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  • Standarddeutsch wird wichtiger.
    Sprachbarometer 2025

    Laut dem neu veröffentlichten Sprachbarometer (ASTAT, 2025), das eine wachsende national(staatlich)e Identifikation verzeichnen lässt, ist die große Bedeutung der beiden gleichgestellten Landessprachen Deutsch (81%) und Italienisch (80%) »für ein gutes Zusammeleben« in der Wahrnehmung der Bevölkerung relativ ausgeglichen. Dies ist grundsätzlich eine positive Veränderung im Vergleich zum Sprachbarometer 2014, als Italienisch (81,8%) klar vor Standarddeutsch (72,2%) lag.

    Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf die veränderte Einschätzung der deutschen Sprachgruppe selbst zurückzuführen, die der Beherrschung von Standarddeutsch heute eine größere Wichtigkeit beimisst als 2004 und 2014. Sie erfolgt jedoch (Stichwort: Standardsprachenideologie) bei einem gleichzeitigen, klaren Rückgang der Bedeutung des deutschen Dialekts. Alle anderen Gruppen — die italienische und die ladinische sowie die »Anderen« — halten nach wie vor Italienisch für die Sprache, die für ein »gutes Zusammenleben« am wichtigsten sei.

    Auffallend ist, dass zehn Prozent der Italienerinnen Standarddeutsch und 41 Prozent der Italienerinnen den deutschen Dialekt für »wenig wichtig« oder gar »unwichtig« (ital. »irrilevante«) halten. Von den Deutschen und den Ladinerinnen stufen nur je vier Prozent die italienische Sprache als derart bedeutungslos ein.

    Unter den Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft halten 77 Prozent Standarddeutsch, 76 Prozent Italienisch, 36 Prozent den Tiroler Dialekt und sieben Prozent Ladinisch für »ausschlaggebend« oder »sehr wichtig«. Damit wird Deutsch (jeweils Standard und Dialekt) von dieser Gruppe wichtiger eingeschätzt als von der italienischen Sprachgruppe. Außerdem messen die ausländischen Staatsbürgerinnen dem Ladinischen eine etwas größere Bedeutung bei als Deutsche und Italienerinnen, aber auch als die Gesamtbevölkerung im Durchschnitt.

    Leider lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht eruieren, inwieweit sich diejenigen, die dem deutschen Dialekt eine große Bedeutung bescheinigen, mit denjenigen überlappen, die Standarddeutsch für »ausschlaggebend« oder »sehr wichtig« für das Zusammenleben halten. Eine Aussage darüber, wie viele Deutsch insgesamt (also egal ob Standard oder Dialekt) als wichtig einstufen, kann daher nicht gemacht werden; wir wissen nur, dass es mindestens 81 und maximal 100 Prozent1da 81% + 51% mehr als 100% ergeben der Befragten sind.

    Anders als 2004 wurden die Antworten »ausschlaggebend« und »sehr wichtig« 2014 und 2025 nur noch aggregiert veröffentlicht. Folglich ist es nicht mehr möglich, die Ergebnisse nuancierter zu bewerten.

    Trends

    Doch wie hat sich die Einschätzung bezüglich der einzelnen Sprachen im Laufe der Jahre verändert?

    Die Bedeutung der italienischen Sprache wurde stets als sehr hoch eingeschätzt, und zwar von sämtlichen Gruppen — am höchsten von der italienischen Sprachgruppe selbst, am niedrigsten von der deutschen Sprachgruppe. In allen Gruppen ist der Wert jedoch 2025 sowohl im Vergleich zu 2004 als auch im Vergleich zu 2014 etwas gesunken.

    Die Einschätzung bezüglich der deutschen Standardsprache war über die Jahre etwas größeren Fluktuationen ausgesetzt. Mit Ausnahme der italienischen Sprachgruppe, in deren Augen die Bedeutung von Standarddeutsch konstant gesunken ist, ist sie nach Ansicht der anderen Gruppen seit 2014 wieder gestiegen. Die deutsche Sprachgruppe misst der deutschen Hochsprache heute eine größere Bedeutung zu als 2004 und 2014. Bei den Ladinerinnen war dieser Wert 2004 am höchsten (92,8%) — damals und nur damals sogar höher als der Wert für Italienisch (90,1%).

