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  • Barcelona hat eine Sprachbeauftragte.

    Das Amt ist direkt dem Bürgermeister unterstellt und wird Maßnahmen ergreifen, die den Niedergang der katalanischen Sprache in der Hauptstadt von Katalonien stoppen und umkehren sollen. Angekündigt hatte Jaume Collboni (PSC), der sozialistische Bürgermeister von Barcelona, die Einrichtung eines Sprachbüros im Dezember 2024. Rund ein halbes Jahr später ist es so weit.

    Zuvor war in der Metropole ein Rückgang derer, die als ihre Hauptsprache Katalanisch angaben, von 37 auf 36 Prozent bekannt geworden. Politischen Druck, daraufhin ein Büro zur gezielten Förderung der Landessprache einzurichten, kam vor allem von ERC.

    Zur ersten Comissionada del català, also Katalanisch-Beauftragten der Stadtregierung wurde die Kulturjournalistin und -aktivistin Marta Salicrù ernannt. Ihre größte Aufgabe wird es nun sein, das Katalanischbüro aufzubauen und ein bereits zwischen PSC und ERC ausverhandeltes erstes Maßnahmenpaket zugunsten der katalanischen Sprache umzusetzen.

    In einer ersten Stellungnahme sprach Salicrù davon, dass Katalanisch die Identität von Barcelona präge. Es sei für sie nun prioritär, die Rolle der Sprache auf den Straßen und im Alltag der Stadt zu stärken. Hierzu werde sie auch darauf achten, dass die Rechte der Katalanischsprachigen — zum Beispiel Handel und Gastgewerbe — vollumfänglich respektiert werden.

    Zusätzlich zu »traditionellen« sprachpolitischen Maßnahmen soll aber ein besonderes Augenmerk auch auf digitale Inhalte und »innovative« Maßnahmen gelegt werden, um insbesondere die jüngeren Zielgruppen zu erreichen. Trotz des konstatierten Rückgangs der Landessprache als Erstsprache sei jedoch ein positiver Befund, dass schon jetzt immer mehr Jugendliche auf die katalanische Sprache für kreative Zwecke im Digitalbereich oder in der Musik setzten — ein Trend den es zu unterstützen gelte.

    Wie schon im Dezember angekündigt, wird der Sprachbeauftragten in dieser Amtsperiode ein Budget von vier Millionen Euro zur Verfügung stehen, um das Band zwischen Landeshauptstadt und Landessprache zu festigen. Defätismus sei jedenfalls keine Option, so Salicrù.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • JWA-Berater: Für die ›weiße Rasse‹, gegen Juden.


    Er ist »stolz auf die Blutlinie«: Jürgen Wirth-Anderlans enger politischer Mitarbeiter verbreitet online Antisemitismus und Rassenideologie

    von Antifa Meran

    Quelle: Social Media – Grafik: Antifa Meran

    Raphael Mayrhofer aus Brixen ist seit 2024 politischer Berater und Mitarbeiter der Liste JWA von Jürgen Wirth-Anderlan. Er ist vermutlich auch bei der »Jungen Aktion« im Hintergrund aktiv.

    Zeitlebens hatte sich Alexander Langer († 1995) kritisch mit Identität und Heimat beschäftigt. So wie andere Linke auch. Nach Raphael Mayrhofer hat jedoch Langers angebliche »Vaterlandslosigkeit« mit seinen »jüdischen Wurzeln« zu tun.

    Im Antisemitismus hat die Vorstellung der Juden als »vaterlandslosen Gesellen« eine lange Tradition. Der antisemitische Vorwurf: Juden »fühlten sich den Ländern, in denen sie lebten, nicht patriotisch verbunden und seien deshalb jederzeit zum Verrat bereit.« (Ossietzky, 02.06.2007)

    Quelle: Social Media- Grafik: Antifa Meran

    Die Behauptung, es gäbe eine »Diktatur der Hochfinanz«, ist antisemitisch und unter Rechtsextremen verbreitet. In der NS-Propaganda war die »internationale Hochfinanz« ein häufiges Schlagwort.

