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  • Klausen verkörpert das italienische Lebensgefühl.
    I Borghi più belli d’Italia

    Erst vorgestern hatte ich die Borghi più belli d’Italia thematisiert, zu denen auch fünf Südtiroler Gemeinden zählen. Anlass war die Teilnahme ihres Gründers und Präsidenten an einem Diskussionspanel von Atreju, dem Parteifest der neofaschistischen Fratelli d’Italia.

    Inzwischen bin ich auch auf die Website der Tourismusgenossenschaft Klausen-Barbian-Feldthurns-Villanders gestoßen, wo der Gründungsmitgliedschaft von Klausen bei den sogenannten Borghi ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Dabei bestätigt sich die bereits in meinem ersten Beitrag vermutete (banal-)nationalistische Wirkung dieses Vereins — allerdings in einem Ausmaß, das ich mir in Südtirol kaum hätte vorstellen können.

    Allen Ernstes ist davon die Rede, dass die »Italien’s schönste Ortskerne« (sic) genannte Vereinigung über 360 Dörfer umfasse,

    die für ihre Schönheit, ihren historischen Wert und ihre authentische Atmosphäre bekannt sind. Diese Dörfer repräsentieren die Essenz des italienischen Lebensgefühls und bieten Besuchern ein unvergessliches Erlebnis.

    – Tourismusgen. Klausen-Barbian-Feldthurns-Villanders

    Hervorhebung aus dem Original übernommen

    Weiter heißt es:

    In Südtirol gehören fünf Borghi zu dieser angesehenen Vereinigung: Sterzing, Klausen, Kastelruth, Neumarkt und Glurns.

    – Tourismusgen. Klausen-Barbian-Feldthurns-Villanders

    Hervorhebungen aus dem Original übernommen

    Sterzing, Klausen, Kastelruth/Ciastel, Neumarkt und Glurns — fünf »Borghi« also, die »die Essenz italienischen Lebensgefühls« verkörpern sollen.

    An Dreistigkeit und Respektlosigkeit ist das wirklich nur noch schwer zu überbieten: gegenüber einem großen Teil der Bevölkerung, gegenüber dem langen Kampf um die Anerkennung  unserer »nationalen« Andersartigkeit als Minderheiten — und gegenüber der Geschichte dieses Landes. Diese geradezu absurde Zuschreibung im selben Atemzug mit dem Begriff »Authentizität« vorzunehmen, kommt überdies einer Verhöhnung gleich.

    Bezeichnend ist auch folgende Aussage:

    Die „borghi“ sind mehr als nur Dörfer — sie sind ein Symbol für den Erhalt italienischer Identität.

    – Tourismusgen. Klausen-Barbian-Feldthurns-Villanders

    Abgesehen davon, dass Klausen — ebenso wie Glurns und Sterzing — sowieso kein Dorf, sondern eine Stadt ist, was den Touristikerinnen offenbar egal ist, scheint hier eine vollständige Unterordnung unter nationale, Südtirol unsichtbar machende Kategorien nicht nur hingenommen, sondern geradezu herbeigesehnt zu werden. Dabei ist die Eisacktaler Kleinstadt selbst in Südtirol (geschweige denn in Italien) wohl eine der letzten Ortschaften, die mir in den Sinn kämen, wenn ich an »italienische Identität« denke.

    Die Tourismuswirtschaft gehört in Südtirol zweifellos zu den jenen Bereichen, die der Assimilierung und Italianisierung besonders ungeniert Vorschub leisten. In diesem Fall sogar mit aktiver Unterstützung der Gemeinde.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 ||



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  • Brandmauer Modell Team K.
    Bozen

    Von der SVP ist in Bezug auf Abgrenzung von demokratie- und menschenfeindlichen politischen Kräften schon seit Jahren nichts mehr zu erwarten. Das Team K hingegen hatte sich zumindest formal als mit den neofaschistischen Fratelli d’Italia inkompatibel erklärt, wenngleich von dieser Position schon nach den letzten Landtagswahlen nicht mehr viel übrig geblieben war.

    Jetzt bietet man sich offenbar auch in Bozen einer rechtsrechten Koalition als Mehrheitsbeschafferin an, wie es heißt im Gegenzug zu einem Amtl im Kulturbereich.

