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  • Aufgezwungene Identitäten.

    Der frühere schwedische Tennisstar Mats Wilander hat im Anschluss an das von Jannik Sinner gewonnene US Open gegenüber der französischen Sportzeitung L’Equipe den Wunsch geäußert (bzw. die Forderung erhoben), die Südtiroler Nummer 1 im Tennis möge italienischer und weniger österreichisch sein. Diese Aussage hat auch in italienischen Medien große Resonanz erreicht.

    Es reicht also nicht, dass Südtirolerinnen (übrigens anders als Nordirinnen) keine Wahl haben, für welches Land sie antreten und übrigens auch keine Möglichkeit haben, für eigene Teams an den Start zu gehen. Vielmehr werden sie darüber hinaus auch noch regelmäßig — mal subtiler, mal weniger — dazu gedrängt, eine Rolle einzunehmen, die dem »nationalen« Klischee entspricht. Dazu gehört in vielen Fällen auch, die oktroyierte Staatssprache zu sprechen und von der eigenen Muttersprache Abstand zu nehmen (01 02) oder die Nationalhymne zu singen und die italienische Flagge zu schwenken.

    Das Bewusstsein und die Sensibilität, dass man Menschen nicht gegen ihren Wunsch eine Geschlechtsidentität zuweisen (geschweige denn sie zur Annahme eines dem Geschlechterklischee entsprechenden Verhaltens/Temperaments drängen) soll, setzen sich glücklicherweise allmählich durch. Falls das amtliche (noch) nicht mit dem gefühlten Geschlecht übereinstimmt, werden dafür teilweise sogar — was ich ausdrücklich begrüße! — sogenannte Aliasidentitäten geschaffen.

    Demgegenüber werden nationale Identitäten nach wie vor völlig ungeniert aufgedrängt. Diesbezüglich ist meiner Meinung nach dringend ein Umdenken vonnöten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 01 02 03 04 05 06 07



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  • Ist die Flucht aus Südtirol extrem?

    Der Handels- und Dienstleistungsverband hds zeigt sich also besorgt, weil Trentino-Südtirol »trauriger Spitzenreiter bei der “Fachkräfteflucht”« sei. Das zeige eine aktuelle Studie der italienischen Fondazione Nord Est:

    Im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl sind die 1570 jungen Menschen aus der Region, die 2023 abgewandert sind, viel mehr als jene etwa aus der Lombardei, wo bei einer Einwohnerzahl von über 10 Millionen insgesamt 5760 Personen abgewandert sind.

    – Pressemitteilung hds (Hervorhebung im Original)

    Die Studie zeigt aber gar nicht, dass Südtirol Spitzenreiter bei der Abwanderung wäre. Vielmehr geht es darin ausschließlich um den Wegzug ins Ausland. Menschen, die von der Lombardei nach Venetien oder von Südtirol ins Piemont ziehen, scheinen in der Statistik gar nicht auf. Hierzulande liegt es aber für Wegzugwillige buchstäblich nahe, nicht unbedingt in eine Region Italiens, sondern ins benachbarte — vor allem deutschsprachige — »Ausland« zu ziehen, wo zudem die Lebens- und Arbeitsbedingungen meist deutlich besser sind.

    Auch wenn es um die Wahl des Studienorts geht ist es ja so, dass ein sehr großer, wohl mit keiner italienischen Region vergleichbarer Anteil der Südtirolerinnen sich für andere Länder des deutschen Sprachraums entscheidet, auch weil sie sie (insbesondere aus sprachlicher Sicht) gar nicht als Ausland betrachten.

    Regelmäßig wird behauptet, dass die Grenzen in Europa nicht mehr existierten. Handeln Menschen dann danach, wird das nicht goutiert — oder zumindest nicht richtig rezipiert.