    Quelle: Social Media- Grafik: Antifa Meran

    Mayrhofer spricht offen von der »weißen Rasse«. Jede Partei – und damit auch die Liste JWA – brauche ein »Bekenntnis zu Volkserhalt, Rasse und biologischer Weltanschauung«.

    Das Judentum gehört für Mayrhofer nicht zu Deutschland. Die AfD solle laut Mayrhofer nicht »Juden umgarnen«, denn »Deutschland ist das Land der Deutschen«.

    Wir sagen: Gegen staatlich finanzierten Rassismus und Antisemitismus braucht es entschlossenen Widerstand! Kein Steuergeld für rechtsextreme Hetze!

    Cëla enghe: 01


    Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Brandgefährlicher FdI-Nationalismus.
    Quotation

    Zur derzeitigen Krise in der Koalition zwischen SVP und FdI aufgrund der zahlreichen Entgleisungen von Vize-LH Marco Galateo (FdI) war heute der Politikwissenschafter Günther Pallaver beim Rai-Morgengespräch zu Gast.

    Auf die Aussage des SVP-Generalsekretärs Harald Stauder angesprochen, der beschwichtigend mitgeteilt hatte, die Hauptsache in einer Koalition sei doch, dass man in Sachfragen miteinander arbeiten kann, reagierte Pallaver wenig amused:

    Wenn ich schon diesen Begriff der »Sachfragen« hier höre, dann werde ich nervös. Nämlich hinter jeder Sache, die beurteilt werden muss, ist eine Weltanschauung. Ob ich eine Straße baue, hängt davon ab, ob ich mehr vielleicht eine ökonomische oder eine ökologische Sichtweise habe. Also Sachfragen sind nicht wertneutral. Und insofern ist natürlich diese Politik der Koalition immer auch eine Frage von Werten und Weltanschauungen.

    – Günther Pallaver

    Und weiter:

    Im Koalitionsabkommen steht »gegen den übersteigerten Nationalismus«. Also Fratelli d’Italia ist eine Partei, wo wir vor allem Nationalisten vorfinden, wir finden auch eine neofaschistische Strömung drinnen, wir finden auch antieuropäische Strömungen drinnen — es ist eine hybride Partei, aber vor allem der Nationalismus ist sehr präsent. Die Ministerpräsidentin [Giorgia] Meloni spricht immer nur von »Nation«, nie von »Republik« oder »Staat«. Und Nation bedeutet eben Einheitlichkeit von Kultur und Sprache, und alles was nicht in die italienische Kultur und Sprache hineinfällt, ist draußen. Insofern ist all dieser Nationalismus für uns in Südtirol besonders gefährlich, weil eben hier der Nationalismus schon in der Vergangenheit uns eben in zwei Weltkriege gebracht hat — und wir haben also den Nationalismus über Jahrzehnte nach 1945 auch gehabt, mit all den Folgen, die wir nicht mehr herbeiwünschen. Und das beginnt wieder: Wir hören ständig diese Betonung der Italianità und alles was damit zusammenhängt — und das ist natürlich eine Entwicklung, die sehr negativ ist.

    – Günther Pallaver

    Die SVP finde die rote Linie nicht mehr, von der sie ständig spreche, so Pallaver. FdI werde sich auch trotz klärender Gespräche wohl nicht verändern, prognostiziert er, sondern immer wieder zwei Schritte nach vorn und einen zurück machen, um die Grenzen des Sagbaren immer weiter zu verschieben.

    Das ist also ein großes Problem insofern, als wir sehen, dass der Nationalismus auf der italienischen Seite zunimmt und wenn man diesem Nationalismus nicht Einhalt gebietet, dann wird es möglicherweise wieder zu — eben — nationalen Auseinandersetzungen kommen, zu unguten Auseinandersetzungen zwischen den Sprachgruppen, und das ist für das Land absolut negativ.