    Das hat sogar noch einmal eine andere Qualität. Denn erstens verfügen die Recht(sextrem)en und die SVP in der Landeshauptstadt bereits über eine — wenn auch wackelige — eigene Mehrheit. Und zweitens wird die Koaltion dort, anders als auf Landesebene, nicht von der Sammelpartei angeführt, sondern von einem Bürgermeister, der mit bekennenden Faschisten wahlkämpft und feiert.

    Erst vor wenigen Tagen hatte sich zudem Bozens angebliche Sozialstadträtin Patrizia Brillo (FdI) geweigert, den Bevölkerungsschutz des Landes einzuschalten, um Obdachlosen bei klirrender Kälte ein Schlafquartier zur Verfügung zu stellen.

    Die Brandmauer Modell Team K ist damit so konstruiert, dass sie zwar stabil wirkt, solange sie nicht gebraucht wird, im Ernstfall jedoch umgehend beiseitegeschoben werden kann.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 || 01



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  • Die römische Bevormundung von Rai Südtirol.

    Um den gestrigen Runden Tisch von Rai Südtirol ist eine politische Debatte entbrannt, weil keine Oppositionspolitikerinnen eingeladen waren.

    Dazu schreibt die TAZ in einem Bericht:

    Eine offizielle Stellungnahme von RAI Südtirol blieb auf Anfrage der [Tageszeitung] aus – eine Genehmigung aus Rom, die 72 Stunden vorher eingeholt werden müsse, sei dafür erforderlich.

    – TAZ

    Das ist doch ein Witz: Für eine öffentliche Stellungnahme muss sich der öffentlich-rechtliche Sender der angeblichen Vorzeigeautonomie eine Genehmigung aus Rom holen — und das auch noch mit einer Vorlaufzeit von drei Tagen. Dabei geht es nicht um eine Positionierung der gesamten Rai, sondern lediglich um eine Einordnung einer eigenen Sendung.

    Diese entmündigende Praxis ist das Paradebeispiel für den strikten römischen Zentralismus: ein System, das mit Selbständigkeit — in diesem Fall: redaktioneller Freiheit — nur wenig zu tun hat.

    Hinweis: In diesem Beitrag geht es bewusst und ausdrücklich nur um die Bevormundung von Rai Südtirol und nicht um das Thema der Sendung und die außen vor gelassene Opposition.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • I Borghi più belli d’Atreju.

    Mehrere Südtiroler Ortschaften halten es für sinnvoll und notwendig, sich als Borghi più belli d’Italia bezeichnen zu lassen. Dieses Prädikat beruht nicht etwa auf einer Auszeichnung, sondern wird — neben der Erfüllung einiger Voraussetzungen — durch die kostenpflichtige Mitgliedschaft in einem Verein ermöglicht.

    Die teilnehmenden Gemeinden fördern damit freiwillig ein (banal-)nationalistisches Narrativ und setzen dafür auch noch öffentliche Gelder ein.

    So wie die Mehrheit der Südtiroler Gemeinden wird derzeit auch der größere Teil jener fünf Kleinstädte und Dörfer im Land von der SVP regiert, die zu den schönsten des Nachbarlandes gehören wollen. Es ist gut möglich, dass zum Zeitpunkts ihres Beitritts zu diesem aus Südtiroler Sicht fragwürdigen Verein alle von der Sammelpartei geführt wurden.

    Die Idee für die 2002 gegründeten Borghi più belli d’Italia stammt aus Frankreich, wo die Plus Beaux Villages de France schon 1981 ins Leben gerufen wurden. Nachahmerinnen gab es in mehreren Ländern, etwa in Spanien, Japan oder in der Schweiz. Neben staatsweiten Vereinigungen existieren jedoch auch Netzwerke mit regionalem Bezug: Sowohl Québec als auch Wallonien — und sogar Sachsen — haben eigene Zusammenschlüsse geschaffen und entziehen sich damit einem national(istisch)en Rahmen.

