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  • LLMs diskriminieren deutsche Dialektsprecherinnen.

    Forschende der Johannes-Gutenberg-Universität (Mainz), der Universität Hamburg, des Allen Institute for AI, der University of Washington sowie der University of Colorado Boulder haben untersucht, wie sich Vorurteile gegenüber deutschen Dialekten auf sogenannte Large Language Models (LLMs) auswirken.

    Dialekte stellen eine signifikante Komponente menschlicher Kultur dar und sind in allen Weltregionen anzutreffen. […] Da über 40 Prozent der Deutschen einen regionalen Dialekt sprechen und auch NLP-Tools wie LLMs in ihrem Dialekt nutzen wollen, stellt sich eine wichtige Frage: Werden diese Stereotype von den LLMs wiedergegeben und verstärkt?

    – aus der Studie “Large Language Models Discriminate Against Speakers of German Dialects” (2025)1DOI 10.18653/v1/2025.emnlp-main.415

    Übersetzung von mir (Original anzeigen)

    Dialects represent a significant component of human culture and are found across all regions of the world. […] Since more than 40% of Germans speak a regional dialect (Adler and Hansen, 2022) and also want to use NLP tools such as large language models (LLMs) in their dialects (Blaschke et al., 2024b), a critical question arises: Are these stereotypes being reflected by and reinforced within LLMs?

    Für die Untersuchung wurden insgesamt zehn LLMs mit zwei fiktiven Personen konfrontiert, einer Standarddeutsch- und einer Dialektsprecherin. Dies geschah auf zwei unterschiedliche Arten: Einerseits wurden die Personen explizit als Standard- und Dialektschreibende bezeichnet (dialect naming bias), andererseits wurden einfach die Eingaben (Prompts) der beiden Personen in Standardsprache bzw. Dialekt formuliert (dialect usage bias), wobei unterschiedliche Dialekte zum Einsatz kamen.

    Den »großen Sprachmodellen« wurden anschließend sowohl assoziative als auch Entscheidungsaufgaben gestellt. So sollten sie den beiden Personen Eigenschaften zuschreiben oder etwa Berufe empfehlen.

    Das Ergebnis ist unglaublich, ja nahezu unheimlich: Sowohl beim Dialect-Naming- als auch beim Dialect-Usage-Ansatz schrieben die LLMs Dialektsprechenden systematisch eher negative Eigenschaften wie »ungebildet« zu. Zudem empfahlen sie ihnen konsistent Tätigkeiten, die einen niedrigeren Bildungsgrad voraussetzen. Obwohl Dialektsprecherinnen laut soziolinguistischen Studien häufig als freundlicher wahrgenommen werden, wiesen ihnen die Modelle sogar in dieser Hinsicht eher die negative Eigenschaft »unfreundlich« zu.

    Den Studienautorinnen zufolge birgt diese Voreingenommenheit erhebliche Risiken, da sie die Ergebnisse bei der Nutzung von LLMs verzerren kann.

    Dies verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, die Dialekt-Voreingenommenheit gezielt zu adressieren, da aktuelle LLMs weiterhin ein explizit diskriminierendes Verhalten gegenüber deutschen Dialektsprechenden an den Tag legen.

    – aus der Studie “Large Language Models Discriminate Against Speakers of German Dialects” (2025)

    Übersetzung von mir (Original anzeigen)

    This highlights the pressing need to address dialect bias, as current LLMs continue to display explicit discriminatory behavior toward German dialect speakers.

    Deutsche Dialekte würden zwar vor allem gesprochen und nicht so oft geschrieben, so die Autorinnen, doch sie beeinflussten selbstverständlich auch — vor allem informelle — schriftliche Kommunikation.

    Nicht zuletzt — so ließe sich ergänzen — ist es bereits heute möglich, mit LLMs mündlich interagieren. Da dies künftig noch an Bedeutung gewinnen dürfte, könnte sich auch die Problematik der Dialektverzerrung weiter verschärfen, wenn ihr nicht entgegengewirkt wird.

