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  • Boznerinnen vertrauen dem Land überdurchschnittlich.
    Debatte um Sonderstatus

    Wieder einmal geistert die Idee eines Sonderstatus für die Südtiroler Landeshauptstadt durch die politische Debatte. Begründet wird dieser Vorstoß meist mit dem vermeintlichen Unbehagen der italienischen Sprachgruppe. Mehr oder minder reale Konflikte und Reibereien zwischen Land und Gemeinde Bozen werden dabei instrumentalisiert, um die Forderung nach einer weitergehenden Selbstverwaltung zu untermauern.

    Dem Kern des Minderheitenschutzes liefe ein derartiger Sonderstatus jedoch diametral entgegen. Ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Bevölkerung des Landes lebt in Bozen, wiewohl er dort einen geringen — und zudem sinkenden — Anteil an der Gesamtbevölkerung stellt. Sie ist somit als Teil der nationalen Minderheit zugleich eine zahlenmäßige Minderheit in ihrer Heimatgemeinde. Dort werden ihre Sprachrechte schon heute oft schlechter und lückenhafter geschützt als im restlichen Land. Mitunter wird sogar eine absurde Schutzpolitik zugunsten der staatlichen Mehrheitssprache betrieben.

    Erhielte die Gemeinde auch noch einen Sonderstatus, würde man die deutschsprachigen Boznerinnen noch mehr von Dienstleistungen und Schutzmechanismen des (mehrheitlich deutschsprachigen) Landes abschnüren — sie also zusätzlich minorisieren.

    Daten

    Davon abgesehen lässt sich das Bedürfnis der Menschen in der Landeshauptstadt nach mehr Eigenverwaltung schwer belegen, wenn man einen Blick auf die Vertrauenswerte in das Land Südtirol wirft. Laut ASTAT-Daten (2023) genießen das Land und seine Verwaltung mit einer Zustimmungsrate von 66 Prozent unter den Südtirolerinnen ein relativ hohes Vertrauen.1Summe der Antworten »sehr groß« und »ziemlich groß« (ohne »weiß nicht«)

    Die vom Statistikinstitut ermittelten Wahrscheinlichkeitsdeterminanten dieses Vertrauens sprechen dabei eine eindeutige Sprache:

    • Bewohnerinnen der Stadt Bozen bringen dem Land wesentlich häufiger Vertrauen entgegen als die Bevölkerung im restlichen Landesgebiet. Statistisch gesehen ist ihre Chance, Vertrauen in das Land zu haben, sogar um 58 Prozent höher.
    • Deutschsprachige Südtirolerinnen haben eine um fast 70 Prozent (!) geringere Wahrscheinlichkeit, Vertrauen in das Land zu haben als ihre anderssprachigen Mitbürgerinnen.

    Letzteres ist bemerkenswert und müsste eigentlich Grund zur Sorge sein: Jene Gruppe, zu deren Schutz die Autonomie primär geschaffen wurde, vertraut deren Verwaltung aktuell deutlich weniger.

    Fest steht jedoch: Aus den Daten lässt sich weder ein spezifischer Konflikt noch ein Misstrauen der italienischen Sprachgruppe oder der Bozner Bevölkerung gegenüber dem Land ableiten. Ganz im Gegenteil. Die Forderung nach einem Sonderstatus — die oft von Kräften am rechten Rand befeuert wird, die Bozen gern als isolierte italienische Enklave sähen —, lässt sich damit ganz sicher nicht untermauern.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08

    • 1
      Summe der Antworten »sehr groß« und »ziemlich groß« (ohne »weiß nicht«) ↩︎


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  • Wahlbroschüre: Senedd statt Parliament.
    Cymru

    In genau einem Monat finden in Cymru (aka Wales) Wahlen zum Senedd, dem Landesparlament statt. Im Vorfeld hat die zuständige Wahlkommission eine Broschüre mit Informationen für die Wählenden veröffentlicht, die es natürlich in einer walisischen und einer englischen Sprachversion gibt.

    Wahlbroschüre: Titelseite (Ausschnitt)

    Interessant finde ich hierbei, dass auch in der englischen Sprachversion der walisische Name des Parlaments, Senedd, benutzt wird — und das, obschon der offizielle englische Name der Institution Welsh Parliament lautet, wie nicht zuletzt die offizielle Website zeigt:

    Senedd-Website (Ausschnitt)

    Das ist in etwa so, als würde man in Südtirol zur Landtagswahl eine amtliche italienische Broschüre herausgeben, in der das Landesparlament nicht Consiglio provinciale, sondern Landtag genannt würde. Ein solcher Schritt im Sinne der sogenannten Affirmative action (positive Diskriminierung) ist hierzulande leider schwer vorstellbar.

    Vor wenigen Jahren war in Cymru auch darüber diskutiert worden, die englische Bezeichnung der Institution ganz fallen zu lassen, doch dazu konnte man sich letztendlich (noch) nicht durchringen.


