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  • Für ein anderes Südtirol!


    Wagen wir doch das Experiment einer autonomistischen Territorialpartei

    Was für ein Eiertanz! SVP-Obmann Dieter Steger scheinen die Worte und Argumente zu fehlen im Fall des Urzì-Vorschlags einer Neuziehung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland.

    Die vom SVP-Koalitionspartner Fratelli d’Italia geplante Ausgliederung mehrheitlich deutschsprachiger Gemeinden schmeckt nach Gerrymandering à la MAGA. Präsident Donald Trump und seine Republikaner zerschlagen schwarze Wahlbezirke, um »weiße« Wahlsiege zu garantieren.

    Simon betitelte das Urzì-Projekt als »rechts-nationalistisches Gerrymandering«. Erst nach den heftigen Protesten im Unterland, quer durch die politische Landschaft, von den Schützen über die SVP-Bürgermeister, Grüne, Team K bis zum Partito Democratico/Demokratische Partei, versuchte die SVP ihre Position zu klären. Die Volkspartei erschrak ganz offensichtlich über den lautstarken Protest. Die Haltung der Partei im Parlament skizzierte Christoph Franceschini in der Neuen Südtiroler Tageszeitung minutiös nach. Peinlich.

    Es scheint, die SVP hat ihre Bodenhaftung verloren. Bei den eigenen Leuten. Wohl auch deshalb verliert die SVP von Wahl zu Wahl. Ein Grund mehr, sich eine Alternative zur SVP vor- und aufzustellen. Konsequent pro-autonomistisch, sozial, liberal, sprachgruppenübergreifend, grenzüberschreitend nord- und südwärts.

    Ist die genehmigte Autonomiereform erkauft worden? Ist die Neuziehung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland Teil eines möglichen Deals? Politikwissenschaftler Günther Pallaver spricht deshalb von einer Trumpisierung der SVP. Anwalt und Bozner SVP-Kommunalpolitiker Marco Manfrini sieht in der geplanten Änderung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland eine Aufhebung der Paketmaßnahme 111. Diese verpflichtete Italien dazu, dass »die Teilnahme der Vertreter der italienischen und deutschen Sprachgruppen der Provinz Bozen im Parlament im Verhältnis zur zahlenmäßigen Stärke der Gruppen« ermöglicht wird.

    Im Parlament protestierten die Vertreter des Partito Democratico energisch gegen das Vorhaben. In Südtirol setzte sich dieser Protest, von den Schützen auf ihrer Veranstaltung in Tramin kanalisiert, parteienübergreifend fort. Die Argumente mögen unterschiedlich gewesen sein, warum daraus nicht mehr machen?

    Ist es nicht an der Zeit, das politische Schrebergärtentum endlich aufzugeben? Warum rücken Grüne, Team K, Partito Democratico, moderate Südtiroler Rechte nicht zusammen, zu einer Territorialpartei, für Vollautonomie, für eine nachhaltige Sozial- und Wirtschaftspolitik zugunsten der Bevölkerung? Eine Territorialpartei, im Land verankert und verwurzelt, sprachgruppenübergreifend, die auch für SVP-Leute attraktiv wird? Eine autonomistische Territorialpartei, weit abseits von den angeblichen »Patrioten«, die sich inzwischen ungeniert rechtsextrem positionieren, die AfD und die Identitären als Vorbild.

    »Außenpolitisch« gilt der Pariser Vertrag mit seinem klaren minderheitenrechtlichen Auftrag, als Erbe das »Zweite Autonomiestatut« und zum Weiterentwickeln der abgewickelte Autonomiekonvent mit seinen teilweise konträren Positionen. Im Disput — im Land — die Autonomie weiterentwickeln!

    Vollautonomie für Südtirol, Bundesstaat Italien, grenzüberschreitende Regionen als Klammern für die künftigen Vereinigten Staaten von Europa, warum nicht neue Perspektiven andenken, träumen vom anderen Südtirol abseits kleinlicher Paragraphen?

    Die Pragmatiker mögen ihre Köpfe schütteln, das Leben ist kein Wunschkonzert. Aber warum weitermachen wie bisher, sich ständig anpassen, die Autonomie nur mehr mit einer Pinzette weiterentwickeln, wie Ex-Parlamentarier Karl Zeller in der Neuen Südtiroler Tageszeitung empfahl? Erschreckend, wie SVP-Geschäftsführer Karl Pichler Proteste als Eskalation brandmarkt und vor einer maximalen Konfrontation mit Italien warnt. Kritik und Protest, Eskalation, Konfrontation? Also Kuschelkurs, vorzeitige Unterwerfung statt Disput und Widerstand?

    Der Aufruhr im Unterland ist doch ein Zeichen dafür, dass die Bürger:innen ihre autonomiepolitische Lethargie aufgeben. Sie verteidigen einen Wahlbezirk, in dem reale Wahlen stattfinden, ihre Stimmen zählen, Menschen verschiedener Sprachgruppen zusammenschauen. Die Unterlandler:innen verteidigen die Autonomie und die Demokratie. Eskalation, Konfrontation?

    Und, ist in diesem Land nicht einiges schiefgelaufen? Junge Südtiroler:innen, die nicht mehr zurückkehren, wegen dürftiger Löhne, teurer Mieten, hoher Lebenshaltungskosten. Da müssten die Alarmglocken schrillen.

    Das Land ist zu einem Paradies für die Notabeln geworden, die sich die Autonomie für ihre Bedürfnisse richten. Die Autonomie als Steinbruch für jene, die die Zulassung dafür haben.

    Ist es nicht an der Zeit, diesen Zustand zu ändern? Gemeinsam, sprachgruppenübergreifend, strikt autonomistisch für die Leute und für das Land?


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  • Deutsch als Wohlfühlprogramm.