    Der Webauftritt der Borghi più belli d’Italia ist ebenso wie die vereinseigene Zeitschrift ausschließlich auf Italienisch und Englisch verfügbar. Die in den Südtiroler Mitgliedsgemeinden — Glurns, Kastelruth, Klausen1Gründungsmitglied, Neumarkt und Sterzing — mehrheitlich gesprochene Amtssprache Deutsch findet keinerlei Berücksichtigung. Die schweizerische Vereinigung hingegen schafft eine durchwegs viersprachige Kommunikation.

    Auch inhaltlich ist die Website aufschlussreich: Die Borghi werden dort als »Ausdruck der Schönheit und Faszination« präsentiert, in Bezug auf die Italien die weltweite Führungsrolle (!) einnehme.2Original: »[…] sono l’espressione della Bellezza (sic) e del fascino di cui l’Italia è leader nel mondo.« Der Verein stelle »das Beste [dar], was das verborgene Italien der Welt zu bieten hat.«3Original: »l’Associazione […] rappresenta il meglio che l’Italia Nascosta (sic) ha da offrire al mondo.« Und Südtiroler Gemeinden stülpen sich diese Rhetorik über.

    Atreju

    Wie anschlussfähig dieses nationalistische Selbstverständnis für bedenkliche politische Strömungen ist, zeigte sich zuletzt am 13. Dezember: An diesem Tag war Fiorello Primi, Gründer und Präsident der Borghi più belli d’Italia, beim Parteifest der rechtsextremen Fratelli d’Italia (FdI) zu Gast. Dort nahm er an einer Diskussionsrunde mit der offen faschistischen Tourismusministerin Daniela Santanchè (FdI) teil, die dazu diente, die Maßnahmen der Regierung von Giorgia Meloni (FdI) für den Tourismus und speziell für die kleineren Ortschaften in den höchsten Tönen zu loben.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 ||

    • 1
      Gründungsmitglied
    • 2
      Original: »[…] sono l’espressione della Bellezza (sic) e del fascino di cui l’Italia è leader nel mondo.«
    • 3
      Original: »l’Associazione […] rappresenta il meglio che l’Italia Nascosta (sic) ha da offrire al mondo.«


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  • Neuer Autonomy Policy Brief.

    Seit 2023 veröffentlicht das an der Eurac angesiedelte Center for Autonomy Experience jeweils im Dezember einen sogenannten Autonomy Policy Brief, der eine übersichtliche Zusammenfassung der autonomiepolitischen Entwicklungen des jeweiligen Jahres in Südtirol liefert.

    Für das soeben zu Ende gegangene Jahr ist die dritte, von Jakob Volgger und Marc Röggla verfasste Ausgabe des Briefs am 6. Dezember erschienen. Sie analysiert die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen der Autonomiepolitik im Jahr 2025. Dazu gehören unter anderem:

    • eine chronologische Übersicht zur laufenden Autonomiereform mit den entsprechenden verfassungsrechtlichen Schritten und dem Prüfverfahren des noch nicht verabschiedeten Reformentwurfs;
    • Angaben zu neuen Durchführungsbestimmungen des Autonomiestatuts;
    • Auszüge und Ergebnisse des Sprachbarometers 2025;
    • Entwicklungen in den Bereichen Sprach-, Bildungs- und Finanzpolitik;
    • politische Ereignisse wie die Gemeindewahlen.

    Darüber hinaus werden auch überregionale Bezüge thematisiert, etwa die Regierungsbildung in Österreich mit Auswirkungen auf die Schutzmachtfunktion.

    Bereits am 15. April 2025 war zur laufenden Autonomiereform eine Sonderausgabe des Policy Briefs veröffentlicht worden, die eine Analyse des Verfassungsgesetzentwurfs enthielt.

    Ergänzend dazu steht das Autonomy Dashboard zur Verfügung, das laufend aktualisierte Daten zu Autonomie, Minderheitenschutz und gesellschaftlichen Indikatoren in Südtirol enthält.

    Cëla enghe: 01 02 03



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  • Ziemlich unco,ol: Schluss mit zweisprachigen Kampagnen!

    Das Land hat gestern die landesweite Aktion zur dritten Ausgabe der Co,ol – Dry January Challenge vorgestellt, mit der Menschen dazu motiviert werden sollen, einen Monat lang auf Alkoholkonsum zu verzichten. An sich eine gute Sache.