    Auf die Studie hatte mich (schon Ende November) Josef Prackwieser hingewiesen. Er ist Vorsitzender der Michael-Gaismair-Gesellschaft, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Autonomiezentrum der Eurac und Kurator im Gründungsteam des NS-Dokumentationszentrums München.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02

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      DOI 10.18653/v1/2025.emnlp-main.415 ↩︎


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  • STF fordert wenig glaubwürdig Abgrenzung von FdI.
    Nach Eklat um Ehrenbürgerschaft

    Vorgestern Abend ist der Gemeinderat von Trient daran gescheitert, dem faschistischen Diktator Benito Mussolini die Ehrenbürgerschaft der Stadt zu entziehen. Dies hat auch die STF auf den Plan gerufen, die den Vorfall in einer Pressemitteilung als »demokratiepolitische Bankrotterklärung« bezeichnet.

    Man stelle sich vor, welch Aufschrei der Entrüstung durch ganz Europa gehen würde, wenn der Gemeinderat einer Stadt in Deutschland oder Österreich mehrheitlich für die Beibehaltung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler stimmen würde. In Italien hingegen ist so etwas völlig normal.

    – Sven Knoll (laut Pressemitteilung der STF)

    Ganz richtig. Mir ist auch kein Fall aus Deutschland oder Österreich bekannt, wo ein derartiges Ansinnen mehrheitlich abgelehnt worden wäre. Wer allerdings in in mehreren Fällen nicht zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler beitragen wollte und sich mehrfach — mit ähnlichen Argumenten wie jenen der italienischen Rechten in Trient — enthalten hat, war in Österreich wenig überraschend die FPÖ, mit der die weit nach rechts abgedriftete STF eine immer engere Zusammenarbeit pflegt.

    So enthielten sich die österreichischen Freiheitlichen zum Beispiel im Mai 2011 im Gemeinderat von Amstetten in Niederösterreich, als Hitler dort die Ehrenbürgerschaft aberkannt wurde.

    Wenn Knoll also zur sofortigen Beendigung der Koalition zwischen SVP und FdI in Südtirol aufruft und fordert, dass sich die Landesregierung eindeutig von jeglichen faschistischen Kräften abgrenzen müsse, kann ich mich dem zwar anschließen, doch leider hat die STF selbst keinerlei Glaubwürdigkeit, wenn es um derartige Abgrenzung geht.

    Cëla enghe: 01 | 02 03 04 05 06 07 08 09 10



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  • Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Mussolini laut Alpini ›ideologisch‹.
    Trient

    Mitte Jänner hatte das Internetportal il Dolomiti aufgedeckt, dass der faschistische Diktator Benito Mussolini bis heute Ehrenbürger der Trentiner Landeshauptstadt (sowie Hauptstadt der Region Trentino-Südtirol) ist. Seitdem fordern Antifaschistinnen, dies schnellstmöglich zu ändern. Wie an anderen Orten auch, winden sich die rechten und neofaschistischen Parteien mit den absurdesten Argumenten dagegen — und natürlich werden auch die beiden Klassiker aus der Trickkiste bemüht: Man dürfe die Geschichte nicht auslöschen und es gebe Wichtigeres zu tun.

    Doch neben FdI und Lega kritisieren auch die Alpini die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft, die Mittelinks-Bürgermeister Franco Ianeselli so bald wie möglich über die Bühne bringen möchte.

    Rechtsanwalt Paolo Frizzi, Vorsitzender der ANA im Trentino, bezeichnet das Ansinnen gegenüber il Dolomiti als »ideologisch«, was ja auch zutrifft — allerdings im besten Sinne: es ist antifaschistisch und prodemokratisch. Es sei nun 80 Jahre lang zugewartet worden, so Frizzi, obwohl die Angelegenheit in den 50er, 60er oder 80er Jahren brisanter gewesen wäre. Eine Aussage, die umso absurder ist, als Mussolinis Ehrenbürgerschaft ja erst kürzlich bekannt geworden war. Andernfalls hätte man sich selbstverständlich auch schon früher damit befassen können. Dass ein Missstand lange bestanden hat, ist im Übrigen kein Argument für seine Fortführung, sondern eines für seine Behebung.

    Jedenfalls handle es sich um »kein einfaches Thema«, so der ANA-Chef weiter, insbesondere weil es auch unter einem historischen Gesichtspunkt bewertet werden müsse. Wie umstritten und negativ eine Persönlichkeit auch sein möge, sei es seiner Meinung nach erforderlich, die Aberkennung zu »kontextualisieren«, weil mit ihr der Weg zu einer Proskriptionsliste eröffnet werde. Er sage das nicht, um die Beibehaltung der Ehrung für Mussolini zu rechtfertigen — doch genau das ist der Subtext seiner Äußerungen.

