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  • Melanie und Fabian ganz privat.
    STF-Jugendsprecherin und FPÖ-Gemeinderat auf Urlaub in Schnellroda

    Was früher Sommer, Sonne, Strand und Meer war, ist heute Sellner, Sonnenbrille, Sachsen-Anhalt und Wasserturm. Côte d’Azur, Dubai und Capri sind sowas von 2025. Neuer Anziehungspunkt des Jetsets ist die 224-Einwohner-Metropole Schnellroda bei Mücheln im Geiseltal. Dort sind die Rechten und Schönen noch unter sich. Pöbelfreie Zone sozusagen.

    Glanz & Glamour: Höhepunkt eines jeden Schnellroda-Urlaubs ist der Wasserturm, auch Eiffelturm des Ostens genannt. (Quelle: Jwaller, CC BY-SA 3.0)

    Wenn da nur nicht die lästigen Paparazzi wären, die die journalistischen Sommerlöcher füllen müssen. Und während Stol ganz offen Kompatscher und Co. jedes Jahr die gleiche, brennende und journalistisch hochrelevante Frage stellt (Wohin geht’s heuer in den Urlaub?), stochert der Zottellige von der Tageszeitung doch tatsächlich in linkslinken Onlinefotoarchiven rum – und wird fündig. Auch die Südtiroler High Society hat den neuen Hotspot für sich entdeckt. Doch nicht etwa Jannik Sinner, Reinhold Messner oder Ingemar Gatterer genießen den sachsen-anhaltinischen Flair Schnellrodas. Nein, es ist Melanie Mair. Jene Melanie Mair, die auf dem besten Weg ist, die neue Grande Dame der Süd-Tiroler Freiheit zu werden, und das schicke Schnellroda dem spießig-schnöden FKK-Urlaub auf Korsika vorzieht. Kleckern statt Klotzen ist offenbar ihre Devise. Zu ihrer Rechten, wie die Klatschseite ORF Tirol berichtet, der Innsbrucker FPÖ-Gemeinderat Fabian Walch, mit Schildkappe und – wie Mair – dunkler Sonnenbrille. Doch nicht etwa, weil die zwei aus Angst vor eifernden Südtiroler Freiheitlichen unerkannt bleiben wollten, sondern weil sich beide unlängst einer Netzhautoperation unterziehen mussten, da sie auf dem rechten Auge nahezu blind sind, wie exklusiv in Erfahrung bringen konnte. Auf Nachfrage der Tageszeitung war Mair höflich, aber kurzangebunden: “Ich war drei Tage in Deutschland. Das war ein privater Ausflug, über den ich nichts sagen möchte.“

    Ein Vögelchen hat indes gezwitschert, dass akkurat an jenen Tagen, an denen Mair und Walch in Schnellroda weilten, dort ein Vernetzungstreffen europäischer Rechtsextremisten stattgefunden hat. hat Mair telefonisch erreicht und gefragt, ob es da irgendeinen Zusammenhang gäbe. Die etwas ungehaltene Antwort: “Ihr Kubitschekts aber auch gar nichts. Ich hab Fabian hier im Gedeutschtümmel als einen von tausenden und abertausenden Touristen ganz zufällig bei der Schnellrodaer Wild- und Landmetzgerei an der Promenade, der Copacabrauna, getroffen und mich dann bei einem Glas Martin(i) mit Herrn S. am Anblick des Wasserturms erGötzt, wo wir zusammen Fendrichs “Schickeria” und “Schrei nach Liebe” von den Ärzten gesungen haben. Zudem bot sich mir die Gelegenheit, beim Verlag Antaios in Ruhe meine wissenschaftlichen Studien über die unseligen und skandalösen Fascho-Treffen in Predappio zu vertiefen.”

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 || 01



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  • Student Residence.


    Vor einigen Wochen wurde am Bozner »Hadrianplatz« ein neues Studentenheim eröffnet, wobei bereits die Platzbezeichnung einen eigenen Eintrag wert wäre.

    Das Studentenheim soll dazu beitragen, die Südtiroler Landeshauptstadt als internationale Studentenstadt zu etablieren und ihr ein neues, modernes Gesicht zu verleihen.

