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  • Sprachrechte auch bei digitaler Steuererklärung missachtet.

    Seit nunmehr elf Jahren stellt die italienische Einnahmenagentur Angestellten und Rentnerinnen schon eine vorausgefüllte Steuererklärung (sogenanntes »Modell 730«) bereit. Steuerpflichtige können die enthaltenen Daten prüfen und dann akzeptieren, ablehnen oder ergänzen.

    Als dieses System 2015 eingeführt wurde, war es nur auf Italienisch verfügbar. Die Kammerabgeordnete Renate Gebhard (SVP) erklärte jedoch wenig später, sie habe erreicht, dass die Vorlage ab dem Folgejahr (2016) auch in deutscher Sprache bereitgestellt wird.

    Sie schrieb:

    Der Schutz der sprachlichen Minderheit hat Verfassungsrang und muss deshalb garantiert werden[.]

    – Renate Gebhard (SVP), 10. Juni 2015

    Ich hatte hier damals die rhetorische Frage gestellt, ob die deutschsprachigen Bürgerinnen 2015 steuerfrei geblieben wären — nachdem ihnen ja ein Grundrecht vorenthalten worden war. Doch die hypothetische Steuerfreiheit hätte dann noch wesentlich länger andauern müssen, und zwar mindestens bis heute.

    Denn in der Wirtschaftsbeilage der Dolomiten vom 17. Juni 2026 (Wiku) ist jetzt unter dem Titel Steuererklärung selbst gemacht eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Nutzung des vorausgefüllten 730ers erschienen. Und dort heißt es:

    Klicken Sie unter der Überschrift »Scegli il modello di dichiarazione« (eventuell [!] scheint auch die etwas holprige deutsche Übersetzung »Wählen Sie das Deklarationsmodell« auf) auf »scegli dichiarazione« (»Wählen Sie eine Aussage«). Wenn Ihnen das »Modell 730« empfohlen wird, klicken Sie auf »Dichiarazione dipendenti e pensionati« (Steuererklärung für Arbeitnehmer und Rentner).

    – Wiku, 17. Juni 2026

    Die weiteren Schritte und die abgebildeten Screenshots sind vielsagenderweise ausschließlich in italienischer Sprache gehalten. Ob das daran liegt, dass sie im System ohnehin nur auf Italienisch verfügbar sind oder daran, dass man eine Steuererklärung lieber nicht auf Deutsch ausfüllt, wenn schon »dichiarazione« (also »[Steuer-]Erklärung«) mal mit »Deklaration« und mal mit »Aussage« übersetzt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Ausschnitt Wiku vom 17. Juni 2026 (Bildqualität original)

    In jedem Fall aber scheint klar, dass der Verfassungsrang habende »Schutz der sprachlichen Minderheit« noch immer nicht angemessen garantiert wird. Nach über einem Jahrzehnt!

    Die beste Autonomie der Welt haben wir aber natürlich trotzdem. Vor allem, wenn man nur die Jubelmeldungen der SVP liest und nicht allzu genau auf die Realität schaut.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 | 06 07



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  • Katalonien ist in der Europäischen Rundfunkunion.

    Wieder einmal schreibt Katalonien — in einem Teilbereich — Geschichte, indem es sich neue Freiräume erkämpft, die es bislang nicht gab.

    Wir in Südtirol wissen ja immer besonders gut, was angeblich »unmöglich« ist. In Katalonien ist gerade das, was (noch) nicht vorgesehen ist, hingegen oft erst recht ein Ansporn, neue Wege zu suchen und politische Realität zu schaffen.

    Ein symbolträchtiges Beispiel ist die Domain .cat, die im vergangenen Dezember ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte. Sie war die weltweit erste Top-Level-Domain (TLD), die nicht einem Staat oder Territorium, sondern einer sprachlich-kulturellen Gemeinschaft gewidmet ist. Hinzu kommen etwa von Spanien unabhängige »Nationalmannschaften« in mehreren Sportarten, das Bestreben nach Aufnahme in die Unesco und UN Tourism, sowie der beharrliche Wille, die Anerkennung von Katalanisch als Amtssprache der EU zu erreichen, was für eine Minderheitensprache bislang als unmöglich galt.

    Am Donnerstag wurde nun 3Cat, der öffentlich-rechtliche Rundfunk von Katalonien, in die Europäische Rundfunkunion — die European Broadcasting Union (EBU) — aufgenommen. Der Sender kooperiert schon seit über fünfzehn Jahren mit der EBU, mehrere Beitrittsversuche waren aber an den Statuten der Organisation gescheitert, die nur staatliche Rundfunkanstalten als Mitglieder vorsahen.

