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  • Galateo gegen Inklusion und Autonomie.
    Genderverbot

    Von wegen Landesautonomie — und von wegen Schulautonomie: Der »demütigende« Unterrichtsminister der rechtsrechten italienischen Regierung, Giuseppe Valditara (vgl. 01 02), verbietet den Schulen die Verwendung von Gendersternen (*) und e-Schwa (ə). Diese Gelegenheit ließ sich Marco Galateo von den neofaschistischen FdI, seines Zeichens Landesrat für italienische Schule und Kultur in Südtirol, natürlich nicht entgehen. Unmittelbar äffte er Rom nach und wies die Schulen in seinem Zuständigkeitsbereich darauf hin, dass Sterne und e-Schwa »ideologisch aufgezwungen« und ein Versuch seien, die angebliche Woke- oder Genderkultur durchzusetzen. Sie seien zu unterlassen.

    Das ist mehrfach interessant.

    Erstens fällt wieder einmal auf, dass es fast ausschließlich die Rechten sind, die Sprachdiktate erlassen. Sie tun dies angeblich, um sich Sprachdiktaten der Linken zu widersetzen, die es allerdings nicht gibt.

    Zweitens sch*** der Landesrat mit seinem Vorstoß dem Landtag und der Südtirolautonomie regelrecht auf den Kopf. Denn das Landesparlament hatte am 1. Juli 2021 folgende Punkte eines Beschlussantrags der Freiheitlichen (Nr. 457/21) klar niedergestimmt:

    2. [D]er Südtiroler Landtag [fordert] die Landesregierung auf, zum Schutz der deutschen Sprache in Südtirol und den damit verbundenen Minderheitenrechten – sowie gleichermaßen auch zum Schutz der italienischen und der ladinischen Sprache – den anderen öffentlichen Körperschaften und Gesellschaften die Verwendung des generischen Maskulinums nahezulegen und auf Genderzeichen zu verzichten;

    – mit 22 zu 5 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt

    5. [D]er Südtiroler Landtag [fordert] die Landesregierung auf, den in den Rahmenrichtlinien des Landes für Kindergärten und Schulen vorgegebenen Bildungs- und Kompetenzrahmen frei von mit der Gender-Ideologie in Verbindung stehenden Inhalten zu gestalten und die Verwendung von mit Genderzeichen (Genderstern, Binnen-I, Gender-Unterstrich, Gender-Schrägstrich, Gender-Doppelpunkt usw.) verfassten Schulbüchern sowie Lernmaterialien zu untersagen.

    – mit 21 zu 7 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt

    Es ist sogar so, dass der Verweis auf die italienische Sprache ursprünglich nicht im Antrag enthalten war und auf Wunsch von FdI eingefügt wurde. Ein klassisches Eigentor also, um das sich der rechte Recke jedoch keinen Deut schert. Damit degradiert er den Landtag aber zum reinen Debattierclub und verachtet einen demokratischen Entscheid.

    Nicht zuletzt und drittens sch*** der Landesrat auch der SVP als großem Koalitionspartner — und ihrer Wählerschaft — (einmal mehr 01 02) auf den Kopf. Die Volkspartei hatte damals klar gegen den freiheitlichen Antrag gestimmt und wird nun einfach übergangen. Indem sie das zulässt, macht sie sich aber mitschuldig: an der Aushebelung der inklusiven Sprache, aber auch an der Missachtung von Autonomie und Demokratie.

    Übrigens wurde am 6. März 2024 auch ein weiterer gegen die geschlechtergerechte Sprache gerichteter Beschlussantrag (Nr. 24/24), der von Jürgen Wirth Anderlan und Andreas Colli eingebracht worden war, mit 21 zu 6 Stimmen abgelehnt.