    Nachtrag vom 8. April 2026: Auch die Webadresse des walisischen Parlaments lautet www.senedd.cymru (führt direkt zur walisischen Sprachversion) und www.senedd.wales (führt direkt zur englischen Sprachversion).

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 || 01 🏴󠁧󠁢󠁷󠁬󠁳󠁿



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  • Landtag, insensato vietare il dialetto.
    Quotation

    Il Consiglio provinciale non è una scuola di pronuncia, è il luogo della rappresentanza democratica. E indignarsi oggi per il dialetto non serve a nulla: è solo un diversivo, perché il dialetto non è un errore da correggere, fa parte della lingua tedesca. Questa polemica secondo me serve solo a spostare l’attenzione dai problemi veri.

    Questa Giunta attuale non ha una visione chiara, una visione politica sulla formazione e sul plurilinguismo in Alto Adige.

    Abbiamo un servizio di traduzione, e questo servizio nel Consiglio provinciale funziona benissimo. Ho parlato con le colleghe lì, e non [ci] sono mai stati problemi con la traduzione. Non c’è spazio per una polizia linguistica.

    Stephanie Risse, linguista, docente presso Unibz, intervistata dal TGR Rai di Bolzano, venerdì 3 aprile. Trascrizione mia.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03 04



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  • Il presidente della Corsica rifiuta la fascia tricolore.
    Sindaco di Bastia

    Il capo del governo còrso, Gilles Simeoni, appartenente al partito autonomista Femu a Corsica, nelle recenti elezioni municipali è stato rieletto sindaco di Bastia, seconda città dell’isola. Aveva già ricoperto tale ruolo dal 2014 al 2016, prima di dimettersi per dedicarsi a quello di presidente, e ora riprende la guida della città.

    Durante la cerimonia d’insediamento e la successiva seduta costitutiva del nuovo Consiglio comunale, Simeoni ha indossato solo per un breve momento la fascia tricolore francese, per poi sfilarsela immediatamente. A differenza dell’Italia, dove il primo cittadino è tenuto a portare la fascia solo quando agisce come rappresentante dello stato, in Francia sarebbe obbligato a portarla in tutte le occasioni ufficiali. Il gesto di Simeoni assume dunque una valenza politica inequivocabile, resa ancor più dirompente dal fatto che a compierlo è l’attuale capo del governo dell’isola: la massima carica politica della Corsica lancia un segnale di aperta sfida ai simboli dello stato centrale.

    Diversamente da quanto accaduto — ad esempio — con Katharina Zeller (SVP), che non solo non era obbligata a indossare la fascia, ma si era ribellata a un attacco nazionalista e sessista del suo predecessore, inoltre, Simeoni ha voluto chiarire esplicitamente che il suo era da considerare un gesto politico.

    La fascia tricolore non è infatti un semplice orpello cerimoniale, ma rappresenta visivamente l’autorità e la supposta indivisibilità dello stato centrale. Il suo rifiuto si carica dunque di un significato simbolico preciso.

    In Francia è inoltre previsto che anche gli assessori indossino la fascia. Tuttavia, sui dodici membri della giunta guidata da Simeoni, ben dieci hanno rifiutato di farlo anche solo per un istante — un gesto corale che rende ancor più clamoroso quello del sindaco. Ciò indica chiaramente che non si tratta di un atteggiamento individuale, bensì di una posizione politica condivisa da un’intera amministrazione.

    Il tutto chiaramente si inserisce in un contesto più ampio di rivendicazioni autonomiste della Corsica.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • USA: Italienischer Kulturminister huldigt Kolumbus.

    Am 23. März legte der italienische Kulturminister Alessandro Giuli im Rahmen eines USA-Besuchs in New York einen Kranz zu Ehren von Christoph Kolumbus nieder. Er wählte dafür die Statue des »Entdeckers« am Columbus Circle.

    Dabei erklärte er, das amerikanische Volk sehe in Kolumbus und in den Italienerinnen in Amerika eine Präsenz, die seine Identität seit Jahrhunderten bereichert habe. Dies erfülle, so der Minister, »uns alle« mit Stolz.

    Unklar bleibt, wie in dieser Aussage das »amerikanische Volk« definiert ist. Die Ureinwohnerinnen dürften jedenfalls nicht gemeint sein. Und auch, wen der Minister mit »uns alle« meint, die angeblich stolz sein sollen, führte er nicht näher aus. Klar ist aber, dass er historisches Unrecht einfach ausblendet und mit einem harmonischen »Wir« ummantelt.

    Nur wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump für Aufsehen gesorgt, indem er in der Nähe des Weißen Hauses eine Kolumbusstatue aufstellen ließ. Es handelt sich um die Replik eines Denkmals, das 2020 — während seiner ersten Amtszeit — im Zuge antirassistischer Proteste in den Hafen von Baltimore gestoßen worden war.

    Während Kolumbus in den USA zunehmend kritisch betrachtet und hinterfragt wird, propagieren Trump und die MAGA-Bewegung auch in diesem Zusammenhang ein rückwärtsgewandtes Weltbild, das nichtweiße Geschichte und Perspektiven systematisch ausblendet und koloniale Gewalt verharmlost.