    Ich hatte das Thema vor wenigen Tagen schon in einem Kommentar angeschnitten: Elio Dellantonio, Primararzt i. R. und hochrangiges PD-Mitglied, hat auf Salto einen Beitrag veröffentlicht, mit dem er sich wieder gegen Zweisprachigkeitspflicht und Proporz wendet. Dabei wirft er die beiden Ebenen auch noch in einen Topf, obwohl es sich um zwei voneinander unabhängige Maßnahmen handelt.

    Im Grunde stehen in Südtirol sämtliche Minderheitenschutzvorkehrungen — Zwei-/Dreisprachigkeitspflicht, Proporz, Sprachgruppenerhebung, Ansässigkeitsklausel, muttersprachliche Schule — bis hin zur Minderheitensprache selbst von italienischer Seite permanent und systematisch unter Druck. Auch das Bekenntnis zu einem von der nationalen Einheitsidentität abweichenden Zugehörigkeitsgefühl wird kaum geduldet.

    Jedenfalls aber ist das, was Dellantonio über die Zweisprachigkeitspflicht schreibt, sehr aufschlussreich:

    Der Zweiprachigkeitsnachweis sollte die Kenntnis der Sprachen bescheinigen, die für das Funktionieren einer tatsächlich zweisprachigen öffentlichen Verwaltung erforderlich sind. Stattdessen ist er für einen wachsenden Teil jener, die eine Arbeit im öffentlichen Dienst anstreben, vor allem zu einer formalen Verpflichtung, einem Hindernis und oft zu einem Albtraum geworden. Das Ergebnis ist paradox: Eine Maßnahme, die geschaffen wurde, um die Zweisprachigkeit zu gewährleisten, droht zu einem der Faktoren zu werden, die vom Erlernen und spontanen Gebrauch der anderen Sprache abhalten. Deutsch wird dadurch von einer Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und zur Begegnung mit einer anderen Kultur zu einer formalen bürokratischen Hürde, die es zu überwinden gilt. Zweisprachigkeit sollte genau das Gegenteil sein: eine Kompetenz, die man mit Interesse, Neugier und Natürlichkeit erwirbt, und keine administrative Verpflichtung, vor der man sich fürchten muss. Der Zweisprachigkeitsnachweis hat eine äußerst wichtige symbolische und rechtliche Funktion. Er ist das Instrument, das gewährleistet, dass sich das, was vor hundert Jahren geschah — der Machtmissbrauch, die Demütigung und der Versuch des Faschismus, die Südtiroler Sprache, Kultur und Identität auzulöschen —, nicht wiederholen kann. Dieser Schutz darf jedoch nicht in ein unveränderliches Prinzip verwandelt werden, das einer Realitätsprüfung in der Gegenwart entzogen ist, 80 Jahre nach dem Sturz des Nazifaschismus, der die Gefahr beseitigt hat. Im Gegenteil: Diese Minderheit ist heute eine der am besten geschützten, gefestigsten und wohlhabendsten nationalen Minderheiten Europas und der Welt. Ihre Sprache, Kultur, Autonomie und Vertretung in den Institutionen sind umfassend gewährleistet.

    – Elio Dellantonio (PD)

    Übersetzung von mir (Original anzeigen)

    Il patentino dovrebbe certificare la conoscenza delle lingue necessarie al funzionamento di una pubblica amministrazione realmente bilingue. Invece, per una parte crescente di coloro che aspirano a lavorare nel settore pubblico, è diventato soprattutto un obbligo formale, un ostacolo e spesso un incubo. Il risultato è paradossale: uno strumento nato per garantire la certificazione del bilinguismo rischia di diventare uno dei fattori che disincentivano l’apprendimento e l’uso spontaneo dell’altra lingua, trasformando il tedesco da occasione di crescita e di relazione con un’altra cultura in una barriera burocratica formale da superare. Il bilinguismo dovrebbe essere esattamente il contrario: una competenza da acquisire con interesse, curiosità e naturalezza, non un adempimento amministrativo da temere. Il patentino incarna una funzione simbolica e giuridica importantissima. Esso rappresenta lo strumento che garantisce che ciò che accadde cento anni fa — la prevaricazione, l’umiliazione e il tentativo di cancellazione della lingua, cultura e dell’identità sudtirolese da parte del fascismo — non possa più ripetersi. Tutela, però, che non può essere trasformata in un principio immutabile, sottratto alla verifica della realtà nel presente, a 80 anni dalla caduta del nazifascismo che ha eliminato il rischio. Al contrario, quella minoranza è, oggi, una delle minoranze nazionali più tutelate, solide e prospere d’Europa e del mondo. La sua lingua, cultura, autonomia e presenza nelle istituzioni sono ampiamente garantite.

    – Elio Dellantonio (PD)

    Die Kenntnis der deutschen Sprache — wir brauchen uns gar nicht vorzumachen, dass es auch um die italienische Sprache geht — soll im öffentlichen Dienst also nicht mehr in erster Linie eine Voraussetzung dafür sein, die Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung zu gewährleisten, sondern eine Art Wohlfühlprogramm für die Beschäftigten.

    Mit solch abwegigen Forderungen, die wohl kaum frei von Hintergedanken sind, ist Dellantonio in der italienischen Sprachgruppe nicht alleine.

    Weltweit und auch in Italien dienen Zertifikate ganz selbstverständlich dazu, Sprachkenntnisse nachzuweisen. Das ist, wie jedes Kind weiß, keine Südtiroler Erfindung und kein Alleinstellungsmerkmal. Der Zweisprachigkeitsnachweis soll sicherstellen, dass eine öffentliche Verwaltung, die gesetzlich dazu verpflichtet ist, mit der Bevölkerung in ihrer Sprache zu verkehren, diese Pflicht auch gewährleisten kann.

