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  • Brixen hat eine ›bikefesta‹.

    Nachdem schon das öde »Wasser-Licht-Festival« erfolgreich zum wesentlich cooleren »Water-Light-Festival« aufgemöbelt wurde, wird die Bischofsstadt jetzt noch moderner.

    Dabei ist das Rezept auch noch so einfach: Man nehme eine Prise Eventsprech-Englisch (bike), füge etwas Italienisch (festa) hinzu und meide Minderheitensprachen wie der Teufel das Weihwasser. Fertig ist die zeitgemäße Marketingkommunikation.

    Deutsch? Gar Ladinisch? Würden (das Geschäft) nur stören.

    Auch für die vier thematischen Schwerpunkte lassen sich auf diese Weise ganz einfach tolle Namen erschaffen:

    Ausschnitt bikefesta-Website

    Also brand festa, ride festa und people festa. Nur bei der Kulinarik ist etwas mehr Vorsicht geboten: Die gelernte Gastronationalistin weiß, dass Essen und Sauf… Schlürfen ausschließlich mit Italien in Verbindung gebracht werden dürfen. Mit einem einfachen Kniff — Englisch raus, noch mehr Italienisch rein (gusto festa) — lässt sich das aber sehr elegant lösen.

    Okay, vielleicht wirkt das Ganze ein wenig beliebig und austauschbar, pseudo-international und an der lokalen Realität vorbei konzipiert.

    Doch finally… who cares?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • Inhaltlich dürftig.
    Podcast Teil 2


    Der Rechtswissenschaftler Peter Hilpold und seine Kritik an der Reform der Südtirol-Autonomie

    Der Innsbrucker Universitätsprofessor zitiert als Gegenstück die Territorialautonomie der Åland-Inseln. Das dortige Parlament sucht im Dialog mit der schwedischsprachigen Bevölkerung dieser zu Finnland gehörenden Inseln nach Autonomieperspektiven. Als eines der Ziele gilt die Finanzautonomie. Eine Expertenkommission, Hilpold gehört dazu, begleitet die Politik der Åland-Inseln. Eine völlig andere Herangehensweise an eine Reform der bestehenden Autonomie. Die Südtiroler Volkspartei verhandelte hinter verschlossenen Türen mit Spitzenvertretern der italienischen Regierung über die Reform.

    Ein Podcast von Wolfgang Mayr:

    Serie I II

    Cëla enghe:


    I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i/la autëures ne sustën nia for i fins de BBD. · Autor:innen- und Gastbeiträge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen. · I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • Linguistische Unsicherheit.

    Sprachliche oder linguistische Unsicherheit entsteht bei Individuen, Gemeinschaften oder beiden, wenn sie subjektiv den Eindruck gewinnen, ihre Sprache oder Varietät sei »falsch«, minderwertig oder wenig prestigeträchtig. Mit objektiven sprachlichen Defiziten hat dies meist wenig zu tun.

    Eine zentrale Ursache für dieses Phänomen ist die sogenannte Standardsprachenideologie. Sie vermittelt die irrige Vorstellung, es gebe eine (einzige) richtige, neutrale und überlegene Sprachform, während Dialekte, regionale Varietäten oder Minderheitensprachen als Abweichung erscheinen. Öffentliche Institutionen wie Schule, Staat, Gesetzgebung oder Medien tragen häufig aktiv zu dieser Hierarchisierung bei, indem sie Standardvarietäten als Norm und alles andere als defizitär darstellen.

    Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist diese Vorstellung nicht haltbar. Sprache existiert nicht losgelöst von Sprecherinnen, geographischem Raum und sozialem Kontext. Dialekte und andere Varietäten sind keine fehlerhaften Versionen der Standardsprache, sondern voll- und gleichwertige sprachliche Systeme.

    Besonders häufig betrifft sprachliche Unsicherheit Sprecherinnen minorisierter Sprachen. Dort kommt ein strukturelles Machtgefälle dazu: Die staatliche Mehrheitssprache ist institutionell besser abgesichert, wird deshalb weniger hinterfragt und ist im öffentlichen Raum sichtbarer. Für minorisierte Sprachen erzeugt dies zusätzlichen Druck. Am Beispiel frankophoner Kanadierinnen ist dies gut erforscht.