    Beim Auftritt des italienischen Kulturministers war von einem kritischen Umgang mit der kolonialen Vergangenheit ebenfalls keine Spur. Statt diese und das damit zusammenhängende Leid zumindest anzuerkennen, ging es ihm offenbar nur um identitär-nationalistische Selbstvergewisserung.

    Cëla enghe: 01 | 02 03 04 05 06



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  • Kammer bestraft antifaschistischen Widerstand.
    Italien

    Am 30. Jänner hatten mehrere Abgeordnete der Opposition die Vorstellung eines sogenannten Remigrationsvolksbegehrens durch Vertreter neofaschistischer und neonazistischer Organisationen in Räumlichkeiten des italienischen Parlaments verhindert. Dazu waren sie in den für die unerhörte Veranstaltung vorgesehenen Saal eingedrungen und hatten ihn besetzt.

    Der Sprecher von CasaPound, Luca Marsella, ein führendes Mitglied des Veneto Fronte Skinheads, Ivan Sogari, der vormalige Forza-Nuova-Mann Jacopo Massetti sowie Salvatore Ferrara von der Rete dei Patrioti — die sich zur rechtsextremistischen Remigrazione e Riconquista zusammengeschlossen haben — mussten auf ihren symbolträchtigen Auftritt verzichten.

    Organisiert hatte diese Schändung des Parlaments der Lega-Abgeordnete Domenico Furgiuele, der inzwischen zur ebenfalls neofaschistischen Bewegung Futuro Nazionale von Ex-Generalmajor Roberto Vannacci übergelaufen ist.

    Dass eine solche Veranstaltung überhaupt genehmigt worden war, wirft einen Schatten auf das italienische Parlament. Es ging schließlich nicht nur um eine Präsentation, sondern um den bewussten Versuch, im wahrsten Sinn politische Räume zu besetzen, um menschenfeindliche Inhalte zu normalisieren.

    Dafür, dass sie diesen Missbrauch parlamentarischer Räume durch Demokratiefeinde vereitelt haben, die einen rassistischen Gesetzentwurf präsentieren wollten, wurden nun 22 Abgeordnete von PD, 5SB und der linksgrünen Allianz AVS für fünf Tage und zehn weitere für vier Tage suspendiert. Die Entscheidung wurde vom Präsidium des von Lorenzo Fontana (Lega) geführten römischen Abgeordnetenhauses gefällt.

    Während also extremistische Akteure Zugang zum Hort der Demokratie erhalten, werden ausgerechnet jene sanktioniert, die sich dem entgegenstellen.

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  • Fußball: Italien raus, Politik rein.

    Lasst den Sport in Ruhe, vermischt ihn nicht mit der Politik! So oder ähnlich tönt es häufig, wenn es zum Beispiel um die Einrichtung eigenständiger Südtiroler Sportteams geht — oder wenn Kritik an übermäßigem Nationalismus geübt wird.

    Nun ist die italienische Fußballnationalelf der Männer im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina zum dritten Mal in Folge an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft gescheitert. Dass die blutrünstige Hymne abgesungen (und ein Vers daraus sogar auf die Mannschaftstrikots gedruckt) wurde, hat diesmal auch nicht mehr geholfen.

    Im ach so unpolitischen Sport ist interessant, wie das politische Italien reagiert: Vierzig Senatorinnen aus allen politischen Lagern richteten eine parlamentarische Anfrage an die Regierung und verlangten den Rücktritt von Verbandschef Gabriele Gravina. Matteo Salvini, Minister und Lega-Chef, forderte dies schon wenige Minuten nach Spielende am Dienstag. Der ehemalige PD-Regierungschef Matteo Renzi (Italia Viva) übte scharfe Kritik an der Nationalmannschaft und bezeichnete es als groben Fehler, zu übersehen, dass Fußball nicht nur Spaß, sondern Teil der Identität und Kultur des Landes sei.

    Solche Aussagen machen deutlich, wie unhaltbar die Erzählung vom unpolitischen Sport ist. Nationalteams sind keine neutralen Gebilde, sondern Ausdruck des Staates — mit Hymnen, Flaggen und symbolischer Aufladung.

    Den Rücktritt von Gravina und eine »Neugründung des italienischen Fußballs« forderten auch FdI-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus Galeazzo Bignami und — etwas verklausulierter — Senatspräsident Ignazio Benito La Russa (FdI), der das zweithöchste Amt im Staat innehat.

    Und Sportminister Andrea Abodi, der angab, sich diesbezüglich mit Regierungschefin Giorgia Meloni (FdI) abgestimmt zu haben, bringt sogar ein Einschreiten des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) ins Spiel, um den Verbandschef durch einen Kommissär zu ersetzen, falls er nicht von sich aus zurücktritt.

    Fürwahr: Sport und Politik sind (nicht nur) in diesem Staat zwei strikt voneinander »getrennte« Sphären. Bleibt der sportliche Erfolg aus, wird der Fußball zur Staatsangelegenheit.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01



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