    Denn obwohl sie oft sogar in derselben Region (Tirol) bleiben oder lediglich in die nächstgelegene Metropole (München) ziehen, scheinen weggezogene Südtirolerinnen in der Statistik von Fondazione Nord Est als »Flüchtige« auf, während gleichzeitig Menschen aus italienischen Regionen, die dasselbe im Inneren des Staatsgebiets tun (und sich also auch in ihrem Sprachraum bewegen), erst gar nicht berücksichtigt werden.

    Die Studie ist »nationalistisch«, indem sie nur grenzüberschreitende Migration als Abwanderung betrachtet, was zwar legitim, aber speziell aus Südtiroler Sicht irreführend ist.

    Ja, die Attraktivität Südtirols für hier Aufgewachsene und auch für Menschen aus dem restlichen deutschen Sprachraum, mit dem wir im Wettbewerb stehen, muss tatsächlich dringend erhöht werden. Die vom hds zitierte Studie sagt darüber jedoch weniger aus, als die besorgte (und meiner Meinung nach irreführende) Stellungnahme vermuten ließe. Vielmehr zeigt sich, dass der Kontakt zwischen Südtirol und dem restlichen deutschen Sprachraum noch aufrecht ist, wenngleich leider vor allem in eine Richtung.

    Cëla enghe: 01 02 | 03 04 05 06 || 01 02



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  • Zweifelhaftes Glück.

    Auf den letzten Leitartikel von Georg Mair in der ff hat Harald schon in seinem Beitrag über die sogenannte Sonderklasse der Goetheschule hingewiesen. Trotzdem möchte ich hier noch einmal kurz darauf zurückkommen.

    Mir ist natürlich klar, dass der Titel

    Zum Glück ist Südtirol Italien

    – Georg Mair, ff Nr. 36/2024

    in erster Linie auf die Inklusion in den Schulen gemünzt ist, wo Italien tatsächlich — wenngleich wohl mit Einschränkungen — ein Positivbeispiel darstellt. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein derartiger Titel nicht nur echte Autonomistinnen oder einen überzeugten Sezessionisten wie mich stören sollte.

    Die fortwährende Minorisierung muss nicht jeden umtreiben, wiewohl man es sich von einem Medium, das in einer Minderheitensprache erscheint, zumindest wünschen würde. Dass sich Italien aber seit Jahrzehnten auf dem Weg zur illiberalen Demokratie befindet, derzeit von neofaschistischen Kräften regiert wird und auch in Bezug auf die Pressefreiheit richtig schlecht dasteht, sollte einen Journalisten vielleicht doch interessieren und von einem so plakativen Titel abhalten.

    Doch anscheinend ist das Glücksgefühl bei manchen einfach durch gar nichts mehr zu trüben.

    Cëla enghe: 01 02 03 | 04 || 01 02 03 04 05 06 07



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  • EVP: Diese Länder veröffentlichen nichts in Ihrer Sprache.

    Von der EU wird Südtirol nicht zu den Gebieten mit deutscher Amtssprache gezählt, weil Italien — anders als etwa Belgien oder Luxemburg — gegenüber der Union wohl nur eine, die Staatssprache »angemeldet« hat. Das bedeutet, dass Südtirolerinnen dort, wo Informationen nicht ohnehin für die gesamte EU gültig sind, sprachlich nicht eigens berücksichtigt werden. Die Minorisierung setzt sich somit auch auf europäischer Ebene fort.

    Interessant ist aber, dass die EVP-Fraktion, die an die Sprachvorgaben der Mitgliedsstaaten nicht gebunden wäre, auf ihrer Website auch keine Nachrichten auf Deutsch für Italien bzw. Südtirol anbietet, obschon dort Herbert Dorfmann (SVP) Mitglied und sogar Delegationsleiter im Fraktionsvorstand ist.

    Die deutsche Sprache wird nur für Österreich, Belgien, Deutschland und Luxemburg angeboten:

    Ausschnitt Website der EVP-Fraktion im EU-Parlament

    Klickt man auf Italien, gelangt man (nur auf Italienisch oder Englisch) auch auf das Profil des Südtiroler EU-Abgeordneten, wo man zum Beispiel erfährt, dass er

    • im Nordosten gewählt wurde, das auch »Trentino Alto Adige« umfasst;
    • vier Jahre lang Bürgermeister eines ominösen »Velturno« bei »Bolzano« gewesen sei;
    • neun Jahre für die Handelskammer von »Bolzano« gearbeitet habe.