    Bei derselben Generalversammlung, die diese Woche auch die Aufnahme von 3Cat besiegelte, wurden die EBU-Statuten so angepasst, dass künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch »regionale« Anstalten eine Mitgliedschaft beantragen können. Diese Änderung ist maßgeblich auf katalanischen Druck zurückzuführen.

    Die EBU hob im Zusammenhang mit der Aufnahme von 3Cat insbesondere dessen Expertise in den Bereichen Minderheitenrundfunk, Crossmedia-Integration und digitale Transformation hervor. Diese Kompetenzen sollen auch bisherigen Mitgliedern zugute kommen, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.

    Der Fall zeigt wieder einmal, wie Katalonien Autonomie versteht: nicht als statischen Rechtsrahmen, innerhalb dessen man sich möglichst konfliktfrei bewegt, sondern als dynamischen Prozess, in dem neue Kompetenzen, neue Anerkennung und neue institutionelle Räume aktiv erkämpft werden.

    Südtirol verfolgt seit Jahren eine nahezu gegenteilige Logik: Hierzulande wagt man nicht einmal den Schritt zu einem von der italienischen Rai unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rom entscheidet weiterhin über Personalfragen und behält wesentliche Kontrolle, auch über die Finanzen. Geschweige denn, dass man wie Katalonien über den Tellerrand hinausblicken und eine Internationalisierung anstreben würde.

    Es sind zwei völlig gegensätzliche Visionen — nicht nur des Rundfunks, sondern von Autonomie insgesamt. Auf der einen Seite ein Land, das seinen Handlungsspieraum auch dorthin ausdehnt, wo es zunächst unmöglich erscheint. Auf der anderen Seite Südtirol, das seine Autonomie vor allem »verwaltet« und sich programmatisch damit zufrieden gibt, was es an »Blumen am Wegesrand« zu pflücken gibt — sich also fast spontan anbietet. Und das ist naturgemäß nicht viel.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Frühe Ernüchterung.
    Autonomiereform


    Es ist keine sechs Wochen her, dass die Autonomiereform im römischen Parlament ohne nennenswerten Widerstand, ohne Aufschrei oder Aufstand der autonomiefeindlichen Kräfte genehmigt wurde. Ganz im Gegenteil. Auch diejenigen, die bisher immer gegen Südtirols Zuständigkeiten polemisiert hatten und den römischen Zentralstaat in Südtirol stärken wollten, sahen in dieser Reform einen Fortschritt.

    Das allein mag ja noch nichts bedeuten, auch wenn es vielleicht doch einiges über das Zustandekommen, den Inhalt und Wert der Reform verrät.

    In Südtirol wurde die Verabschiedung mit triumphalistischen Tönen, jubelnden Presseaussendungen und wohlwollenden Zeitungsartikeln begleitet. Die verlorengegangenen Zuständigkeiten seien zurückgeholt worden und die Reform eröffne neue Spielräume und Möglichkeiten. Davon profitieren würden insbesondere Bereiche wie die Raumordnung, um die vor 50 Jahren hartnäckig gekämpft wurde und die im Zweiten Autonomiestatut als primäre Zuständigkeit festgeschrieben worden waren.

    Am 23. Juni ist die Autonomiereform dann auch in Kraft getreten.

    Es ist also keine fünf Tage her, dass Südtirol die neuen Spielräume offenstehen, und man die römischen Vorgaben in den genannten Bereichen nicht mehr übernehmen muss, wie es seit der Verfassungsreform von 2001 hingegen der Fall war.

    Für den Verfassungsrechtler Matteo Consulich von der Universität Trient bedeutet Autonomie, anders als der Zentralstaat entscheiden zu dürfen und somit Bestimmungen zu erlassen, die selbst erarbeitet wurden und inhaltlich von der gesamtstaatlichen Regelung abweichen.

    Umso bemerkenswerter ist daher die Meldung der vergangenen Tage, dass der Südtiroler Landtag gerade eine Änderung des Landesraumordnungsgesetzes vorbereite. Die neuerliche Überarbeitung erfolge dabei, um die Südtiroler Bestimmungen den staatlichen Vorgaben im sogenannten »Decreto Salva Casa« anzupassen.

    War nicht gerade eines der zentralen Versprechen der Autonomiereform, nicht mehr alle römischen Vorgaben übernehmen zu müssen?

    Sollte Südtirol nicht gerade die Möglichkeit erhalten, unabhängig von den ständigen, kurzfristigen und sprunghaften Gesetzesänderungen in Rom dauerhafte und landesspezifische Lösungen zu schaffen?

    Sollte es von nun an nicht möglich sein, auf die andauernden Anpassungen an die gesamtstaatlichen Gesetze zu verzichten?