    In Südtirol sind es auch führende Politikerinnen, bis hin zu Mitgliedern der Landesregierung, die die Standardsprachenideologie offensiv propagieren. Wenn selbst sie suggerieren, Südtirolerinnen sprächen kein »richtiges« Deutsch oder der Dialekt sei minderwertig, schlecht oder für Italienerinnen unverständlich, reproduzieren sie genau jene Denkmuster, die sprachliche Unsicherheit fördern.

    Eine solche Abwertung bestimmter Sprachformen ist letztlich eine Form von Glottophobie oder Linguizismus.

    Eine häufige Folge sprachlicher Unsicherheit ist Anpassung. Sprecherinnen passen ihre Sprache im Kontakt mit anderen vorschnell an, insbesondere bei Begegnungen mit Mitgliedern einer sprachlichen Mehrheitsgruppe. Wer die eigene Varietät als problematisch empfindet, verzichtet auch schneller auf sie.

    In ihrer unproblematischen Ausprägung trägt die Anpassung als »Akkommodation« zur Verständigung bei: Wenn etwa ein Ahrntaler und eine Ultnerin miteinander sprechen, werden sie ihre jeweiligen Dialekte vermutlich etwas aneinander angleichen. Um sich zu verstehen, müssen sie aber keineswegs ins Standarddeutsche (oder was dafür gehalten wird) wechseln, sondern es genügt, dass sie einige dialektale Eigenheiten abschwächen.

    Problematisch wird sprachliche Anpassung dann, wenn sie — etwa aufgrund von sprachlicher Unsicherheit — einseitig und dauerhaft verläuft. Genau das ist bei minorisierten Sprachen häufig der Fall. Sprecherinnen einer Minderheitensprache verzichten in gemischten Kontexten (Outgroupkontakten) oft vorschnell auf ihre Sprache und wechseln rasch in die Mehrheitssprache, während die Anpassung in die Gegenrichtung deutlich seltener erfolgt.

    So entsteht ein Teufelskreis: Je seltener eine minorisierte Sprache in gemischten Kontexten verwendet wird, und je mehr sie aus der öffentlichen Sphäre gedrängt wird, desto größer wird der Druck, aus falsch verstandener »Rücksicht« weiterhin auf sie zu verzichten.

    Auf individueller Ebene lässt sich dem entgegenwirken, indem Sprecherinnen bewusst auf voreilige Anpassung verzichten. Entscheidend wäre aber vor allem ein institutioneller Kulturwandel. Schule, Medien, Politik und öffentliche Einrichtungen aller Art sollten sprachliche Unsicherheit nicht bloß nicht verstärken, sondern aktiv linguistische Sicherheit fördern.

    Das bedeutet konkret: regionale Varietäten und Dialekte nicht als Problem, sondern als legitimen Teil der sprachlichen Realität behandeln.

    Interessant finde ich übrigens, dass gerade auch die Gefahr von Sprachverlust bzw. Assimilation ein wichtiger Faktor sprachlicher Unsicherheit sein kann. Sprecherinnen einer bedrohten Sprache oder Varietät haben oft ein besonders fragiles Verhältnis zur eigenen sprachlichen Identität.

    Sprachliche Sicherheit ist also ein zentraler Bestandteil von Minderheitenschutz und echter sprachlicher Gleichstellung — sowie eine Voraussetzung für eine langfristig mehrsprachige Gesellschaft.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 || 01 02



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  • Der koloniale Blick von Rai Südtirol.


    Über »3 Frauen, 1 Ziel: Uganda – Wo Hilfe Zukunft schafft«

    Eine kürzlich erschienene Dokumentation von Rai Südtirol begleitet eine Delegation aus Südtirol, der unter anderem auch Landesrätin Rosmarie Pamer (SVP), Beatrix Mairhofer und Irene Obexer (Diözese Bozen-Brixen) angehörten, auf ihrer Reise nach Uganda 2025. Man wolle sich dabei »ein Bild der Lage vor Ort [..] machen.« Regisseur der Dokumentation ist Hannes Penn. Die Dokumentation stellt vor allem diese drei Frauen ins Zentrum des Geschehens, deren Ziel es sei: »Hilfe sichtbar zu machen, Begegnungen schaffen, Zukunft ermöglichen«. Anders ausgedrückt, zeigt der Film eine Delegation weißer Europäer:innen, die ein paar Tage einen Lokalaugenschein machen und dann wieder abreisen und in deren Hand es zu liegen scheint, eine mögliche Zukunft zu ermöglichen oder nicht. 