    So zeigt sich erneut, dass es nicht folgenlos bleibt, wenn man sich Rechtsextreme in die Landesregierung holt. Vorworte, Verträge und Präambeln zum Koalitionsabkommen, ja sogar Abstimmungsergebnisse im Landtag sind — wenn es darauf ankommt — Makulatur.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 | 06 || 01 02 03



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  • Identität, Mehrheit und Minderheit.
    Quotation

    Unter dem Titel Lob der Identitätspolitik ist vor wenigen Tagen ein Gastbeitrag von Dr. Karsten Schubert aus der Zeitschrift Kulturelemente bei Salto erschienen. Ich möchte hier drei kurze Auszüge daraus wiedergeben:

    Identitätspolitik ist die politische Praxis marginalisierter Gruppen, die sich in Bezug auf eine kollektive Identität gegen ihre Benachteiligung durch Strukturen, Kulturen und Normen der Mehrheitsgesellschaft wehren. Es geht hier also um die politische Kritik von Ausschlüssen, Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen. Identitätspolitik orientiert sich damit am demokratischen Versprechen von Freiheit und Gleichhalt für alle.

    – Dr. Karsten Schubert

    [I]m Gegensatz zu dominanten Subjektivierungen ist die Kritik von sozialen Normen ein fester Bestandteil identitätspolitischer Subjektivierung – entsprechend kann man auch empirisch beobachten, dass identitätspolitische Gruppen ihre eigenen Normen und eventuelle Verhärtungen kontinuierlich kritisch diskutieren.

    – Dr. Karsten Schubert

    [E]in klassischer Universalismus funktioniert nicht, denn er ist selbst eigentlich partikularistisch – ein falscher Universalismus. Und dadurch, dass er sich auch noch als Universalismus verkauft und damit besonders hohe Wahrheitsansprüche stellt, wird er fundamentalistisch und vollführt den Diskursabbruch, den er anderen vorwirft, selbst.

    – Dr. Karsten Schubert

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 || 01



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  • Turri tritt erneut fürs Team K an.
    Perseverare…

    Bei den kommenden Gemeinderatswahlen kandidiert für das Team K in Meran auf Listenplatz Nr. 3 eine Frau, der wir hier schon etwas Aufmerksamkeit gewidmet hatten: Liliana Turri. Die Sprachlehrerin im Ruhestand war in der Passerstadt 2010 für die Grünen und dann 2021 schon einmal für das Team K angetreten.

    Hier sind einige der — gelinde gesagt — problematischen Positionen, die sie öffentlich zum Besten gegeben hat:

    • In Kommentaren auf Salto bezeichnete sie den Sprachgruppenproporz tatsächlich als »ein Zeichen für den Einfluss der NS-Ideologie«. Wer das nicht sehe, wolle es halt nicht sehen.
    • Dass es in Südtirol (außerhalb der ladinischen Gemeinden) keine paritätische Schulbildung gebe, führe zu einem »Todesmarsch der Italiener«.1Il rifiuto, […] della possibilità di una formazione paritetica bilingue […] relega il cittadino italiano in Alto Adige/Sudtirolo in una posizione inferiore. Con conseguenze sociali e culturali che pesano come piombo. Una di queste è la Todesmarsch degli italiani in Alto Adige.
    • Die Ladinerinnen hingegen seien am Niedergang ihrer Sprache selbst schuld.2»I parlanti stessi sono responsabili di questo, inconsapevoli che fanno morire la loro lingua, la loro cultura.«
    • Die Italienerinnen in Südtirol hätten dasselbe Recht, zweisprachig zu sein, wie die Südtirolerinnen deutscher Muttersprache. Dies werde jedoch von der »Tatsache« verhindert, dass die in Südtirol gesprochene Sprache nicht Standarddeutsch sei, sondern »ein Dialekt, den selbst die Deutschen aus dem restlichen Europa nicht verstehen.«3Übersetzung von mir – Original: »Questo è impedito dal fatto che la lingua germanofona parlata in provincia non è il tedesco standard, ma un dialetto che gli stessi tedeschi del resto d’Europa non capiscono«

    Natürlich kann man gegen den Sprachgruppenproporz oder für die Einführung mehrsprachiger Schulen sein. Allerdings sollte man diese Anliegen mit redlichen Argumenten verfolgen. Darüber hinaus weisen alle zitierten Äußerungen auf eine Verachtung für den Minderheitenschutz hin. Und von einem angeblichen »Todesmarsch der Italiener« kann selbstverständlich nicht die Rede sein.