    – Günther Pallaver

    Transkription (Auszüge) von mir

    Wie hilflos sich die SVP von einer Partei vor sich hertreiben lässt, die bei der letzten Landtagswahl — wie ich mir erst kürzlich vergegenwärtigen musste — gerade einmal 6 Prozent der Stimmen erhalten hat, ist geradezu bestürzend.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 | 09 || 01 02



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  • Koloniales Kulturverständnis in Bozen.

    Vor wenigen Tagen hat Valentino Liberto auf Salto das angebliche Mitspracherecht von Johanna Ramoser bezüglich deutscher Kultur in der Landeshauptstadt thematisiert. Die SVP-Stadträtin hatte in einer an mehrere Bozner Vereine gerichteten Mitteilung angegeben, ihr sei »auch in dieser Amtsperiode« die entsprechende Kompetenz zugewiesen worden. Dabei hat sie entweder zu dick aufgetragen oder — wie ihr in dem Beitrag vorgeworfen wird — sogar die Unwahrheit gesagt: Die einschlägige Zuständigkeit ist nämlich in Bozen nicht nach Sprachen aufgeteilt, sondern nach Bereichen, und zwar zwischen Bürgermeister Claudio Corrarati, seinem Vize Stephan Konder (SVP) und Stadtrat Claudio Della Ratta.

    In dem Salto-Beitrag wird ausgiebig die bisherige Bozner Kulturstadträtin Chiara Rabini (Grüne) zitiert, die noch die ungeteilte Zuständigkeit für alle Kulturbereiche innehatte und die sich geradezu herablassend über Ramoser und deren damals tatsächlich existierendes Mitspracherecht äußert. Sie, Rabini, habe Ramoser lediglich über bereits gefällte Entscheidungen informiert, das wars.

    Gerade von einer Grünen finde ich nicht nur diesen Ton, sondern auch das zur Schau gestellte Amtsverständnis höchst fragwürdig. Die »interethnische« Partei macht sich seit Jahren für eine landesweite Zusammenlegung von Schulen, Ressorts und Kulturetats aller Sprachgruppen stark und exerziert dann — medienwirksam — vor, was das für die Sprachminderheiten bedeuten würde, nämlich nichts Gutes. Von Teilhabe, Partizipation und Mitbestimmung ist ihren Worten nichts zu entnehmen, und das obwohl sich die deutsche Sprachgruppe in Bozen sogar in einer doppelten Minderheitenrolle befindet, da hier auch auf kommunaler Ebene die italienische Sprachgruppe klar überwiegt.

    Zudem hinterlassen Rabini und Mittelinks (samt SVP) eine Landeshauptstadt mit einer konstant schrumpfenden deutschen Sprachgruppe und ohne eine wie auch immer geartete Sprachpolitik, um diesem Niedergang entgegenzuwirken. Im Gegenteil.

    Rabini selbst identifiziert sich nicht als Mitglied der deutschen Sprachgemeinschaft. Dass aber ausgerechnet in einer prekären Umgebung wie der der Landeshauptstadt keine Deutschsprachige für die Kultur — und sei es zumindest nur die »deutsche« — zuständig ist, halte ich für eine absolute Anomalie und für ein Armutszeugnis. Wenn aber diejenige, die diese Kompetenz innehat, die Minderheitensprache noch nicht einmal gut beherrscht und dann zu allem Überfluss mit Selbstgefälligkeit und Arroganz glänzt, ist das ein regelrechter Skandal.

    Dass das die SVP über Jahre hingenommen haben soll, spricht natürlich auch gegen sie. Was macht die Vertretung der deutschen Minderheit in einer Stadtregierung, wenn sie die Kulturpolitik der deutschen Minderheit weder leitet noch maßgeblich beeinflussen kann?

    Doch leider würde mich das auch nicht wundern, nachdem zum Beispiel Vizebürgermeister Luis Walcher (SVP) bei Pressekonferenzen nur Italienisch gesprochen hat, obwohl er das Amt ausdrücklich als Vertreter der deutschen Sprachgruppe innehatte.