    Die Dokumentation spricht häufig (und zeigt diese auch filmisch) eine Perspektiven- und Hoffnungslosigkeit der dort lebenden Menschen an, der durch die Hilfe aus Südtirol entgegengewirkt werden soll. Dabei stellt der Regisseur die gezeigten Menschen vor allem als hilflose Subjekte ohne Handlungsmacht dar, die angewiesen auf die Hilfe durch den »Westen« sind. Der Regisseur beschränkt sich ferner darauf, die dort lebenden Menschen vor allem zu zeigen, zwar werden einige dort lebende (wahrscheinlich gleichzeitig privilegierte) Menschen sehr kurz interviewt, doch liegt der Fokus der Dokumentation auf den weißen Besucher:innen bzw. dort tätigen Missionaren. So wird in der Dokumentation viel über die Menschen geredet, denen es zu helfen gilt, da sie ohne Hilfe keine Perspektiven hätten, jedoch wird nicht mit ihnen gesprochen. Dadurch manifestiert sich nahezu durchgehend ein kolonialer Blick der Europäer:innen, die hier stark als weiße Retter:innen (white saviorism) durchkommen. Zwar wird in den ersten Sekunden der Dokumentation der Kolonialismus und dessen negative Auswirkungen in Uganda kurz angesprochen, doch zeigt die Dokumentation im Grunde, dass die Menschen dort immer noch abhängig gemacht werden von der Hilfe aus Europa und den dort tätigen Missionar:innen, die die Hilfsgüter verteilen und sich auch unentbehrlich machen. Zum Ende der Dokumentation besucht die Delegation ein Krankenhaus, in dem kranke, vulnerable Menschen abgefilmt werden. In Großaufnahme wird in der gleichen Szene ein augenscheinlich krankes, liegendes Kind gezeigt mit einer Sauerstoffbrille und einem schaumbedeckten Mund (ich zeige das Bild hier bewusst nicht, weil ich es nicht reproduzieren möchte). Diese Szene reiht sich sehr passend in die ganze Argumentationsstruktur der Dokumentation ein, die darauf abzuzielen scheint, die gezeigten Menschen in Uganda als hilflos und angewiesen auf die Hilfe Europas darzustellen. Wohl kaum würde man ein krankes Kind in dieser Situation im Fernsehen (oder gar überhaupt irgendwo) ausstrahlen, wenn es in irgendeinem westlichen Krankenhaus (z.B. Krankenhaus Brixen, um eines zu nennen) liegen würde. Was aber für Südtirol, bestimmt auch rechtlich gilt, kann man in Uganda anscheinend leicht umgehen. Jedoch denke ich mir, nur weil man etwas zeigen kann, muss man es nicht zwangsläufig zeigen, außer man verfolgt ein Ziel damit. Ein wenig später in der Dokumentation zeigt der Regisseur nackte Kinder und eine stillende Frau, auch hier scheint mir der koloniale und voyeuristische Blick filmisch sehr stark durchzukommen. 

    Die gezeigten Bilder dieser Dokumentation scheinen vor allem auf die Evokation von Mitleid bei den Zuschauer:innen ausgerichtet zu sein. Die Menschen in Uganda werden dabei als hilflose und auf Hilfe angewiesene Subjekte ohne Handlungsmacht dargestellt. Dabei verkennt die Dokumentation gänzlich, welche neuen Abhängigkeiten durch diese »Entwicklungshilfe« geschaffen werden, welche alten Abhängigkeiten reproduziert werden und welche Machtasymmetrien dem zu Grunde liegen.