    Warum das Team K einer Person wie Frau Turri wiederholt einen Listenplatz anbietet, erschließt sich mir nicht.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 | 05 06 07

    • 1
      Il rifiuto, […] della possibilità di una formazione paritetica bilingue […] relega il cittadino italiano in Alto Adige/Sudtirolo in una posizione inferiore. Con conseguenze sociali e culturali che pesano come piombo. Una di queste è la Todesmarsch degli italiani in Alto Adige. ↩︎
    • 2
      »I parlanti stessi sono responsabili di questo, inconsapevoli che fanno morire la loro lingua, la loro cultura.« ↩︎
    • 3
      Übersetzung von mir – Original: »Questo è impedito dal fatto che la lingua germanofona parlata in provincia non è il tedesco standard, ma un dialetto che gli stessi tedeschi del resto d’Europa non capiscono« ↩︎


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  • Per un’Europa capace di difendersi.
    Pace in Europa


    «La guerra non la vince nessuno», affermano i pacifisti della Rete Disarmo, dimenticando che l’Ucraina oggi farebbe parte dell’impero russo se non si fosse difesa

    Leggendo l’appello della Rete Pace e Disarmo «Europa di pace per tutti i popoli», diffuso la settimana scorsa anche dal Centro per la Pace di Bolzano, mi è venuto il dubbio di non vivere nello stesso mondo. Un appello che non cita mai la causa della guerra in Ucraina, che, come semplice modo di fare pace, non chiede alla Russia di sospendere immediatamente ogni aggressione contro il suo popolo vicino. «La scelta armata fatta per difendere l’Ucraina dall’invasione russa, ha portato da 3 anni ad uno stallo evidente», si scrive. Quale altra scelta i pacifisti avrebbero generosamente concesso all’Ucraina? Prostarsi subito? «La via militare è un fallimento è l’evidenza dei fatti», afferma la Rete Pace e Disarmo, ma sicuramente sono gli ucraini aggrediti che ne avrebbero fatto a meno, ma continuano a resistere e a difendere la loro libertà, i loro diritti e l’autodeterminazione, valori che il testo dell’appello pacifista non cita con una riga. Con «pace» i pacifisti sembrano intendere la resa delle armi incondizionata ed immediata, la cessione di tutti i territori occupati, nessun riconoscimento dei crimini di guerra compiuti dagli aggressori, perfino la rinuncia alla propria sicurezza come stato e popolo in futuro. Una pace da vasallo suddito?

    Forse gli autori di questo appello neanche si rendono conto che l’attacco a questo paese sovrano è stato lanciato perché l’Ucraina non aveva tutti i mezzi militari per difendersi. L’Ucraina è sopravvissuta a malapena grazie al sostegno militare europeo-americano con grandissimi sacrifici propri, ma ora sta per essere sganciata dagli USA, il principale fornitore d’armi. La Russia ha invaso l’Ucraina anche perché sembrava preda facile, non sufficientemente armata o protetta da garanzie internazionali. Una tipica strategia di Vladimir Putin, già seguita in Cecenia, Georgia, Crimea, nella guerra di Assad contro l’opposizione siriana. Se l’Ucraina già nel 2018 fosse stata paese membro della NATO, come aveva richiesto e scritto nella sua Costituzione, l’invasione non avrebbe potuto esserci. L’apparente mancanza di protezione militare ha invitato la Russia all’invasione a tutto campo, non l’effettiva capacità di autodifesa armata di un paese sovrano a cui l’Ucraina comunque ha un suo diritto. Tutto ciò nel credo dei pacifisti non sembra contare.