    Niemand würde auf die Idee kommen, zu verlangen, dass Pilotinnen die zur Berufsausübung erforderlichen Sprachkenntnisse »mit Interesse, Neugier und Natürlichkeit« spontan und ohne Verpflichtung erwerben.. Genauso wenig wird man fordern, dass Prüfungen im Medizinstudium durch freiwilliges Lernen ersetzt werden, um ja niemanden abzuschrecken. Wird dann im Operationssaal schon alles gut gehen.

    Wenn es aber darum geht, die Rechte und den Schutz einer Minderheit zu gewährleisten, wird eine überall sonst völlig übliche Praxis plötzlich zu einer überflüssigen Schikane, einer Art legalisierter Folter, hochstilisiert. In dieser absurden Erzählung stehen nicht die verbrieften Rechte der Minderheit auf einen öffentlichen Dienst im Mittelpunkt, der selbstverständlich auch ihre Sprachrechte und ihre Unversehrtheit zu garantieren hat, sondern die zarten Seelen von Ärztinnen und Pflegepersonal, die sich unverbindlich an der Sprache ihrer Patientinnen »persönlich weiterentwickeln« sollen. Als wäre der öffentliche Gesundheitsbetrieb ein Sommercamp oder ein Wellnessbereich für Medizinerinnen — und nicht in erster Linie eine unerlässliche Dienstleistung für die Bevölkerung.

    Aus dem Privatsektor und aus jenem Teil des öffentlichen Dienstes, für den keine Zweisprachigkeitspflicht herrscht, wissen wir ja, wie gut das mit dem spontanen Erlernen der Zweitsprache funktioniert. Nämlich meistens gar nicht. Auch die Politik, wo die Beherrschung der deutschen Sprache weitgehend der Muse von Landesrätinnen und Abgeordneten überlassen ist, kann als Beispiel dienen.

    Keine Sprachminderheit weltweit überlebt und prosperiert dank des freiwilligen Entgegenkommens der Mehrheitsbevölkerung — jedenfalls nicht ohne klare und einforderbare Schutzmaßnahmen.

    Dellantonio und andere, die ähnlich wie er argumentieren, schlagen auch keine alternativen Mechanismen vor, mit denen die Sprachrechte der Bevölkerung und der Fortbestand der deutschen Sprachgruppe konkret gewährleistet werden könnten. Der ehemalige Primar beruft sich vielmehr ausgerechnet auf den (angeblichen) Erfolg der bestehenden Maßnahmen: Weil die deutsche Sprachgruppe gut geschützt und wirtschaftlich erfolgreich sei, müsse der Schutz gar nicht mehr aufrecht erhalten werden, so die absurde Logik. Diese Einstellung als »minderheitenfeindlich« einzustufen, ist also keineswegs übertrieben, sondern notwendig.

    Auch die Behauptung, der Sturz des Faschismus habe »die Gefahr beseitigt«, ist an Naivität — oder Böswilligkeit — schwer zu überbieten. Die Gefahr für Minderheitensprachen besteht nicht erst dann, wenn versucht wird, sie gewaltsam zu unterdrücken. In Südtirol selbst wurde die faschistische Majorisierungspolitik auch in der Nachkriegszeit munter fortgeführt. Und auch heute stehen weltweit Minderheiten unter Druck, wobei Assimilation in den allermeisten Fällen ziemlich unspektakulär abläuft: Die Mehrheitssprache ist zahlenmäßig stärker, hat einen deutlich besser abgesicherten rechtlichen Status und ist im gesamtstaatlichen Kontext allgegenwärtig. Zudem wird sie von der Minderheit meist deutlich besser beherrscht als deren Sprache von der Mehrheitsbevölkerung.

    Das Wiedererstarken minderheitenfeindlicher und autoritärer politischer Ideologien, wie es auch und gerade in Italien zu beobachten ist, trägt ebenfalls nicht dazu bei, die Lage zu verbessern.

    Genau deshalb reicht es nicht, darauf zu vertrauen, dass die Mehrheit die Minderheitensprache im Sinne eines freiwilligen Entgegenkommens oder aufgrund von Neugier erlernt. Sprachrechte müssen gesetzlich gewährleistet sein, sonst sind sie letztlich vom enden wollenden guten Willen der Mehrheit abhängig.

    Auch eine der am besten geschützten nationalen Minderheiten genießt übrigens nur einen kleinen Bruchteil der strukturellen Absicherung, die einer Mehrheitsgesellschaft in jedem Nationalstaat selbstverständlich zur Verfügung steht — und deshalb steht auch Südtirol so oft in der Defensive.

    Über eine Weiterentwicklung der Schutzinstrumente kann man natürlich gerne diskutieren. Wer sie aber abschwächen oder beseitigen will, ohne gleichwertigen Ersatz anzubieten, nimmt letztendlich die Assimilierung billigend in Kauf.

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Er ist wieder da.


    Am 6. September ist es so weit. Laut Umfragen wird die rechtsradikale AfD die Landtagswahlen gewinnen. Vielleicht verfehlen die Alternativen die absolute Mehrheit, sie werden aber Hilfe bekommen. Von Bürgerlichen, von Teilen der CDU. Oder auch vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Die Geschichte wiederholt sich. In der Weimarer Republik kam es immer wieder zu anti-sozialdemokratischen Allianzen aus KPD und NSDAP.

    Bürgerliche als Steigbügelhalter, wie am 30. Jänner 1933, Adolf Hitler und seine NSDAP wurden von den angeblichen Bürgerlichen als Regierungspartner empfohlen. Zuerst forderten National-Konservative wie Franz von Papen die Einbindung der NSDAP in die Reichsregierung. In diesem Sinne ging die bürgerliche Deutschnationale Volkspartei DNVP – strikt antidemokratisch und antirepublikanisch – mit der NSDAP eine Koalition ein. Der Rest der folgenden braunen Geschichte ist bekannt.