    Dass eine Vertreterin der nationalen Mehrheit die Kultur-, Schul- oder Sprachpolitik in einem Minderheitengebiet leitet, und das sogar noch ohne die jeweilige Sprache hervorragend zu beherrschen, ist mir aus keiner vergleichbaren Region geläufig: Weder in Katalonien, Euskadi/Baskenland, Galicien, Cymru/Wales oder Québec wäre das vermutlich vorstellbar, schon gar nicht in einer angeblich »progessiven« Koalition.

    Jetzt wurde dieses zweifelhafte Modell erstmals auch in Sterzing eingeführt, wobei es auch in diesem Fall eine Vertreterin der nationalen Mehrheit ist, die ein ungeteiltes Schulressort übernommen hat. Aber vielleicht kann sie ja, im Unterschied zu Rabini, wenigstens gescheit Deutsch?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 | 07 || 01 02



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  • Antisimmatismus.
    Krasse antisemitische Bildsprache auf Salto

    Kürzlich ist in der Reihe “Simmantics” des Salto-Zeichners Benno Simma folgende “Karikatur” erschienen, die US-Präsident Donald Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als blutsaugende Vampire zeigt. Der Text ist eine Anspielung darauf, dass Netanjahu ausgerechnet Trump für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat.

    Benno Simma auf Salto – Querbalken von mir

    Im Zuge der mehr als berechtigten Kritik an Israels Vorgehen gegen die Palästinenser und an der israelischen Regierung brechen offenbar nun alle Dämme und Menschen, die Humanität für Gaza fordern, strapazieren gleichzeitig die abscheulichsten antisemitischen Stereotype: Juden als blutsaugende, entmenschlichte Parasiten gepaart mit der Ritualmordlegende.

    Der Vorwurf, wonach Juden (christliche) Kinder ermorden würden, um deren Blut für rituelle Zwecke zu gebrauchen, wurzelt im christlichen Antijudaismus der Spätantike und des frühen Mittelalters. Mit der Legende um den Ritualmord am 12-jährigen William von Norwich verbreitete sich die so genannte Blutlüge über ganz Europa. Über die Jahrhunderte entstanden durch antijüdische Propaganda die absurdesten Geschichten, die bis in die heutige Zeit wirken und die Grundlage für Verschwörungstheorien wie jene vom Weltjudentum bilden. Mit dem Kult um das Anderle von Rinn (welcher erst 1994 endgültig durch Bischof Reinhold Stecher abgedreht wurde) und der ehemaligen Märtyrerverehrung des Simon von Trient – einer der langlebigsten Ritualmordlegenden überhaupt – gibt es auch im historischen Tirol prominente Beispiele für diesen tief in der Bevölkerung verwurzelten Judenhass, der unter den Nationalsozialisten im Holocaust gipfelte. 

    Antisemitische NS-Propaganda – Der Jude als Vampir: Obige Zeichnung stammt laut Signatur im Bild rechts oben (Fips) von Philipp Rupprecht und ist höchstwahrscheinlich im NS-Hetzblatt “Der Stürmer” erschienen, dessen Hauptzeichner Rupprecht war. – Querbalken von mir

    Auch heute noch bedienen sich extremistische Gruppen wie Neonazis und Islamisten obiger antisemitischer Symbolik. Verschwörungstheorien wie QAnon und Pizza Gate, die an die Existenz unterirdischer Kinderfarmen glauben, in denen im Geheimen agierende Eliten den Kindern Blut für die Gewinnung von Adrenochrom zum Zwecke der Verjüngung abzapfen, sind die moderne antisemitische Fortsetzung der mittelalterlichen Ritualmordlegende.

    Und natürlich greifen auch palästinensische Extremisten wie die Hamas das Motiv des diabolischen, blutsaugenden, kindermordenden jüdischen Vampirs auf.