    Ausschnitt Website der EVP-Fraktion im EU-Parlament

    Obwohl man sie nicht über die obige, vorgeschaltete Sprach- bzw. Länderwahl erreicht, gibt es die Bio von Dorfmann auch auf Deutsch (und in anderen Sprachen). Man muss aber auf die Idee kommen, von seinem Profil aus noch einmal die Sprache umzustellen:1Es ist aber auch möglich, über das Abgeordnetenverzeichnis direkt auf die deutsche Sprachversion des Profils zu gelangen.

    Ausschnitt Website der EVP-Fraktion im EU-Parlament

    Und siehe da: er hat seinen Abschluss bei der »Universität vom Heiligen Herzen in Piacenza« gemacht, war aber tatsächlich Bürgermeister von »Velturno« — und zwar nicht für FdI, sondern angeblich für eine Partei, die sich den Minderheitenschutz auf die Fahnen schreibt. Ettore Tolomei gefällt das, seinen Freunden Raffaele Fitto und Antonio Tajani vermutlich auch.

    Cëla enghe: 01 02 03 04

    • 1
      Es ist aber auch möglich, über das Abgeordnetenverzeichnis direkt auf die deutsche Sprachversion des Profils zu gelangen. ↩︎


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  • Ungenutzte digitale Spielräume.

    Der diesjährige Tag der Autonomie (am 5. September) stand unter dem Hauptthema »Digitalisierung«, die durch ihre Vereinheitlichungs- und Zentralisierungstendenzen eine große Herausforderung für den Föderalismus und die Südtirolautonomie darstellt. Keine Frage: Neue Zuständigkeiten und die Ausweitung des Rechts auf Gebrauch der Muttersprache im digitalen Bereich sind dringend anzugehen, da hier heute bekanntermaßen nicht automatisch eine sinngemäße Interpretation der Autonomie, sondern eine restriktive Auslegung vorherrscht, die den Minderheitenschutz ad absurdum führt.

    Gleichzeitig muss sich insbesondere die SVP auch vorwerfen lassen, das Thema sträflich vernachlässigt, Spielräume nicht ausgenutzt und sogar Möglichkeiten freiwillig aus der Hand gegeben zu haben. Wir weisen seit Jahren darauf hin.

    Einige Beispiele:

    • Während die Digitalisierung von vielen — insbesondere autonomen — Regionen in Europa und weltweit genutzt wurde, um ihre Sichtbarkeit im virtuellen Raum etwa durch eigene Internetsuffixe sichtbarer zu machen und somit auch die Bindung an die jeweiligen Nationalstaaten abzuschwächen, wurde diese Entwicklung in Südtirol bis heute völlig verschlafen.
    • Im Gegenteil wurde hierzulande noch nicht einmal die Gelegenheit genutzt, durch andere Internetsuffixe als .it bei offiziellen Seiten des Landes auch symbolisch die Autonomie gegenüber Italien darzustellen. Hierfür würde sich zum Beispiel auch die europäische Endung .eu eignen, die immerhin von einigen »wagemutigen« Gemeinden genutzt wird.
    • Mit etwas Kreativität ließe sich diesbezüglich vermutlich auch der Hyperzentralismus ansatzweise umgehen. Wenn es wirklich stimmt, dass (das ach so autonome) Südtirol — anders als Regionen im zentralistischen Frankreich (01 02) — vom Zentralstaat gezwungen wird, die Adresse provinz.bz.it zu nutzen, dürfte es wohl kein größeres technisches Problem darstellen, als eine Art »Alias« beispielsweise auch die Adresse landsuedtirol.eu auf dieselben Internetseiten verweisen zu lassen.1ähnlich wie heute schon provinz.bz.it, provincia.bz.it und provinzia.bz.it auf die Landesseiten führen Dann wäre der zentralistischen Vorgabe Genüge getan, ohne deshalb (gänzlich) auf die Eigenständigkeit zu verzichten.
    • Bei der Digitalisierung von Bereichen, die im Zuständigkeitsbereich des Landes und der Gemeinden liegen, wurde oftmals sogar freiwillig auf Autonomie verzichtet — so zum Beispiel beim Einheitsschalter für das Bauwesen, über den ich vor einiger Zeit näher berichtet hatte. Hier hat man sich — anders als etwa das Trentino, das eine eigene, wesentlich bedienungsfreundlichere Plattform entwickelt hat! — unnötig an ein staatsweites, von den Handelskammern betriebenes Portal gekoppelt. Mit der Folge, dass die vorgeschriebene Zwei- und Dreisprachigkeit (auch im Vergleich zur früheren analogen Abwicklung) massiv unter die Räder gekommen ist. So sehr sogar, dass es absurderweise im Trentiner Portal problemlos möglich ist, die Südtiroler Adressen auf Deutsch einzugeben, während es beim »Südtiroler« (bzw. staatsweiten) Portal meist nicht gelingt.