    Förderer Berlusconi

    In Italien förderte der »liberale« Großbürger Silvio Berlusconi den neofaschistischen MSI, indem er diese Partei aus dem Polit-Ghetto holte und in sein Bündnis einband. Die MSI-Nachfolgepartei Fratelli d’Italia regiert seit 2022 die Republik, 100 Jahre nach der Machtergreifung von Benito Mussolini.

    Im Vorlauf zur Machtergreifung von Mussolini paktelten die liberal-konservativen Parteien 1921 mit den erstmals ins Parlament eingezogenen Faschisten. Das war eine Allianz gegen die angebliche rote Gefahr. Ein Bündnis aus Großgrundbesitzern, Industriellen und Wohlhabenden gegen die Linke. Nach seinem »Marsch auf Rom« 1922 bestellte König Vittorio Emanuele Mussolini zum Ministerpräsidenten. Bürgerliche ebneten den Faschisten und den Nazis den Weg zur Macht.

    Schüssel mit Haider

    Der ÖVP-Politiker Wolfgang Schüssel, ein Mann des Wirtschaftsbundes, ging 2000 mit Jörg Haider und seiner rechtsradikalen FPÖ eine Regierungskoalition ein. Die Ironie der Geschichte, die FPÖ profitierte von der Politik der damals noch großkoalitionären ÖVP und SPÖ, die Freiheitlichen als Nutznießer konservativer und sozialdemokratischer Fehler.

    Bei den letzten österreichischen Parlamentswahlen 2024 stimmte ein gutes Drittel der Wählenden für den selbsternannten Volks- und Friedenskanzler Herbert Kickl und seiner putinfreundlichen FPÖ. In der ÖVP waren es bürgerliche Vertreter, wie der Chef der Industriellenvereinigung Georg Knill, die auf eine Koalition mit der Kickl-Partei setzten. Knill, ein Steigbügelhalter für die FPÖ, fragte sich damals die österreichische Tageszeitung Der Standard. Sie, die Wirtschafts-ÖVP und die FPÖ wollten das System oder mit dem System aufräumen, von dem sie bisher satt profitiert hatten, die bürgerlichen Konservativen.

    Favorit Kickl

    Es ist davon auszugehen, dass bei den nächsten Wahlen zum österreichischen Nationalrat die FPÖ weitaus stärkste Partei sein wird. Zu befürchten ist dann auch, dass die ÖVP sich als Koalitionspartner der FPÖ anbiedert.

    Die Geschichte wiederholt sich nicht, die Rechtsradikalen von heute sind keine Faschisten und keine Nazis. An dieses Trugbild klammern sich viele und hoffen, dass sich die Geschichte tatsächlich nicht wiederholt.

    Vox, Rassemblement National, Reform-UK

    Es ist aber ein Trugbild. Die politischen Enkel von General Franco, die Vox, kommen auf 20 Prozent der Stimmen. Mit ihren nationalistischen, anti-baskischen, anti-katalanischen, anti-feministischen und demokratiefeindlichen Slogans treibt Vox die nationalkonservative spanischen Volkspartei PP vor sich her. Die PP, einst gegründet von Franco-Anhängern, ist unter dem Druck der Vox weit nach rechts gerückt. General Franco lässt grüßen.

    In Frankreich rangiert das Rassemblement National, eine angeblich weichgespülte rechtsradikale Partei, bei Umfragen bei 35 Prozent. Auf Platz zwei folgt die Linke mit 24 Prozent. Aus dem bürgerlichen Lager melden sich immer öfter und mehr Politiker:innen, die mit dem Rassemblement liebäugeln. Schafft Frontfrau Marine Le Pen eine Allianz mit den verschiedenen konservativen Listen, wird sie nicht mehr zu schlagen sein. Das beinharte Mehrheitswahlrecht favorisiert eine flächendeckende Ausdehnung des Rassemblements. Das Rassemblement, gegründet von Jean-Marie Le Pen, einem ehemaligen Mitglied der rechten Action francaise, Fallschirmjäger und Holocaustleugner, steht in der Tradition des verrufenen Vichy-Regimes. Verbündet mit Nazideutschland.

    Im pragmatisch-liberalen Großbritannien liegt die rechtsradikale Reform-Partei von Nigel Farage gleichauf mit Labour. Bei 24 Prozent. Auch Farage kann an rechtsradikale Traditionen anknüpfen, an die British Union of Fascists von Oswald Mosley. Er und seine Mitstreiter träumten von einem nationalsozialistischen Großbritannien. Die Erben nennen sich heute Reform-UK, anti-westlich positioniert, dafür pro-russisch, gegen die EU. Covid und Klimawandel gelten für diese »Reformer« als ein großer Schwindel.

    Das »andere« Deutschland

    Wären in Deutschland heute Bundestagswahlen, würde die AfD diese deutlich gewinnen. Deutlich vor der CDU-CSU. In den ostdeutschen Bundesländern – außer Berlin –erreicht die AfD laut Umfragen 40 Prozent. Zweifellos eine Volkspartei. In den westdeutschen Ländern gibt es als Höchstwert 24 Prozent in Rheinland-Pfalz.

    Trotzdem kann sich die AfD deutschlandweit von der CDU-CSU absetzen. Die anderen Parteien der linken Mitte werden zu Außenseitern. Auch hier kann eine Wette eingegangen werden, dass Teile der Christdemokraten in eine Bundesregierung drängen, die entweder von Alice Weidl oder Tino Chrupalla geführt werden wird. Eine Bundesregierung, gestellt von einer Partei, die laut Verfassungsschützer in »Teilen rechtsextrem« ist.