    Regelrecht eingebrochen ist für alle Sprachgruppen die Bedeutung des deutschen Dialekts: Nur noch eine knappe Mehrheit der Gesamtbevölkerung (51%) findet heute noch, dass es für ein gutes Zusammenleben »ausschlaggebend« oder »sehr wichtig« sei, den hierzulande gesprochenen und für Südtirol charakteristischen Tiroler Dialekt zu beherrschen.

    In Bezug auf die ladinische Sprache, die im Großteil des Landes leider keine gleichgestellte Amtssprache ist, finden heute nur noch fünf bis sechs Prozent, dass sie eine große Bedeutung habe. Selbst unter den Ladinerinnen selbst, bei denen der Wert drastisch höher liegt, kam es zwischen 2014 und 2025 zu einem auffälligen Rückgang von rund fünf Prozentpunkten. Insgesamt finden heute leider nur (über die Jahre relativ stabile) sechs Prozent der Bevölkerung, dass die älteste und kleinste Sprache »ausschlaggebend« oder »sehr wichtig« für das Zusammenleben sei. Der Befund mag zutreffen, dass Ladinisch diese Bedeutung außerhalb der Ladinia nicht hat, doch er offenbart eine bedauerliche Situation.

    Cëla enghe: 01 || 01 02

    • 1
      da 81% + 51% mehr als 100% ergeben ↩︎


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  • Assimilierung der Minderheiten schreitet voran.
    Sprachbarometer 2025

    Das Landesstatistikinstitut (ASTAT) hat heute das neue Sprachbarometer 2025 vorgestellt. Es handelt sich dabei erst um die dritte umfassende und systematische Erhebung der Südtiroler Sprachlandschaften nach den Sprachbarometern von 2004 und 2014. Während der kommenden Wochen und Monate werde ich mich vermutlich noch öfter mit einzelnen Aspekten der Studie beschäftigen.

    Gleich beim ersten Durchsehen sind mir jedoch bereits einige Dinge aufgefallen, so zum Beispiel eine deutliche Verschiebung der Identität weg von der regionalen und hin zur nationalstaatlichen Ebene. Darin spiegelt sich der wiedererstarkte Nationalismus der letzten Jahre wider. Speziell für ein autonomes Gebiet sowie für sprachliche Minderheiten ist dieser Befund jedoch besorgniserregend.

    Identitätsfrage

    Bei der Frage nach der »territorialen, ethnischen und nationalen Zugehörigkeit« definierten sich trotz Möglichkeit von Mehrfachnennungen deutlich geringere Bevölkerungsanteile als »Südtiroler/in« als noch 2014. So sank der Wert unter denen, die sich der deutschen Sprachgruppe zugehörig fühlten, um 5,6 Prozentpunkte auf nunmehr 78 Prozent. In der Gesamtbevölkerung schrumpfte der Wert sogar um 8,6 Prozentpunkte auf 55 Prozent. Das heißt, dass sich nur noch eine relativ knappe Mehrheit der in Südtirol wohnenden Menschen auch als Südtirolerinnen fühlen.

    Dieses Land und seine Autonomie scheinen für ihre Einwohnerinnen immer mehr an Attraktivität zu verlieren und somit weniger Identifikationsmöglichkeiten zu bieten.

    In der italienischen Sprachgruppe waren gar nur noch 10 Prozent (-14,5 Punkte) der Meinung, sich auch als Südtirolerin definieren zu können, während der Wert in der ladinischen Sprachgruppe mit 42 Prozent (-9,8 Punkte) deutlich unter die 50-Prozent-Marke fiel.

    Hier ist aber einschränkend festzuhalten, dass 2025 die Antwortmöglichkeiten »italienischsprachige/r Südtiroler/in« und »ladinischsprachige/r Südtiroler/in« nicht mehr zur Verfügung standen, die ich für 2004 und 2014 mit »Südtiroler/in« summiert habe.1in Bezug auf 2014, als bereits Mehrfachnennungen möglich waren, kann sich dies verzerrend auswirken

    Da 2004 noch keine Mehrfachnennungen möglich waren, sind steigende Werte zwischen 2004 und 2014 kaum aussagekräftig. Der zwischen dem ersten und dem zweiten Sprachbarometer gesunkene Wert (85,6% → 83,6%) in der deutschen Sprachgruppe ist es dafür umso mehr: Obwohl die Einordnung als »Südtiroler/in« 2004 exklusiv war, konnten sich damals 85,6 Prozent der Deutschsprachigen dafür entscheiden. Und wiewohl dieselbe Antwort 2014 und 2025 eine unter mehreren hätte sein können, ist der Anteil kontinuierlich (auf nunmehr 78%) gesunken.