    Die Südtiroler Wirtschaftszeitung schrieb vor wenigen Tagen, dass für die Autonomiereform nun die Nagelprobe anstehe. Beim ersten Anlauf scheint sie diese nicht bestanden zu haben. Die Ernüchterung setzt jedenfalls erstaunlich früh ein.

    Cëla enghe: 01 02


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  • Rätoromanen der Serie A und B.
    Podcast


    Christoph Perathoner über die Lage der rätoromanischen Sprachminderheiten

    Christoph Perathoner, ehemaliger SVP-Funktionär und Anwalt, hat sich gründlich mit den völker-, europa- und verfassungsrechtlichen Grundlagen des Minderheitenschutzes auseinandergesetzt. Seine Habilitationsschrift ist ein fundiertes Nachschlagewerk, besonders für Aktivist:innen. Einen Teil seiner Schrift widmet Perathoner den rätoromanischen Ureinwohner:innen der Alpen.

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Cëla enghe:


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  • LGBTQIA: Verhängnisvolle Neutralität.
    Quotation

    Sowohl die Freiheitlichen als auch LR Christian Bianchi (FI) haben gegen die Regenbogenflagge ein angebliches Neutralitätsgebot ins Feld geführt, dem sich die öffentlichen Institutionen zu unterwerfen hätten. In der aktuellen ff widerspricht Menschenrechtsanwalt Nicola Canestrini vehement.

    Zwei Auszüge:

    Die Neutralität anzurufen, um der Institution das Schweigen über eine historisch ausgegrenzte Gruppe aufzuzwingen, heißt, Unparteilichkeit mit Gleichgültigkeit zu verwechseln – und Gleichgültigkeit ist angesichts einer Ungleichheit kein neutraler Akt.

    – Nicola Canestrini, ff Nr. 26/2026

    Ein Land, das seine Autonomie auf dem Recht aufgebaut hat, nicht von der Mehrheit aufgesogen zu werden, sollte besser als andere erkennen, dass die gegenüber einer verletzlichen Gruppe angerufene „Neutralität“ oft nur der freundliche Name der Assimilation ist.

    – Nicola Canestrini, ff Nr. 26/2026

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Brixen hat eine ›bikefesta‹.

    Nachdem schon das öde »Wasser-Licht-Festival« erfolgreich zum wesentlich cooleren »Water-Light-Festival« aufgemöbelt wurde, wird die Bischofsstadt jetzt noch moderner.

    Dabei ist das Rezept auch noch so einfach: Man nehme eine Prise Eventsprech-Englisch (bike), füge etwas Italienisch (festa) hinzu und meide Minderheitensprachen wie der Teufel das Weihwasser. Fertig ist die zeitgemäße Marketingkommunikation.

    Deutsch? Gar Ladinisch? Würden (das Geschäft) nur stören.

    Auch für die vier thematischen Schwerpunkte lassen sich auf diese Weise ganz einfach tolle Namen erschaffen:

    Ausschnitt bikefesta-Website

    Also brand festa, ride festa und people festa. Nur bei der Kulinarik ist etwas mehr Vorsicht geboten: Die gelernte Gastronationalistin weiß, dass Essen und Sauf… Schlürfen ausschließlich mit Italien in Verbindung gebracht werden dürfen. Mit einem einfachen Kniff — Englisch raus, noch mehr Italienisch rein (gusto festa) — lässt sich das aber sehr elegant lösen.

    Okay, vielleicht wirkt das Ganze ein wenig beliebig und austauschbar, pseudo-international und an der lokalen Realität vorbei konzipiert.

    Doch finally… who cares?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Inhaltlich dürftig.
    Podcast Teil 2


    Der Rechtswissenschaftler Peter Hilpold und seine Kritik an der Reform der Südtirol-Autonomie

    Der Innsbrucker Universitätsprofessor zitiert als Gegenstück die Territorialautonomie der Åland-Inseln. Das dortige Parlament sucht im Dialog mit der schwedischsprachigen Bevölkerung dieser zu Finnland gehörenden Inseln nach Autonomieperspektiven. Als eines der Ziele gilt die Finanzautonomie. Eine Expertenkommission, Hilpold gehört dazu, begleitet die Politik der Åland-Inseln. Eine völlig andere Herangehensweise an eine Reform der bestehenden Autonomie. Die Südtiroler Volkspartei verhandelte hinter verschlossenen Türen mit Spitzenvertretern der italienischen Regierung über die Reform.

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II

    Cëla enghe:


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  • Linguistische Unsicherheit.

    Sprachliche oder linguistische Unsicherheit entsteht bei Individuen, Gemeinschaften oder beiden, wenn sie subjektiv den Eindruck gewinnen, ihre Sprache oder Varietät sei »falsch«, minderwertig oder wenig prestigeträchtig. Mit objektiven sprachlichen Defiziten hat dies meist wenig zu tun.