    Die politischen Enkel von Adolf Hitler, die alternativen Deutschen, werden die BRD umkrempeln. Wie ihr Großvater, auch er kündigte für Deutschland ein neues Zeitalter an, wollen die Nachfahren eine Zäsur: »Lasst uns am 6. September Geschichte schreiben«, wirbt der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt um Zustimmung.

    Die Nazis zerschlugen die demokratische Republik und ihre Institutionen. Bei Siegmund klingt dies so: »Wir werden dieses Land vom Kopf auf die Füße stellen.« Er verspricht: »Wir werden richtig loslegen«. Und tatkräftig mit dabei sein wird die »bürgerliche Mitte«. 


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  • Québec: Selbstbestimmung erst nach Trump.

    Laut aktuellen Umfragen stehen die Chancen derzeit sehr gut, dass die sezessionistische Parti québécois (PQ) am 5. Oktober die Wahl zur Assemblée nationale du Québec gewinnen und anschließend den Premierminister stellen wird. Einer der zentralen Punkte ihres Wahlprogramms ist die Durchführung eines dritten Selbstbestimmungsreferendums nach jenen von 1980 und 1995, um herauszufinden, ob die Bewohnerinnen die Umwandlung der heutigen kanadischen Provinz in einen eigenen Staat wünschen.

    Wie bereits beschrieben, unterscheidet sich das Projekt der sozialdemokratischen Parti québécois deutlich von den derzeitigen Unabhängigkeitsbestrebungen in der ebenfalls zu Kanada gehörenden Provinz Alberta.

    Vor wenigen Tagen ließ Paul St-Pierre Plamondon, PQ-Chef und aussichtsreicher Spitzenkandidat, die Öffentlichkeit wissen, dass es während der ersten Jahre einer eventuell von ihm geführten Regierung kein Selbstbestimmungsreferendum geben werde, weil ein solches seiner Ansicht nach nicht während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump stattfinden solle. Die Grundsatzfrage nach der politischen Zukunft von Québec sei mit der politischen Instabilität und Unberechenbarkeit, die der Republikaner vom nahegelegenen Washington aus in die Welt setzt, nicht vereinbar.

    St-Pierre Plamondon versicherte jedoch, dass die Abstimmung weiterhin auf seiner Agenda stehe und er plane, sie während seiner etwaigen Amtszeit als Premierminister, aber nach dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump am 20. Jänner 2029 anzusetzen.

    Scharfe Kritik an den Aussagen des PQ-Chefs übte die linke, ebenfalls separatistische Québec solidaire, die ihm vorwirft, die Zukunft der frankophonen Provinz ganz von der Politik im Nachbarland abhängig zu machen. Was wenn zwar die Ära Trump, aber nicht der Trumpismus zu Ende geht? Würde St-Pierre Plamondon das Referendum durchziehen, wenn zum Beispiel J.D. Vance als Nachfolger von Trump ins Weiße Haus einzöge?

    Cëla enghe: 01 02 03 04 05 06



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  • Feuernacht.
    Rezension eines Theaterabends bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs

    Die Tiroler Volksschauspiele in Telfs haben für die heurige Eigenproduktion im wörtlichen wie im übertragenen Sinne schwere Geschütze aufgefahren. Bei einem Produktionsbudget im siebenstelligen Bereich gibt es jede Menge Sprengstoff und sich die Crème de la crème Tirols (Nord wie Süd) ein Stelldichein.

    “Feuernacht” basiert auf Felix Mitterers legendärem Fernsehseriendrehbuch “Verkaufte Heimat”. Die beiden letzten Episoden des Vierteilers hat Peter Lorenz für eine Bühnenfassung adaptiert, nachdem Teil 1 und 2 bereits vor einigen Jahren von den Tiroler Volksschauspielen in der Südtiroler Siedlung in Telfs inszeniert wurden. Auch für die Uraufführung der “Feuernacht” (Regie: Thomas Gassner) dient die mittlerweile beinahe komplett geschleifte Optanten-Siedlung (die einem neuen Wohnbauprojekt weichen muss) als Kulisse. Das letzte noch verbliebene Gebäude wurde dafür wie ein Spielzeughaus aufgeschnitten und ermöglicht dem Publikum auf der Tribüne (23 seit Monaten ausverkaufte Vorstellungen mit je 850 Zuschauern) tiefe Einblicke in die jüngere Tiroler Geschichte wie auch in die Gedankenwelt der Protagonisten. In der Mitte prangt ein riesiges LED-Display, auf dem einzelne Szenen, die mitunter in der Ferne auf dem weitläufigen Gelände oder außerhalb des Blickfeldes spielen, in expressionistischem Schwarz-weiß live übertragen werden. Nur das Rot des Blutes der Gefolterten und das Rot der Rosen unter der Marienfigur kommen in Farbe. Daneben ein Hügel aus Bauschutt und ein Baukran, der abwechselnd ein Kreuz, Bruchstücke von Metallmasten und einen Tiroler Adler ins Sichtfeld schweben lässt. Es ließen sich unendlich viele Metaphern für das wahrlich imposante Bühnenbild von Raphael Jonathan Hanny finden: die Geschichte als Baustelle, Trümmerhaufen und Puppentheater zugleich.