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  • WM: Politischer Sport und nationale Orientierung.
    Quotation

    Samuel Fink hat für das Onlinemagazin Barfuss ein tolles Interview mit dem Politologen Peter Filzmaier über die laufende Fußballweltmeisterschaft geführt. Darin heißt es unter anderem:

    Vom angeblich unpolitischen Sport zu reden, ist ein GAU – der größte anzunehmende Unsinn. […] Die FIFA war seit ihrer Gründung politischer Akteur. In den Artikeln 2 und 3 der FIFA-Statuten – also sehr weit vorne – sind Völkerverständigung und Menschenrechte sowie Antidiskriminierung und der Kampf gegen Rassismus als Zielsetzung vorgegeben. Mehr Politik geht nicht. Statutarisch als Ziel im positiven Sinn, es hapert jedoch gewaltig mit der Umsetzung.

    – Peter Filzmaier

    [Es] spielen Nationalmannschaften, wobei sowohl die Spieler Nationaltrikots mit Staatswappen tragen als auch die Fans Nationalfahnen schwenken. Gleich zu Beginn des Spiels wird die jeweilige Nationalhymne gespielt und mitgesungen. Mehr nationale Orientierung geht nicht. Jede Hymne ist ja kein Tralala-Volkslied, sondern hat eine zutiefst politische und oft nationalistische Geschichte. Der Hymnentext Frankreichs beispielsweise ist sogar extrem brutal und verherrlicht Gewalt, so wie übrigens auch die italienische Hymne, die in einer Passage historisch gegen Österreich gerichtet ist.

    – Peter Filzmaier

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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  • Mehr (oder weniger) Autonomie.
    Quotation

    Alexandra Aschbacher hat für die ff ein Interview mit Francesco Palermo über die Autonomiereform geführt. Zwei Auszüge:

    Wem nützt diese Reform?

    Giorgia Meloni. Den Fratelli d’Italia. Und womöglich einigen Unternehmern in Südtirol.

    – Francesco Palermo, ff Nr. 25/2026

    Interessant finde ich den Artikel 107 zu den Durchführungsbestimmungen[.] Darin steht, dass Durchführungsbestimmungen auch »Harmonisierung« der Gesetzgebungskompetenzen zwischen Staat und Region ermöglichen. Das ist ein Eigentor — und sehr besorgniserregend. Harmonisieren ist gleich anpassen, annähern. Das bedeutet weniger Autonomie und nicht mehr Autonomie. Ich habe mehrmals darauf gepocht, diesen Artikel 107 so zu belassen, wie er war, denn er hat funktioniert. Um nicht falsch verstanden zu werden: In manchen Bereichen wird die Autonomie vielleicht stärker werden. Aber in anderen Bereichen könnte es auch passieren, dass sie zurückgeht.

    – Francesco Palermo, ff Nr. 25/2026

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • Brixen, Gennaro Sora bleibt Ehrenbürger.

    Der Gemeinderat des Eisacktaler Hauptorts hat kürzlich einen vom Team K mitgetragenen Antrag der STF versenkt, mit dem die Ehrenbürgerschaft von Gennaro Sora (1892-1949) zurückgenommen werden sollte. Sie war ihm bereits 1928 vom faschistischen Amtsbürgermeister (Podestà) verliehen worden, noch bevor er ab 1937 in Äthiopien tätig wurde.

    Dort war er federführend an der Niederschlagung des antikolonialistischen Widerstands beteiligt. Als befehlshabender Offizier gilt er als einer der Hauptverantwortlichen des Massakers von Zeret im Jahr 1939, bei dem italienische Truppen mit Giftgas, Massenerschießungen und anderen brutalen Methoden gegen die in einer Höhle eingeschlossene Bevölkerung vorgingen. Unter den Opfern befanden sich auch Frauen, Kinder und ältere Menschen.

    Der italienische Journalist Paolo Rumiz bezeichnete das Verbrechen bereits vor zwanzig Jahren als »schlimmer als Marzabotto« und »schlimmer als Srebrenica«.1la Repubblica vom 22. Mai 2006 Er verglich Zeret mit den Karsthöhlenmassakern, womit er jedoch ausblendete, dass Italien sowohl in Äthiopien als auch auf dem Balkan als Besatzungs- und Kolonialmacht agierte.