    L’Ucraina ora si trova fra l’incudine e il martello di uno stato fino a ieri alleato che ora, governato da Donald Trump, tende a stringere un deal con Putin, probabilmente mettendo ai margini anche i paesi europei. L’Ucraina, ricattata da Trump, dovrà rinunciare a parte del suo territorio, ma dovrà anche rinunciare alla condizione centrale per la sua stessa sopravvivenza, cioè a garanzie chiare e sufficienti di difesa militare all’interno di un sistema di sicurezza garantito da tutti i paesi europei e da istituzioni internazionali?

    Due cose in questa situazione sembrano scontate. Primo, se i paesi NATO europei vogliono avere un posto al tavolo delle trattative di pace per l‘Ucraina, dovranno impegnarsi di più sul piano militare. Dovranno sostituirsi in buona parte agli USA nel sostegno al paese aggredito nella sua capacità difensiva contro la Russia che non rinuncierà ai suoi interessi imperialisti neosovietici. Secondo, dovranno assumersi più responsabilità per garantire la pace o il cessate il fuoco impegnando proprie truppe di interposizione alla nuova cortina di ferro che nascerà all’est dell’Ucraina. E tutto questo non è fattibile senza un impegno militare comune europeo molto robusto e sostenuto. Quindi buoni motivi per dotarci di un programma comune di difesa dell’Europa libera.

    In parole povere: dopo l’aggressione del regime russo su vari fronti, non solo quello ucraino, per tutti gli europei in fondo dovrebbe essere più chiaro che vivere in paesi più liberi, prosperi, socialmente stabili, democratici e di diritto ha un costo. E lo ha anche il sistema di diritto internazionale alla base della pace e dell’ordinamento internazionale, che va difeso. Altrimenti reggerà la legge del più forte. Per la Russia le carte e le delibere ONU sono carta straccia. Con un «alleato» inaffidabile da un lato, e una dittatura disposta a tutto dall’altra, come europei resteremmo ricattabili. Cina, USA e Russia farebbero i loro deals con noi europei come spettatori inermi. Figuriamoci un’Europa indifesa, non capace di affrontare l’energia criminale del sistema Putin, non capace di far sopravvivere un’Ucraina libera. Altroché «Europa di pace per tutti i popoli», come invocato dall’appello pacifista.

    Ora, con Trump al governo degli USA, l’Europa è costretta a farsi carico maggiormente della propria sicurezza. Dovrà riguadagnare tanto terreno perso in decenni di troppa fiducia nell’alleato transatlantico. In prospettiva, gli USA saranno sempre più tesi a scaricare i costi della difesa europea sulle spalle degli europei. Non hanno del tutto torto. Per decenni i paesi europei hanno trascurato la propria sicurezza in termini militari e si sono fidati troppo sia di strategie di pace nei confronti della Russia per via del commercio e della diplomazia da una parte, dall’altra parte dello scudo nucleare americano. Recuperare più autonomia come continente libero significa fare più sforzi per una difesa efficace, più armi, più personale, più coordinamento dell‘armamento, ma una anche una propria strategia militare comune e soprattutto un’unione politica basata  sulla volontà di difendersi.

    Paradossalmente, solo questo consentirà all’Europa di avere un nuovo ruolo di pace nel mondo – come invocato dai pacifisti – ma non il disarmo unilaterale, quindi una capitolazione ex ante davanti a chi continuamente aggredisce il sistema di diritto internazionale. Solo questo ci consentirà non solo di prestare aiuto a quei paesi che più si trovano esposti a pressioni e minacce reali, ma anche a garantire il sistema di regole internazionali alla base della pace. L’Europa di pace del futuro non si costruisce con tante frasi ingenue e gratuite per la pace e il disarmo, ma si costruisce riaffermando l’ordinamento internazionale e rafforzando la capacità di autodifesa.

