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  • Bozen: Faschistinnen markierten Straßennamen.
    4. November

    Die rechtsextreme Bewegung mit dem vielsagenden Namen Comitato Remigrazione e Riconquista hat am 4. November, dem Tag an dem Italien seine nationale Einheit und die Streitkräfte — sowie den (angeblichen) Sieg im Ersten Weltkrieg — feiert, an mehrere Straßennamenschilder in Bozen italienische Trikoloreflaggen gehängt.

    Ausgewählt wurden für die provozierende Aktion unter anderem Straßen und Plätze, die an Nationalisten und Irredentisten, aber auch an Kriegsverbrecher erinnern.

    Konkret behangen wurden (zumindest) Schilder an folgenden Orten:

    • 4.-November-Platz : Erinnert an den Tag des (angeblichen) Sieges im Ersten Weltkrieg. An diesem Tag wurde am 3. November 1918 der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und Italien geschlossen, der letztendlich auch zur Teilung Tirols und zur Annexion von Südtirol durch Italien führte.
    • Cesare-Battisti-Straße : Italienischer Irredentist (1916 von Österreich wegen Hochverrats hingerichtet).
    • Luigi-Cadorna-Straße : Chef des italienischen Generalstabs im Ersten Weltkrieg, aufgrund seiner Grausamkeit als »Schlächter« bezeichnet.
    • Armando-Diaz-Straße : Ab 1917 Generalstabschef des italienischen Heeres, später faschistischer Kriegsminister (1922-24) unter Benito Mussolini.
    • Fabio-Filzi-Straße: Italienischer Irredentist (1916 von Österreich wegen Hochverrats hingerichtet).
    • Fiumestraße : Expansionistisch-irredentistische Straßenbenennung nach der zu Kroatien gehörenden Stadt Rijeka/Fiume.
    • Antonio-Locatelli-Straße : Der Pilot Antonio Locatelli hatte schon im Ersten Weltkrieg Propagandaflüge über deutschen und österreichischen Städten durchgeführt. Im Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich am imperialistischen und kolonialistischen Angriffskrieg gegen Äthiopien, wo er starb.
    • Nazario-Sauro-Straße: Italienischer Irredentist (1916 von Österreich wegen Hochverrats hingerichtet).
    • Siegesplatz : Erinnert an den (angeblichen) italienischen Sieg im Ersten Weltkrieg, beherbergt das faschistische Siegesdenkmal.
    • Vittorio-Veneto-Straße : Nach dem Ort benannt, an dem die gleichnamige Dritte Piaveschlacht stattgefunden hatte.
    • Zarastraße : Expansionistisch-irredentistische Straßenbenennung nach der zu Kroatien gehörenden Stadt Zadar/Zara.

    In einem Communiqué teilten die Faschistinnen mit, dass »unsere Vorfahren ihr Leben geopfert haben, um uns Italien zu schenken [und] jene so aufwändig eroberten heiligen Grenzen abzustecken«1Übersetzung und Hervorhebung von mir – Original: »I nostri avi hanno sacrificato la propria vita per donarci l’Italia, per tracciare quei sacri confini così duramente conquistati […]«, die jetzt von unkontrollierter Migration verletzt würden.

    Zwischen Remigrazione e Riconquista und CasaPound, deren Mitglieder in Bozen jetzt als Lega-Mandatare zur Koalition von SVP und Rechten gehören (vgl.), gibt es deutliche personelle Überschneidungen. So ist CasaPound-Chef Luca Marsella einer der Sprecher von Remigrazione e Riconquista.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01 02

    • 1
      Übersetzung und Hervorhebung von mir – Original: »I nostri avi hanno sacrificato la propria vita per donarci l’Italia, per tracciare quei sacri confini così duramente conquistati […]«


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  • Bayrische AfD im Südtiroler Landtag ›willkommen‹.

    Im Februar dieses Jahres hatte sich die SVP selektiv von einigen rechtsradikalen und rechtsextremistischen Parteien, namentlich der AfD und der FPÖ, distanziert, während sie gleichzeitig mit den Südtiroler Freiheitlichen, den neofaschistischen Fratelli d’Italia, der Lega und FI regiert.

