Unmittelbar nach der Veröffentlichung des neuen ASTAT-Sprachbarometers wurde in den Kommentaren bereits darauf hingewiesen: Anders als die beiden vorherigen Ausgaben von 2004 und 2014 enthält jene von 2025 keine Frage mehr zum Recht auf Gebrauch der Muttersprache bei öffentlichen Ämtern.
Meiner Auffassung nach handelte es sich dabei um einen der wichtigsten Indikatoren der amtlichen Sprachstudie. Wennschon war die Fragestellung zu allgemein gehalten, sodass man sie durch vertiefende Zusatzfragen hätte ergänzen können. Und es war eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige Frage, die sich explizit auf die Einhaltung verbriefter Rechte bezog.
Ohnehin werden die Fragen (bzw. die Antwortmöglichkeiten) nach meinem Geschmack von Ausgabe zu Ausgabe zu stark verändert, wodurch die für die Beurteilung von Trends so wichtige Vergleichbarkeit vielfach verloren geht. Dass jedoch eine derart zentrale Frage kommentar- und ersatzlos gestrichen wird, ist noch einmal unverständlicher.
Ich möchte mir eigentlich nicht vorstellen, dass 2025 auf diese Frage verzichtet wurde, weil jemandem das Ergebnis nicht gefallen haben könnte — nämlich der Befund, dass es um die Einhaltung der Zwei- bzw. Dreisprachigkeitspflicht öffentlicher Dienste, einer tragenden Säule des Minderheitenschutzes, äußerst schlecht bestellt ist. Der Verdacht drängt sich jedoch geradezu auf. Immerhin steht dieser ernüchternde Befund im klaren Widerspruch zu den gebetsmühlenartig wiederholten Jubelmeldungen über unsere Autonomie.
Katastrophale Ergebnisse
Bereits das Resultat der ersten Erhebung im Jahr 2004 war erschreckend: Knapp die Hälfte (48,7%) der deutschsprachigen Befragten gab an, dass ihnen das Recht auf Gebrauch der Muttersprache im Jahr zuvor »manchmal« oder sogar »oft« verweigert worden sei. Trotz deutscher Bevölkerungsmehrheit lag dieser Wert mehr als fünfmal so hoch wie bei den italienischsprachigen Befragten, von denen lediglich 9 Prozent eine Verletzung ihrer Sprachrechte beklagten. Am höchsten war der Anteil erwartungsgemäß unter den Ladinerinnen, doch auch hier war das Ausmaß erstaunlich: Fast zwei Dritteln (64,6%) war innerhalb eines Jahres das Recht auf Gebrauch der Muttersprache verweigert worden.
Die zweite Erhebung von 2014 stellte eine weitere klare Verschlechterung fest: Nun hatten schon 59,6 Prozent der Deutschsprachigen eine Verletzung ihrer Sprachrechte zu beklagen — ein inzwischen beinahe ebenso hoher Anteil wie unter den Ladinerinnen (64,4%), also mit einer Sprache, die rechtlich (leider) gar nicht mit der deutschen und der italienischen gleichgestellt ist. Auch unter den Italienischsprachigen verschlechterte sich der Wert auf 14,1 Prozent, war damit aber noch immer enorm viel besser als bei den Sprecherinnen der beiden minorisierten Sprachen.
Besonders auffallend war, dass selbst in der Landesverwaltung (nebst ebenfalls vom Land verwaltetem Gesundheitswesen) die Verweigerung des Deutschen um ein Vielfaches häufiger vorkam als die Verletzung des Rechts auf Gebrauch des Italienischen.
Gerade deshalb wäre es nicht nur interessant, sondern für die Beobachtung des Minderheitenschutzes und die allfällige Ergreifung von Gegenmaßnahmen auch sehr wichtig gewesen, die weitere Entwicklung nachvollziehen zu können: Haben sich die Werte — wie zu befürchten steht — weiter verschlechtert? Oder konnte zumindest ein weiterer Einbruch verhindert werden?
Dass es zu einer nennenswerte Verbesserung gekommen sein könnte, würde ich persönlich ausschließen. Belegen lässt sich dies nun jedoch — trotz mehrerer Indizien (u.a. 01 02) — nicht mehr.
Wir tappen erneut im Dunkeln. Für einen modernen, wirksamen und wissensbasierten Minderheitenschutz ist das Gift.



Sprachbarometer 2025