    Mitterer erzählt die Bombenjahre nicht historisch penibel und akkurat, sondern verdichtet die Geschehnisse der 1960er-Jahre auf das Schicksal dreier fiktiver Familien, das jedoch sehr stark an jenes tatsächlicher Akteure angelehnt ist. So wird aus Sepp Kerschbaumer ein Sepp Rabensteiner (Lukas Lobis) und aus Georg Klotz ein Hermann Tschurtschenthaler (Markus Oberrauch). Die Figur des Carabiniere Ettore Magalone (Lukas Spisser) wiederum spielt wohl – wenn auch weit hergeholt, da er in “Feuernacht” mit der Schwester Tschurtschenthalers verheiratet ist – auf Vittorio Tiralongo an, dessen Ermordung – im Stück wie in der Realität – nie vollständig geklärt wurde. Die Täterschaft wurde den “Puschtra Buibm” zugeschoben, während es Hinweise gibt, dass es sich bei der Tötung auch um einen Inside Job, eine False Flag-Aktion oder eine interne Fehde gehandelt haben könnte. Jedenfalls werden die prägendsten historischen Ereignisse – wie die Sprengung des “Aluminium-Duce” in Waidbruck, die Feuernacht mit dem Tod Giovanni Postals, die Folterung und der Tod Franz Höflers, die Geschehnisse auf den „Brunner Mahdern“ mit der Ermordung von Luis Amplatz und der Verwundung von Georg Klotz durch Christian Kerbler – dramaturgisch adaptiert behandelt. Dazu gesellen sich bis ins Karikaturhafte überzeichnete Darstellungen der Geheimdienstaktivitäten, der neonazistischen Vereinnahmung des BAS sowie der italienischen Exekutivkräfte und des Tiroler Klerus.

    Die Rolle der Frauen ist meist eine kalmierende und auf Nebenschauplätze begrenzte, wie auch Margarete Affenzeller im Standard bemerkt:

    Die Ehefrauen (Brigitte Jaufenthaler, Lisa Laner) werden nicht müde, die Männer von den gefährlichen Sabotageplänen abzuhalten. Viel Text wirft das nicht ab, auch sonst bleiben die Rollen einem alten Geschlechterbild verhaftet. Kurzum, es ist ein Männercast, in dem Frauen keine Akteurinnen sind.

    Wobei das freilich auch daran liegen könnte, dass dieses “alte Geschlechterbild” ziemlich authentisch jenes der 1960er-Jahre in Südtirol widerspiegelt.

    Interessant ist auch die Entscheidung, die italienischen Dialoge – die nicht wenige und sprachlich nicht banal waren – an einem Nordtiroler Spielort unübersetzt zu belassen bzw. nicht zu untertiteln, wenngleich sich aus dem Kontext heraus das Gesagte für Besucher ohne Italienischkenntnisse wohl im Groben durchaus erahnen ließ.

    Ob es feige oder mutig von den Machern war, auf eine Inszenierung, die wie eine moralinsaure Kanzelpredigt daherkommt, zu verzichten, weiß ich nicht. Wohltuend war es allemal. “Wir haben keinen Zeigefinger. Wir haben keine […] moralische Aussage. Mittlerweile jede Wetterfee erzählt dir schon, was du denken, fühlen [musst], was richtig und was falsch ist”, sagt der künstlerische Leiter der Volksschauspiele, Gregor Bloéb, der bei der “Piefke-Saga” und in “Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers” an der Seite seines Bruders Tobias Moretti bereits selbst mehrfach in Mitterer-Werken mit Tirol-Bezug in Erscheinung getreten ist, bei Tirol Heute. Morettis Sohn Lenz und Bloébs Sohn Gustav sind übrigens Teil der Schauspieltruppe. 

    Für das spielfreudige Ensemble war zumindest die gestrige Vorstellung – nicht bloß aufgrund der Länge von fast zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit – Schwerstarbeit. Während die Zuschauer unter dem Flugdach der Tribüne die Aufführung gemütlich im Trockenen verfolgen konnten, wurden die Darsteller bei den Szenen außerhalb des Hauses richtiggehend eingeweicht. Gleichzeitig unterstützten die sintflutartigen Regenfälle die Endzeitstimmung des Stücks, denn die Mimik und Gestik der Schauspielerinnen war aufgrund der großen Entfernungen leider kaum dazu angetan, den drückenden, aber stellenweise doch mit Humor garnierten Inhalt entscheidend mitzutragen. Die Inszenierung bedient sich daher anderer Mittel wie der reportagehaften Live-Kamera mit Close-ups, mächtiger, eindringlicher (Bühnen)-Bildsprache und – vor allem – der eigens von keinem Geringeren als Herbert Pixner komponierten Musik, um das Publikum auch emotional ins Stück zu holen. Zusammen mit Manu Delago, Marco Stagni und Alex Trebo performt Pixner, in einem Kämmerlein oberhalb der Schauspielszenen thronend, bei jeder Vorstellung seinen unverwechselbaren Klang live.

    Dass die Synchronisation des Gesprochenen und der Live-Bilder am LED-Display ziemlich versetzt war, trübte das Erlebnis ein wenig und sollte bei einer Produktion dieser (finanziellen) Größenordnung eigentlich nicht passieren.

    Dennoch ist “Feuernacht” in Summe ein grandioses Ereignis, das anscheinend zeitlose, komplexe Spannungsverhältnisse zwischen Loyalität und Verrat, individueller, lokaler und internationaler Interessen, Heimatverbundenheit und Nationalismus, zivilem Ungehorsam und politischer Gewalt aufzeichnet aber nicht bewertet. Gegen eine politische Instrumentalisierung der Attentäter und BAS-Mitglieder sollten wir uns wehren, meinte Christoph Franceschini, Autor der preisgekrönten Dokumentarreihe „Bombenjahre – Geschichte der Südtirol-Attentate“, in seiner Eröffnungsrede zu den heurigen Volksschauspielen. Urteil gibt es in Telfs also keines. Zumindest nicht auf der Bühne. Vielleicht aber in den Köpfen der insgesamt rund 20.000 Besucher, die ein Ticket ergattern konnten.

    Cëla enghe: 01 02 03 04



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  • Qui siamo in Italia, e quindi si parla Hochdeutsch.