    Auch diese inkohärente, opportunistisch gewählte »rote Linie« der Südtiroler Mehrheitspartei war jedoch nicht zu halten: Vor wenigen Tagen, am 3. November, empfing nämlich Landtagspräsident Arnold Schuler (SVP) offiziell eine Delegation der bayrischen AfD-Landtagsfraktion, die sich auf einer »Informationsreise« in Südtirol befand.

    Angeführt wurden die Mitglieder des Arbeitskreises Gesundheit und Soziales in der bayrischen AfD-Fraktion von Andreas Winhart, der schon vor gut einem Jahr auf Einladung der STF im Südtiroler Landtag gewesen war.

    Der bayrische Landtagsabgeordnete ist für seine antisemitischen und rassistischen Äußerungen bekannt, für die er bis Anfang 2019 vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

    Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein N**** anküsst oder anhustet, dann muss ich wissen, ist er krank oder ist er nicht krank.

    – Andreas Winhart (Quelle: watson.ch)

    Seit 2022 wird sogar der gesamte bayrische Landesverband beobachtet — wogegen die AfD vergeblich klagte, da es laut Gericht »gewichtige Anhaltspunkte« für »verfassungsfeindliche Bestrebungen« gebe.

    Bierkrug-Übergabe (v.l. Winhart, Schuler) und offizieller Willkommensgruß – Querbalken von mir (Bilder: X-Account von Andreas Winhart)

    Selbst wenn wir annehmen, dass man den Besuch der Rechtsextremistinnen — wovon nicht auszugehen ist — nicht hätte verweigern können, ist nicht vermittelbar, warum man sich nicht auf ein absolutes Mindestmaß, auf eine bloße Abarbeitung des Termins beschränkt hat.

    Warum

    • lässt sich der Landtagspräsident nicht von jemandem vertreten, anstatt seiner Rolle und der Würde seines Amtes durch Anwesenheit zu schaden?
    • ließ sich Schuler mit einer Gruppe von AfD’lerinnen für ein offizielles Foto ablichten?
    • nahm er von den Demokratiefeinden einen Bierkrug als Geschenk an und packte ihn mit sichtlicher Zufriedenheit aus, wie auf deren Social-Media-Kanälen zu sehen ist?
    • wurde auf den Displays des Landtags eine (fehlerhafte) Botschaft eingeblendet, wonach die Ungustln »herzlich [w]illkommen« seien?

    Neben Winhart waren unter anderem auch Elena Roon und Franz Schmid Teil der Delegation. Im Jahr 2017 flog auf, dass Roon als Chefin des Nürnberger Kreisverbandes in einer internen Chatgruppe Hitlerbilder mit dem Aufruf »Deutschland braucht Dich!« gepostet hatte. Die Russlanddeutsche gilt außerdem als Putin-Verehrerin und Relativiererin seines Angriffskriegs auf die Ukraine. Für ihre Rolle als angebliche Wahlbeobachterin bei der Präsidentschaftswahl in Russland 2024 wurde sie sogar von ihrer selten verlegene Partei verwarnt. Franz Schmid pflegt enge Beziehungen zur Identitären Bewegung und sieht die AfD als Partei der autochthonen Deutschen. Seit 2024 wird er wegen seines »gegen die Menschenwürde gerichteten ethnischen Volksbegriffs« vom bayrischen Verfassungsschutz beobachtet. Was haben solche Leute im Südtiroler Landtag verloren?

    Empfangen wurden sie außerdem (wieder) von der STF, zudem vom Südtiroler Gesundheitsbetrieb (Sabes), vom NISF und von der Caritas.