    Wachsende »nationale« Zuordnung

    Dagegen ist der Prozentsatz derer, die sich im Sinne des Nationalstaats als »Italiener/in« definieren, stetig gewachsen — in allen Sprachgruppen. In den gut zehn Jahren seit dem zweiten Sprachbarometer von 2014, hat sich dieser Anteil in der deutschen Sprachgruppe sogar mehr als verdoppelt (9,3% → 23%). Damit ist er sogar auf einen noch höheren Wert gestiegen als in der ladinischen Sprachgruppe (13,7% → 21%), wo er noch 2014 höher war als in der deutschen Sprachgruppe.

    In der italienischen Sprachgruppe ist der Anteil derer, die sich explizit als »Italiener/in« identifizieren, noch einmal um über zehn Prozentpunkte angewachsen (59% → 70%). Selbst bei jenen, die sich keiner der drei offiziellen Sprachgruppen zugehörig fühlen, ist dieser Wert deutlich gewachsen, sodass sich in dieser Gruppe nun ein größerer Anteil als »Italiener/in« (17%) denn als »Südtiroler/in« (12%) definiert.

    In der Gesamtbevölkerung identifiziert sich ein schnell wachsender Prozentsatz mit der italienischen Nation, was für Südtirol und den Anspruch auf »interne Selbstbestimmung« als Versagen gewertet werden kann.

    Gemeinsam mit anderen Befunden aus dem Sprachbarometer 2025 (und aus dem Vergleich mit jenen von 2004 und 2014) ergibt sich daraus eine alarmierende Gesamtsituation. Wie schon mit Blick auf die Ergebnisse der letzten Sprachgruppenerhebung werden wir jedoch vermutlich auf klare Reaktionen der Landespolitik vergeblich warten.

    Die Befürworterinnen des Nationalstaats und der nationalen Homogenisierung bzw. Nivellierung können sich hingegen freuen, dass der banale — auch sportliche — Nationalismus gemeinsam mit der erzieherischen Wirkung künstlich hochgespielter Skandale und Polemiken (vgl. 01 02 03) bestens zu wirken scheinen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 || 01 02 03 04 05

    • 1
      in Bezug auf 2014, als bereits Mehrfachnennungen möglich waren, kann sich dies verzerrend auswirken ↩︎


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  • Pressemitteilungen: Rechtes Bozen ›verzichtet‹ auf Deutsch.

    Wer in diesen Stunden die Website der Gemeinde Bozen in ihrer »deutschsprachigen« Version besucht, findet dort direkt auf der ersten Seite unter »Neues aus dem Rathaus« drei Pressemitteilungen. Alle drei sind ausschließlich in italienischer Sprache verfügbar:

    Website der Gemeinde Bozen – Ausschnitt (20. November 2025)

    Dies ist ein eindeutiger Verstoß gegen die geltenden Zweisprachigkeitsbestimmungen. Wohl keine Südtiroler Gemeinde mit noch so großer deutschsprachiger Mehrheit würde sich so etwas anders herum erlauben.

    In Bozen lebt ein relativ großer Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung unseres Landes.

    Offenbar verlieren die italienischen Rechtsparteien, die die Landeshauptstadt seit wenigen Monaten — gemeinsam mit der SVP! — verwalten, mit der weiteren Italianisierung der größten Stadt im Land keine Zeit. Schon früher war es Usus, dass Stadtviertelratssitzungen oder Pressekonferenzen ausschließlich in italienischer Sprache abgehalten wurden. Auch Dienste wie das öffentliche Bikesharing oder die Parkraumbewirtschaftung (Parkscheinautomaten) waren und sind teils nur auf Italienisch verfügbar.