    Dabei herrscht jedoch an der Außenfassade und auf der Homepage eine Kombination aus englischer Einsprachigkeit (Student Residence) und italienischer Einnamigkeit (Bolzano). Obwohl auch die Universität ständig mit Dreisprachigkeit und Weltoffenheit wirbt, begrüßt man die Studentinnen und Studenten am Haupteingang des Heimes ausschließlich mit der italienischen Ortsbezeichnung. Fast so, als solle der Bau nicht nur äußerlich an die 1930er Jahre erinnern.

    Ausschnitt Homepage Student Residence Bolzano

    Mit der Mehrsprachigkeit nimmt man es also doch nicht so ernst und setzt stattdessen auf Einnamigkeit sowie auf stumpfen — wenn vermutlich auch unbewussten — Nationalismus.

    Es mag zwar nur wie ein kleines Detail erscheinen, für ein Minderheitengebiet, das sich gerne als weltoffen und mehrsprachig präsentiert und sogar ein Minderheitenmuseum erhalten soll, stellt der ständige Rückfall auf einsprachig italienische Bezeichnungen — und somit auf die Mehrheitssprache des Staates — aber ein Problem dar. Es hält der Südtiroler Gesellschaft zugleich einen Spiegel vor und rüttelt an ihrem Selbstbild, denn es zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

    Cëla enghe:


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  • Siegesdenkmal: Imperial bis heute.
    Quotation

    Die Anthropologin Ann Laura Stoler bezeichnet mit „imperial debris“ die sozialen, räumlichen und affektiven Nachleben imperialer Herrschaft. Ruinen – ob intakt oder verfallen – sind nicht neutral, sondern werden politisch erzeugt, restauriert oder vernachlässigt. So kann imperiale Macht bis in die Gegenwart wirken.

    Faschistische Macht wird nicht nur durch Inschrift und Liktorenbündel reproduziert, sondern auch durch die heutige Inszenierung: Das Monument steht zentral auf einem hohen Sockel, ist eingezäunt, videoüberwacht und nachts beleuchtet. Die Hierarchie ist deutlich: Die Menschen bleiben unten, während das Denkmal geschützt und unzugänglich über ihnen steht. Die kritische Ausstellung liegt dagegen unter und hinter dem Bau; außen ist fast nur der LED-Ring sichtbar.

    Nora Viehweider im Salto-Interview von Martin Hanni zu ihrer Abschlussarbeit in Liberal Arts and Sciences an der Universität Amsterdam, die sie über das Bozner Siegesdenkmal verfasst hat.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08 || 01 02



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  • In sanità la lingua è una questione di sopravvivenza.

    In Sudtirolo c’è chi sostiene che nella sanità conti soltanto la competenza del medico e che la lingua sia un aspetto secondario. Se il medico è bravo, secondo alcuni poco importa se parla solo cinese o arabo.

    La ricerca scientifica racconta però una storia molto diversa. La lingua non è soltanto una questione di identità, di cortesia o di comodità del paziente, ma un fattore di salute pubblica. Numerosi studi hanno mostrato che quando medico e paziente parlano la stessa lingua — o, ancor meglio, condividono la stessa madrelingua —, la comunicazione è più efficace, l’anamnesi è più completa, le diagnosi risultano più accurate, i pazienti comprendono meglio le terapie, seguono con maggiore precisione le prescrizioni e gli errori si riducono notevolmente (cfr. 01 02).

    Ora però un ampio studio pubblicato su AJE Advances: Research in Epidemiology (Oxford Academic) aggiunge un tassello particolarmente significativo. Analizzando i dati amministrativi e sanitari di decine di migliaia di canadesi fra il 2003 e il 2014, ricercatori delle università di Ottawa (Ontario), del Manitoba e di Sherbrooke (Québec) assieme a colleghi di ulteriori istituti di ricerca hanno messo in relazione la mortalità complessiva con la concordanza linguistica tra paziente e medico.

    I risultati sono davvero impressionanti. Per i canadesi francofoni, essere seguiti da un medico che parla la loro lingua è associato a un rischio di morte inferiore dell’11% («hazard ratio» 0,89). Ancora più marcato il risultato per gli allofoni — ossia le persone che non hanno né l’inglese né il francese come madrelingua — per i quali la concordanza linguistica è associata a una riduzione del rischio di morte del 27% («hazard ratio» 0,73).