    Die mangelnde Abgrenzung durch Arnold Schuler wundert mich natürlich nur bedingt, da seine Partei — wie bereits eingangs erwähnt — mit den Südtiroler und staatsweiten Pendants der AfD regiert. Dennoch schaden solche Auftritte der Würde des Südtiroler Landtags und tragen zur weiteren Normalisierung der Demokratiefeinde bei.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • Später Dank an Bruno Kreisky.


    von Marco Manfrini

    Am 31. Oktober 1960, also vor genau 65 Jahren, nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen die 1. »Südtirol-Resolution« an. Sie war auf Wirken des damaligen österreichischen Außenministers, Bruno Kreisky, zustande gekommen. Kreisky wollte der fortdauernden Entnationalisierung und Diskriminierung der Südtiroler:innen sowie der ununterbrochenen Italienisierung des Landes nicht tatenlos zusehen.

    Vor einer Woche luden der Schützenbezirk Brixen mit den Schützenkompanien Brixen, Vahrn und Schabs-Aicha, das Land Südtirol und die Silvius-Magnago-Stiftung zum Gedenken an Kreiskys großartigen diplomatischen Erfolg und seinen Einsatz für Land und Leute.

    Martha Stocker (SVP) führte mit klaren Worten und großem Feingefühl für die Nuancen der Geschichte durch die Veranstaltung. Sie betonte auch immer wieder, dass es auch darum ging, Kreisky den Dank und die Anerkennung zukommen zu lassen, die ihm anfangs von Südtiroler Seite allzu oft verweigert worden waren.

    Dazwischen gab es Ansprachen von Seiten des Brixner Bürgermeisters, Andreas Jungmann (SVP), des Tiroler SPÖ-Vorsitzenden und Landeshauptmannstellvertreters Philip Wohlgemuth und des Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher (SVP). Die Reden waren durchaus gut und ehrlich. Es hätte ihnen aber meiner Meinung nach nicht geschadet, wenn die eine oder andere Bemerkung etwas direkter ausgefallen wäre. Die Lage nach 1945 war nämlich äußerst ernst, sie war für den Forstbestand der österreichischen Minderheit in Italien eigentlich sogar existentiell bedrohlich. Seit der Verfassungsreform von 2001 und der autonomiefeindlichen Rechtsprechung des italienischen Verfassungsgerichtshofs trübt sie sich wieder zunehmend ein. Erst vor wenigen Tagen schränkte der Verfassungsgerichtshofs den autonomen Spielraum Südtirols und des Trentino ein weiteres Mal klar und deutlich ein. Es handelt sich daher um keine Panikmache, wenn man davon spricht, dass unsere Autonomie in Not geraten ist, sondern um eine nüchterne Feststellung. Gerade deshalb war es so wichtig, sich an Bruno Kreisky zu erinnern.

    Kreisky war nämlich ein Mensch und Politiker von großem Mut und Weitblick und von beeindruckender Entschlossenheit, das Richtige zu tun. Er hatte das Herz am rechten Fleck.

    Als Sozialdemokrat kämpfte er sein Leben lang für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Sein Einsatz gegen Faschismus und Autoritarismus wurde 1936 mit einem Jahr Kerkerhaft bestraft. Im Jahr 1938 folgte die Flucht vor den Mördern des Naziregimes.

    Nach 1945 und als Außenminister scheute sich Kreisky nicht, das Leid und die Ungerechtigkeit anzuprangern, die Südtirol durch Italien und die Fremdbestimmung widerfahren ist. Aus tiefer Überzeugung machte er sich für Südtirol und seine Menschen stark.

    Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass Italien an den Verhandlungstisch gezwungen wurde, der schlussendlich die Südtirolautonomie hervorbrachte. Kreisky meinte es ernst, wenn er sich schützend vor die österreichische Minderheit in Italien stellte.

    Das Gedenken an ihn verpflichtet uns, nicht stillschweigend zuzusehen, wie unsere Autonomie seit bald 25 Jahren — trotz gegenteiliger Beteuerungen und oberflächlicher Reparaturen — Stück für Stück beschnitten wird. Es liegt an uns, die Stimme zu erheben und für mehr Selbstständigkeit und mehr autonome Freiräume zu kämpfen. Kreisky hätte es wohl auch getan.