    Doch leider gibt es die Sensibilisierungskampagne nur auf Deutsch und Italienisch, während die ladinische Sprache vollständig fehlt. Selbst dem Englischen wird — beginnend beim Titel — mehr Platz eingeräumt als der kleinsten Amtssprache des Landes. Dabei fällt mir kein schlüssiger Grund ein, warum die Sensibilisierungskampagne nicht dreisprachig sein kann und soll.

    Website der Aktion (Ausschnitt) – auch hier ist Deutsch, wie inzwischen immer öfter, in der Sprachwahl zweitgereiht

    Die Cookie-Info auf der Website der Kampagne ist übrigens nur auf Englisch verfügbar, was wohl gesetzwidrig sein dürfte. Und auch die im Rahmen der Aktion empfohlene App für iPhone und Android gibt es ausschließlich in der »Sprache Shakespeares«.

    Website der Aktion (Ausschnitt)

    Darüber hinaus beherrschen Deutsch und Italienisch das Bild, sowohl online als auch bei den Drucksachen.

    Dabei sollte es längst selbstverständlich sein, dass landesweite Kampagnen zumindest die drei Landessprachen berücksichtigen. Sonst ist das nicht nur alles andere als co,ol, sondern auch respektlos und diskriminierend.

    Zwar bezieht das Land die ladinische Sprache bereits immer wieder auch dann ein, wenn — leider — keine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht (vgl. 01 02 03 04). Doch das sollte noch viel konsequenter geschehen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05



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  • QueerCityPass: UT24 hetzt gegen Wiener Linien.
    Fake News

    Das Südtiroler Onlineportal UnserTirol24 (UT24) verbreitet Falschinformationen über den QueerCityPass der Wiener Linien. Darauf wurde ich von einem Leser hingewiesen. In dem auf Empörung abzielenden Beitrag — der hier bewusst nicht verlinkt wird — wird behauptet, Nicht-Heterosexuellen werde mit diesem Pass eine günstigere Öffi-Nutzung in der österreichischen Hauptstadt erlaubt als Heterosexuellen.

    Allein der Gedanke, ein Ticket könne ausschließlich Queeren vorbehalten sein, ist absurd: Wer sollte bitteschön die sexuelle Orientierung der Ticketkäuferinnen oder der Fahrgäste überprüfen?

    Der QueerCityPass, der sich hauptsächlich an Touristinnen richtet, kann selbstverständlich von jeder frei erworben und genutzt werden — unabhängig von sexueller Orientierung und Identität. Er kostet 17,90 Euro für 24 Stunden bzw. 39,90 Euro mit einer siebentägigen Gültigkeit und ist damit exakt gleich teuer wie der EasyCityPass. Die ViennaCityCard kostet für 24 Stunden mehr (19,00 Euro) und für sieben Tage geringfügig weniger (39,00 Euro) als der QueerCityPass.

    Allen diesen Angeboten ist gemeinsam, dass sie — neben der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel — zielgruppenspezifische Zusatzleistungen enthalten, etwa Ermäßigungen für Museen, Vorteile in Gastronomie und Handel, Kulturangebote und Ähnliches. Schon deshalb sind sie untereinander nicht direkt vergleichbar. Völlig unzulässig ist es jedoch, sie mit dem Wiener Jugendticket zu vergleichen, das UT24 zwar korrekt mit einem Preis von 19,60 Euro angibt, aber für ein ganzes Schuljahr gilt und — anders als die genannten Touristenangebote — weder auf die Kernzone noch auf Wien beschränkt ist.

    Die reine Öffinutzung ohne Zusatzangebote kostet übrigens 9,70 Euro für 24 Stunden (bzw. 10,20 Euro bei Postzustellung) und 25,20 Euro für sieben Tage (bzw. 28,90 Euro bei Postzustellung).

    Die von UT24 betriebene Hetze wird ihre Wirkung vermutlich dennoch nicht verfehlen. Mit journalistischer Sorgfaltspflicht haben diese Fake News jedoch absolut nichts zu tun.

    Cëla enghe: 01 02 03



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