    Warum bitte muss die Aberkennung einer Ehrung für einen faschistischen Diktator noch heute »unter einem historischen Gesichtspunkt bewertet« werden? »Kein einfaches Thema«? Was sollte offensichtlicher sein als die Tatsache, dass einer der größten Demokratiefeinde und Verbrecher des 20. Jahrhunderts nicht von einer demokratischen Institution geehrt werden sollte? Eine Ehrenbürgerschaft ist keine historische Dokumentation, sondern eine aktive, fortdauernde Auszeichnung. Wer sie nicht aberkennen will, trifft im Hier und Heute eine bewusste Entscheidung.

    Und von welcher Proskriptionsliste spricht der Herr? Ehrungen werden einzelfallbezogen vergeben und aberkannt. Einen Automatismus gibt es nicht. Sollte es aber weitere problematische — historisch ohnehin bereits geächtete — Persönlichkeiten wie Mussolini im Verzeichnis der Ehrenbürgerinnen geben, wäre es nur folgerichtig, auch ihnen die Ehrung zu entziehen. Doch das scheint gar nicht der Fall zu sein.

    Heute Abend soll im Gemeinderat »unserer« Regionalhauptstadt über Mussolini abgestimmt werden. Ianeselli hat den Rechten bereits entgegnet, wenn es Wichtigeres zu tun gebe, könne man die Aberkennung ja in zwei Minuten erledigen. Gerade weil es sich um einen symbolischen Akt handelt, wäre die Umsetzung so einfach — umso bezeichnender, wenn selbst dazu der Wille fehlt. Und vermutlich wird das Ansinnen tatsächlich scheitern: Die Geschäftsordnung des Gemeinderats sieht für solche Fälle ein Quorum von vier Fünfteln vor, das die Faschistenfreundinnen mit einer Enthaltung verhindern können.

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  • Christian Bianchi gegen den Dialekt.

    Vor einigen Wochen hatte sich Landesrat Christian Bianchi (FI) sowohl im Landtag als auch in einem Interview mit dem A. Adige (13. Februar) abfällig zum Dialektgebrauch in Südtirol geäußert und die Forderung erhoben, die Südtirolerinnen sollten in öffentlichen Settings und im Umgang mit Italienischsprachigen Standarddeutsch sprechen. Im Landtag »drohte« Bianchi sogar damit, andernfalls demnächst eine Rede in tiefstem Venetisch halten zu wollen. Das allerdings ist nicht nur eine anerkannte Sprache und kein Dialekt des Italienischen, sondern — im Unterschied zum Südtiroler Dialekt — auch kein autochthoner Code.

    Aus Bianchis Angriff hat sich — unter anderem mit Beiträgen von Herausgeber Arnold Tribus (21. Februar) und Prof. Stephanie Risse (27. Februar) in der Tageszeitung — erneut eine Debatte über den Dialektgebrauch entwickelt. Risse bezeichnete den Wunsch, im Landtag Südtirolerisch zu sprechen, als berechtigt, schlug jedoch vor, einen Südtiroler Standard zu etablieren.

    Ich möchte hier aber zunächst einen Schritt zurück machen: Vor gut hundert Jahren kamen Italienerinnen ins Land und schrieben den Südtirolerinnen vor, wie sie zu sprechen hatten: ausschließlich Italienisch. Wiewohl nicht mehr so brutal wie damals, wird diese Forderung von einigen noch immer erhoben. »Siamo in Italia, qui si parla italiano!« Zumindest im Umgang mit Italienischsprachigen ordnen sich dieser Maxime viele vorauseilend unter.

    Eigentlich wäre zu erwarten, dass Italienerinnen im Lande — insbesondere wenn sie institutionelle Rollen innehaben — angesichts dieses historischen Gewaltakts heute vorsichtig agieren und nicht weiterhin versuchen, den autochthonen Minderheiten Sprachvorschriften zu machen. Stattdessen wollen einige — sie können es offenbar nicht lassen — sogar darüber befinden, wie deutschsprachige Südtirolerinnen Deutsch zu sprechen haben. Das ist nichts anderes als eine weitere Form von Sprachimperialismus und Negierung von Identität.

    Landesrat Bianchi implizierte in seinen Äußerungen zudem, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen Sprache und Dialekt — beziehungsweise zwischen Deutsch und Südtirolerisch — gebe. Als wäre der Dialekt keine Sprache und als wäre Südtirolerisch kein Deutsch.