    Autor:innen- und Gastbeiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD wieder, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterstützen.· I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. — ©


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  • ›Wo ein Wille, da Verständnis.‹
    Quotation

    In ihrer dieswöchigen Außensicht berichtet Kolumnistin Alexandra Kienzl in der ff von einem Wanderhändler aus Marokko, der seine Ware im Puschtra Dialekt feilbot.

    Ich besinne mich insbesondere [seiner]1s. Kommentarbereich, wenn wieder einmal Leute italienischer Muttersprache monieren, dass das Zusammenleben der Sprachgruppen auch deshalb nicht so wirklich klappe in Südtirol, weil die Deutschsprachigen immer „bloß“ Dialekt sprächen. Da habe man jahrelang die Sprache der Dichter und Denker studiert, könne den Akkusativ blind vom Dativ unterscheiden, und doch ist alles umsonst, weil die Eingeborenen in diesem merkwürdigen Kauderwelsch, dieser Geheimsprache aus harten Lauten und viel „isch“ und „osch“ kommunizierten.

    – Alexandra Kienzl (ff Nr. 45/2025)

    Für »nicht wenige mutmaßlich höher gebildete Menschen« sei es »offenbar ein Ding der Unmöglichkeit«, sich Dialektkenntnisse anzueignen. (Und seien es passive, möchte ich hinzufügen.)

    Darüber hinaus rügt Kienzl in ihrem Kommentar aber auch jene Deutschsprachigen, die den Dialekt verwenden, wo er nicht angebracht sei.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08

    • 1
      s. Kommentarbereich


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  • Plankensteiner 2.0.
    Sinner und die Herabwürdigung der anderen

    Der Südtiroler Tennis-Star Jannik Sinner ist ein Sympathieträger. Und in der Tat hat der “Puschtra Bui” in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Potentielle Fettnäpfchen hat er größtenteils gekonnt umschifft und auch diverse Vereinnahmungsversuche hat er diplomatisch und geschickt pariert. Jedoch an der nationalen Identitätsfrage scheitert auch er und lässt sich – ob von sich aus oder auf Druck kann ich nicht beurteilen – zu schiachen Verfehlungen hinreißen.

    Laut Tuttosport hat Sinner kürzlich folgendes gesagt:

    Io sono orgoglioso di essere italiano, sono molto felice di essere nato in Italia e non in Austria o da un’altra parte, perché ho sempre detto e lo ribadisco con tanta onestà che questo paese si merita molto di più anche di quello che sto facendo io. Abbiamo le strutture, gli allenatori, i giocatori. Abbiamo tantissime mentalità differenti che però sono anche la nostra forza.

    – Jannik Sinner

    Als was sich Sinner fühlt, ist seine persönliche Entscheidung. Und wenn er seine individuelle Identität als Italiener wahrnimmt, so ist das zu akzeptieren. Von mir aus kann er auch “stolzer Italiener” sein, wobei ich persönlich nie verstanden habe, wieso man auf etwas stolz sein soll, was der Geburtslotterie geschuldet ist. Ich halte es diesbezüglich mehr mit George Carlin, der meinte:

    I could never understand ethnic or national pride. Because to me pride should be reserved for something you achieve or attain on your own, not something that happens by accident of birth. Being Irish isn’t a skill, it’s a fuckin’ genetic accident. You wouldn’t say “I’m proud to be 5’11”. I’m proud to have a predisposition for colon cancer.” So why the fuck would you be proud to be Irish, or proud to be Italian, or American or anything?

    – George Carlin

    Hätte es Sinner beim “Io sono orgoglioso di essere italiano, sono molto felice di essere nato in Italia” belassen, wäre alles gut. Doch indem er “non in Austria o ad un’altra parte” anfügt, wird sein pathetischer Patriotismus zu toxischem Nationalismus, der nicht ohne die Herabwürdigung anderer auskommt. Warum macht sich Sinner unnötig klein, indem er seine Größe durch die Abwertung des anderen unterstreichen muss?

