Jürgen Wirth Anderlan hat unlängst ein Video gepostet, in dem er dem Bozner Filmemacher Andrea Pizzini vorwirft, für seine “Wellenbrecher”-Dokus aus der Intensivstation während der Coronazeit von der Landesregierung Geld bekommen zu haben. Rund 20.000 Euro sollen es gewesen sein. JWA schließt das Video triumphierend damit, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Und das ist sie nun auch tatsächlich. Wie laut Bericht der Tageszeitung Felix von Wohlgemut bemerkt hat, sind die “Belege”, die Wirth Anderlan im Video einblendet, zwar tatsächlich aus dem öffentlich zugänglichen Verzeichnis der Förderungsbeiträge, jedoch betreffen sie – mit Ausnahme von 3.000 Euro – einen anderen Andrea Pizzini (ersichtlich anhand des Geburtsjahres in der Steuernummer). Pizzini selbst hat die Zahlungen – ebenfalls in einem Video – dementiert. Die 3.000 Euro seien auch nicht als Entlohnung für die Filme, sondern aus dem Fond der sogenannten “Coronahilfen” geflossen. JWA selbst habe aus diesem Topf sogar 7.500 Euro bezogen. Pizzini fordert in seinem Video Wirth Anderlan auf, das Posting mit den Falschinformationen zu löschen. Andernfalls werde er Klage einreichen. Dieser Aufforderung ist JWA nicht nachgekommen. Ein anständiger und aufrichtiger Tiroler hätte den Schneid und die Größe – ungeachtet ideologischer und politischer Differenzen – einen Fehler einzugestehen, das Video zu löschen und sich zu entschuldigen. Wir erinnern uns an JWAs Wahlslogan “Südtirol braucht Eier“. Bei ihm selbst sucht man sie vergeblich. Hinter dem Bart und den Tattoos versteckt sich offenbar nur ein kleiner Feigling.
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Düc adöm sön tru?
DreisprachigkeitKürzlich berichtete Trail über eine Kampagne der Uniun di paurs de Badia im Südtiroler Bauernbund, mit der über die Rolle der Landwirte als Landschaftspfleger informiert und für ein respektvolles Miteinander auf Wegen und Pfaden sensibilisiert werden soll. Häufig geschehe es nämlich, dass sich die Bauern auf ihren eigenen Straßen als Fremde fühlten.
Das sieht dann so aus:

Bildausschnitt – Quelle: Trail.
Zunächst fällt etwas ausgesprochen Positives auf: Die Kampagne ist nicht nur auch auf Ladinisch gehalten, sondern Ladinisch steht selbstbewusst an erster Stelle, wie es eigentlich normal sein sollte. Und das, obschon die Hauptzielgruppe der Botschaft vermutlich nicht aus Ladinischsprecherinnen besteht.
Das ist ein klares und wohltuendes Statement: Die minorisierte Sprache der örtlichen Bevölkerung wird nicht nur sichtbar gemacht, sondern in den Vordergrund gerückt.
Auch der Titel Düc adöm sön tru! — Alle gemeinsam auf dem Weg! — passt eigentlich gut dazu.
Dann fällt allerdings etwas anderes ins Auge: Die beiden weiteren Sprachen, die für die Kampagne gewählt wurden, sind die Staatssprache Italienisch und die internationale Verkehrssprache Englisch. Deutsch als meistgesprochene Sprache in Südtirol fehlt vollständig.
Das düc adöm wird somit wieder relativiert.
Ich interpretiere das als ein weiteres Symptom für den sinkenden Stellenwert der deutschen Sprache in Südtirol. Für die deutsche Sprachgruppe weiterhin wichtig, empfinden sie offenbar die beiden anderen Sprachgruppen inzwischen relativ oft als vernachlässigbar.
Wenn nur Italienisch und Englisch als übergeordnete Verständigungssprachen dienen, während sich Deutsch und Ladinisch jeweils gegenseitig verdrängen, schadet das den Minderheitensprachen insgesamt.
Wie Prof. Paul Videsott kürzlich — in Bezug auf das Schulsystem — sehr einleuchtend argumentiert hat, beruht die sprachliche Stabilität der ladinischen Täler auch auf einer Balance zwischen den beiden größeren Sprachen Deutsch und Italienisch. Verschiebt sich diese Balance zugunsten einer Konstellation, in der Deutsch entfällt, könnte das mittelfristig auch für das Ladinische zum Problem werden.
Minderheitensprachen profitieren nicht davon, wenn sie untereinander um Sichtbarkeit konkurrieren müssen. Sie profitieren davon, wenn Mehrsprachigkeit als Ganzes selbstverständlich ist.
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Rechtsextremist bei Landesjugendtreffen der STF.
Appell und GegenkundgebungAutor:a
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Neben dem Landtagsabgeordneten Sven Knoll und der Landesjugendsprecherin Melanie Mair soll beim Landesjugendtreffen der Süd-Tiroler Freiheit (STF) am 12. September in Tramin auch der Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, auftreten.
Dagegen regt sich Widerstand. Im Internet wurde ein Appell (Hohm go home) veröffentlicht, den bis dato knapp 40 Organisationen unterzeichnet haben.
Darin wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Hohm wegen seiner Nähe zur Identitären Bewegung (IB) bereits zweimal seinen Job bei der AfD verloren habe, in der rechtsextremen Hooliganszene nach neuen Mitgliedern fische und dem völkischen Remigrationskonzept von Martin Sellner nahestehe.
Zudem pflege er Kontakte zur offen faschistischen Bewegung CasaPound Italia (CPI). Im Oktober 2018 sei Hohm mit einem Aktivisten der IB nach Rom gereist, wo er sich mit CPI-Mitgliedern getroffen habe.
Die Süd-Tiroler Freiheit lädt also einen Politiker als Gast ihres eigenen Jugendtreffens ein, der Kontakte zu einer Organisation unterhält, die sich ausdrücklich positiv auf den italienischen Faschismus bezieht.
– aus dem Appell
Die Unterzeichnerinnen des Aufrufs fordern, das Landesjugendtreffen nicht zu einer Bühne für jene werden zu lassen, die die Demokratie verachten, Antisemitismus tolerieren und mit Neofaschistinnen paktieren. Eine klare Abgrenzung sei umso dringender nötig, als sich die Parteiveranstaltung an junge Menschen zwischen 14 und 30 Jahren richte. Hohm solle vom Landesjugendtreffen und von allen weiteren öffentlichen Veranstaltungen in Südtirol ausgeschlossen werden. Nicht zuletzt sollen
[ö]ffentliche Räume und Einrichtungen […] nicht für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, bei denen rechtsextreme Persönlichkeiten auftreten oder solchen Netzwerken eine Plattform geboten wird.
– aus dem Appell
schließt sich dem Aufruf an.Am Samstag, den 12. September soll in Tramin eine Kundgebung gegen Rechtsextremismus stattfinden.
Cëla enghe:
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Gånz herzlich.
Quotation
Bildausschnitt aus der Übertragung der Südtiroler Rai-Sender
Es stimmt schon, als Tiroler und als Kaunertaler ist mir Südtirol besonders nahe.
Signore e signori, an die Unterzeichnung des Pariser Vertrags vom 5. September 1946 — den 80. Jahrestag begehen wir ja heute — habe ich keine persönliche Erinnerung, då bin i jå erscht zwoaahålb Jåhr ålt gwest und hån lei ‘s Kaunertål ‘kennt.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, i gratulier enk ålle, ålle mitanånd gånz herzlich, grazie mille, giulan, de gra.
Details aus der Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (bis 2016: Grüne) im Rahmen des heutigen Festakts zu 80 Jahren Pariser Vertrag im Kursaal von Meran – Transkription von mir
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Die Post italianisiert das Forstbier.
Im Rahmen einer Serie, die den »Spitzenleistungen der [italienischen] Wirtschaft und des Made in Italy« gewidmet ist, hat die italienische Post auch dem Südtiroler Forst-Bier eine eigene Briefmarke gewidmet, deren Entwurf von Emanuela L’Abate stammt. Sie wurde gestern gemeinsam mit fünf weiteren Marken ausgegeben.

Ausschnitt Website der italienischen Post
Vom banal-nationalistischen Hintergrund einer solchen Briefmarkenserie einmal abgesehen, zeigt sich auch diesmal wieder zuverlässig die tief im Gencode des italienischen Nationalstaats eingeschriebene Assimilierungstendenz.
Erst kürzlich mussten Briefmarken zur Rosengarten- und Latemargruppe zurückgezogen werden, weil die Bezeichnung der Region sowie der Berge nur auf Italienisch angegeben war.
Auf der Forst-Briefmarke ist indes ein Bierglas mit dem Firmenlogo der Südtiroler Brauerei und dem Zusatz »dal 1857« zu sehen. Diesen Zusatz in italienischer Sprache gibt es aber auf den realen Forst-Gläsern gar nicht. Dort steht — auch wenn sich die Brauerei inzwischen zum offiziellen Sponsor der Alpini-Aufmärsche entwickelt hat — noch immer nur »seit 1857«.
Das war für eine Briefmarke des so »minderheitenfreundlichen« italienischen Staates offenbar zuviel, sodass man sich zu einem sprachkorrigierenden Eingriff zur Unsichtbarmachung der Minderheitensprache entschied.
Die Minorisierung und Marginalisierung geht bis ins kleinste Detail und wird — wie man sieht — mit akribischer Perfektion umgesetzt. Es hätte nur noch gefehlt, dass man Forst mit dem erfundenen Ortsnamen »Foresta« übersetzt, doch eine derartige Entstellung einer Firmenbezeichnung wäre dann wohl doch zu weit gegangen.
Darüber hinaus gibt es übrigens weder die Webseite, über die man die Briefmarke erwerben kann, noch irgendeine sonstige Zusatzinformation auch auf Deutsch.
Dabei ist die italienische Post etwa bei ihrem eigenen Firmennamen — obwohl es sich um ein öffentliches Unternehmen handelt, das der Zweisprachigkeitspflicht unterworfen ist — höchst penibel und unflexibel: Auch auf Deutsch darf es ausschließlich Poste Italiane heißen, Übersetzung unmöglich.
Bei anderen, insbesondere Minderheiten, ist man da viel weniger streng.
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Langes Neonazi-Wochenende im Trentino.
Von morgen Donnerstag bis Sonntag findet in Pietramurata, einer Fraktion der Gemeinde Dro im benachbarten Trentino, ein internationales Neonazitreffen statt. Es werden rund 400 Teilnehmende aus ganz Italien und aus dem europäischen Ausland erwartet. Organisiert wird Ritorno a Camelot (Rückkehr nach Camelot), wie die Veranstaltung heißt, vom rechtsextremen Veneto Fronte Skinheads im örtlichen Hotel Ciclamino.
Die Bürgermeisterin von Dro, Ginetta Santoni, hatte sich ebenso wie ihre Amtskollegen von Trient, Franco Ianeselli, und Riva del Garda, Alessio Zanoni (beide PD), dafür ausgesprochen, das Treffen zu untersagen. Sogar Landeshauptmann Maurizio Fugatti (Lega) distanzierte sich deutlich. Auf staatlicher Ebene war Innenminister Matteo Piantedosi dazu aufgerufen worden, gegen die Veranstaltung vorzugehen.
Das Komitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit unter Vorsitz der Präfektin Isabella Fusiello entschied jedoch, den Aufmarsch zu genehmigen. Die Begründung: Es gebe derzeit in Italien keine ausreichende rechtliche Grundlage, um eine solche Veranstaltung — zumal auf Privatgrund — zu verhindern. Gleichzeitig wird sie unter massivem Polizeischutz stattfinden: Bis zu 140 Einsatzkräfte sollen dafür abgestellt werden.
Das ist erstaunlich: Ein internationales Neonazitreffen gilt rechtlich als private Angelegenheit, die man nicht verbieten kann, obwohl dafür deutlich über hundert Polizistinnen mobilisiert werden müssen.
Für Aufsehen sorgte zudem, dass Emilio Giuliana, der Trentiner Chef der Vannacci-Partei Futuro Nazionale, angekündigt hat, an der Veranstaltung teilnehmen zu wollen. Er habe dafür sogar seinen Urlaub verschoben. Der Fascho-General selbst, dessen Partei in Südtirol von Ex-Landesrat Massimo Bessone angeführt wird, gab seinen Segen dazu und bezeichnete die Teilnahme als persönliche Entscheidung.
Nicht auszuschließen ist überdies, dass auch Bozner Verbündete der SVP bei der Neonazi-Veranstaltung anzutreffen sein werden. Schließlich sind zwei Bozner Stadtviertelräte der Lega — Maurizio Puglisi Ghizzi und Massimo Trigolo — Gründungsmitglieder von Remigrazione e Riconquista, einer rassistischen Bewegung, die unter anderem von CasaPound und Veneto Fronte Skinhead gemeinsam ins Leben gerufen wurde.
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