    Eine zentrale Ursache für dieses Phänomen ist die sogenannte Standardsprachenideologie. Sie vermittelt die irrige Vorstellung, es gebe eine (einzige) richtige, neutrale und überlegene Sprachform, während Dialekte, regionale Varietäten oder Minderheitensprachen als Abweichung erscheinen. Öffentliche Institutionen wie Schule, Staat, Gesetzgebung oder Medien tragen häufig aktiv zu dieser Hierarchisierung bei, indem sie Standardvarietäten als Norm und alles andere als defizitär darstellen.

    Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist diese Vorstellung nicht haltbar. Sprache existiert nicht losgelöst von Sprecherinnen, geographischem Raum und sozialem Kontext. Dialekte und andere Varietäten sind keine fehlerhaften Versionen der Standardsprache, sondern voll- und gleichwertige sprachliche Systeme.

    Besonders häufig betrifft sprachliche Unsicherheit Sprecherinnen minorisierter Sprachen. Dort kommt ein strukturelles Machtgefälle dazu: Die staatliche Mehrheitssprache ist institutionell besser abgesichert, wird deshalb weniger hinterfragt und ist im öffentlichen Raum sichtbarer. Für minorisierte Sprachen erzeugt dies zusätzlichen Druck. Am Beispiel frankophoner Kanadierinnen ist dies gut erforscht.

    In Südtirol sind es auch führende Politikerinnen, bis hin zu Mitgliedern der Landesregierung, die die Standardsprachenideologie offensiv propagieren. Wenn selbst sie suggerieren, Südtirolerinnen sprächen kein »richtiges« Deutsch oder der Dialekt sei minderwertig, schlecht oder für Italienerinnen unverständlich, reproduzieren sie genau jene Denkmuster, die sprachliche Unsicherheit fördern.

    Eine solche Abwertung bestimmter Sprachformen ist letztlich eine Form von Glottophobie oder Linguizismus.

    Eine häufige Folge sprachlicher Unsicherheit ist Anpassung. Sprecherinnen passen ihre Sprache im Kontakt mit anderen vorschnell an, insbesondere bei Begegnungen mit Mitgliedern einer sprachlichen Mehrheitsgruppe. Wer die eigene Varietät als problematisch empfindet, verzichtet auch schneller auf sie.

    In ihrer unproblematischen Ausprägung trägt die Anpassung als »Akkommodation« zur Verständigung bei: Wenn etwa ein Ahrntaler und eine Ultnerin miteinander sprechen, werden sie ihre jeweiligen Dialekte vermutlich etwas aneinander angleichen. Um sich zu verstehen, müssen sie aber keineswegs ins Standarddeutsche (oder was dafür gehalten wird) wechseln, sondern es genügt, dass sie einige dialektale Eigenheiten abschwächen.

    Problematisch wird sprachliche Anpassung dann, wenn sie — etwa aufgrund von sprachlicher Unsicherheit — einseitig und dauerhaft verläuft. Genau das ist bei minorisierten Sprachen häufig der Fall. Sprecherinnen einer Minderheitensprache verzichten in gemischten Kontexten (Outgroupkontakten) oft vorschnell auf ihre Sprache und wechseln rasch in die Mehrheitssprache, während die Anpassung in die Gegenrichtung deutlich seltener erfolgt.

    So entsteht ein Teufelskreis: Je seltener eine minorisierte Sprache in gemischten Kontexten verwendet wird, und je mehr sie aus der öffentlichen Sphäre gedrängt wird, desto größer wird der Druck, aus falsch verstandener »Rücksicht« weiterhin auf sie zu verzichten.

    Auf individueller Ebene lässt sich dem entgegenwirken, indem Sprecherinnen bewusst auf voreilige Anpassung verzichten. Entscheidend wäre aber vor allem ein institutioneller Kulturwandel. Schule, Medien, Politik und öffentliche Einrichtungen aller Art sollten sprachliche Unsicherheit nicht bloß nicht verstärken, sondern aktiv linguistische Sicherheit fördern.

    Das bedeutet konkret: regionale Varietäten und Dialekte nicht als Problem, sondern als legitimen Teil der sprachlichen Realität behandeln.

    Interessant finde ich übrigens, dass gerade auch die Gefahr von Sprachverlust bzw. Assimilation ein wichtiger Faktor sprachlicher Unsicherheit sein kann. Sprecherinnen einer bedrohten Sprache oder Varietät haben oft ein besonders fragiles Verhältnis zur eigenen sprachlichen Identität.

    Sprachliche Sicherheit ist also ein zentraler Bestandteil von Minderheitenschutz und echter sprachlicher Gleichstellung — sowie eine Voraussetzung für eine langfristig mehrsprachige Gesellschaft.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 || 01 02 03



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