    Dazu kommt noch, dass Sinners Claim, wonach die Bedingungen in Italien so gut seien und die Diversität Italiens Stärke sei, rein faktisch nicht wirklich nachvollziehbar ist. Zum einen gibt es in den meisten Staaten besagte Diversität, die also bei Gott kein Alleinstellungsmerkmal Italiens ist, und zum anderen ist Sinner der erste Spieler aus dem 59-Millionen-Einwohnerland, der es an die Spitze des ATP-Rankings geschafft hat. Vor ihm war nicht einmal ein italienischer Spieler in den Top drei. Das etwas kleinere Spanien hat in der Geschichte vier Nummer-1-Spieler hervorgebracht und vier weitere schafften es in die Top drei. Diversitätsdetail am Rande: Sechs dieser acht Spieler stammen aus katalanischsprachigen Regionen. Und selbst das von Sinner gedisste kleine Österreich hatte mit Thomas Muster (Nr. 1 1996) und Dominic Thiem (Nr. 3 2020) zwei Spieler in den ATP-Top-3 bevor dies mit Sinner einem Spieler aus Italien gelang. Diese Feststellungen sollen keine Herabwürdigung Italiens sein, sondern einfach nur die Absurdität des nationalistischen Stolzes in Sinners Aussage belegen.

    Sinners Statement erinnert ein wenig an die “Causa Plankensteiner” vor fast 20 Jahren. Damals war der Südtiroler Rodelolympiasieger Gerhard Plankensteiner ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er die Mameli-Hymne nicht kannte, woraufhin er zum Singen derselben im TV-Studio genötigt wurde. Auch er hat laut Spiegel im Anschluss seine Italianità betont und – ganz im Sinne der hässlichen Rhetorik der Hymne – festgestellt, wie übel doch die anderen seien:

    Ich liebe Italien, ich mag Italien. Es stimmt nicht, dass ich nur Augen für Südtirol habe. Ich könnte auch in Sizilien oder Kalabrien leben. Ich bin ein echter Italiener. […] Ich mag Österreich nicht. Dort will ich nicht leben. Ich möchte Italiener und nichts anderes sein.

    – Gerhard Plankensteiner

    Generell scheint es bei Südtiroler Spitzensportlerinnen keine Seltenheit zu sein, gerade in Bezug auf Österreich oder Deutschland feindselig und herablassend zu agieren, wenn ihnen – meist von nationalen Medien – bezüglich ihrer Identität aka. Italianità auf den Zahn gefühlt wird. Die Biathletin Dorothea Wierer glaubte vor einigen Jahren im Interview mit der Gazzetta dello Sport auch, dass Unfairness und Arroganz der beste Weg wären, die eigene Stärke und Italianität zu untermauern:

    Meine Leidenschaft ist voll und ganz italienisch, angefangen beim Trikolore-Herz, das ich auf meinem Gewehr angebracht habe. Ich möchte nie starr wie eine Deutsche sein.

    – Dorothea Wierer

    Es ist unmöglich, zweifelsfrei festzustellen, ob die Sportlerinnen diese Aussagen freiwillig und aus Überzeugung treffen oder ob sie aufgrund des ausgeübten Drucks zustande kommen. Fakt ist, dass viele offenbar glauben, auf die Zweifel an ihrer Italianità mit übersteigertem Nationalismus und gleichzeitiger Herabwürdigung anderer reagieren zu müssen. Leider hat es der derzeit bekannteste Sportler Südtirols und Italiens ebenfalls nicht geschafft, diesem Reflex zu widerstehen, wie auch Landeskommandant Christoph Schmid in einem eloquenten offenen Brief der Schützen darlegt.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07



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  • VfG: Staat sticht Land auch beim Wahlrecht.