    Cëla enghe: 01


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  • Bozen: Mittelinks verbietet Schlafen auf Bänken.
    Repression

    In der Landeshauptstadt wird es bald verboten sein, auf einer Sitzbank einzuschlafen. Das sieht die neue Stadtpolizeiordnung vor, die von der (angeblich) mittelinken Mehrheit um Bürgermeister Renzo Caramaschi vorgelegt wurde. Zusammen mit der Ausweitung der Bereiche, in denen Platzverweise ausgesprochen werden können, ist das ein weiterer Schritt zur Einschränkung elementarer Rechte. Es braucht längst keine Lega, Fratelli d’Italia oder CasaPound mehr, damit Maßnahmen erlassen werden, die in vielen italienischen Städten ursprünglich von den Rechten eingeführt wurden und oft Sitzen, Essen, Schlafen im öffentlichen Raum verbieten, spießige Kleidungsvorschriften machen oder eine engmaschige Kameraüberwachung vorsehen.

    Auch diesbezüglich hat sich längst ein kultureller Wandel vollzogen, bei dem sich die reaktionären Kräfte durchgesetzt haben. Kein Wunder, dass sich ein Sheriff wie Paolo Sartori so großer Beliebtheit erfreut.

    Nur das Team K hat im Bozner Gemeinderat einen Antrag eingebracht, das Verbot, auf Bänken zu schlafen, das vor allem gegen Obdachlose gerichtet ist, aus der Vorlage zu streichen. Doch außer jenen der zwei Einbringer gab es dafür nur die Zustimmung von Tobe Planer von den Grünen. Seine Parteikolleginnen stimmten laut heutigem Corriere entweder gegen die Streichung (zwei), enthielten sich (einer) oder nahmen nicht an der Abstimmung Teil (einer).

    Insgesamt waren 32 Gemeinderätinnen dafür, das Verbot beizubehalten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01



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  • Sergio Ramelli in Bozen.

    Die neofaschistische Bewegung CasaPound verdichtet in Bozen wieder ihre Tätigkeit: Auf die Teilnahme von LH-Stellvertreter Marco Galateo (FdI) an einer verkappten Veranstaltung der Bewegung folgten zwei Aktionen des Blocco Studentesco, mit denen der Antifaschismus als »Mafia« verunglimpft werden sollte (01 02).

    In Erinnerung an die Ermordung des Neofaschisten Sergio Ramelli († 1975) — einen Anlass, den alljährlich Hunderte missbrauchen, um in Mailand ungestraft einen abscheulichen Ritus abzuhalten — brachten jetzt CPI-Mitglieder in Bozen eine »subversive« Gedenktafel an. Demnach sei Ramelli ein »Opfer des antifaschistischen Hasses« gewesen.

    Revisionismus

    Der gemeinsame Nenner all dieser Aktionen sowie der Erinnerung an die Karsthöhlenopfer ist es, den programmatisch und ideologisch auf Vernichtung ausgerichteten Faschismus als »gut« (zumindest aber als neutral) und den Antifaschismus als etwas Gefährliches darzustellen. Damit soll die öffentliche Wahrnehmung immer weiter verschoben werden, bis Faschismus und Antifaschismus moralisch nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

    Dieses Anliegen teilt CPI mit der Regierungspartei FdI und mit der Lega.

    Auch deshalb ist es zwar aufsehenerregend, aber keineswegs überraschend, dass ein führender CasaPound-Mann wie Maurizio Puglisi Ghizzi zur anstehenden Gemeinderatswahl für die Lega antritt. Dass sich bei den mehr und weniger extremen Rechten alles vermischt und dann, zumindest vordergründig, wieder trennt, trägt zu einer Unübersichtlichkeit bei, in deren Nebel sich der für die Faschistinnen so vorteilhafte Relativismus perfekt ausbreiten kann. Wenn alle mit allen anbandeln, sind irgendwann alle anrüchig. Oder eben nicht.

    Seit sie die Rechtsparteien als legitime Koalitionspartnerinnen betrachtet, hat sich auch die SVP in diesen Sumpf begeben und dient ihnen als Werkzeug.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Elsass: Immer mehr Kinder sprechen immer weniger Deutsch.
    Frankreich


    Die Deutschkenntnisse der alemannischen Elsässer verschlechtern sich jährlich. Die Schule soll helfen, fordern Eltern.