    Propaganda-Show der Hamas bei der Übergabe getöteter israelischer Geiseln – Querbalken von mir

    Dass derlei antisemitischer Schund auch bei vermeintlich progressiven Medien wie Salto verfängt, ist erstaunlich bis erschreckend. Dass es gar zu einem Verfahren vor der Journalistenkammer kommt, wage ich angesichts des laxen Umgangs mit rassistischer Hetze hierzulande zu bezweifeln. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Hymnen: ›Kuriose‹ Mehrsprachigkeit.
    Fußball-Europameisterschaft

    Vor wenigen Tagen berichteten mehrere deutsche Medien — etwa die Frankfurter Rundschau — über eine angebliche »Überraschung« bei der laufenden Fußball-EM: Eine Spielerin der finnischen Mannschaft habe die Hymne ihres Landes in einer »anderen« Sprache gesungen.

    Auf die Berichterstattung hat mich ein Leser hingewiesen.

    Demnach habe die finnische Kapitänin Linda Sällström, die aus dem zweisprachigen Vanda stammt, vor dem Spiel gegen Island »plötzlich« auf Schwedisch gesungen — dabei handle es sich um eine »ungewöhnliche Kuriosität«.

    Doch das sei »kein peinlicher Fehler« gewesen, sondern »standardmäßige Praxis«.

    Nun, eine Kuriosität ist die Mehrsprachigkeit einer Hymne hauptsächlich für Bewohnerinnen und Medien einsprachiger Nationalstaaten. Auch in anderen Ländern, die bei der EM vertreten sind, sind mehrere Textversionen in unterschiedlichen Sprachen etabliert. Die belgische Hymne hat nicht nur offizielle einsprachige Texte auf Niederländisch, Französisch und Deutsch, sondern zusätzlich auch einen dreisprachigen. Die Landeshymne des Gastgeberlandes Schweiz gibt es natürlich auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

    Klassische Nationalstaaten wie Deutschland, Frankreich oder Italien, die noch immer die Fiktion ihrer Einsprachigkeit aufrecht erhalten wollen, obwohl sie ebenfalls multilingual wären, haben in der Regel nur einsprachige Hymnen. Wobei zu sagen ist, dass die Südtirol betreffende, blutrünstige italienische Hymne auch dann nicht wirklich besser wäre, wenn man sie etwa auf Deutsch und Ladinisch singen könnte.

    Die Hymnen des Kaisertums Österreich (bis 1918), deren Melodie auf Joseph Haydn zurückgeht, gab es in sämtlichen Amtssprachen des Vielvölkerstaats: insgesamt mindestens elf.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Deutschland-Bosnien: Srebrenica war kein Genozid.


    Die AfD zweifelt den Völkermord an und kritisiert die Erinnerungskultur an die serbischen Kriegsverbrechen

    Die AfD bleibt sich treu. Es war nichts anderes zu erwarten. Bei der parlamentarischen Gedenkfeier an das serbische Massaker in Srebrenica vor 30 Jahren stellte die »Alternative für Deutschland« der serbischen Soldateska gute Noten aus. 

    Es wurden ja nur Männer erschossen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Muslime. Ein Krieg gegen Multikulti, freute sich nachträglich Martin Sichert, Mandatar des deutschen Volkes. 

    Sein Kamerad Alexander Wolf kritisierte die Einstufung des Massakers von Srebrenica als Genozid als »unklug«. Abenteuerlich, wie Wolf versucht, die serbischen Kriegsverbrechen kleinzureden. Fazit seiner Rede im Bundestag: Die Bosniaken sind selber schuld.

    Die Opfer sind schuld

    Eine unerträgliche Darstellung der Fakten. Geradezu obszön wird Wolf, wenn er über das Massaker von Srebrenica spricht. Immerhin hätten die serbischen Soldaten nur Männer ermordet, Mädchen und Frauen davongejagt. Diese wurden anderswo vergewaltigt, auch wieder von serbischen Soldaten.

    All das ist belegt, die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dokumentierte ausführlich die serbischen Kriegsverbrechen in Bosnien. Massenvergewaltigungen, Massentötungen, »ethnische Säuberungen«, gezielte Zerstörung von Dörfern, Städten, Moscheen, Schulen und Bibliotheken. 