    Obwohl die autonomen Regionen und Länder im Staat Italien bezüglich Wahl ihrer Regionalräte (Landtage) und Präsidentinnen (Landeshauptfrauen) nominell über eine »primäre« Gesetzgebungsbefugnis verfügen, gibt letztendlich der Zentralstaat den Ton an. Dies lässt sich von einem gestrigen Entscheid1pun intended des italienischen Verfassungsgerichts (VfG) ableiten, das die Mandatsbeschränkung von Regionspräsidentinnen einfach vom Staatsgesetz auf die nominell »autonome« Provinz Trient ausgedehnt hat. Hierzu erklärten die Richterinnen die zentralstaatliche Regelung — obschon sie ausdrücklich nur für Regionen mit Normalstatut erlassen wurde — einfach zum »allgemeinen Prinzip der republikanischen Rechtsordnung«.

    Das Verfassungsgericht macht sich die Welt einfach, wie sie ihm gefällt. Und sie gefällt ihm nun einmal seit jeher mit einem starken römischen Wasserkopf und schwachen Autonomien.

    Demzufolge darf der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti (Lega) keine dritte Amtszeit ableisten, obschon ihm der Landtag diese Möglichkeit eingeräumt hatte.

    Auf Südtirol wirkt sich die jetzige Vorgabe nicht unmittelbar aus, da die Landeshauptfrau hierzulande nicht direkt, sondern vom Landtag gewählt wird und sich das Staatsgesetz nur auf direkt gewählte Regionspräsidentinnen bezieht.

    Allerdings könnte die Amtsbeschränkung auch auf Südtirol ausgedehnt werden, falls

    • der Landtag beschlösse, auch bei uns die Direktwahl der Landeshauptfrau einzuführen oder
    • der Zentralstaat die Beschränkung auch auf nicht direkt gewählte Amtsträgerinnen ausweiten sollte.

    Zudem wurde den Autonomien durch das jetzige Urteil auch ganz grundsätzlich abermals eine primäre Befugnis entrissen, was als Präzedenzfall für weitere Einschnitte in diesem Bereich dienen kann.

    Die vom VfG herangezogenen »allgemeinen Prinzipien der republikanischen Rechtsordnung« sind übrigens nicht die »grundlegenden Bestimmungen der wirtschaftlich-sozialen Reformen der Republik«, die mit der Autonomiereform als Schranke der Gesetzgebungsbefugnisse beseitigt werden sollen. Dies zeigt einmal mehr, dass dem Verfassungsgericht auch nach Genehmigung der Reform zahllose Möglichkeiten gegeben sind, in die Zuständigkeiten des Landes einzugreifen, wie es ihm gerade gefällt.

    Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass das »nationale Interesse« als Grenze autonomer Befugnisse aufrecht bleibt.

    Hinweis: In diesem Beitrag wird ausdrücklich nicht bewertet, ob eine Mandatsbeschränkung — beispielsweise im Trentino — sinnvoll ist, sondern nur thematisiert, dass die entsprechende Entscheidungsbefugnis von der Landes- auf die Staatsebene verschoben wurde.

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    • 1
      pun intended


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  • Beati coloro che…
    Nazionalismo tossico

    Beati coloro che, dopo anni di pressioni, sono riusciti a fargli dire che si sente italiano — e adesso se ne rallegrano.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03



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  • Il tedesco a Bolzano: promosso no, rimosso sì.
    Minorizzazione da manuale

    Su alcuni documenti della circoscrizione Centro Piani Rencio di Bolzano il testo in lingua tedesca è riportato a sinistra mentre quello in lingua italiana sta sul lato destro.

    Questo piccolo dettaglio è stato sufficiente a spingere il quotidiano in lingua italiana di Athesia a pubblicare, nella sua edizione odierna, un articolo dal titolo «Delibere prima in tedesco / Ora scoppia la polemica» — con tanto di finestra in prima pagina — nel quale il presidente Marco Manfrini (SVP) è chiamato a giustificarsi.

    Infatti, secondo l’autore dell’articolo

    anche se nella città di Bolzano, dove la maggioranza dei cittadini è di lingua italiana, dovrebbe venire prima il testo in lingua italiana, a precedere è invece quello in lingua tedesca.

    – A. Adige

    Va sottolineato, come ha fatto Manfrini nei confronti di chi lo ha intervistato, che invece non c’è nessuna legge e nessun regolamento che definisca l’ordine delle lingue.