    Eltern im Elsass sind besorgt, weiß die Basler Zeitung (BAZ), sie fürchten um die Deutschkenntnisse ihrer Kinder. Auch deshalb, beklagt die Vereinigung Eltern Alsace, weil es zu wenig zweisprachige Schulen gibt.

    Laut BAZ werden in Basel und Umgebung schwer zu findende Französischlehrer gesucht, im Elsass ist das Gegenteil der Fall. Es fehlen Deutschlehrer. Die BAZ zitiert Claude Froehlicher von der Vereinigung Eltern Alsace mit folgender Aussage: »Die Schweiz und Deutschland sind dem Elsass so nah. In diesem wirtschaftlichen Umfeld macht es einfach Sinn, wenn mein Kind Deutsch spricht.«

    Das kann Patrick Bossard bestätigen, er leitet die Berufsausbildung des Elektrounternehmens Etavis. Sein Eindruck: Jugendliche aus dem Elsass sprechen schlechter Deutsch als noch vor einigen Jahren. Etavis bildet 120 Lernende aus, darunter auch Jugendliche aus dem deutschen und elsässischen Raum. Aus dem Elsass kommen immer weniger Auszubildende. Der Grund: »Sie können kein Deutsch mehr. Das ist ein Problem.«

    Mit der Französischen Revolution und der darauffolgenden Zentralisierung des Staates beginnt das Schrumpfen der vielen nicht-französischen Sprachen von der Bretagne über das Elsass nach Okzitanien, rüber nach Korsika sowie in die katalanischen und baskischen Exklaven in den französischen Pyrenäen. 

    Erst spät anerkannte der französische Nationalstaat die sogenannten Regionalsprachen, die Sprachen der erwähnten Minderheiten. In den 1990er Jahren initiierte das Bildungsministerium eine Deutsch-Offensive, um das völlige Verschwinden des Elsässischen zu stoppen. 

    Der Verband zweisprachiges Elsass versucht dieses Schrumpfen zu dokumentieren. Vom Verband recherchierte Daten belegen, dass zwischen 2004 und 2019 eine immer größer werdende Zahl von Gymnasiasten das deutsch-französische Abitur absolvierte. Von 528 Schülerinnen und Schülern stieg sie auf 1.570. Danach stagnierte die Zahl und sinkt nun leicht.

    Im Jahr 2023 sind laut dem Verband zweisprachiges Elsass neun bilinguale Klassen im Département Haut-Rhin eröffnet, aber 19 geschlossen worden. Eltern Alsace drängt deshalb auf einen flächendeckenden Deutschunterricht. Aber »jeder neue zweisprachige Standort ist ein Kampf«, kritisiert Froehlicher.

    Hohe Nachfrage nach Deutschunterricht in Saint-Louis

    Die Gründe für diese Entwicklung sind divers. Es fehlen Lehrer:innen und das große Interesse am Englischen führt zu einer Reduzierung des Deutschunterrichts. Und: Der Anteil bilingualer Schüler in der Grundschule ist zwar noch relativ hoch, nimmt aber dann in den höheren Schulstufen deutlich ab.

    Eltern müssen frühzeitig, nämlich bereits im Kindergartenalter, entscheiden, ob ihr Kind zweisprachig beschult wird. »Später erlauben die Lehrer das kaum noch«, weiß Claude Froehlicher. »Außerdem verlieren wir zweisprachige Schüler, wenn die Eltern in ein Dorf ziehen, wo das nicht angeboten wird.«

    Laut Eltern Alsace besuchen im Schulbezirk Straßburg 18 Prozent der Schüler:innen den zweisprachigen Unterricht. Saint-Louis an der Grenze zu Basel zählt 19 zweisprachige Klassen von insgesamt 86 Vorschul- und Grundschulklassen. Thierry Decorde, Leiter der Bildungsabteilung im Rathaus von Saint-Louis, bestätigte die relativ hohe Nachfrage nach Deutschkursen, diese habe in den letzten Jahren zugenommen.