    L’associazione rimane anche dopo aver corretto i risultati per numerosi fattori come età, reddito, livello di istruzione e stato di salute. Si tratta quindi di risultati scientificamente molto robusti.

    Il dato è particolarmente rilevante perché la mortalità è uno degli esiti clinici più importanti che possano essere misurati. Molti studi precedenti avevano già collegato la concordanza linguistica a una maggiore soddisfazione dei pazienti, a una migliore aderenza alle cure, a meno errori terapeutici e a migliori risultati clinici.

    Questo studio compie un ulteriore passo, mostrando un’associazione perfino con la sopravvivenza.

    La lingua, quindi, non è soltanto uno strumento di comunicazione. È prima di tutto uno strumento diagnostico e terapeutico. Una descrizione più precisa dei sintomi, una migliore comprensione delle indicazioni mediche, un rapporto di fiducia più solido e una maggiore aderenza alle cure si traducono in benefici chiari e misurabili per la salute.

    Proprio per questo i risultati assumono un forte significato anche per il Sudtirolo. Il bilinguismo nella sanità, anche dagli addetti ai lavori o da chi ci governa, viene talvolta presentato come una formalità amministrativa, un retaggio del passato o un mero ostacolo al reclutamento del personale. La ricerca mostra invece che la possibilità di essere curati nella propria lingua non riguarda soltanto i diritti delle minoranze o la generica qualità del servizio, ma può incidere profondamente sugli esiti delle cure.

    In questa prospettiva, il patentino di bilinguismo non può venire considerato un adempimento burocratico ormai superato, bensì come uno strumento — attualissimo — volto a garantire un’assistenza sanitaria sicura e di qualità a tutti i gruppi linguistici. Non tutela soltanto un diritto astratto, ma è una concreta misura di sicurezza del paziente.

    Mi colpisce come in tempi in cui si insiste su una medicina basata sull’evidenza, proprio l’evidenza scientifica che conferma l’importanza fondamentale della lingua venga spesso e volentieri banalizzata o addirittura ignorata.

    Considerare irrilevante la competenza linguistica del personale sanitario significa infatti ignorare un fattore che la letteratura scientifica ormai da anni associa regolarmente a una qualità delle cure nettamente migliore e che, in questo studio, viene esplicitamente collegato perfino a una mortalità sensibilmente maggiore.

    Ciò vale anche per chi ha falsificato certificati linguistici o ha minimizzato la gravità di tali comportamenti sostenendo magari che nessuno ne sarebbe stato danneggiato. Probabilmente nessuno può affermare che un particolare caso abbia avuto conseguenze fatali. Tuttavia, se l’evidenza scientifica mostra che la concordanza linguistica è associata a una minore mortalità, diventa impossibile sostenere che il rispetto dei requisiti linguistici nella sanità sia privo di conseguenze per i pazienti.

    Anzi, in molti casi può essere una questione di vita o di morte.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08



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  • Das Landespresseamt ›kürzt‹ die deutsche Sprache.

    Die offizielle Zwei- bzw. Dreisprachigkeit ist eine tragende Säule der Südtirolautonomie. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Land selbst dazu beiträgt, die deutsche Sprache auch dort in eine Nebenrolle zu drängen, wo dies absolut unnötig wäre.

    Das passiert zum Beispiel immer wieder in Aussendungen des Landespresseamtes (LPA). So verwendet das offizielle Sprachrohr des Landes auch in deutschen Mitteilungen regelmäßig italienische Abkürzungen, obwohl eigentlich etablierte deutsche Entsprechungen existieren.

    Dabei ist die Ausgangslage ja schon stark asymmetrisch: Für unzählige staatliche Einrichtungen und Begriffe gibt es ausschließlich italienische Akronyme — etwa INAIL, RFI, ANPAL oder SPID. Umso wichtiger wäre es, dass das Land wenigstens in den Bereichen, in denen es autonom handeln und eine eigene Terminologie schaffen kann, die Minderheitensprachen konsequent pflegt und sichtbar macht.