    Dabei suggerierte er auch, dass man wennschon gleich mehrere Südtiroler Dialekte lernen müsste. Auch das ist irreführend. Die verschiedenen Tiroler Dialekte sind untereinander gut verständlich, weshalb es ausreichen würde, sich mit einer Variante vertraut zu machen. Sprechen deutschsprachige Südtirolerinnen aus unterschiedlichen Landesteilen miteinander, müssen sie ja auch nicht ins Standarddeutsche wechseln, um sich verstehen zu können — schlimmstenfalls reicht es, die Dialektintensität etwas zu reduzieren. Sprachkurse, in denen der Südtiroler Dialekt vermittelt wird, unterrichten in der Regel auch nur eine Form und nicht eine Vielzahl von Varianten.

    Die vorherrschende Standardsprachenideologie, wie sie auch Tribus und Risse zumindest teilweise vertreten, kommt Bianchi jedenfalls zupass.

    Dabei wurde der Minderheitenschutz nicht zugunsten einer Standardsprache eingeführt, sondern zum Schutz der sprachlichen und kulturellen Eigenart der autochthonen deutschsprachigen Minderheit. Und diese Minderheit hat in Südtirol stets Tiroler Dialekte gesprochen — vor der Annexion durch Italien, zum Zeitpunkt, als der Minderheitenschutz eingeführt wurde und bis heute.

    Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie ihre eigene Sprache zu sprechen haben, kommt einer kulturpolitischen Vergewaltigung gleich. Aufgrund der dauerhaften Minorisierung — die Bianchi leugnet — sind viele deutschsprachige Südtirolerinnen beim Gebrauch ihrer eigenen Muttersprache ohnehin verunsichert und bemühen sich über Gebühr, ein dann oft künstlich klingendes Standarddeutsch zu sprechen. Wenn sie darüber hinaus von der Mehrheit zu einem für sie unnatürlichen Sprachgebrauch gedrängt (oder gar gezwungen) werden, wird der Erhalt der Minderheitensprache zusätzlich erschwert.

    Respektvoll wäre es, stattdessen endlich die Sprache des anderen — gemeint ist der Dialekt — zumindest passiv zu erlernen. Natürlich kann und soll es einen Aushandlungsprozess darüber geben, wie Deutsch im öffentlichen Kontext gesprochen wird. Doch das ist in erster Linie eine Binnenaufgabe der deutschen Sprachgruppe, wenngleich sie im Austausch mit den anderen Sprachgruppen stattfinden kann. Das muss jedoch zumindest auf Augenhöhe geschehen — und nicht unter Bedingungen kolonialer Unterordnung, was beim Selbstverständnis vieler Italienerinnen und beim vorhandenen Machtgefälle zwischen den Sprachen schwierig ist.

    Erschwerend kommt hinzu, dass viele Italienerinnen den Südtiroler Dialekt verachten, zumindest implizit sprachliche Unterordnung erwarten und sich selbst kaum je bemühen, ein Wort in der Sprache des anderen zu sprechen.

    So wie es auch die beiden italienischen Landesräte Christian Bianchi und Marco Galateo (FdI) vormachen: Sie zwingen ihre Sprache allen anderen auf — und wollen sich nun auch noch in die Sprachpraxis der anderen einmischen. Eine Grundlage für Begegnung auf Augenhöhe ist das nicht.

    Bianchi selbst hatte sogar in einem Leserbrief an die Tageszeitung nicht Deutsch, sondern Italienisch verwendet. Er passt sich selbst also keineswegs sprachlich an sein Gegenüber an — erwartet aber gleichzeitig, dass andere sogar ihre eigene Sprache an ihn anpassen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08 09 || 01 02 03 04 05 06



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  • Minorisierte Sprachen und Fußball.
    Veranstaltungshinweis

    Morgen und übermorgen findet in Barcelona das zweite internationale Symposium über minorisierte Sprachen und Fußball statt, das von der katalanischen Sprach-NRO Plataforma per la llengua mit Unterstützung der Generalitat de Catalunya organisiert wird. Die erste Ausgabe hatte im März 2025 in Cymru (aka Wales) stattgefunden.