    Wird die deutsche Sprache in der Landeshauptstadt erstgereiht, obwohl die italienische Sprache dadurch keinen Nachteil erleidet und keine Gesetze verletzt werden, führt dies regelmäßig zur Polemik. So bei den Durchsagen in den Bussen des öffentlichen Nahverkehrs oder neulich bei Schriftstücken des Stadtviertels Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Dazu steht das häufig gänzliche Fehlen der deutschen Sprache, das sehr wohl einen Gesetzesverstoß darstellt, in krassem Widerspruch.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 | 08 || 01 02



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  • Tourismus: Kalte Enteignung wichtiger Kompetenzen.
    Minorisierung

    Im Rahmen des italienischen Wiederaufbau- und Resilienzplans wurden die Regionen und die autonomen Länder weitgehend ihrer Zuständigkeiten im Bereich der Tourismusberufe beraubt, so auch Südtirol. Mit Staatsgesetz (Nr. 190) wurde 2023 eine neue, zentralisierte Definition der Fremdenführerin, der Fremdenbegleiterin und der Reisebüroleiterin eingeführt und die Zuständigkeit für Prüfungen, Anerkennungen und Führung von Verzeichnissen an das römische Tourismusministerium übertragen.

    Jetzt hat die Anerkennung ausländischer Qualifikationen über ein zentrales Portal der italienischen Regierung stattzufinden, das ausschließlich in italienischer Sprache existiert. Prüfungen, die nicht mehr in Südtirol abgehalten werden, sondern lange Reisen voraussetzen, werden ebenfalls nicht mehr in deutscher Sprache abgehalten, womit eine abermalige Aushebelung des Minderheitenschutzes einhergeht. Vor wenigen Tagen mussten sich Südtiroler Anwärterinnen nach Turin begeben und waren gezwungen, das Examen auf Italienisch abzulegen.

    Obschon sich das Land Südtirol seit Inkrafttreten der neuen Regelungen de facto aus diesem Zuständigkeitsbereich zurückgezogen hat, scheinen auf der Website der Landesverwaltung sowie im Bürgernetz (Civis) noch immer Informationen auf, wonach das Land für die Reglementierung und Verwaltung der Berufsbilder und Qualifikationen zuständig sei.

    Für Minderheiten ist übrigens nicht nur die Sprache von Bedeutung, in der die Prüfungen abgelegt werden können, sondern auch die Inhalte. Es gehört wohl unzweifelhaft zur Wahrung der kulturellen Eigenart, mitreden zu können, wie Besucherinnen die Realität und die Geschichte dieses Landes vermittelt werden.

    Während aber seit Jahren von der Wiederherstellung der Autonomie geschwafelt und behauptet wird, sie sei die Vollendung der (internen) Selbstbestimmung, ist hiermit ein weiterer wichtiger Bereich quasi stillschweigend zentralisiert und italianisiert worden.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 || 01



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  • Sudtirolo indipendente, possibile modello per l’Unione europea.
    Quotation

    Alcuni membri dell’associazione Noiland nonché co-autori del libro E se il Sudtirolo diventasse uno Stato? — Marco Manfrini, Harald Mair e Matthias Scantamburlo — qualche giorno fa sono stati intervistati da Lanfranco Palazzolo per Radio Radicale.

    Vorrei qui citare alcune affermazioni di Matthias Scantamburlo:

    Io credo che il modello del Sudtirolo stesso, quello che siamo riusciti a creare negli ultimi 50-60 anni, se pure è un modello di divisione etnica, è un modello comunque virtuoso nel senso della pacificazione — e andare verso lo stato indipendente sarebbe proprio andare oltre questa divisione etnica, sarebbe creare un contenitore per riuscire a gestire molto meglio il conflitto centro-periferia, ma anche il conflitto economico tra capitale e lavoro. Quindi adesso non è che abbiamo una ricetta, perché a me non piace parlare di ricette — e a nessuno di noi —, però potrebbe essere un modello, quello dello stato piccolo, non solo per il Sudtirolo ma anche per l’Unione europea stessa.

    – Matthias Scantamburlo

    [N]on siamo andati verso un super stato europeo, ma gli stati nazionali si stanno un po’ sgretolando, però con questo nuovo nazionalismo cercano di prendersi le ultime competenze che sono rimaste, e quindi siamo un po’ in un limbo. Forse creare uno stato piccolo potrebbe essere un modello per uscire da questo problema, da quest’impasse o da questa situazione di stallo a livello anche europeo o mondiale. Sappiamo che gli stati piccoli, se guardiamo [a] tutti gli indicatori economici — la crescita economica, le redistribuzione della ricchezza — sono molto più virtuosi degli stati grandi. E anche a livello democratico gli stati piccoli, se guardiamo [agli] indicatori democratici, sono compatibili con dei modelli molto più esigenti di democrazia, per esempio la partecipazione.