    Überhaupt macht das Trentino manchmal vor, dass (und auch wie) sich vorhandene autonome Spielräume, wiewohl sie vielfach mickrig sind und eines dringenden Ausbaus bedürften, effizienter und selbstbewusster Nutzen ließen. Und das, obwohl dort keine Zwei- und Dreisprachigkeitsvorschriften gelten, somit eine Bindung an staatsweite Lösungen weniger Probleme bereiten würde als hierzulande.

    Parallel zum Kampf um neue Befugnisse, wie er sich aus den Überlegungen am Tag der Autonomie ergibt, könnte und sollte also auch schon heute mehr getan werden, ohne auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu warten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 | 07 || 01

    • 1
      ähnlich wie heute schon provinz.bz.it, provincia.bz.it und provinzia.bz.it auf die Landesseiten führen ↩︎


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  • Bahnhofsschilder: ÖBB lassen Südtirol alt aussehen.
    Zweisprachigkeit

    LH Peter Kaiser (Kärnten), BM für Klimaschutz Leonore Gewessler, Vorstand ÖBB-infra Johann Pluy (© ÖBB/evmedia)

    Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben kürzlich angekündigt, bis Ende des laufenden Jahres alle Bahnhöfe in Österreich, deren Standort nach dem Volksgruppengesetz als zweisprachig gilt, in beiden offiziellen Sprachen zu beschildern. Das gilt für Ortschaften in Kärnten (Slowenisch) und Burgenland (Kroatisch), wobei die Beschriftungen — wie auf dem Bild ersichtlich — gleichwertig sind.

    Was diese Ankündigung aus meiner Sicht besonders macht ist, dass es für die ÖBB keinerlei gesetzliche Verpflichtung zur zweisprachigen Beschriftung gibt. Das ist natürlich einerseits ein Manko, macht aber andererseits eine (neue) Sensibilität offensichtlich, die sich auch andere zueigen machen könnten.

    In Südtirol zum Beispiel gibt es für die Bahn bzw. den Schienennetzbetreiber RFI seit langem eine klare gesetzliche Verpflichtung zur gleichwertigen Behandlung der Landessprachen Deutsch und Italienisch — doch RFI setzt sich darüber regelmäßig hinweg, in vergangenen Jahren sogar relativ systematisch. In italienischen Gebieten mit anerkannten sprachlichen Minderheiten, in denen sich für RFI jedoch keinerlei Verpflichtung zur zweisprachigen Beschilderung ergibt, sind die Schilder meinen sporadischen Beobachtungen zufolge ausschließlich auf Italienisch (und gegebenenfalls Englisch).

    Per Selbstverpflichtung »überholt« ÖBB infra nun durch die freiwillige Gleichbehandlung von Slowenisch und Kroatisch mit Deutsch sogar Südtirol, wo es in den letzten Jahren hingegen immer wieder zu (illegalen) Rückschritten (01 02 03) gekommen ist.