    Wolf und seine Kameradschaft führen den Krieg in Bosnien auf die bosniakische Politik zurück. Sie hätten letztendlich den Krieg begonnen. Wie ähneln sich doch die AfD-Argumente. Die »Alternative für Deutschland« verteidigt — wie im Fall Bosnien die serbische Aggression — auch den russischen Krieg gegen die Ukraine. Die prorussische Propaganda der AfD ist sattsam bekannt.

    NS-besoffen

    Bekannt ist auch, was für Zeit-»Genossen« die AfD-Kamerad:innen sind. Beispiel: Der aus Leipzig stammende Wolf war einer der Gründer des Republikanischen Hochschulbundes, gehört der völkischen Burschenschaft Danubia an und war Gastautor der rechtsextremen Jungen Freiheit.

    1994, nachzulesen auf Wikipedia, veröffentlichte Wolf eine Liedersammlung mit dem Titel Der Schlachtruf. Eine Sammlung von Wanderliedern, aber nicht nur: Zu finden war in diesem Buch auch das Lied der Hitlerjugend, Unsere Fahne flattert voran, Autor »Reichsjugendführer« Baldur von Schirach. Ein Wanderlied? »Wir marschieren für Hitler durch Nacht und durch Not mit der Fahne der Jugend für Freiheit und Brot.« Sie haben Osteuropa in Schutt und Asche gelegt.

    Wolf und sein Gerede, in Srebrenica seien die Frauen ja verschickt worden, hat auch eine Vorgeschichte. Viele Deutsche verteidigten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weiterhin ihre Wehrmacht, die Wehrmacht des Dritten Reiches. Denn: die Wehrmachts-Soldaten waren keine Kriegsverbrecher. Die Wehrmacht führte aber einen radikalen Vernichtungskrieg in Polen, in der Ukraine, in Belarus und in Russland. Das Hamburger Institut für Sozialforschung dokumentierte diesen entgrenzten Vernichtungskrieg mit zwei Wanderausstellungen.

    Konservative und Rechtsradikale liefen gegen die Wehrmachtsausstellung Sturm. Damals schon mit dabei Götz Kubitschek, der rechtsradikale Verleger. Ihr Gegenargument war, es habe zweifelsohne »Übergriffe« der Wehrmacht wegen Stalins brutaler Kriegsführung gegeben, die Ausstellung verallgemeinere tatsächliche Verbrechen der Wehrmacht zum Pauschalvorwurf gegen alle ehemaligen Soldaten. Die Ausstellungsmacher wollten Millionen von Deutschen die Ehre absprechen, tönte es aus dem konservativen und rechten Lager. Die Ausstellung machte auf brutale Weise deutlich, dass die angeblichen »Übergriffe« an der Tagesordnung waren. 

    Von Wolf zu Vučić

    In diesem Sinne agierte Wolf im Bundestag, »unterstellte« der damaligen serbischen Führung — in Banja Luka wie auch in Belgrad — eine »saubere Kriegsführung«.

    Und wie agierte die EU in den vergangenen 30 Jahren? Sie umschmeichelte Serbien, letzthin den Putin-Vertrauten Präsidenten Vučić, gegen den seit Monaten die »Zivilgesellschaft« protestiert. Die EU zeigte sich bis jetzt mit den Demonstranten nicht solidarisch. 

    Vučić, so einer der Vorwürfe aus Bosnien, soll als Scharfschütze von den Bergen aus Menschen in Sarajewo beschossen haben. Das war dann wohl saubere Kriegsführung, ganz im Sinne des deutschen Volksvertreters Alexander Wolf.

    Cëla enghe: Die AfD und ihre Netzwerke; GfbV und Bosnien; Die serbische Welt Srpski Svet; Serbien, EU-Kandidat oder Putins Vorposten?; Maximilian Krah, der hässliche Deutsche; Tibet adé; Die Linke und der serbische Krieg in Bosnien

     


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