    – Matthias Scantamburlo

    trascrizione ed enfasi mie

    Scantamburlo insegna presso l’Universidad Carlos III de Madrid. L’intervista è stata registrata martedì 18 novembre 2025 alle ore 13.30.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 06 07 08 09 10 11 12



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  • Nach ›Vahrn‹ liefert H&M nix.

    Kürzlich musste ich für einen Angehörigen etwas online bei H&M bestellen. Die Website für Bestellungen ins italienische Staatsgebiet gibt es bei H&M nur auf Italienisch — weder Minderheitensprachen noch die internationale lingua franca Englisch werden berücksichtigt. Dagegen gibt es zum Beispiel den Internetauftritt für Belgien, Finnland, Kanada oder die Schweiz in mehreren Sprachen.

    So weit, so leider nicht ungewöhnlich. Sehr wohl ungewöhnlich gestaltet es sich hingegen bei der Eingabe der Lieferadresse.

    Ich gebe in solchen Fällen in Südtirol eigentlich immer die endonyme »deutsche« Anschrift an. Daraufhin schlagen Portale — eine Art des Mobbings nach dem Motto: »meinten Sie vielleicht folgende ‘richtige’ Adresse?« — zwar manchmal die italianisierte Form vor, doch ich beharre dann auf meine ursprüngliche Eingabe. Einen Nachteil habe ich dabei noch nie bemerkt, weder in Form von Lieferverzögerungen, noch (und schon gar nicht) von fehlgeschlagener Zustellung.

    So habe ich es auch diesmal versucht. Hier ein Screenshot mit geändertem Namen und fiktiver Anschrift, doch egal welche »deutsche« Adresse man in Südtirol angibt, ist das Ergebnis immer dasselbe:

    Ausschnitt H&M-Website – Name und Adresse geändert, Schwärzung von mir

    Auch die H&M-Seite erkennt die eingegebene Adresse, obwohl sie existiert, nicht und bietet an, sie entweder zu ändern oder auf sie zu beharren. Tut man Letzteres, wird jedoch nicht (wie von anderen Anbietern gewohnt) die Sendung einfach an die ursprünglich eingegebene Anschrift versendet. Stattdessen erscheint ein Hinweis, dass die Bestellung »mit den zuvor benutzten Lieferzeiten« gar nicht verschickt werden könne:

    Ausschnitt H&M-Website – Name und Adresse geändert, Schwärzung von mir

    Dieser Hinweis ist insofern missverständlich, als zuvor keine Lieferzeiten ausgewählt wurden und auch keine Möglichkeit besteht, die Bestellung mit geänderten Lieferzeiten doch noch verschicken zu lassen. Stattdessen werden nur noch alternative Zustellmöglichkeiten wie Abholung in der H&M-Filiale, Schließfächer oder Versand an eine Abholstation angeboten.

    Die einzige Möglichkeit, sich die Ware doch noch zuhause zustellen zu lassen, ist eine Rückkehr zur Adresseingabe, wo man wohl oder übel eine italianisierte Anschrift angeben muss. Dann klappt es. H&M verschickt offenbar prinzipiell — also auch auf Risiko des Bestellenden — nichts an Anschriften, die das System nicht erkennt.

    Mit dieser Praxis, die sich auf Minderheiten diskriminierend auswirkt, ist der schwedische Konzern (meinen Beobachtungen zufolge) auf weiter Flur allein.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 | 10



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  • Corrarati fand Fascho-Aktion ›durchaus schön‹.

    In Bezug auf die Aktion der Bozner Neofaschistinnen, die kürzlich in der Landeshauptstadt gewisse Straßennamenschilder mit Trikoloreflaggen verunstaltet haben, zitiert die TAZ den rechten Bürgermeister Claudio Corrarati folgendermaßen:

    Bürgermeister Claudio Corraratti [sic] sieht nur bedingt Handlungsbedarf. Er kennt die Organisation, die hinter der Aktion steht, nicht: „Ich finde die Initiative durchaus schön. Die Tricolore [sic] gehört immer respektiert, das bedeutet aber auch, dass sie nicht zu irgendwelchen Zwecken missbraucht werden darf.“

    Die Gemeindeverwaltung überprüfe derzeit, in welchem Zusammenhang die Flaggen angebracht wurden. Solange es sich um eine einmalige Aktion handle, die keine Provokation darstelle, gebe es aber keinen Grund die Fahnen sofort entfernen zu lassen. Corrarati hat die Stadtpolizei aber bereits angewiesen, die Flaggen zu entfernen, sollten diese mit irgendwelchen extremen politischen Botschaften in Verbindung stehen.