    Die folgenden Beiden Aussendungen verdeutlichen das Problem exemplarisch:

    Bildschirmfotos zweier LPA-Meldungen (01 02) – Hervorhebungen von mir

    In der ersten Meldung wird die Landesstraße 44 als »SP 44« statt als »LS 44« bezeichnet. Wie der Name schon sagt, fallen Landesstraßen in die direkte Zuständigkeit des Landes. Das deutsche Kürzel hat hier also exakt dieselbe Legitimität und Daseinsberechtigung wie das italienische SP (für Strada Provinciale). Erst kürzlich hatte ich darauf hingewiesen, dass die Brennerautobahn die deutsche Bezeichnung ignoriert. Doch wenn das Land selbst dies in einem offiziellen deutschsprachigen Text tut, leistet es dieser Unsichtbarmachung indirekt Vorschub.

    Noch befremdlicher ist aus meiner Sicht der zweite Fall: Die Gemeindeimmobiliensteuer (GIS) ist eine der wenigen vom Staat ans Land delegierten Steuern. Viele Jahre lang gab es für die staatlichen Vorgänger (ICI, dann IMU) keine deutschen Entsprechungen. Seit der Übernahme durch das Land wurde nun erstmals eine offizielle deutsche Bezeichnung geschaffen.

    Wenn das LPA nun in deutschen Texten dennoch auf das italienische Kürzel (IMI) der Südtiroler Immobiliensteuer zurückgreift, verwendet es nicht bloß die falsche Abkürzung. Es entwertet damit eine eigene sprachpolitische Leistung. Das Land schafft eine offizielle deutsche Terminologie — und behandelt sie anschließend selbst so, als wäre sie der italienischen untergeordnet und eigentlich verzichtbar.

    Dass das Presseamt bei solchen Begriffen auf italienische Abkürzungen zurückgreift, ist mehr als ein kleiner Verstoß gegen gesetzliche Verpflichtungen. Es zementiert nämlich die unterschwellige Wahrnehmung der deutschen Sprache in Südtirol als bloße Sekundär- und Hilfssprache. Die italienischen erscheinen als die maßgeblichen Bezeichnungen, während die deutschen lediglich als Übersetzungen wahrgenommen werden.

    Die Folgen sind real und reichen weit über die Landesverwaltung hinaus. Regelmäßig werden LPA-Mitteilungen von Medien (wie z.B. hier) Wort für Wort übernommen. Das LPA fungiert somit als Multiplikator, dessen Sprachgebrauch sich unmittelbar auf Zeitungen, Portale und soziale Medien auswirkt. Was womöglich als Schlampigkeit — oder Nachlässigkeit — beim Land beginnt, etabliert sich anschließend in der Öffentlichkeit.

    Für sich genommen mag das nebensächlich erscheinen. In der Summe mit vielen anderen vermeintlichen Nebensächlichkeiten ist es jedoch das, was die Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol vorantreibt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • Die ›italienische Minderheit‹, das ›Siamo in Italia‹.
    Logische Kurzschlüsse

    In Bezug auf das von Alessandro Urzì (FdI) vorangetriebene Gerrymandering wird auf Salto behauptet, der Abgeordnete könne »den Minderheitenschutz als Beweggrund für sein Handeln ins Feld führen« — und zwar »mit Fug und Recht«.

    Ich glaube nicht, dass diese Einschätzung auf mangelnder Sachkenntnis beruht. Vielmehr zeigt sie, wie begriffliche Verkürzungen unser Denken beeinflussen können, wenn wir nicht differenzieren. Bestimmte politische Schlussfolgerungen erscheinen dann sehr plausibel, obwohl sie einer näheren Überprüfung gar nicht standhalten.

    In Südtirol verwenden wir den Begriff »Minderheit« in der Regel als Synonym für »Sprachminderheit«. Im Alltag spielt diese Unterscheidung auch kaum eine Rolle.