    Gli attacchi alla lingua tedesca in Sudtirolo — e in particolare alle varietà qui effettivamente parlate — vengono ormai portati avanti con una veemenza e a un ritmo finora sconosciuti. Politici di ogni colore, giornalisti, intellettuali e professionisti di lingua italiana sembrano aver scoperto nel dialetto sudtirolese il nuovo grande nemico della convivenza linguistica, e stanno portando avanti una battaglia senza quartiere, sotto la sostanziale apatia (quando non addirittura il sostegno attivo) del mondo di lingua tedesca.

    La vecchia formula «qui siamo in Italia, qui si parla italiano» è diventata difficilmente presentabile e, inoltre, giustamente suscita forti resistenze da parte tedesca. Al suo posto è ora apparsa una versione più elegante: in prima battuta non si mette in discussione il tedesco in quanto tale, ma si contesta il fatto che i sudtirolesi parlino il proprio dialetto, suggerendo di passare allo standard o — appunto — all’italiano.

    Per un appartenente a una minoranza linguistica, indipendentemente da quale si tratti e dal fatto che utilizzi uno «standard» o un dialetto, è già psicologicamente difficile mantenere la propria lingua nel contatto con chi parla la lingua maggioritaria dello stato (cfr.). Una volta che cambia registro, nella stragrande maggioranza dei casi non lo farà per passare da una varietà a un’altra della lingua minoritaria, ma tenderà ad assumere la lingua dell’altro: il termine scientifico è «accomodamento linguistico». E quindi, normalmente, non si sceglierà il tedesco standard, ma l’italiano.

    Chi demonizza il dialetto tedesco in Sudtirolo forse dice di voler raggiungere il Hochdeutsch, ma molto più probabilmente otterrà l’assimilazione.

    Un esempio concreto di come viene portata avanti questa battaglia è l’intervista di Valeria Frangipane con Bruno Fattor, responsabile del servizio diabetologico presso l’ospedale di Bolzano, apparsa sabato sul sito dell’A. Adige con un titolo molto eloquente: «Patentino, altro che tedesco il vero problema è il dialetto».

    Tra le altre cose, Fattor propone di abbassare dal livello C1 al B2 il requisito di tedesco per il personale sanitario, concentrando maggiormente la formazione sul «linguaggio specialistico clinico». Nella stessa intervista, però, ammette di avere personalmente «una certa […] difficoltà a comprendere certe parti del discorso», quando la conversazione con i pazienti esce dall’ambito medico. E racconta che proprio per questo alcuni di loro finiscono per passare all’italiano.

    Se un medico con una certificazione C1 incontra difficoltà nel comprendere il tedesco parlato dai propri pazienti, la soluzione può davvero essere abbassare il livello richiesto? E quando mai a un medico può bastare una conoscenza specialistica della lingua? Deve parlare in tedesco con i pazienti — o solo con altri medici?

    Io personalmente quasi mai, con un medico di madrelingua italiana, ho avuto l’impressione che parlasse il tedesco «troppo bene», tanto da pensare che gli si sarebbe potuto richiedere un livello inferiore. Molto, troppo spesso ho avuto invece l’impressione contraria — e penso di non parlare solo per me.

    La questione diventa ancora più interessante quando Fattor parla esplicitamente del dialetto, con un senso di superiorità linguistica che lascia a bocca aperta.

    Racconta che negli anni ’90 del secolo scorso «il Bauer» (!) si sentiva «mortificato» se non riusciva a farsi capire. Oggi, invece, secondo Fattor, l’uso del dialetto avrebbe assunto «una coloritura prevalentemente identitaria, o politica».

    È difficile non notare il grave problema di questa rappresentazione.

    Perché il dialetto di decine di migliaia di sudtirolesi viene associato al «Bauer»? Perché chi lo parla dovrebbe sentirsi mortificato? E soprattutto: da quando il fatto che una persona utilizzi la propria varietà linguistica costituisce un problema politico?

    Il dialetto non è una deformazione del tedesco, né un residuo folkloristico che può essere tollerato solo nella vita privata. È il tedesco in Sudtirolo, la varietà linguistica utilizzata quotidianamente da decine di migliaia di persone nella comunicazione orale, indipendentemente dal grado di istruzione — medici inclusi! —, in città come nelle zone rurali. Allo stesso modo in cui in un paese plurilingue come la Svizzera si parla lo svizzero tedesco, anche in situazioni molto più formali che in Sudtirolo.

    Fattor arriva a sostenere che si possa «essere fieri del proprio dialetto da conservare (!) in un contesto “privato” di vita sociale», mentre nella vita professionale e nei rapporti con le istituzioni servirebbero «lingue scolastiche “ufficiali”».

    Qui emerge una concezione della lingua da far rabbrividire.

    Il tedesco che i sudtirolesi parlano realmente viene accettato finché rimane relegato alle proprie quattro mura e al proprio gruppo di amici. Quando entrano in ospedale, in municipio o in un’altra istituzione, dovrebbero invece trasformarsi in parlanti di una varietà diversa, quella appresa a scuola.

    Ma il paziente non è un candidato al patentino. Non ha il compito di dimostrare al medico di saper parlare quello che lui ritiene il tedesco «corretto». Può certamente farlo, ma al contempo deve avere il diritto di essere compreso nella lingua nella quale riesce a esprimersi meglio, soprattutto quando è malato, anziano, spaventato, sotto choc o stress, o comunque in una situazione di particolare vulnerabilità. Altroché questione identitaria. Dover spiegare questa cosa a un medico mi spaventa.

    Dipingere il dialetto come un ostacolo da eliminare è già discutibile sul piano linguistico e culturale. In sanità, però, diventa anche una questione di qualità e sicurezza dell’assistenza. La capacità di comprendere correttamente un paziente è fondamentale e non dipende certo solamente dalla conoscenza del lessico specialistico. Dipende dalla capacità di comunicare con una persona reale, nelle condizioni concrete in cui si trova, e non ultimo dall’empatia, che — nel caso specifico — nei confronti di chi parla dialetto non mi sembra particolarmente sviluppata.