    Das Motto der Veranstaltung: Die Sprache führt uns zum Sieg (Übersetzung von mir)

    Geplant sind über den Zeitraum von zwei Tagen Konferenzen und runde Tische mit internationalen Teilnehmenden zu folgenden Themen:

    • Die katalanische Sprache in der ersten Fußballliga
    • Sprachpolitik und Kommunikationspraxis von Fußballclubs
    • Sprachverhalten der Fangemeinschaften
    • Aktivierung von Sprachgebrauch und Sprachaktivismus: Projekte und Initiativen in der Fußballwelt
    • Graswurzelfußball als Werkzeug der sprachlichen Normalisierung
    • Die Rolle der Medien und die Sportkommunikation für minorisierte Sprachen

    Programm

    FC Südtirol

    Im Themenblock zum Sprachverhalten der Fangemeinschaften ist auch ein Vortrag von Craig Willis über »Ladinisch, Deutsch und Italienisch unter den Fans des FC Südtirol« (vgl.) vorgesehen. Willis ist Forscher am European Center for Minority Issues (ECMI) in Flensburg.

    Vielleicht kann aus der »Vorzeigeautonomie« auch berichtet werden, dass hierzulande im Fußball Italienisch die einzige Amtssprache und Deutsch höchstens geduldet ist. Dafür sind aber Faschogrüße in Sportstätten erlaubt. Das wird die anderen Minderheiten sicherlich beeindrucken — fragt sich nur, wie positiv.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07 08 09 10 || 01 02



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  • Die falsche Debatte über ›schwere‹ Sprachen.


    von Stefan Luther

    Der Artikel in der heutigen Tageszeitung (Seite 8) über die angeblich »einseitige Integration« von Migrantinnen und Migranten in Südtirol verfehlt aus meiner Sicht den Kern des Problems. Die These, Italienisch werde deshalb bevorzugt, weil Deutsch zu schwierig sei, ist schlicht nicht plausibel. Migration folgt in erster Linie pragmatischen Regeln — und eine der wichtigsten lautet: Menschen lernen jene Sprache, die in der jeweiligen Gesellschaft dominant ist und ihnen im Alltag, auf dem Arbeitsmarkt und im Kontakt mit Behörden am meisten nützt.

    Genau das passiert auch in Südtirol. Italienisch ist die Staatssprache, sie dominiert in vielen Bereichen der Verwaltung, in nationalen Institutionen und (immer öfter) im öffentlichen Leben. Wer neu ins Land kommt, orientiert sich daher rational an jener Sprache, die ihm die größten Chancen eröffnet. Das hat nichts mit der vermeintlichen »Schwierigkeit« des Deutschen zu tun.

    Man kann diese Logik überall beobachten. In der Deutschschweiz etwa lernen viele Migrantinnen und Migranten im Alltag Schweizerdeutsch. Wer dort unterwegs ist, stellt dies sofort fest. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, daraus abzuleiten, Schweizerdeutsch sei eine »leichtere« Sprache als Standarddeutsch. Migranten im Bundesland Tirol lernen ebenfalls Deutsch, trotz der Dominanz des Tiroler Dialektes im Alltag. Oder sind die Migrantinnen und Migranten in der Schweiz und im Bundesland Tirol etwa sprachbegabter als unsere? Es ist schlicht die Sprache der Umgebung — also diejenige, die man braucht, um im Alltag zurechtzukommen. Und was lernen Zugewanderte in Istrien? Italienisch oder doch Kroatisch?

    Die Schlussfolgerung ist klar: Migranten wählen ihre Integrationssprache nicht nach grammatischer Eleganz oder vermeintlicher Einfachheit. Sie wählen jene Sprache, die gesellschaftlich und institutionell die größte Reichweite hat. Und das ist in Südtirol eben das Italienische.

    Umso erstaunlicher ist es, wenn gerade Vertreter einer Minderheit diese Realität mit dem Argument erklären, ihre eigene Sprache sei »zu schwierig«. Damit reproduziert man unfreiwillig (?) ein altes Stereotyp — und schwächt das Anliegen, Migrant:innen zur Integration in die deutschsprachige Gesellschaft zu bewegen.

    Wenn man möchte, dass mehr Zugewanderte Deutsch lernen, muss man nicht über die Schwierigkeit der Sprache diskutieren. Entscheidend sind vielmehr Anreize, Sichtbarkeit und reale Verwendungsmöglichkeiten im Alltag.

    Integration folgt der Logik des Alltags. Wer diese Logik ignoriert, erklärt ein strukturelles Phänomen sachlich nicht zutreffend zu einem sprachlichen Problem.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05


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