    Sie kann jedoch mitunter entscheidend sein. Wer »Minderheit« hört, denkt zunächst an eine rein mathematische Kategorie: Eine Gruppe ist kleiner als eine andere — und davon wird dann voreilig eine angebliche Schutzbedürftigkeit abgeleitet. Genau das ist aber mit dem Begriff »Minderheitenschutz« nicht gemeint. Er dient nicht dem Schutz einer beliebigen statistischen Minderheit, sondern von Gruppen, die gegenüber einer staatlich dominierenden Mehrheit benachteiligt oder assimilationsgefährdet sind.

    Die italienische Sprachgruppe ist in Südtirol zwar zahlenmäßig kleiner als die deutsche, gehört aber gleichzeitig der Titularnation des italienischen Staates an, dessen Institutionen und einzige Staatssprache sie teilt. Davon abzuleiten, ein ethnisch motivierter Zuschnitt von Wahlkreisen zugunsten dieser Gruppe sei »Minderheitenschutz«, vermischt zwei völlig unterschiedliche Ebenen.

    Gerade deshalb wäre es sinnvoll, häufiger von »Minorisierung« und »minorisierten Gruppen« als von bloßen »(Sprach-)Minderheiten« zu sprechen. Diese Begriffe lenken den Blick auf gesellschaftliche Machtstrukturen und nicht nur auf Zahlenverhältnisse.

    Urzìs Vorschlag jedenfalls schützt keine Minderheit. Er verfolgt vielmehr das Ziel, die politische Stellung der Titularnation innerhalb Südtirols weiter auszubauen und zu konsolidieren.

    Dass solche begrifflichen Kurzschlüsse überhaupt funktionieren, ist erstaunlich. Doch offenbar neigt unser Denken dazu, komplexe Zusammenhänge auch auf unzulässige Weise zu vereinfachen — und die Sprache kann diesen Prozess fördern.

    Wie ich finde, ist das ein ähnliches Muster wie bei: »Wir sind in Italien, also wird hier Italienisch gesprochen«. Der Satz wirkt unmittelbar plausibel — nicht etwa weil er logisch und richtig wäre, sondern vor allem, weil Staat, Staatsvolk und Sprache terminologisch verschwimmen.

    Wie sehr dieser Effekt von der Begrifflichkeit abhängt, lässt sich vielleicht am besten mit einem Gedankenexperiment aufzeigen.

    Hieße Italien nicht Italien, sondern beispielsweise Apenninien, klängen Aussagen wie »Wir sind in Apenninien, also wird hier Italienisch gesprochen« oder »Du bist Apenninierin, also sprich Italienisch« gleich weit weniger selbstverständlich. Der rhetorische Trick würde nicht richtig funktionieren.

    Dasselbe gilt für die Staatsangehörigkeit. Das Wort »Italienerin« bezeichnet sowohl eine italienische Staatsbürgerin als auch eine Angehörige der italienischen Sprach- und Kulturgemeinschaft. Die begriffliche Unschärfe begünstigt logische Fehlschlüsse wie: »Sportlerin XY ist Italienerin, also soll sie Italienisch sprechen.«

    Mit Formulierungen wie »Sportlerin XY ist Apenninierin, also soll sie Italienisch sprechen« oder auch »Sportlerin XY ist Österreicherin, also soll sie Deutsch sprechen« funktioniert dieselbe Logik weit schlechter, obwohl Österreich genauso ein Nationalstaat ist wie Italien, Deutschland oder Frankreich. Staaten, deren Name sich nicht von der dominierenden Sprachgemeinschaft ableitet, machen uns aber unsere gedankliche Faulheit nicht so leicht.

    Wo Staat und Sprache denselben Namen tragen, arbeitet die Begrifflichkeit dem Staatsnationalismus gewissermaßen zu.

    Ähnliche Phänomene begegnen uns ständig. Auch die Gleichsetzung von Selbstbestimmung und Sezession ist Ausdruck von mangelnder Differenzierung, ebenso wie unser Schlagwort von der »Nation ohne Nation« auf Verständnisprobleme stößt, weil es — bewusst — auf zwei unterschiedliche Bedeutungen des Nationenbegriffs angespielt wird.

    Umso wichtiger ist es, Begriffe nicht verwaschen zu lassen und sich stets zu vergegenwärtigen, worum es inhaltlich geht. Wenn die Titularnation als bedrohte Minderheit und nationalistische Machtpolitik als Diskriminierungsschutz missverstanden werden können, ist der Punkt längst überschritten, an dem begriffliche Fehlleitungen noch harmlos sind.