    Cëla enghe: 01 02 | 03 04 05 06



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  • Innsbrucker Fingerspitzengefühl.
    Bozner Platz wird zur Piazza

    In der Architektur – zumal der Landschaftsarchitektur und dem Städtebau – geht es nicht bloß um Ästhetik und Funktionalität. Qualitätsvolle Architektur ist stets auch ein Dialog. Ein Dialog mit der Umgebung und der Geschichte des Ortes. Als Ausgangspunkt für die Planung dient dabei der Genius Loci (dt. Geist des Ortes). Er beschreibt das bisweilen nicht Sicht- jedoch Spürbare einer Lokalität.

    Seit Jahren wird in Innsbruck über eine längst überfällige Umgestaltung des Bozner Platzes am Rande der Innenstadt debattiert. Nach einer Ausschreibung steht laut Informationsportal der Stadt nun das Siegerprojekt fest, das bis 2025 umgesetzt werden soll.

    Ungeachtet der rein städtebaulichen Qualität der Umgestaltung durch EGKK Landschaftsarchitektur aus Wien ist die Terminologie, mit der das Projekt präsentiert wird, ein ziemlicher Griff ins Klo. “Bozner Platz wird zur Piazza” und “Gemeinderat beschließt mehrheitlich Projekt ‘Piazza’” heißt es auf der Internetseite und im Info-Magazin der Stadt Innsbruck. Fragen zum Projekt können über die Mailadresse piazza@innsbruck.gv.at gestellt werden, heißt es. Das Ziel sei, italienisches Flair nach Innsbruck zu bringen. Das ist an und für sich überhaupt kein Problem. Es gibt jedoch genau zwei Plätze in Innsbruck, wo die Umsetzung dieses Unterfangens ein No-Go ist, weil es dem “Geist des Ortes” diametral entgegensteht.

    Angesichts der Teilung Tirols und der faschistischen Verbrechen in Südtirol, die mit einem Verbot der endonymen Ortsbezeichnungen und generell der deutschen Sprache einhergingen, hat der Innsbrucker Gemeinderat 1923 beschlossen, mehrere Straßen und Plätze im Zentrum der Stadt nach Südtiroler Orten zu benennen. Seither heißt der Platz am Hauptbahnhof “Südtiroler Platz”. Von dort nach Norden führt die Brunecker Straße und nach Süden die Salurner Straße. Gegen Westen hin kommt man über die Brixner Straße zum Bozner Platz und weiter zur Meraner Straße. Dieser ganze Bereich Innsbrucks ist also ein toponomastisches Mahnmal gegen Faschismus, eine Sichtbarmachung dessen, dass Mussolini versucht hat, alles Deutschsprachige zu eliminieren und Südtirol gewaltsam zu italianisieren.

    Und jetzt kommt man in der Tiroler Landeshauptstadt auf die großartige Idee, ausgerechnet den Bozner Platz symbolisch zu italianisieren. Also genau jenen Akt zu setzen, gegen den sich die Umbenennung vor knapp über 100 Jahren richtete. Angeblich soll auch bereits die Bezeichnung “Piazza Bolzano” die Runde machen. Zwar wird der Platz laut Bürgermeister Johannes Anzengruber (JA-Jetzt Innsbruck) auch weiterhin Bozner Platz heißen, aber die Optik ist dennoch schiach, wie der Innsbrucker sagen würde. Nicht zuletzt in Anbetracht des Erstarkens rechtspopulistischer bis rechtsextremer Gruppierungen (FPÖ, AfD usw.), postfaschistischer Kräfte an Italiens Regierungsspitze (Fratelli d’Italia) und genereller illiberaler Tendenzen in ganz Europa (Ungarn, Slowakei usw.) ist dieser geschichtsvergessene Umgang mit belasteter und belastender Geschichte ein zutiefst befremdlicher und der “Weltstadt” unwürdiger.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01



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