    – Neue Südtiroler Tageszeitung

    Online: 17. November 2025 – Print: 11. November 2025

    Diese heuchlerische Verharmlosung ist wirklich zum Kotzen. Selbst wenn Corrarati Remigrazione e Riconquista — also seine eigenen CPI-Koalitionspartner — nicht gekannt haben sollte, spricht allein schon der Name dieses Vereins Bände. Und sollte ihm zum Zeitpunkt des Interviews der Namen noch nicht bekannt gewesen sein, spricht es in jedem Fall für sich, dass er die Aktion »durchaus schön« fand. Für den Koalitionspartner der SVP ist es also nicht nur kein Skandal, sondern sogar »schön«, wenn Straßennamen, die an Krieg und Kolonialismus erinnern, mit Trikoloreflaggen behangen werden.

    Um das speziell in Südtirol sofort als einen ultranationalistischen Irrsinn zu identifizieren, muss man eigentlich noch nicht einmal wissen, wer die Urheberinnen der Aktion sind. Um »keine Provokation« — wie Corrarati annimmt — könnte es sich wohl nur aus dem Blickwinkel eines unverschämten Verharmlosers von Krieg und (Binnen-)Kolonialismus handeln.

    Ganz offenbar hielt der Bozner Bürgermeister die Aktion aber nicht per se für missbräuchlich — denn seinem eigenen Statement zufolge hätte er sie sonst von Anfang an nicht als »durchaus schön« bezeichnen können. Solange kein Goebbels-Zitat auftaucht, ist wohl alles im grünen Bereich.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 | 05 || 01



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  • Corrarati und die SVP mit ›Remigrazione e Riconquista‹.
    Rechtsextremismus

    Fascists doing fascist things: Die beiden für die Lega in die Bozner Stadtviertelräte Don Bosco und Oberau-Haslach gewählten Vertreter Maurizio Puglisi Ghizzi und Massimo Trigolo sollen zu den 27 »Unterzeichnern« des neofaschistischen, rassistischen Comitato Remigrazione e Riconquista gehören. Darauf weisen die Bozner Grünen hin und fordern vom rechten Bürgermeister Claudio Corrarati und seiner Stadtregierung eine Erklärung. Schließlich gehören die beiden Faschos zur rechtsrechten Ratsmehrheit — an der auch die SVP beteiligt ist.

    Das Comitato Remigrazione e Riconquista war erst kürzlich auch in Bozen mit einer nationalistischen, Krieg und Kolonialismus verherrlichenden Aktion in Erscheinung getreten.

    Anders als die Grünen schreiben, handelt es sich bei Puglisi Ghizzi und Trigolo jedoch nicht um ehemalige, sondern um nach wie vor aktive Mitglieder der ausdrücklich faschistischen Bewegung CasaPound. Da die Faschisten des dritten Jahrtausends jedoch nicht mehr mit ihrem Namen und Logo zu Wahlen antreten, nutzen sie andere Listen — und hier insbesondere jene der Lega, die sich bereitwillig als Plattform zur Verfügung stellt —, um sich in demokratische Institutionen einzuschleusen.

    Remigrazione e Riconquista gilt seinerseits als ein gemeinsames Projekt verschiedener rechtsextremistischer Gruppierungen, darunter neben CasaPound zum Beispiel die Neonazis vom Veneto Fronte Skinhead oder die identitäre Rete dei Patrioti.

    Schon im Vorfeld der Gemeinderatswahl hatten wir auf auf die Verbindungen und personellen Überschneidungen zwischen Corraratis Wahlbündnis und CasaPound hingewiesen, wofür uns in der Folge auch Einschüchterungsversuche der Faschos eingehandelt haben. Die SVP hat sich von einer Zusammenarbeit aber trotzdem nicht abhalten lassen.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 || 01 02 03 04



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