    Invece di restringere la formazione al linguaggio clinico, un approccio aperto, moderno dovrebbe portare ad allargarla alla varietà effettivamente parlata dalla popolazione.

    E qui arriviamo a un altro passaggio significativo dell’intervista. Fattor racconta che, durante le visite alle quali assistono studenti provenienti dalla Germania, chiede ai pazienti sudtirolesi di parlare in Hochdeutsch, perché gli studenti — se non sono bavaresi — spesso non comprendono il dialetto locale. In queste situazioni, aggiunge, capita che sia necessario che un «Walsche[r]» come lui traduca in «tedesco ufficiale (!)».

    È un modo curioso di intendere le priorità. Non è il medico o lo studente a dover (imparare a) comprendere il paziente, ma quest’ultimo a dover modificare il proprio modo di parlare affinché il medico o lo studente non facciano fatica.

    Una curiosità sorge spontanea: in presenza dei famosi studenti tedeschi, Fattor chiede anche ai propri pazienti di lingua italiana di parlare in tedesco (standard), se lo sanno, oppure è un trattamento riservato a quelli di lingua tedesca?

    A un certo punto concede che in Sudtirolo la conoscenza del tedesco è «certamente imprescindibile», ma afferma che sarebbe altrettanto necessario «un cambio di paradigma culturale radicale (!) da parte del mondo sudtirolese». Stupisce con quanta spocchia, ancora una volta, un rappresentante della maggioranza nazionale si arroghi il diritto di stabilire quale sia il paradigma culturale «corretto» per la minoranza linguistica.

    Fattor spiega poi che, nel caso del diabete gestazionale, il 70 per cento delle pazienti necessita di mediazione in urdu, arabo o curdo, che viene fornita. E, bontà sua, dice di non vedere alcun impedimento a fornire un simile aiuto anche ai «pazienti sudtirolesi in difficoltà linguistica», che sarebbero «veramente pochi».

    È naturalmente positivo che il servizio sanitario garantisca mediazione linguistica a chi ne ha bisogno. Ma il ragionamento evidenzia una questione di non poco conto: il tedesco dei sudtirolesi, per i quali il plurilinguismo ufficiale e le varie tutele sono stati istituiti, è ormai visto come una qualsiasi lingua straniera?

    E chi sono quei tedeschi che non hanno «difficoltà linguistica»? Quelli che abbandonano la propria lingua per adeguarsi a quella del medico, con tutti i gravi rischi che ciò comporta? È questo lo stato ideale, da raggiungere?

    Proviamo anche solo un attimo a immaginare affermazioni simili da parte di un medico di lingua tedesca, riferite ai propri pazienti di lingua italiana. Gli ispettori del ministero non tarderebbero ad arrivare.

    La vecchia richiesta di assimilazione — il già citato «qui siamo in Italia» — non è dunque stata accantonata, ma si è arricchita di un passaggio che la rende meno evidente e per questo meno attaccabile. Il tedesco va bene, ma non quello che parlate voi.

    Il dialetto diventa un espediente per mettere in discussione indirettamente la piena legittimità del tedesco, mentre l’italiano viene dipinto come una lingua franca «naturale», omettendo le gerarchie linguistiche strutturali e storiche, di tipo coloniale, che portano molti a preferirlo al tedesco standard nella comunicazione tra i gruppi. (L’assenza di un dialetto comune al gruppo linguistico italiano, tra l’altro, è dovuto proprio a questo passato.)

    Quando si pretende che il dialetto venga confinato alla sfera privata, quando lo si associa all’arretratezza, quando si considera una richiesta accettabile che un paziente debba «tradursi» per essere compreso e quando contemporaneamente si propone di ridurre i requisiti linguistici per chi lavora nella sanità, è legittimo chiedersi quale sia la concezione della convivenza linguistica che sta dietro a tutto ciò.

    L’idea che una lingua minoritaria sia accettabile soltanto quando anche nella forma orale si avvicina sufficientemente a uno standard codificato, quando viene parlata nel modo preferito dalla maggioranza e soprattutto quando non costringe quest’ultima ad impararla anche solo passivamente, la dice lunga.


    Mi sorprende che dal mondo politico, mediatico e scientifico di lingua tedesca non si risponda per le rime a questi attacchi ormai quasi quotidiani, volti a rassicurare gli italiani che non vogliono imparare il tedesco e a mortificare i tedeschi in modo che, sempre più spesso, accettino di rinunciare alla propria lingua. Da parte tedesca vedo quasi solo rassegnazione, rinnegamento dei propri diritti e, a volte, adesione attiva al suprematismo.

    E c’è poi un’altra questione, più concreta. L’intervista è stata pubblicata dall’A. Adige, testata edita da Athesia. Alla luce anche della sua storia, sarebbe interessante sapere se l’editore ritenga davvero accettabile che il proprio quotidiano veicoli — regolarmente — una rappresentazione del tedesco sudtirolese e dei suoi parlanti come quella proposta nell’intervista, senza contraddittorio.

    Infine, forse sarebbe opportuno che anche l’Azienda sanitaria prendesse posizione su esternazioni di questo tipo. Non per mettere in discussione la libertà di opinione di un medico, ma perché qui non si parla soltanto di opinioni private: vengono messi in discussione principi fondamentali della comunicazione tra personale sanitario e pazienti, che toccano la qualità dell’assistenza e i diritti sanciti dalla legge. Quando un professionista parla pubblicamente del rapporto con i propri pazienti in questi termini, è lecito chiedersi se una presa di posizione dell’azienda non sia doverosa anche per tutelare l’immagine e la credibilità del servizio sanitario pubblico.

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