    Cëla enghe: 01



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  • Die Trumpisierung der Volkspartei.


    von Günther Pallaver

    Die Südtiroler Volkspartei (SVP) wird im Senat gegen das neue Wahlgesetz stimmen, sofern es dort zur Abstimmung kommt. Dagegen ist die Volkspartei, weil sie gegen die Verkleinerung des Wahlkreises Bozen-Unterland ist, um die Wahl eines italienischen Senators oder einer Senatorin wahrscheinlicher zu machen.

    Der Rückzieher kam gestern nach einer Aussprache mit dem SVP-Bezirk Überetsch-Unterland, der laut Presseberichten »stinksauer« ist, dass die SVP dagegen nicht massiv auf die Barrikaden gegangen ist, obwohl sie seit Ende Juni von Urzìs Plänen wusste. Protestiert hatten aber nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch die Junge Generation in der SVP und die SVP-Altmandatare, Parteiämter waren zurückgelegt, Parteiaustritte angedroht worden.

    Parteiobmann Dieter Steger erklärte nach der Sitzung am gestrigen Montag, die SVP habe keine rechtlichen Instrumente gegen die Verkleinerung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland, man könne nur politisch agieren. 

    Unter »politisch agieren« verstand Steger bislang allerdings nicht einen lautstarken Protest, die unmittelbare Informierung der Öffentlichkeit, die Mobilisierung seiner Partei, vor allem des Unterlandes, die offizielle Inkenntnissetzung Österreichs, sondern einen Deal mit Alessandro Urzì von Fratelli d’Italia, der den Verkleinerungsantrag in der Kammer eingebracht hatte. Dieser Deal sieht vor, dass die Hürde bei der Wahl der Abgeordneten auf regionaler Ebene für ethnoregionale Parteien von 20 auf 15 Prozent herabgesetzt wird. Die Rechnung ging auf, Wahlkreisverkleinerung gegen Herabsetzung der Wahlhürde, welche die SVP wegen des Wähler:innenschwundes befürchtet, irgendeinmal nicht mehr zu schaffen.

    Noch am 16. Juli bekräftigte die SVP den »Kurs des Dialogs« mit Urzì und meldete: »Internationale Absicherung der drei Kammersitze in greifbarer Nähe.« Die Enthaltung in der Kammer sei »Ausdruck einer konstruktiven Haltung.« Klingt das nach Ablehnung der Wahlkreisänderung, wie man jetzt zu verstehen geben will? Im Gegenteil, es ging nur um den Deal.

    Dieser Deal weist auf die schleichende Trumpisierung der SVP hin. Trump versteht Politik als eine ständige Abfolge von Deals zu seinen Gunsten. Alles ist Ware, mit der man Geschäfte machen kann. Koalition mit den rechts-rechten Parteien in der Landesregierung? Ziehen wir durch, wenn ein »Paket 2« winkt. Wahlkreisverkleinerung? Lässt sich machen, wenn die Wahlhürde gesenkt wird.

    Beim trumpschen Deal treten Werthaltungen oder langfristige Grundsatzfragen in den Hintergrund. Müssen wir dies mit Bedauern nicht auch bei der SVP feststellen?

    Trump behauptet heute felsenfest etwas, und morgen das Gegenteil davon. Die SVP präsentiert den Deal zur Wahlkreisverkleinerung mit dem Hinweis auf das Gegengeschäft als Erfolg, um tags darauf strikt dagegen zu sein.

    Den Deal fädelt Trump höchst persönlich ein. Den Deal mit Rom fädelt Parteiobmann Dieter Steger höchst persönlich ein. Früher hat die SVP ihre Basis bei wichtigen Entscheidungen miteinbezogen, heute reagiert sie höchstens, wenn es an der Basis gefährlich brodelt. Die ehemalige große und erfolgreiche Sammelpartei hat es verlernt, die Basis zu befragen, mit der Basis zu diskutieren, die Basis miteinzubeziehen.

