählt.

    Mir stellt sich hier auch die Frage, ob die Koalitionspartnerinnen von Caramaschi (Grüne, SVP etc.) seinen Vorstoß mittragen.

    Cëla enghe: 01 02



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.
  • Gefeierter Faschismus.

    Unter dem vielsagenden Titel Der Faschismus wird noch immer gefeiert thematisierte Andres Wysling in der gestrigen NZZ den sorglosen Umgang Italiens mit seiner totalitären Vergangenheit. Neben der aufrecht gebliebenen Ehrenbürgerschaft des Diktators in Salò und dem Denkmal für den Kriegsverbrecher Rodolfo Graziani in Affile bei Rom wird in dem Beitrag auch auf weniger Bekanntes eingegangen.

    So soll die Regierung von Mario Draghi heuer 80 Millionen Euro für eine unkritische Sanierung des faschistischen Foro Italico in Rom bewilligt haben, wo nach wie vor zahlreiche Inschriften dem Duce huldigen.

    Zum hundertsten Jahrestag des berühmten Wienflugs von Gabriele D’Annunzio, dessen Vittoriale am Gardasee Besuchende in Scharen anzieht, sollen italienische Hobbypiloten den Flug wiederholt haben. Allerdings sei ihnen der Überflug der Wiener Innenstadt untersagt worden, weshalb die vorbereiteten Flugblätter nicht abgeworfen werden konnten.

    Und in Sredipolje/Redipuglia steht nach wie vor unkommentiert der monumentale Kriegerfriedhof, an dem 100.000 tote Soldaten zum faschistischen Presente! antreten. Benito Mussolini hatte ihn 1938 persönlich eingeweiht — am selben Tag, an dem er im nahen Triest seine Rassendoktrin gegen die Juden verkündet habe.

    Italien, wo Giorgia Meloni (FdI) bald Ministerpräsidentin werden soll, sei mit seiner faschistischen Vergangenheit nicht im Reinen, so Wysling.

    Cëla enghe: 01 || 01 02 03 04 05



    Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL