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  • Tina, Milo & the Flag.

    Laut Tagesschau von Rai Südtirol hatten die Maskottchen von Olympia 2026, Tina und Milo, heute ihren ersten Auftritt in Südtirol: beim Hockeyspiel Pustertal gegen Bozen in der Brunecker Intercable Arena. Antholz und die Landeshauptstadt sollen folgen.

    Bildausschnitt Tagesschau vom 13.02.2024 (22.10 Uhr), Rai Südtirol

    Was nicht fehlen durfte, ist der allgegenwärtige banale Nationalismus. Die beiden Wiesel, die die Olympischen und die Paralympischen Spiele von Mailand und Anpezo repräsentieren, tragen jeweils eine Art Schal mit gut sichtbarer grünweißroter Flagge.

    Quelle: Olympics.com

    Das machen doch alle Austragungsorte so. Oder? Nicht wirklich: Wer sich durch die inoffiziellen (bis 1968) und offiziellen (ab 1972) olympischen Maskottchen klickt, wird feststellen, dass so gut wie alle ohne Nationalfarben ausgekommen sind. Nur bei drei weiteren war bzw. ist dies nicht der Fall: Sam (Los Angeles 1984, eine Anspielung auf Uncle Sam), Hidy und Howdy (Calgary 1988) und die Phryges (Paris 2024). Die anderen — einschließlich Neve, Glitz und Aster von Turin 2006 — waren flaggenfrei. Das Maskottchen von Montréal 1976, Amik, trug sogar einen Namen in der Algonkin-Minderheitensprache der indigenen Bevölkerung.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 || 01 02 03



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  • Natürlich keine Sportautonomie.

    Wenige Wochen vor der Landtagswahl hatte der italienische Ministerrat um Giorgia Meloni letzten September eine Durchführungsbestimmung (DFB) genehmigt, die uns die Landesregierung als »Umsetzung der Sportautonomie« verkaufen möchte. Konkret verfügt die Norm jedoch lediglich

    • eine organisatorische Anpassung des Italienischen Nationalen Olympischen Komitees (INOK/CONI) an die Realität seit 1972 (!), dass Südtirol und Trentino autonome Provinzen und keine gewöhnliche (autonome) Region sind;
    • dass das INOK unter Wahrung seiner Autonomie den »sprachlichen Besonderheiten der Gebiete« Rechnung tragen muss;
    • die Anerkennung des Verbands der Sportvereine Südtirols (VSS) und der Unione società sportive altoatesine (Ussa) als Sportfördereinrichtungen;
    • die Kontrollfunktion des Landes über VSS und Ussa.

    Das mag für VSS und Ussa eine wichtige Errungenschaft sein, doch im Grunde kann von einer tatsächlichen Autonomie und größeren Spielräumen gegenüber dem NOK — statt nur innerhalb des NOK — kaum die Rede sein. Noch nicht einmal eine sprachliche Gleichstellung wurde erreicht, sondern lediglich eine alles und nichts (aber vor allem: nichts) sagende Berücksichtigung von »Besonderheiten«. Erstaunlicher als die neue Durchführungsbestimmung an sich scheint mir die Tatsache, dass eine angebliche Vorzeigeautonomie so banale Anpassungen überhaupt erst erkämpfen musste. Mit einer Sportautonomie, wie sie etwa Schottland, Wales, Nordirland oder die Färöer genießen, hat das alles absolut gar nichts zu tun. Eher schon ist das Gegenteil ist der Fall. Nicht von ungefähr bejubelte Postfaschist Alessandro Urzì (FdI), seines Zeichens Vorsitzender der Sechserkommission, die neue DFB mit großer Genugtuung:

    Mit dieser Norm wird selbstverständlich jede Idee von Sport-‘Separatismus’ hinfällig und alles bleibt fest in den Händen des CONI, wenn auch mit einer funktionaleren Gliederung auf Landesebene.

    – Alessandro Urzì (FdI)

    Übersetzung von mir (Original anzeigen)

    Con questa norma ovviamente viene a decadere ogni ipotesi di ‘separatismo’ sportivo rimanendo tutto saldamente in capo al coni, sebbene con le articolazioni più funzionali a livello provinciale.

    – Alessandro Urzì (FdI)

    Die zahme Minderheit kriegt ein paar Leckerlis, damit sie im Gegenzug umso loyaler das Stöckchen holt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Haudenosaunee wollen zu Olympia.

    Die Sportart Lacrosse ist schon Jahrhunderte alt und geht auf die sogenannten First Nations zurück, die auf dem Gebiet um die Großen Seen in Nordamerika siedel(te)n. Heute gilt der Mannschaftssport, der sich seit einigen Jahren auch in Europa verbreitet, in Kanada als offizieller Nationalsport — und ist in dieser Eigenschaft das sommerliche Pendant zum Eishockey. Bei den Olympischen Spielen von 2028 in Los Angeles soll die traditionsreiche Disziplin nach langer Zeit wieder zu sehen sein, und zwar wie 1904 und 1908 als vollwertige Wettkampfsportart und nicht, wie zuletzt 1948 in London, als Demonstrationssport. Die Haudenosaunee, eine Konföderation von sechs irokesischen Nationen in den heutigen USA und Kanada, erheben in diesem Zusammenhang den Anspruch, gemeinsam unter eigener Flagge an den olympischen Lacrosse-Bewerben teilnehmen zu dürfen und nicht für eines der beiden Länder. Das ist ein Modell, das bei anderen Bewerben schon seit den 1980er Jahren praktiziert wird, so etwa bei den World Games, wo die Haudenosaunee mit eigenen Teams antreten. Unterstützung für eine unabhängige Teilnahme an Olympia 2028 kommt auch von weit oben: US-Präsident Joe Biden befürwortet die grenzüberschreitende Mannschaft der Ureinwohnerinnen nicht nur, sondern richtete einen offiziellen Aufruf an das IOK, ihre Teilnahme zu gestatten. Bisher haben sich die Verantwortlichen zu dem Wunsch noch nicht geäußert. Die Erfolgschancen sollen dabei eher mäßig sein, da ausgerechnet bei Olympischen Spielen, die ja für sich beanspruchen, im Dienste der Völkerverständigung zu stehen, mit die strengsten Regeln gelten und fast ausschließlich anerkannte, souveräne Staaten teilnahmeberechtigt sind. Auch Schottland, Nordirland, Wales und England dürfen etwa nur gemeinsam als Vereinigtes Königreich antreten. Dennoch sind die Haudenosaunee (wie die Färöer) guter Dinge, dass ihr Traum letztendlich in Erfüllung gehen wird.


    Hierzulande wäre eine Unterstützung vonseiten des Staates für eine unabhängige Teilnahme an internationalen Bewerben kaum vorstellbar. Im Gegenteil werden sportliche Erfolge von Südtirolerinnen pünktlich genutzt, um ihre Loyalität und Bindung an den Nationalstaat zu vertiefen. So steht schon im Raum, dass Tennisprofi Jannik Sinner bei den Sommerspielen in Paris 2024 italienischer Fahnenträger sein soll. Selbst die Nutzung einer einzigen Sportanlage in einer Nachbarregion1Eiskanal in Igls oder San Murezzan/St. Moritz bei den Olympischen Spielen 2026 von Mailand und Anpezo wird als inakzeptabel betrachtet.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01 02

    • 1
      Eiskanal in Igls oder San Murezzan/St. Moritz ↩︎


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  • Öffentliche Dienste verweigern deutsche Sprache.
    Riesiges Ungleichgewicht

    Im Jänner hatte das Statistikinstitut des Landes (ASTAT) Daten über die Zufriedenheit der Bürgerinnen mit den öffentlichen Diensten 2023 (ASTAT-Info 01/24) veröffentlicht. Den Aspekt der Digitalisierung hatte ich bereits herausgegriffen und thematisiert. Unter den Hauptgründen für die Unzufriedenheit der Bürgerinnen mit Diensten, die sie tatsächlich beansprucht haben, befindet sich auch die unzureichende Zweisprachigkeit.

    Für vier Bereiche (Gesundheitsdienst, Landesverwaltung, Post, NISF) hat mir das ASTAT freundlicherweise auf Nachfrage die nach Sprachgruppe der Befragten aufgeschlüsselten Daten zur Verfügung gestellt. Um die Effektivität des Minderheitenschutzes zu bewerten, ist diese Information meines Erachtens von großer Bedeutung.

    Eindeutiger könnte das Bild kaum sein: Sowohl bei Landes- als auch bei staatlichen Diensten sind es vor allem die deutschsprachigen Südtirolerinnen, die ihre Unzufriedenheit auf die mangelnde Zweisprachigkeit des Personals zurückführen. Italienischsprachige Südtirolerinnen sind mit dem Problem offenbar fast gar nicht konfrontiert, beziehungsweise in einem Ausmaß11-2% der Unzufriedenen, das eine mehrsprachige Verwaltung selbst im Idealfall wohl kaum unterbieten könnte. Erschreckend ist zudem vor allem das Ungleichgewicht: Bei der Post, mit deren Diensten 42 Prozent der Befragten »kaum«229 Prozent oder »gar nicht«313 Prozent zufrieden sind, konstatierten Deutschsprachige 13 Mal (!) öfter mangelnde Zweisprachigkeit als ihre italienischsprachigen Mitbürgerinnen.413 zu 1 Prozent. Beim NISF beträgt dieses Missverhältnis 12:1, beim Gesundheitsdienst 9½:1 und bei der Landesverwaltung 8:1 — in einem Land, in dem die große Mehrheit der Bevölkerung und (zumindest theoretisch) auch der öffentlichen Bediensteten der deutschen Sprachgruppe angehören. Ein klareres Indiz für die Minorisierung der deutschen Sprache in Südtirol könnte es kaum geben. Dabei sind mindestens zwei Koalitionspartner der SVP in der neuen Landesregierung (FdI und Uniti/Lega) sogar der Auffassung, dass die Italienerinnen (also die Titularnation!) die eigentliche Minderheit seien.

    Eine gleichmäßiger auf die Sprachgruppen verteilte Unzufriedenheit mit der Erfüllung der Sprachenrechte wäre aus Sicht des Minderheitenschutzes bei weitem nicht so alarmierend wie die hier dokumentierte Situation, der zufolge selbst bei Landesdiensten eindeutig die staatliche Mehrheitssprache bevorzugt wird. Italienisch und Deutsch (in dieser Reihenfolge) spielen tatsächlich in zwei unterschiedlichen Ligen.

    Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die hier angegebenen Zahlen noch gar nicht ein vollständiges Gesamtbild abgeben, da nur diejenigen, die angegeben hatten, mit einem Dienst insgesamt unzufrieden gewesen zu sein, nach den Gründen für ihre Unzufriedenheit gefragt wurden. Minderheiten sind darüber hinaus grundsätzlich (und notgedrungen) »toleranter« als Mehrheitsgesellschaften, wenn ihnen Sprachrechte verweigert werden, womit zumindest vermutet werden kann, dass insbesondere Deutschsprachige unzureichende Zweisprachigkeit in vielen Fällen per se nicht einmal zum Anlass nehmen, einen Dienst negativ zu bewerten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03 04



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  • Leiter Reber stimmt nicht für Regierung.
    Kompatscher III

    Erst kürzlich hatte sich der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter Reber (F) im Laufe eines Interviews mit Rai Südtirol von FdI distanziert.

    Bei sachpolitischen Themen sei er durchaus kompromissbereit, aber wenn es um bestimmte Wertvorstellungen gehe, gebe es Grenzen. Den (überzogenen) »Pragmatismus« der SVP bezeichnete er als »gefährlich«.

    Während er noch kürzlich für die Bestätigung von Arno Kompatscher (SVP) als Landeshauptmann gestimmt hatte, enthielt er sich heute bei der Wahl der Landesregierung, zu der auch Parteikollegin Ulli Mair gehört. Die ohnehin knappe Mehrheit von 19 Abgeordneten ist also schon bei der Wahl der Regierung, die im Gesamtpaket erfolgt, auf das absolute Minimum (18 von 35) geschrumpft. Enthalten hat sich neben Leiter-Reber auch Andreas Colli (JWA).

    Dabei kam es auch noch zu einer kleinen Panne: Da Leiter Reber der Meinung war, es handle sich um eine Probeabstimmung, stimmte er für die Regierung, gab dann aber unverzüglich zu Protokoll, dass er sich eigentlich enthalten wollte, wenn es sich bereits um die endgültige Abstimmung gehandelt hat.

    Ob die offizielle Zählung 18 oder 19 Stimmen verzeichnet, ist nun eigentlich einerlei. Die neue Regierung wäre auch mit 18 Stimmen gewählt gewesen, doch die Absicht von Leiter Reber wiegt bereits wie ein Damoklesschwert auf der Mehrheit von SVP und Recht(sextrem)en.

    Sofort im Anschluss an die Wahl der Landesregierung scheiterte die Mehrheit übrigens in anonymer Wahl gleich zweimal an der Wahl von Arnold Schuler (SVP) zum neuen Landtagspräsidenten. Erst im dritten Wahlgang wurde er ohne absolute Mehrheit — trotz Patt mit seinem Vorgänger Josef Noggler (SVP) — mit nur 17 Stimmen gewählt.1Bei Stimmengleichheit gilt jener Kandidat als gewählt, der bei der Landtagswahl mehr Vorzugsstimmen hatte. Ganz ähnlich lief es dann auch bei der Wahl seines Stellvertreters Angelo Gennaccaro (Civica), der erst im dritten Anlauf 19 Stimmen erhielt.

    Am 24. Jänner hatte Südtirol Online Magdalena Amhof (SVP) wegen des Rückziehers von Parteikollegin Waltraud Deeg gefragt, ob Arno Kompatscher »den Laden nicht zusammenhalten« kann. Ihre Antwort war dann wohl etwas unvorsichtig:

    Doch, das kann er schon und das wird er auch damit beweisen, dass wir weiterhin 19 Mandatarinnen und Mandatare in dieser Mehrheit sind.

    – Magdalena Amhof (SVP)

    Cëla enghe: 01

    • 1
      Bei Stimmengleichheit gilt jener Kandidat als gewählt, der bei der Landtagswahl mehr Vorzugsstimmen hatte. ↩︎


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  • Sinners nationalistische Heiligsprechung.

    Mit Jannik Sinner hat ein Südtiroler eine beeindruckende sportliche Leistung erbracht. Schon zeigt sich, wie perfekt in Rom die Maschinerie der politischen und nationalen Vereinnahmung funktioniert, der er sich so gut wie nicht entziehen könnte, egal ob er es möchte.

    Bei der Rückkehr aus Australien wird Sinner von Sportminister Andrea Abodi (parteilos) empfangen, weiter geht es zu Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (FdI), die ihm — eine Reihe von fünf grünweißroten und zwei Europaflaggen im Rücken — eine weitere Nationalflagge in die Hand drückt, um sie mit ihm gemeinsam in die Kamera zu halten. Umarmung folgt. Nächste Station ist bei Außenminister Antonio Tajani (FI), der Sinner eine Plakette übergibt, auf der neben dem Staatswappen gleich dreimal die Trikolore zu sehen ist — womit er ihn kurzerhand zum »Botschafter des italienischen Sports in der Welt« ernennt. Senatspräsident Ignazio Benito La Russa (FdI) erklärt Medien gegenüber, Sinner habe die Tatsache »geheiligt«, dass die »deutschsprachigen Italiener« (!) genauso italienisch seien wie die italienischsprachigen. Vorläufig letzter Empfang: morgen bei Staatspräsident Sergio Mattarella. All dies — ohne Anspruch auf Vollständigkeit — in nur wenigen Stunden.

    Es wird seine Wirkung nicht verfehlen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 01 02



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  • Bozen: Ohne Italienisch kein Bikesharing.
    Minorisierung

    Kürzlich hatte der Bozner Gemeinderat STA und SASA aufgefordert, die Haltestellen in den Linienbussen künftig in der Reihung Italienisch-Deutsch statt Deutsch-Italienisch anzukündigen. Die Landeshauptstadt ist höchst sensibel, wenn es um das Recht und die Vorherrschaft der italienischen Sprache geht. Eine Bevorzugung (oder auch nur eine gleichberechtigte Erstreihung) der deutschen Sprache, wie es der Minderheitenschutz nahelegen würde, kommt nicht in Frage. Erstgereiht muss nach den Wünschen des Gemeinderats immer und überall die staatliche Mehrheitssprache sein, die auch in Bozen die dominante Sprache ist.

    Anders als im Großteil des restlichen Landesgebiets ist Deutsch in der Landeshauptstadt sogar in einer doppelten Minderheitensituation und bedürfte dort daher eigentlich noch stärkerer Schutz- und Fördermaßnahmen.

    Wenn es um die deutsche Sprache geht, ist Bozen aber leider weniger — viel weniger — sensibel. So hat die Gemeinde im Jahr 2019 gemeinsam mit der Firma Ecospazio (Logiss GmbH) aus Rovereto ein neues Fahrradsharingsystem eingerichtet und bereitgestellt. Auch die Fahrräder gehören, wie die Stadtbusse, zum öffentlichen Mobilitätsangebot, doch hier spielt die deutsche Sprache nur eine untergeordnete Rolle:

    Wo sie an den Fahrradstationen (einsprachig Ciclo stazione genannt) überhaupt berücksichtigt wurde, ist die zweite Amtssprache der Gemeinde weder erst- noch zweitgereiht, sondern steht erst nach Englisch an dritter Stelle. Italienisch ist hingegen auch noch grafisch fett hervorgehoben.

    Auf dem Display der Stationen stehen sämtliche Informationen (bis auf den Standort, hier: Bahnhofsallee) sowie die Bedienung gar nur einsprachig auf Italienisch zur Verfügung.

    Und während die angegebene Internetadresse bolzano.ecospazio.it gar nicht mehr zu existieren scheint, führt bicibolzano.ecospazio.it zu einer Webapplikation, die ebenfalls einsprachig italienisch ist:

    Screenshot bicibolzano.ecospazio.it: nur auf Italienisch verfügbar

    Eine Sprachwahl existiert nicht. Sowohl Bürgerinnen als auch Gäste müssen also zwangsläufig die italienische Sprache beherrschen und nutzen, um das öffentliche Mobilitätsangebot der Südtiroler Landeshauptstadt in Anspruch nehmen zu können. Das ist (anders als die Busdurchsagen, egal in welcher Reihung) einerseits gesetzeswidrig und respektlos, andererseits aber auch kontraproduktiv und dumm, wenn tatsächlich die nachhaltige Mobilität gefördert werden soll.

    Zusammenfassend lässt sich sagen: Positive Diskriminierung der deutschen Sprache (affirmative action) lehnt die Gemeinde Bozen ab, (negative) Diskriminierung betreibt sie hingegen selbst aktiv. Italienisch ist unerlässlich und muss stets an erster Stelle stehen, Deutsch ist überflüssig und kann, wenn überhaupt, letztgereiht sein.

    Immer mehr wird aber im Gegenzug gerade in Bozen dem Schulsystem die angeblich erwünschte — und doch nicht praktizierte (01 02) — Mehrsprachigkeit aufgebürdert, wo doch inzwischen klar ist, dass dafür vor allem ein mehrsprachiges Umfeld vonnöten wäre.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01 02 03 04 05 06 07 08



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  • Neubau der Luegbrücke: Chance für Schubumkehr.
    Verkehrspolitik


    Super-GAU für den Lkw-Transport, sagen die Handelskammern Bozen und Kärnten zum Neubau der Luegbrücke ab 2025. Doch das Projekt bietet vielfach Chancen.

    Die Luegbrücke gleich hinterm Brenner wird ab 2025 für drei Jahre nur mehr einspurig befahrbar sein. Der Neubau der Brücke, eine Fahrspur nach der anderen, ist unaufschiebbar. Außer man baut einen Tunnel bis zum Brenner, wie von den Anrainergemeinden in einer speziellen Studie vorgeschlagen. Während der Bauzeit wird es Einschränkungen für den Pkw- und Lkw-Verkehr geben.

    Doch zu Einschränkungen muss es im Brennertransit ohnehin kommen. 2023 haben fast 11,7 Mio. Pkw und 2,4 Mio. Lkw den Brenner auf der Straße passiert, eine Steigerung von einer halben Million Fahrzeugen gegenüber 2022. Die Brennerroute (Bahn und Straße) nimmt 54% des gesamten alpenquerenden Güterverkehrs auf, mehr als alle Transitrouten der Schweiz zusammen. 2023 passierten geschätzt 830.000 Fahrzeuge die Schweiz, 2,4 Mio. den Brenner. Der Gotthard-Basistunnel war nur zu 55% ausgelastet. Entsprechend stark ist die Abnutzung der Infrastruktur der A131Brennerautobahn nördlich des Brenners, die jetzt neu gebaut werden muss. Totalsanierungen dieser Art kommen in den nächsten Jahren wohl auch auf die A222Brennerautobahn südlich des Brenners zu.

    Schon die Anwendung der Bestwegstrategie würde wesentlich helfen: Laut der von der Tiroler Landesregierung in Auftrag gegebenen CAFT-Studie (Dezember 2021) fahren 29,7% der Lkw am Brenner einen mindestens 60 km langen Umweg im Vergleich zu ihrem Bestweg, nur um einige Euro zu sparen. Die Gotthardroute ist für Lkw zwischen der Lombardei und Süddeutschland um 110 km kürzer als die Brennerroute. Wenn 700.000 Lkw jährlich 100 km länger als nötig fahren, sind das 70 Mio. umsonst gefahrene Kilometer, das Gegenteil von Kostenwahrheit und Klimaschutz.

    Als »katastrophal für die Wirtschaft« sehen die Handelskammer Bozen und die Wirtschaftskammer Kärnten die geplanten Fahrverbote während der Bauzeit sowohl an der A13 (Luegbrücke) als auch an der Tauernautobahn (s. Dolomiten, 24.1.2024). Längere Sperren für den Lkw-Verkehr wären der Super-GAU für die heimische Wirtschaft, heißt es. Für die Frächter vielleicht, nicht aber für die Bevölkerung, die Umwelt, das Klima. Im Gegenteil: der temporäre Flaschenhals auf der Luegbrücke könnte langfristig zur echten Chance in mehrfacher Hinsicht werden.

    Zum Ersten, weil das heutige Übermaß an Transit-Schwerverkehr zumindest für drei Jahre etwas zurückgefahren werden muss, denn 2,4 Mio. Lkw kommen auf einer einspurigen Teilstrecke einfach nicht mehr durch. Der Großteil des heutigen Umwegverkehrs könnte entfallen, wenn 700.000-800.000 Lkw »notgedrungen« ihren Bestweg zum Ziel nehmen.

    Zum Zweiten würden sich die Luftschadstoffwerte längs der A13 und A22 bessern. Nachdem die EU 2023 beschlossen hat, die Grenzwerte bei den Stickstoffdioxid- und Feinstaubemissionen bis 2030 deutlich zu senken, können diese nur mit einer Verminderung des Verkehrs eingehalten werden. Das gilt dann für Pkw genauso wie für Lkw.

    Zum Dritten könnten endlich brachliegende Transportkapazitäten der Bestandsstrecke der Brennerbahn genutzt werden. In Vorbereitung auf die Verlagerung eines Teils des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene mit der Eröffnung des BBT 2032, könnte die Bahn potenziert werden. Die Politik hätte noch ein Jahr Zeit, um die nötigen logistischen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

    Zum Vierten muss der Transit-Schwerverkehr über den Brenner ohnehin gesenkt werden, wenn man in Gesamttirol die Klimaneutralität 2040 oder 2045 erreichen will. Heute produziert allein der Verkehr auf der A22 37% der gesamten verkehrsbedingten CO2-Emissionen in Südtirol. Laut Mobilitätsplan soll er bis 2040 um nur 10% abnehmen, also viel zu wenig, um Klimaneutralität zu erlauben. Die Teilsperre der Luegbrücke kann etwas helfen, sofern längerfristige Einschränkungen erfolgen.

    Fünftens: Mit dem Neubau der Luegbrücke ab 2025 bietet sich die Chance, endlich Ernst zu machen mit der längst ins Auge gefassten Alpentransitbörse. Wann, wenn nicht in dieser Situation einer mehrjährigen Einschränkung der Autobahnkapazität soll der alpenquerende Güterverkehr endlich systematisch nach Umwelt- und Klimavorgaben gelenkt werden? 2025 könnte ein echtes gesamtalpines digitales Management des Güterverkehrs eingerichtet werden: nicht mehr bloße täglich buchbare Slots, sondern Maximalkontingente pro Monat und Jahr mit Verpflichtung zur Wahl des Bestwegs. Alle vier Staaten der Zentralalpen müssten für diese Chance zur gemeinsamen Steuerung zusammenfinden. Das Gegenteil von Matteo Salvinis Kampf für noch mehr Lkw-Verkehr.

    Schließlich noch eine Chance vor allem mit Blick auf die 11,7 Mio. Pkw, die jährlich den Brenner queren. Diese Masse an Autos kann den temporären Trichter der verengten Luegbrücke nicht mehr passieren, ihre Emissionen sind mit Klimaschutz nicht vereinbar. Sofort sinnvoll wäre ein Geschwindigkeitslimit von 100 km/h für Pkw, weil dies nachweislich zu erheblichen Einsparungen beim CO2-Ausstoß führt und weil schneller fahren gar nichts bringt, wenn man vor der Luegbrücke im Stau steckt. Für die neue Südtiroler Landesregierung bietet sich die Chance, ihr neues Versprechen rasch wahrzumachen: »Unterstützung der Einführung einer Umweltkorridormaut auf allen Ebenen (staatlich und EU), nach dem Modell der Eurovignette.« (Regierungsprogramm, S. 99).

    Der Neubau der Luegbrücke bietet die Chance auf eine echte Schubumkehr beim transalpinen Gütertransport im Zeichen des Klimawandels und der Energiewende: Die Politik kann sich rechtzeitig auf eine intelligentere Steuerung der Mobilität über die Alpen besinnen und das Übermaß auf Dauer schrumpfen.

    • 1
      Brennerautobahn nördlich des Brenners ↩︎
    • 2
      Brennerautobahn südlich des Brenners ↩︎

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