    Dass der Gemeinderat von Brixen nicht bereit war, einer historisch derart belasteten Persönlichkeit die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, ist erstaunlich und erinnert an die Beibehaltung der Ehrenbürgerschaft von Benito Mussolini in Trient (vgl.). Die neofaschistischen Fratelli d’Italia jubelten naturgemäß über die Ablehnung des STF-Antrags, wobei sich der übliche Kurzschluss offenbarte: Während sie die Karsthöhlenmassaker vehement verurteilen, begegnen sie italienischen Kriegsverbrechen mit Relativierungen und Ausflüchten.

    Gegen die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Sora stimmten neben den italienischen Rechten unter anderem auch die SVP und die Grüne Bürgerliste (GBL).

    Immerhin wurde in derselben Sitzung ein Antrag der GBL genehmigt, der eine systematische Überprüfung von Ehrungen und Auszeichnungen der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Zentrum für Regionalgeschichte vorsieht.

    Damit könnte die Diskussion um Gennaro Sora zwar auf die lange Bank geschoben, aber nicht ganz aufgehoben worden sein. Allerdings stellt sich mir die Frage, was im konkreten Fall überhaupt noch zu überprüfen bleibt. Welche Erkenntnisse benötigt man noch, um eine im Faschismus verliehene Ehrenbürgerschaft abzuerkennen?

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04

    • 1
      la Repubblica vom 22. Mai 2006 ↩︎


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  • ›Letztlich entscheiden wir.‹
    Carbone delle Alpi

    Im heutigen Morgengespräch von Rai Südtirol hat sich der Energieberater und frühere SEAB-Präsident Rupert Rosanelli zur Causa Carbone delle Alpi und zu seiner eigenen Verhaftung geäußert. Unter anderem sagte er:

    Ich bin ja auch ein bisschen im politischen Umfeld tätig und habe schon Verständnis dafür, was manchmal zu solchen Entwicklungen führen kann. Ich glaube, Südtirol ist einfach mit seiner Ausprägung als Autonomie sehr erfolgreich und hat jetzt weitere Freiheiten — oder Selbständigkeiten — bekommen durch das neue Autonomiestatut, und da ist speziell der Bereich Abfallwirtschaft auch dabei. Ich will hier nicht zu weit gehen in meinen Spekulationen, das steht mir vielleicht auch gar nicht zu. Aber das Gefühl ist schon da, dass die Zentralmacht einfach aufzeigen wollte: Passt auf, ihr habt zwar viele Freiheiten, auch normativer Natur, aber letztlich entscheiden wir.

    – Rupert Rosanelli

    Transkription von mir

    Vor wenigen Tagen hatte schon der Historiker und ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen Hans Heiss einen Zusammenhang zwischen der spektakulären Polizeiaktion und der kurz zuvor genehmigten Autonomiereform hergestellt.

    Die Autonomie wird also auf der einen Seite mit erweiterten Zuständigkeiten ausgestattet, wofür als Gegenleistung bereits eine Schwächung des Minderheitenschutzes in Kauf genommen wurde. Auf der anderen Seite steht nun sogar der schwerwiegende Verdacht im Raum, dass der Zentralstaat Menschen verhaften lässt, um eine antiautonomistische Warnung auszusenden und den praktischen Wert dieser Zuständigkeiten wieder zu relativieren.

    Autonomie benötigt nicht nur rechtliche Grundlagen, sondern auch das Vertrauen jener Menschen, die sie ausüben sollen. Wenn Beamtinnen, Techniker und Politikerinnen befürchten müssen, bei Entscheidungen überzogenen Ermittlungen, öffentlichen Vorverurteilungen und gar Verhaftungen ausgesetzt zu werden, kann dies eine abschreckende Wirkung haben, die weit über den konkreten Fall hinausgeht.

    Umso erstaunlicher ist aus meiner Sicht die passive, geradezu apathische Haltung der offiziellen Landespolitik. Folgt man der Deutung von Heiss und Rosanelli, wäre dies ein Hinweis darauf, dass »die Zentralmacht« schon einen Teil ihres Zieles erreicht hat: Niemand begehrt auf, die Botschaft »letztlich Entscheiden wir« ist angekommen.



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