    Chi però ha una minima dimestichezza con la tutela delle minoranze linguistiche, sa che bisognerebbe favorirle e promuoverle — e non parliamo solamente dell’inversione dell’ordine linguistico in qualche documento che pochi leggono — soprattutto nelle zone dove sono maggiormente sotto pressione, come per esempio a Bolzano. Secondo gli ultimi dati disponibili, quelli del censimento linguistico, il gruppo linguistico tedesco è infatti ormai in evidente sofferenza, essendo tornato sotto i livelli del 1981, il primo censimento dopo l’entrata in vigore del secondo statuto.

    Articolo dell’A. Adige (stralcio)

    L’agonia del gruppo minoritario nel capoluogo però all’A. Adige non interessa minimamente, come purtroppo sembra interessare ben pochi anche tra media e rappresentanti politici di lingua tedesca.

    Tutt’altra musica quando invece sono gli effetti dell’ormai riuscita opera di italianizzazione del capoluogo a venire intaccati, anche se si tratta solamente di un testo in lingua italiana sul lato destro di un foglio.

    Mentre ad esempio il Consiglio comunale si attiva immediatamente e all’unanimità perché gli annunci nei bus di linea sono prima in tedesco e poi in italiano, praticamente nessuno muove un dito se i dipendenti pubblici spesso (e sempre più spesso) non sono in grado di dire mezza parola in lingua tedesca, se servizi pubblici come il noleggio delle bici sono solo in italiano (e non prima in italiano) o se risulta praticamente impossibile utilizzare i parchimetri della città in lingua tedesca, per fare solo alcuni esempi.

    A titolo di paragone: a Barcellona — dove i cittadini di lingua catalana sono in minoranza — è normalissimo che la lingua catalana venga privilegiata e in molti casi le informazioni siano monolingui catalane, proprio per controbilanciare la marginalizzazione strutturale cui sono sottoposte le lingue minoritarie. Lo stesso vale per la Galizia, per il Galles (01 02) e ovviamente per il Québec.

    Alla «flessibilità» che in Sudtirolo si chiede ai cittadini di lingua tedesca nell’accettare ormai qualsiasi tipo di sopruso, purtroppo corrisponde un’inflessibilità praticamente totale da parte del gruppo linguistico italiano, ben esemplificata dall’articolo dell’A. Adige che stiamo commentando.

    Dove verso la fine — senza rendersi conto, apparentemente, dell’enorme contraddizione — si cita il leghista Luca Simone Segna, vice di Manfrini e partner di coalizione dell’SVP, che ha il coraggio

    • di affermare di sentirsi «spaesato» (!) per il semplice fatto che in questa consiliatura le riunioni del Consiglio di quartiere non sarebbero più monolingui italiane, come in precedenza, ma bilingui e
    • di lamentarsi che «era più veloce la seduta in italiano, essendo la maggioranza italiana».

    Riguardo al testo delle delibere prima in lingua tedesca, come alle sedute “doppie” prima in tedesco e poi con la traduzione italiana, il vicepresidente [Luca Simone Segna] tiene a chiarire: «Per il quieto vivere, non ci facciamo neanche più caso. Lasciamo correre, cerchiamo di essere superiori. Siamo quasi nel 2026, siamo nell’Europa unita. […]»

    – A. Adige

    La «superiorità» del gruppo linguistico che, nel 2026, non riesce a fare una seduta in cui ognuno parla la sua lingua, ma ha bisogno di successive traduzioni, mi sembra veramente fantastica. Non vergognarsene, ma addirittura sbandierare la magnanime «concessione» di non esigere il monolinguismo italiano totale, rappresenta la ciliegina sulla torta.

    Tutto questo ci fa capire purtroppo a che livello — mediatico e politico — siamo: mentre il tedesco sul lato «sbagliato» (delle delibere) non va bene, il tedesco eliminato (dalle sedute) sembra quasi un diritto.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 || 01 02



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