    Nur 2.000 Euro Lehrer:innen-Lohn

    Decorde bestätigt, dass es Schwierigkeiten gibt, Deutschlehrer:innenzu finden. Einer der Gründe, die Nähe zur Schweiz und zu Deutschland, wo Lehrer »wahrscheinlich bessere Gehälter beziehen.«

    Gemäß der Job-Börse Connexion Emploi verdienen Universitätsabgänger als Lehrer in Deutschland zwischen 3.500 und 4.000 Euro, während sie in Frankreich mit 1.800 bis 2.000 Euro starten.

    Eltern Alsace kritisiert die verantwortlichen Behörden, zu wenig zu unternehmen, um Deutschlehrer zu rekrutieren. Froehlicher vermutet, die Behörden hoffen darauf, dass bilinguale Schüler wegen der vielen Schwierigkeiten abspringen. Außerdem gilt die Zweisprachigkeit in Paris als ein »Klotz am Bein«. Die Bildungspolitiker stufen die Regionalsprachen als eine Art Folklore ein, »mit der man doch bitte nicht die Éducation nationale nerven solle«, ärgert sich Froehlicher.

    Elsässerditsch – einst verbannt

    Der französische Staat misstraute dem Elsässerdeutsch lange, ein historisch belastetes Verhältnis. Nach dem Ersten Weltkrieg, das Elsass wurde wieder »französisch« und dann wieder nach dem Zweiten Weltkrieg — nach der NS-Annexion kehrte das Elsass wieder zurück in den französischen Zentralstaat — setzte die Bildungspolitik auf die französische Einsprachigkeit und verbannte den alemannischen Dialekt aus den Schulen. Immer mehr elsässische Familien verzichteten auf die eigene Muttersprache. Erfolgreiche Assimilation.

    »Als ich 1950 in Huttenheim zur Schule ging, sprachen alle Kinder im Dorf Elsässerditsch«, erzählte Pierre Klein vom Verband zweisprachiges Elsass der BAZ. Heute, weiß Klein, spricht kein Kind mehr in der Schule in Huttenheim Elsässerditsch.

    Der elsässische Sprachwissenschaftler und Dichter Edgar Zeidler sowie sein Internationales Dialektinstitut wollen das Elsässerditsch wieder stärken. Sie sehen darin den Weg, die Deutschkenntnisse der Elsässer Jugendlichen aufzubessern. »Absolute Priorität hat das Elsässische. Es ist in Gefahr, nicht die deutsche Sprache«, ist Zeidler überzeugt. Zeidler meint, dass der Staat Kindergärtner und Lehrerinnen ausbildet, die auf Elsässisch unterrichten, und auch Lehrmittel in der Regionalsprache entwickeln.

    Ein elsässerditsches Wörterbuch

    Sprachwissenschaftler Zeidler wirbt für »immersive Klassen«, in denen Elsässerditsch nicht wie eine Fremdsprache gelehrt wird, sondern als zweite Muttersprache. Zeidler ist von diesem Ansatz überzeugt, um die Deutschkenntnisse der Jugendlichen zu verbessern. »Der Humusboden für das Deutsche ist ausgetrocknet, weil der elsässische Dialekt in einem sehr schlechten Zustand ist«, beschreibt der Wissenschaftler den Zustand des Elsässerditschen.

    Im Mai nimmt ein neues Sprachamt seinen Dienst auf. Für Zeidler ein »Funken Hoffnung« für das Erstarken der »Regionalsprache«. Er veröffentlichte mit Kolleg:innen ein Grammatik-Nachschlagwerk für den elsässischen Dialekt. Damit »man sich nicht mehr damit herausreden kann, die Sprache habe keine Regeln.«

    Weitere Infos: Dreylanddichterweg, Grenzgedichte aus dem Elsass, Sprochlosi Elsässer, Abgesang oder Hoffnung, René-Schickele-Gesellschaft, Schick Süd-Elsass, Schick Lothringen, Elsässisches Kulturzentrum, Unser Land, Regions et Peuples Solidaires


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