    Was bei solchen Deals wie mit der Wahlkreisverkleinerung, bei der man zuerst dafür und dann dagegen ist, für die SVP verloren geht, ist ihre Glaubwürdigkeit. Wenn eine Partei ihre Glaubwürdigkeit verliert, verliert sie in gleichem Ausmaß den Wähler:innenkonsens.

    Wenn der Parteiobmann daran denkt, sich um die Nachfolge von Landeshauptmann Arno Kompatscher zu bewerben, hat er mit diesem Deal nicht gepunktet.

    Dieser Beitrag ist als Gastkommentar auch auf Salto erschienen.


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  • Sensationell: Regionalteam gewinnt Fußballweltmeisterschaft!
    Bunte Flaggenparade beim Sieg der Mannschaft aus Spanien

    Die Selección de fútbol de España hat gestern im Finale der 23. FIFA-Fußballweltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada im MetLife-Stadion in New Jesery (USA) die Albiceleste aus Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung besiegt. Das Spiel war größtenteils Fußball zum Abgewöhnen – was aber nicht an der souveränen Furia Roja lag, sondern am über weite Strecken dekonstruktiv und unfair agierenden Gegner, der in der regulären Spielzeit kein einziges Mal einen Schuss in Richtung spanisches Tor abgab. Ein unrühmlicher Rekord. Ebenso unrühmlich war auch die Reaktion eines Teils der argentinischen Spieler nach der Niederlage. Tätlichkeiten (die dem Vernehmen nach auch nach dem Schlusspfiff noch zu einer roten Karte führten) und ein demonstratives Rückenkehren bei der Pokalübergabe an die spanischen Spieler waren Manifest dieser unappetitlichen Unsportlichkeit und ein gehöriger Schatten auf dem wohl letzten WM-Auftritt des GOAT, Lionel Messi.

    Wobei die Pokalübergabe durchaus sehenswerte Bilder bot (abgesehen vom POTUS der in narzisstischer Manier wieder einmal ein Jubelfoto crashen musste und nicht einmal von Gianni Infantino davon abgehalten werden konnte). Wie schon bei anderen Gelegenheiten (EM-Titel, U-19-Weltmeisterschaft usw.) zeigten die spanischen Spieler Flagge – und soweit ich das überblicken konnte in keinem Fall die spanische. Zahlreiche Weltmeister hüllten sich vor einem Milliardenpublikum in Flaggen der autonomen Gemeinschaften bzw. Regionen Spaniens oder ihrer Heimatstädte.

    Bildausschnitt von den Siegesfeierlichkeiten der Fußballweltmeisterschaft – Bildschirmfoto von mir

    Während der Jubelszenen, an denen auch König Felipe VI. beteiligt war, trugen Yeremi Pino und Pedri eine kanarische Flagge, Dani Olmo jene der Stadt Terrassa in Katalonien, Gavi hatte die andalusische Flagge um die Schultern und Borja Iglesias war in eine galicische Flagge gewickelt. Álex Baena nutzte die Flagge seiner Heimatstadt Roquetas de Mar als Schürze, Siegestorschütze Ferrán Torres war mit der Flagge der valencianischen Gemeinschaft unterwegs und Pau Cubarsi mit jener der katalanischen. Pedro Porro zeigte Farbe für die Extremadura (Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit).

    Das Verhalten der Spieler aus Spanien zeigt und bewirkt gleich mehrere Dinge: Es verleiht der föderalistischen Struktur des Königreichs sowie den Gebietskörperschaften und deren Kultur Sichtbarkeit – vor hunderten Millionen von Menschen. Es negiert die nationalistische Idee, dass es nur die eine – nämlich die nationale – Identität gäbe und man nur ein “guter Bürger” sei, wenn man sich ausschließlich zu dieser einen Identität bekenne. Gar manche Südtiroler Sportlerinnen können davon – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Lied (Stichwort: Mameli-Hymne) singen. Die Praxis spanischer Fußballteams hingegen unterstreicht das Prinzip multipler Identitäten. Weil sich die spanischen Spieler der nationalistischen Logik entziehen, weckt dies auch das Interesse der Medien und die Aktion wird dementsprechend rezipiert 01 02, was wiederum Aufklärung über regionale und lokale Begebenheiten bringt und weitere Exposition bedeutet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09



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